Kurz gebloggt

Comdirect pusht Quartalsgewinn übers Kartengeschäft

29. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Wenn es um die Comdirect ging, haben wir von Finanz-Szene.de in den vergangenen Monaten ganz schön viel zu motzen gehabt.

Konkret beanstandeten wir …

  • dass sich das Wachstum bei Kunden und Vermögen nicht in nachhaltig steigende Überschüssen niederschlägt (hier)
  • dass die Onlinebank bei wesentlichen Kennziffern wie der Cost-Income-Ratio inzwischen schlechter dastehe als die Mutter Commerzbank (hier)
  • dass die Incentivierung der Comdirect-Vorstände mit Commerzbank-Aktien fragwürdig erscheint (hier)
  • und dass eine ganze Menge guter Gründe für die Integration der Comdirect in die Commerzbank spricht – zumindest durch die Brille eines Coba-Stakeholders (hier).

Und wo bleibt das Positive? Das kommt hier:

Einen Tag nach den vorgezogenen (und ordentlichen) Zahlen der Mutter hat gestern auch die Comdirect ein (neudeutsch) „okayes“ Zahlenwerk zum dritten Quartal 2019 präsentiert (Details hier). Selbst bereinigt um Sondereffekte  – darunter ein Einmalertrag aus dem Ebase-Verkauf – scheinen sich die Dinge zuletzt ganz vernünftig entwickelt zu haben:

  • Die Comdirect hat auch im dritten Quartal knapp 50.000 Neukunden gewonnen
  • Die Erträge stiegen leicht
  • Bei den Kosten ging es zumindest gemessen an den letzten Quartalen nach unten
  • Und die Cost-Income-Ratio tickt etwas herunter von 79% in 2018 auf nunmehr 78% (jeweils bezogen auf neun Monate)

Bereinigt um Ebase und sonstige „nicht fortgesetzte Geschäftsaktivitäten“ bleibt so für die ersten neun Monate ein Ergebnis vor Steuern von 61 Mio. Euro nach 53 Mio. Euro zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Nicht doll. Aber immerhin.

Hier weitere Beobachtungen im Telegrammstil:

  • CEO Arno Walter erklärte explizit, dass der Staffelzins der EZB der Comdirect helfe – und bezifferte die Einsparungen beim Zinsaufwand auf rund 6 Mio. Euro pro Jahr. Entspricht immerhin 12% des 2018er-Überschusses.
  • Walter gab auch einen kleinen Einblick, wie stark die PSD2-Einführung das Institut belastet habe: Die Kundenanfragen seien quasi rund um die Uhr auf die Bank eingeprasselt, nur morgens zwischen 4 und halb 5 habe Ruhe geherrscht, „das scheint die einzige Zeit zu sein, in der fast alle Menschen hierzulande schlafen“.
  • Blickt man in die Innereien des Zahlenwerks, bestätigt sich auf Basis der Neunmonatszahlen ein Trend vieler Institute: Trotz Schwierigkeiten mit den Niedrigzinsen steigt der Zinsüberschuss (bei der Comdirect: +9%) stärker als der Provisionsüberschuss (+4%). Offenbar macht die Bank über Volumen wett, was an Margendruck herrscht…
  • ….wobei das Plus im Provisionsüberschuss nicht aus dem Wertpapiergeschäft kommt („nur“ +1%), sondern aus dem Bereich Zahlungsverkehr. Dort kletterte der Überschuss von kleiner Basis (15 Mio. Euro) um 30% auf 20 Mio. Euro. Damit steht der Zahlungsverkehr im Vergleich zu 2018  für zwei Drittel des Zuwachses beim operativen Gewinn …
  • …. was CEO Walter vor allem auf den Einsatz von Karten im Zahlungsverkehr zurückführte. Es tue sich was in Sachen elektronisches Bezahlen.

Ob das indes alles Argumente sind, die Commerzbank von einer Re-Integration abzubringen? Zu diesem  Thema wollte Walter „aus rechtlichen Gründen“ nichts sagen – eine Stellungnahme könne man erst abgeben, wenn ein konkretes Angebot auf dem Tisch liege.

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