Exklusiv

Wie viel die Sparkasse KölnBonn für ihre (Ex-)Vorstände berappt

28. Juni 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Bei der zweitgrößten deutschen Sparkasse, also der aus Köln-Bonn, werden die Aufwendungen für amtierende und frühere Spitzenkräfte allmählich zu einem ernsten Problem. Im vergangenen Jahr belasteten Bezüge und frisch gebildete Pensionsrückstellungen für Vorstände und Ex-Vorstände das Ergebnis laut Recherchen von Finanz-Szene.de mit fast 14 Mio. Euro (genau genommen legen unsere Berechnungen nahe, dass es sogar knapp 18 Mio. Euro waren – hier widerspricht das Kölner Institut allerdings vehement).

Zur Einordnung: Der Jahresüberschuss der Sparkasse belief sich 2018 auf gerade einmal 24,2 Mio. Euro – und der war sogar geprägt durch positive Einmaleffekte wie den Verkauf einer Immobilie und die Vereinnahmung alter Spareinlagen (siehe unsere Berichterstattung vom 11. Juni). Heißt also: Der Gewinn wurde durch die Zahlungen für Vorstände und Alt-Vorstände maßgeblich reduziert.

Hier nun unsere Rechnung, wie sich die ermittelten knapp 14 Mio. Euro zusammensetzen:

[Anmerkung, 29. Juni 2019: Zu unserer Rechnung finden Sie unter dem Text noch eine nachträgliche Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn, eine Entgegnung unsererseits auf ebendiese Stellungnahme und dann doch einmal eine – allerdings kurze – Entgegnung der SparkasseKölnBonn hierauf]

  • 3,4 Mio. Euro waren die regulären Bezüge des Vorstands
  • 1,6 Mio. Euro waren Zuführungen zu den Pensions-Anwartschaften amtierender Vorstände (wobei es sich hier um eine Saldogröße handelt, da in Bezug auf zwei Vorstände keine Rückstellung zugeführt, sondern entnommen wurden)
  • 1,5 Mio. Euro ergaben sich aus Anpassungen aus dem sogenannten BilMoG, das ist die Abkürzung für das Bilanzrechts-Modernisierungs-Gesetz. Auch diese Zahl bezieht sich auf den amtierenden Vorstand
  • 7,3 Mio. Euro waren Belastungen, die in irgendeiner Form mit Zahlungen/Rückstellungen für ehemalige Vorstände zu tun hatten.

Diese 7,3 Mio. Euro wollen wir gesondert erklären:

Im 2018er-Geschäftsbericht findet sich die Passage:

„Den früheren Mitgliedern des Vorstandes und deren Hinterbliebenen wurden Gesamtbezüge in Höhe von 3.143,0 TEUR gewährt, davon betrafen keine Leistungen die aktive Geschäftstätigkeit. Für diese Personengruppe bestehen Pensionsrückstellungen in Höhe von 52.350,2 TEUR.“

Eine entsprechender Absatz stand auch schon im 2017er-Abschluss, da war die zweite Zahl jedoch noch deutlich niedriger:

„Den früheren Mitgliedern des Vorstandes und deren Hinterbliebenen wurden Gesamtbezüge in Höhe von 2.906,4 TEUR gewährt, davon betrafen keine Leistungen die aktive Geschäftstätigkeit. Für diese Personengruppe bestehen Pensionsrückstellungen in Höhe von 38.583,8 TEUR.“

  • Aus den beiden Bestandsgrößen von 38,6 Mio. Euro in 2017 und 52,4 Mio. Euro in 2018 ergibt sich ein Delta von 13,8 Mio. Euro.
  • Hiervon sind aber nun Rückstellungen in Höhe von rund 5,5 Mio. Euro abzuziehen, die für die Pension des früheren Vorstandschefs Artur Grzesiek gedacht sind. Grzesiek war Ende 2017 aus dem Amt geschieden. Als Anwartschaft tauchten die fünfeinhalb Mio. Euro in jedem Jahr noch als „Rückstellung für aktive Mitglieder des Vorstands“ im Geschäftsbericht auf. 2018 wurde die Summe dann in die „Rückstellung für frühere Mitglieder des Vorstands“ umgebucht.  Eine neue Belastung ergab sich mithin nicht.
  • Also sind wir „nur“ noch bei 8,2 Mio. Euro. Nun gibt die Sparkasse KölnBonn (mit der wir in den vergangenen Tagen einen regen, freundlichen Mailverkehr gepflegt haben) an, dass von dieser Summe weitere 4,0 Mio. abzuziehen seien. Begründung: Bei einem weiteren Vorstand, nämlich dem 2018 ausgeschiedenen Christoph Siemons, habe es denselben Umbuchungseffekt gegeben wie bei Artur Grzesiek. Rechnerisch nachvollziehen lässt sich das auf Basis der Geschäftsberichte unserer Ansicht nach nicht (bzw.: rechnerisch stellt es sich für uns sogar explizit anders dar). Aber natürlich glauben wir der Sparkasse, dass es so war, wie sie sagt.  Sind wir also bei 4,2 Mio. Euro.
  • Nun ist jedoch noch ein Punkt zu berücksichtigen. Den ehemaligen Vorständen und ihren Hinterbliebenen wurden im vergangenen Jahr (siehe das obere der beiden Zitate aus dem Geschäftsbericht) ja ohne Zweifel 3,1 Mio. Euro tatsächlich ausgezahlt. Dieses Geld muss man aus unserer Sicht zwingend zu den 4,2 Mio. Euro hinzuaddieren. Auch hier widerspricht die Sparkasse Köln – allerdings würden wir an dieser Stelle unseren mathematischen Grundkenntnissen dann doch vertrauen wollen.

Und das ist also, wie wir auf die besagten 7,3 Mio. Euro kommen.

Freilich weist die Sparkasse KölnBonn mit gutem Recht darauf hin, sie orientiere sich bei den Vorstandsgehältern „an den Empfehlungen unseres Sparkassenverbandes, schöpfen diese jedoch nicht aus und liegen unter den entsprechenden Empfehlungen“. Und, noch ein wichtiger Punkt: Bei den von uns ermittelten fast 14 Mio. Euro GuV-Belastung spielen Einmaleffekte vermutlich eine wichtige Rolle. Denn die „BilMoG“-Belastung für die aktuellen Vorstände dürfte sich so nicht wiederholen. Und auch die  Explosion der Pensionsrückstellungen für die  Alt-Vorstände müsste z.T. auf Einmaleffekte zurückgehen (die wiederum mit den extrem niedrigen Zinsen zu tun haben).

Doch trotz solcher Einschränkungen: Auch wenn die Belastungen in diesem Jahr niedriger sein dürften, fragt sich, wer den Geschäftsbericht liest, wie manche der dort genannten Zahlen zu  einem Geldinstitut passen, dessen operative Ertragskraft in den vergangenen Jahren geradezu erodiert ist (an dieser Stelle nochmal der Hinweis auf unsere Berichterstattung vom 11. Juni).

Ein paar Beispiele:

  • Sind 52,4 Mio. Euro Pensionsrückstellungen für Ex-Vorstände und deren Hinterbliebene nicht ein ganz schön dickes Brett? Weil: Soooo viele Ex-Vorstände kann so eine Sparkasse ja eigentlich gar nicht haben, nicht einmal die Kölner Sparkasse, auch wenn bei ihr eine gewisse Fluktuation auf Vorstandsebene zu herrschen scheint
  • Auch die fünfeinhalb Mio. Euro Rückstellung für einen einzigen Ex-Vorstand (siehe oben) muten üppig an …
  • … genau wie die im Geschäftsbericht explizit aufgeführten 1,1 Mio. Euro Zuführung zu den Pensions-Rückstellungen für einen weiteren Vorstand
  • Der heutige DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl wiederum schied zwar schon Ende Februar 2016 aus dem Vorstand der Sparkasse KölnBonn aus, kassierte 2018 allerdings trotzdem noch eine „Ergebniszulage“ (auch wenn die mit rund 28.000 Euro den Geißbock nicht fettmachte)

„Et hätt noch immer jot jejange“, sagt der Kölner. Ob das auch für seine Sparkasse gilt, wird sich zeigen.

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Ergänzung: Nach Erscheinen des Textes hat die Sparkasse KölnBonn (mit der wir auch vor Erscheinen des Textes im Austausch standen) noch einmal Stellung genommen. Und zwar wie folgt:

„Die Belastungen des Jahresergebnisses der Sparkasse KölnBonn aus Zuführungen zu Pensionsrückstellungen für amtierende und ehemalige Vorstände im Geschäftsjahr 2018 betragen in einer Nettobetrachtung nicht fast 14 Millionen Euro, sondern ca. 6,4 Millionen EUR. Diese ergeben sich aus folgenden Effekten:

  • Nach einem üblichen Verfahren werden jährlich die Lebenserwartungs-Prognosen für amtierende und ehemalige Vorstände angepasst. Aufgrund der weiter steigenden Lebenserwartung erhöhte sich der Rückstellungsbetrag insgesamt um rund 0,7 Mio. Euro. 
  • Aufgrund einer Änderung des Bilanzrechtes im Rahmen des Bilanzrechtsmodernierungsgesetzes wurden rein buchungstechnisch weitere Zuführungen von rund 1,5 Mio. Euro vorgenommen. Hierbei handelt es sich um eine einmalige Umstellung der Buchungsmethodik. 
  • Darüber hinaus waren für amtierende und bereits pensionierte Vorstände netto Zuführungen in Höhe von 4,2 Mio. € erforderlich. Die im Geschäftssjahr 2018 getätigten Auszahlungen für bereits pensionierte Vorstände wurden hierbei bereits abgezogen. Die Berechnungsmethodik für Pensionsrückstellungen erfolgt nach klaren Reglungen auf Basis vorgegebener Zinssätze. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sinken die Zinsen weiter. Um die für die Zukunft garantierten Auszahlungsbeträge sicherstellen zu können sind bei einer niedrigeren Verzinsung die Rückstellungsbeträge jährlich entsprechend zu erhöhen. Die Zuführungen sind hauptsächlich auf diese Entwicklung zurückzuführen.“

Zu der Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn merkt wiederum Finanz-Szene.de an:

  • Wir sind nicht der Ansicht behauptet zu haben, die Zuführungen zu Pensionsrückstellungen hätten das Jahresergebnis mit fast 14 Mio. Euro belastet. Unsere Formulierung lautete (die Fettung haben wir hinzugefügt): „Im vergangenen Jahr belasteten Bezüge und frisch gebildete Pensionsrückstellungen für Vorstände und Ex-Vorstände das Ergebnis laut Recherchen von Finanz-Szene.de mit fast 14 Mio. Euro“
  • Die Sparkasse KölnBonn sagt, in ihrer Rechnung seien die im Geschäftssjahr 2018 getätigten Auszahlungen für bereits pensionierte Vorstände „bereits abgezogen“ worden. Das ist genau der Grund, warum wir diese Belastungen in unserer Rechnung hinzuaddiert haben (siehe hierzu weiter unten noch einmal, was die Sparkasse Köln auf diese Entgegnung unsererseits sagt?)
  • An einem Punkt unserer Rechnung sind wir im Nachhinein unsicher – und zwar betrifft dies unsere Behauptung (nachträgliche Fettung unsererseits): „1,5 Mio. Euro ergaben sich aus Anpassungen aus dem sogenannten BilMoG, das ist die Abkürzung für das Bilanzrechts-Modernisierungs-Gesetz. Auch diese Zahl bezieht sich auf den amtierenden Vorstand.

Erläuterung: Wir hatten uns hierbei auf folgende Passage im Geschäftsbericht der Sparkasse KölnBonn gestützt: „Für die Mitglieder des Vorstands beläuft sich der Barwert der Pensionsansprüche auf insgesamt 10.547,6 TEUR. Für noch nicht gebildete Rückstellungen aus der Neubewertung nach dem BilMoG wurde der noch offene Restbetrag von 1.476,7 TEUR zugeführt.“

Heißt: Aus dem Kontext sollte sich eigentlich ergeben, dass es hier um die amtierenden Mitglieder des Vorstands geht – denn immer wenn der Geschäftsbericht von den „früheren“ bzw. „ehemaligen“ Vorständen handelt, werden diese auch konkret so bezeichnet. Wir verstehen die Sparkasse KölnBonn jetzt so, dass sich der „offene Restbetrag“ in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro jedoch zumindest anteilig bzw. größtenteils auf die Ex-Vorstände bezieht, auch wenn sich das so aus dem Kontext des Geschäftsberichts nicht ergibt. Wenn dem so ist, müssten wir diesen Anteil von der von uns ermittelten Summe abziehen.

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So, und danach ist aber auch gut – hier noch wie weiter oben angekündigt die finale Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn zu zweiten Bullet Point unserer Entgegnung:

„Ja, in der Bruttobetrachtung haben Finanz-Szene.de Recht, d.h. zu den von uns genannten 4,2 Mio. EUR Nettozuführung zu Rückstellungen für amtierende und ehemalige Vorstände sind die 3,1 Mio. EUR hinzuzurechnen. Aber auch für die Gesamtzuführung von 7,3 Mio. EUR gilt, dass diese in der Hauptsache auf die genannten zinsbedingten Anpassungseffekte zurückzuführen sind.“

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