Exklusiv

Zinsen? Immos! Das Gewinn-Wunder der Degussa Bank

26. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Die Geschäftsberichte vieler deutscher Bank bieten ein trauriges Bild dieser Tage. Umso schöner, wenn man auch mal auf ein Geldinstitut trifft, bei dem es 2018 so richtig gebrummt zu haben scheint. Um satte 260% (!) hat die Degussa Bank AG im vergangenen Jahr ihren Gewinn  gesteigert. In absoluten Zahlen lag des Jahresüberschuss bei 47 Mio. Euro. Durchaus auskömmlich gemessen an einer Bilanzsumme von  6,2 Mrd. Euro.

Gibt es also doch noch Banken mit einem funktionierenden Geschäftsmodell? Naja, hängt davon ab, was man unter einem funktionierenden Geschäftsmodell versteht. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich nämlich: Aus dem Zins- und Provisionsüberschuss (addiert im Vergleich zum Vorjahr um 1% runter) kam das fulminante Gewinnplus eher nicht.

Doch woher dann? Mehr dazu gleich. Erst ein klein bisschen Hintergrund. Denn Degussa Bank … – das hat man zwar schon öfter mal gehört. Aber was macht das Institut genau?

Also, die Degussa Bank ist größer, als man meint, sie kommt auf rund 1 Mio Kunden (und damit mehr als doppelt so viele wie die Apobank, und die ist immerhin die größte einzelne Genossenschaftsbank hierzulande). Dass man die Degussa Bank trotzdem kaum wahrnimmt, liegt daran, dass sie keine klassischen innenstädtischen Filialen unterhält, sondern  141 sogenannte „Bank Shops“– von denen sich die meisten auf den Werksarealen von Partnerunternehmen wie Nestlé, Opel, Bayer, Fraport oder Merck befinden.

Mithin: ein Geschäftsmodell (oder zumindest ein Vertriebsmodell) sui generis. Was der Grund gewesen sein mag, warum der zwischenzeitliche Eigentümer, nämlich die ING Diba,  die Degussa  Bank 2006 an ein Konsortium rund um MM Warburg verkaufte.  Bald darauf wurde die Degussa Bank allerdings aus der Hamburger Privatbank wieder herausgelöst. Deren Eigentümerfamilien Warburg und Olearius halten die Anteile an Degussa heute jeweils direkt, zusammengerechnet gehört ihnen die Mehrheit.

Bei aller Eigentümlichkeit hat die Degussa Bank freilich die typischen Probleme, wie man sie auch  von anderen Banken mit Filialstrukturen kennt: Die Einlagen steigen (2018: +11%). Doch bei Zinsen und Provisionen (s.o.) spiegelt sich das Wachstum nicht wider, und der Verwaltungsaufwand (2018: -1% auf 100 Mio. Euro) will trotz Personalabbaus nicht so recht sinken. Wegen Digitalisierung, Regulierung, Abwicklungskosten und so fort.

Und dann trotzdem ein Zuwachs von 260% beim Gewinn?!

Was so kam: Wie fast überall, wo die Familien Warburg/Olearius mitmischen, geht es auch hier – um Immobilien. Denn unter dem Dach der Degussa Bank befindet sich ein Unternehmen namens Industria Wohnen. Und das hat 2018 einen hübschen Einmalertrag von knapp 73 Mio. Euro erwirtschaftet.

Wie? Mit dem „Verkauf eines Immobilien-Spezialfonds im Auftrag der Anleger.“ Wörtlich heißt es im Geschäftsbericht: „Aus Geschäftsbesorgungsverträgen stehen der Industria Wohnen für diese Transaktion vertraglich vereinbarte Verkaufsprovisionen und erfolgsabhängige Asset-Management-Vergütungen (Performance Fees) zu.“

Über 90% des Vorsteuerergebnisses entfielen somit auf die eher bankenferne Tochter. Ohne jenen Sonderertrag lag der Gewinn der Degussa Bank rein rechnerisch bei 6 Mio. Euro und mithin 70% unter dem ohnehin schon eher mauen Vorjahr.

Wobei fairerweise angemerkt sei, dass die Degussa Bank den Geldregen womöglich genutzt hat, um  Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft in Höhe von 11 Mio. Euro vorzunehmen. Warum womöglich? Weil wir die Degussa Bank gefragt haben, wie denn das Ergebnis ohne den Sondereffekt ausgefallen wäre, aber keine Antwort erhalten haben.

Freuen dürfen sich gleichwohl die Familien Warburg und Olearius: Aus dem Jahresüberschuss flossen nämlich nur 15 Mio. in Rücklagen. Dagegen wurden 32 Mio. Euro an die Aktionäre ausgekehrt.

Derweil bekommen Kunden auf der Startseite der Degussa Bank aktuell prominent und frontal einen Anlagevorschlag unterbreitet: Den Immobilien-Publikumsfonds „Fokus Wohnen Deutschland“.

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