Kurz gebloggt

Comdirect eifert der Mutter nach – in Sachen Ertragsschwäche

2. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, auch in der Quartalsberichterstattung. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht drückt die Comdirect indes verbal besonders fest auf die Tube und gibt allen, die ungern in langweiligen Tabellen lesen, die Interpretation gleich mal mit auf den Weg: „Sehr starkes Wachstum zum Jahresauftakt“… „comdirect ist eine Wachstumscompany“… „stärkstes Neukundenwachstum seit zehn Jahren“. Zehn mal taucht der Begriff „Wachstum“ auf. Im jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht finden sich nicht weniger als 94 Fundstellen.

Die Geschichte des Wachstums stimmt natürlich. Im ersten Quartal verzeichnete die Comdirect mehr Kunden (+84.000), mehr Depots (+62.000), mehr Girokonten (+52.000) und deutlich mehr B2C-Kundenvermögen  (+11% auf nunmehr 69 Mrd. Euro).

Allein, was nutzen all‘ die neuen (teuer geworbenen) Kunden und das viele Geld, wenn man es nicht in steigende Gewinne drehen kann?

Beim Ergebnis vor Steuern geht es zum Vorjahresquartal um 38%, beim Konzernüberschuss 34% runter auf nur noch 14 Mio. Euro. Weil, und das kommt uns bekannt vor, die Verwaltungs-Aufwendungen steigen (Begründung: „zusätzliche Vertriebsaufwendungen“) bei zugleich sinkenden Erträgen.

Warum bekannt? Weil die Geschichte mit der starken Fixierung auf das Kundenwachstum seit Jahren auch die der Mutter Commerzbank ist, die mit 82% Aktienanteil durchregiert. Und bei Mutter wie Tochter starke Belege dafür fehlen, dass die Banken in der Lage sind, dieses Kundenwachstum auch in steigende Erträge und vor allem Gewinne umzumünzen.

Die Cost-Income-Ratio, eine simple Kennziffer, die den Aufwand in Relation zum Ertrag misst, liegt bei der Comdirect nunmehr schon vier Quartale in Folge bei deutlich über 80%, zuletzt bei 86%. Das ist eine höherer Wert als zuletzt die Mutter Commerzbank aufwies, die am 8. Mai über ihr erstes Quartal berichtet.

Cost-Income Ratio von Commerzbank und Comdirect seit 2016

Die Eigenkapitalrendite nach Steuern liegt nun bei der Comdirect bereits vier Quartale in Folge unter 10% – und das, obwohl die Bank aufgrund ihres defensiven Geschäftsmodells und als „nachgeordnetes Institut“ im Commerzbank-Konzern sehr laxe Kapitalanforderungen (Eigenkapitalquote zuletzt: 2,4 Prozent!) genießt.

In den letzten zehn Jahren hat die Comdirect tatsächlich imposante Wachstumsraten verzeichnet. Bei den Kunden (plus eine Million auf nunmehr 2,5 Millionen) ebenso wie bei den Girokonten (plus 200 Prozent auf nunmehr 1,6 Millionen) ebenso wie bei dem betreuten B2C Kundenvermögen, welches sich von 22 Mrd. Euro auf nunmehr 69 Mrd. mehr als verdreifacht hat.

Es wächst eben nur eines nicht – der Gewinn. Weder vor Steuern noch beim Überschuss. Sondern: er fällt (auch wenn diese Zahlen insofern leicht verzerrt sind, als dass der Comdirect demnächst Mittel aus dem Verkauf der Tochter eBase zufließen).

Überschuss der Comdirect in Mio. Euro seit 2009 *

* Nachtrag: nicht bereinigt um die Einmaleffekte der Sondergewinne aus einer Steuererstattung (2011+2012) und aus dem Verkauf der Anteile an Visa Europe (2016)

Quelle: Geschäftsberichte, Quartalsbericht Comdirect Q1.

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