Analyse

Wie Sondereffekte schon seit Jahren den Aareal-Gewinn aufplustern

29. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Im „Deutsche Commerz“-Kontext war zuletzt ja viel vom „Badwill“ (bzw. vom „negativen Goodwill“) die Rede. Prinzip, sofern wir es richtig verstanden haben: Wenn die Deutsche Bank die Commerzbank übernimmt, dann könnte es sein, dass sie sich deren üppigen Buchwert bilanziell gutschreiben darf und diesem Buchwert lediglich den (vermutlich deutlich niedrigeren) Kaufpreis entgegenstellen muss. Wodurch dann sozusagen Eigenkapital entsteht.

Jedenfalls: Wie die Kollegin Osman vom „Handelsblatt“ in einem erhellenden Stück zu der Thematik neulich schrieb, gehört zu den fleißigen Anwendern dieses Prinzips die Aareal Bank – was wir, da die Aareal Bank gestern ihren 2018er-Geschäftsbericht vorgestellt hat, einfach mal zum Anlass genommen haben, nachzusehen: Wie viel von den Gewinnen, die der Wiesbadener Immobilienfinanzierer in den letzten Jahren „erwirtschaftet“ hat, kam denn eigentlich aus „Badwill“? Voilà:

Aufgeschlüsselter Vorsteuergewinn der Aareal-Bank:

Man sieht: Besonders hoch war der Gewinn der Aareal Bank 2014 (inkl. 154 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Corealcredit) und 2015 (inkl. 150 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Westimmo), doch auch 2018 hat sich der MDax-Konzern einen ordentlichen Schluck aus ebendieser Pulle gegönnt (55 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Düsselhyp).

2016 und 2017 konnte die Aareal Bank zwar mangels Zukäufen sozusagen unterbewerteter Unternehmen keinen negativen Goodwill verbuchen – dafür kommt ausgerechnet in diesen beiden Jahren (wie der Zufall es halt manchmal so will …) der sozusagen operative Gewinn ganz gut daher. Allerdings waren auch hier gewisse, nun ja, Effekte im Spiel. 2017 hievte ein „sonstiges betriebliches Ergebnis“ in Höhe von 74 Mio. Euro den Vorsteuergewinn über die 300-Mio.-Euro-Linie (basierend auf „sonstigen betrieblichen Erträgen“ in Höhe von 168 Mio. Euro, darunter 62 Mio. Euro Erträge aus Immobilien und 83 Mio. Euro Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen). Und 2016? Trieben Einmalerlöse u.a. aus dem Verkauf der Tochter Aqvatrium (61 Mio. Euro) das Ergebnis in die Höhe.

Mal sehen, was vom Aareal-Gewinn noch übrigbleibt, wenn das mal alles wegfallen sollte.

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