Kurz gebloggt

Lastschrift? Pfffff. Das „Ich kann gar nix“-Konto der Openbank

3. Juli 2019

Von Christian Kirchner

Im Kampf um den Girokonto-Kunden haben die etablierten Banken hierzulande – also die Commerzbank, die Deutsche Bank oder die ING Deutschland und wie sie alle heißen –  ein simples Mantra: Die Erstkontoverbindung samt Gehaltseingang soll es bitte sein. Sie gilt als Anker für weitere Geschäfte und ist oft Voraussetzung für Prämien und Vergünstigungen.

Kann es womöglich sein, dass diese Strategie insofern ins Leere läuft, als sich die Challenger-Banken selbst mit ihrer Rolle als Zweitbank eigentlich recht wohl fühlen? Und dann immer noch genügend Transaktionen und Bindung an den Kunden übrig bleibt?

Das ging uns jedenfalls durch den Kopf, als wir über verschlungene Wege einen Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnung der neuen deutschen Challenger-Bank „Openbank“ werfen konnten, einer Tochter der spanischen Großbank Santander und nach eigenen Angaben die „größte Digitalbank Europas“ (woran auch immer sich das bemessen mag).

Offiziell sind bei der Openbank zwar noch keine Kontoeröffnungen möglich. Allerdings füllt sich seit Anfang April die Fintech-typische „Warteliste“, die dem Marktstart in Deutschland (über den wir Mitte April als erstes deutsches Medium berichtet hatten*) ein bisschen Exklusiv-Bling-Bling geben soll. Und siehe da: Findige Foren-Mitglieder da draußen haben sozusagen durch Probieren die noch nicht verlinkte, aber zumindest einige Tage funktionierende Anmeldeseite der Openbank gefunden. Und von da konnte man sich vorarbeiten zu den Konditionen.

Was fällt am Preis- und Leistungsverzeichnis der neuen Challenger-Bank nun auf?

Zum Beispiel, dass unter den „Wesentlichen Leistungsbeschreibungen“ (Punkt 3.1.) eine zentrale Funktionalität eines Girokontos fehlt: das Lastschriftverfahren. „Zahlungsvorgänge in Form von Lastschriften und Lastschriftenverfahren werden von der Bank nicht angeboten (…) und sind ausdrücklich von den wesentlichen Leistungsmerkmalen ausgenommen“, steht dort.  Damit dürfte sich das aus Spanien mit einer spanischen IBAN geführte Konto als Erstkonto für die meisten Menschen hierzulande disqualifizieren. Denn über so eine Erstbank-Verbindung liässt man ja normalerweise die üblichen Abbuchungen wie Nebenkosten, Internet, Handy, Versicherungen, Mitgliedsbeiträge etc. laufen. Doch wie gesagt. Das geht nicht!

Was hat die Openbank stattdessen zu bieten? Das Paket aus Kontoführung, einer Debit-Card, SEPA-Überweisungen, Daueraufträgen ist kostenlos, ebenso wie – interessant vermutlich für hochmobile Kunden – zwei Abhebungen auch bei fremden Banken pro Monat (Verfügungen an Santander-Automaten sind grundsätzlich kostenlos). Apple Pay ist zudem von Anfang an dabei.

Ein klares Signal sendet die Bank indes mit den Gebühren für den Einsatz der Karte außerhalb der EU: Das lasst mal schön bleiben: Die Gebühr für den Karteneinsatz in einer Nicht-Euro-Währung beträgt luftige 3% des Umsatzes. Und für eine Barverfügung außerhalb der EU verlangt die Openbank 4,5% des abgehobenen Betrages.

Ärger mit Überziehungen hat die Bank nicht, denn Überziehungen werden grundsätzlich nicht toleriert. Obendrein werden Einzeltransaktionen beim Kauf auf 1200 Euro gedeckelt.

Und noch etwas fällt auf: Wie schon beim ersten Start der Website „openbank.de“ scheinen die Spanier auch das Verfassen der AGBs und Preis- Leistungsverzeichnis  als sprachliche „Sandbox“ zu betrachten. Anders ausgedrückt: Man beherrscht die deutsche Sprache noch nicht wirklich, sondern übt erst mal. Und eine Redigatur? Braucht’s nicht wirklich. Die Leser werden schon wissen, was gemeint ist.

Die Stoßrichtung ist indes klar: Die Openbank will sich offenbar als Zweitbank positionieren und hat keinerlei Lust auf Scherereien mit Kunden irgendwelcher Art – weshalb die Konten in jeder Hinsicht ausschließlich auf Guthabenbasis geführt werden. Ein Alleinstellungsmerkmal sucht man indes vergeblich.

*Ergänzung, 12. Juli 2019, 9.30 Uhr: Diese Behauptung ist insofern nicht richtig, als der Blogger Torsten Maue (torstenmaue.net) schon vor uns darüber berichtet hatte. Darauf hat Herr Maue uns heute Früh aufmerksam gemacht.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing