„Miles & More“-Bank: Lufthansa greift Geldhäuser an

27. Juni 2019

Von Christian Kirchner

Die Mail kam am Dienstagabend – und sie kam sofort zur Sache: „Finance Plus – Die Banking-App, die belohnt“, stand da. Bloß: Der Absender war keine Bank. Und auch kein Fintech. Sondern: Die Mail kam von „Miles & More“, dem Bonus-Programm der Lufthansa mit 30 Mio. Mitgliedern weltweit.

Um es kurz zu machen: Die größte deutsche Airline greift die hiesige Kreditwirtschaft nun also mit einer eigenen Banking-App an. Heißt: Die Banken müssen (wenn ab Mitte September dank PSD2 die Kontoschnittstellen endgültig offen sind) den Kundenzugang nicht mehr nur gegen Fintechs wie Finanzguru verteidigen. Sondern auch gegen reichweiten- und datenstarke Player wie „Miles & More“.

Ein Überblick:

Ist die Sache mit den Multibanking-Apps nicht kalter Kaffee?

Im Prinzip ja. Die „Mutter“ aller Multibanking-Apps, die inzwischen an Verivox gegangene Outbank, gibt es bereits seit 2009. Und die Numbrs-App, wenn wir es richtig sehen, immerhin schon seit 2014. In den letzten ein, zwei Jahren legten dann Anbieter wie Finanzguru, Finanzblick und natürlich Check24 nach. Und natürlich versuchen sich auch etablierte Player wie die DKB, die Comdirect oder die Deutsche Bank an eigenen Multibanking-Apps.

Also was ist jetzt neu?

Anders als das bei den Fintech der Fall ist, will nun ein Unternehmen mit bereits bestehendem Kundenstamm seine Marktmacht für ein Multibanking-Angebot nutzen. „Miles & More“ verfügt geschätzt über eine mittlere einstellige Millionenzahl an Kunden in Deutschland – und hat mit seinen Meilen ein populäres „Incentive“.

Dazu passt, dass die Lufthansa-Tochter (Gewinnbeitrag 2018: rund 100 Mio. Euro mit gerade einmal 300 Mitarbeitern) voll aufs Thema Daten setzt. Man wolle die Analyse von Kundendaten noch weiter ausbauen, erklärte  der damalige „Miles & More“-Geschäftsführer (und heutige Verimi-Chef) Roland Adrian in einem Interview mit „Capital“ im vergangenen Jahr. Was liegt da näher, als alles daran zu setzen, auch Zugriff auf Konto- und Anlagedaten zu erhalten?

Aber wollen die Kunden denn überhaupt Multibanking?

Zumindest soll Multibanking extrem hohe Adaptionsraten haben – 75% der Nutzer, die eine dieser Apps kennen, würden sie auch nutzen, stellte Oliver Wyman letztes Jahr fest. Heißt: Wer den Kunden in seine Multibanking-Welt lockt – der hat gute Chancen, dass der dort auch bleibt. Und wer sollte ein besseres Lockmittel haben als ein Incentivierungs-Spezialist wie „Miles & More“ (nicht ohne Grund ist in besagter Werbemail gleich mal von 500 Bonus-Meilen für das simple Herunterladen die Rede – später gibt es bis zu 500 Meilen pro Monat für die Benutzung der App mit Konten).

Seit wann ist das Miles&More-Angebot verfügbar?

Unauffällig beta-getestet wurde die App seit Oktober 2018 bei Kunden. Offiziell in die App-Stores gestellt dann allerdings erst Ende Mai. Dieser Tage begannen dann die Werbe-Mailings.

Wie sieht das Produkt genau aus?

Wir haben die „Miles & More“ gestern einfach mal der Finanzguru-App verglichen (die ganz ähnliche Funktionalitäten aufweist) – und müssen sagen: In Sachen Usability ist das Fintech deutlich besser. Heißt aber nicht, dass die „Finance Plus“ genannte „Miles & More“-App schlecht wäre. Schon jetzt lassen sich Bankverbindungen von Konten der DKB, Commerzbank, ING Diba, Deutsche Bank und der Sparkasse migrieren – und mit ihnen die entsprechenden Umsätze der Girokonten und (!) zugehörigen Depots und Tagesgeldkonten. Womöglich kommen dann ab Mitte September, wenn die zweite Stufe der PSD2 in Kraft tritt, weitere Banken hinzu (leider waren zu dieser und anderen Fragen vom Unternehmen gestern auf die Schnelle noch keine Antworten zu kriegen).

Integrierbar ist auch die „Lufthansa Miles & More“-Kreditkarte, die in Deutschland immerhin in 1,4 Mio. Geldbörsen steckt. Seitens „Miles & More“ wird die Karte aber nur gebrandet, ausgegeben wird sie von der DKB.

Wie funktioniert die App genau?

Der Nutzer gewährt der App den Zugriff auf eines oder mehrere seiner Konten und Depots. Auf dieser Basis werden Umsätze über Konten hinweg aggregiert, saldiert, nett animiert dargestellt und kommt ein integrierter „Finanzberater“ zum Einsatz. Im Moment liegt der Charme des Angebots in der Darstellung. Schon bald dürfte die App aber zum „Vertragsmanager“ ausgebaut werden (mehr zum Thema „Vetragsmanager“ lesen Sie hier)

Von welchen Fintechs kommt das technische Rüstzeug?

Die Schnittstelle zu den Bankkonten stellt finAPI her, eines der mittlerweile neuen deutschen Fintechs mit PSD2-Lizenz  von der Bafin. Um die Vertrags-Erkennung – ein Thea, über das Deutsche Bank, Commerzbank und die ING  viel reden, aber so gut wie nichts marktreif haben – kümmert sich laut AGB das Kasseler Fintech Fino. (Finanz-Szene.de-Leser der ersten Stunden werden sich womöglich erinnern, dass Fino-Chef Florian Christ im September 2017 unser erster Interview-Partner war. )

Was bekannt ist: Als Programm-Partner arbeitet „Miles & More“ (teils schon länger) mit diversen Fintechs wie Clark, Exporo, Liqid und Weltsparen zusammen.

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