Exklusiv

„Air Bank Germany“ – Das N26 des Ostens strebt in den deutschen Markt

7. Februar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Im hiesigen Retailbanking könnte es schon bald einen weiteren schlagkräftigen Player geben. Nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ bereitet die tschechische „Air Bank“ schon seit Monaten ihre Expansion nach Deutschland vor. Die Pläne wirken ambitioniert: Als CFO ist der langjährige „Leiter Finanzen“ der Fidor Bank eingeplant. Und allein bei Linkedin finden sich unter dem Titel „Project Air Bank Germany“ schon jetzt rund 20 Mitarbeiter, von denen einige zuletzt in verantwortlicher Position für Adressen wie Concardis, Wirecard oder Klarna tätig waren. Darüber hinaus fahndet „Air Bank Germany“ in Jobbörsen wie Indeed bereits nach weiterem Personal. „Hinter diesen Plänen scheint richtig Geld zu stecken“, sagt ein deutscher Spitzenbanker, der das Projekt aus Konkurrenzgründen intensiv verfolgt.

Die Air Bank wurde Ende 2011 gegründet und verfügte laut der  Webseite ihres Mehrheitsgesellschafter Ende 2016 bereits über 34 Filialen, mehr als 700 Mitabeiter und gut 500.000 Kunden – eine imposante Zahl, wenn man bedenkt, dass Tschechien gerade mal gut 10 Mio. Einwohner hat. Laut dem tschechischsprachigen Wikipedia-Eintrag (den wir uns von Google Translate mehr schlecht als recht haben übersetzen lassen) waren es Anfang 2018 sogar schon mehr als 600.000 Kunden. Bei besagtem Mehrheitseigentümer handelt es sich momentan noch um ein Industrie- und Finanz-Konglomerat namens PPF. Hinter dem wiederum steht (wie wir bei unseren Recherchen staunenderweise gelernt haben) der „Tycoon“ (so nennt ihn jedenfalls die „Financial Times“) Petr Kellner, laut „Forbes-Liste“ der reichste Tscheche und mit einem geschätzten Vermögen von 10,6 Mrd. Dollar per Ende 2016 sogar einer der 100 wohlhabendsten Menschen weltweit.

Falls Sie, liebe Leser*Innen, sich jetzt fragen, warum wir uns dann die Schlagzeile „Tschechen-Tycoon greift deutsche Sparkassen an“ haben entgehen lassen, dann verweisen wir auf folgende drei Gründe:

  • Anfang Oktober 2018 wurde bekannt, dass Kellner die Air Bank mehrheitlich an die tschechische Großbank Moneta verkaufen will (btw.: Tschechiens Kreditinstitute haben echt coole Namen …). Der Deal ist zwar noch nicht fix, soll es aber bald sein. Abgesehen von der Air Bank übernimmt Moneta auch die Mehrheit an weiteren Finanzdienstleistern, die zum Reich des Tycoons gehören, alles in allem soll die Transaktion ein  Volumen von einer dreiviertel Milliarde Euro haben.
  • Zweiter Grund: Uns ist – ehrlich gesagt – nicht zu 100% klar, ob sich durch diesen Deal an den Deutschland-Plänen der Air Bank etwa geändert hat. Wir haben gestern sowohl bei Air Bank in Tschechien als auch (auf verschiedensten Wegen) bei „Air Bank Germany“ in München angefragt, allerdings keine Auskunft erhalten.* Um Ihnen jetzt aber die Sorge zu nehmen, dass wir hier mit einer völlig halbgaren Geschichte ums Eck kommen: Die jüngsten Stellenausschreibungen bei Indeed stammen aus der vergangenen Woche. Und die meisten Mitarbeiter sind laut den jeweiligen Linkedin-Profilen zu „Air Bank Germany“ gestoßen, nachdem der Verkauf der Mutter verkündet wurde. Der Chief Operating Officer zum Beispiel – ehemals Concardis – heuerte Anfang Januar in München an.
  • Und der dritte Punkt: Wird das Geschäftsmodell mit dem einer Sparkasse überhaupt vergleichbar sein?

Auch hier bitten wir um Verständnis, dass wir heute noch keine definitiven Erkenntnisse für Sie parat haben. So wie wir das verstehen, scheint es sich bei der tschechischen Mutter um eine Art Melange aus N26 und Targobank zu handeln. Auch einige Stellenausschreibungen der „Air Bank Germany“ lesen sich so, als handele es sich um ein Mobile-Banking-Projekt mit Fokus auf Konsumentfinanzierung. Allerdings meinte ein Kontakt von uns gestern, nach seinen Informationen sei die „Air Bank Germany“ stärker in Richtung Klarna (also Händlerfinanzierung) als in Richtung Retail unterwegs.

Wie auch immer, auf der eigenen Homepage stellt sich „Air Bank Germany“ jedenfalls wie folgt vor:

„Air Bank is the most successful digital bank and the fastest growing bank in the Czech Republic. Now we decided to bring a brand new model of Air Bank to Germany.

We aim to build a virally attractive bank with an extraordinary proposition. A bank that extends beyond traditional services. A bank that brings disruptive innovation to become a new beyond-banking platform. A bank that challenges the status quo and changes German banking for the better.

We are a newly-formed team supported by a remarkable global company with a number of successful finance businesses in multiple countries – with the passion, experience and resources to shake up German banking.“

Zumindest eines scheinen die Pläne also nicht zu sein: bescheiden.

*Ergänzung 7. Februar, 11.15 Uhr: Die Air Bank hatte sich gestern am späten Abend (nach unserem krankheitsbedingt diesmal etwas früheren Redaktionsschluss) doch noch per Mail bei uns gemeldet, allerdings ohnehin nur mitgeteilt, vorerst nichts zum Stand des Projekts sagen zu wollen.

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing