IT-Debakel bei Commerzbank und Comdirect. Jetzt droht Chaos

3. Juni 2019

Von Christian Kirchner

(Update am 4.6.2019 10:40)

Bei der Commerzbank und auch Online-Tochter Comdirect ist es am Montag nach „Finanz-Szene.de“-Informationen zu massiven IT-Störungen gekommen. Daueraufträge wurden nicht ausgeführt, zudem konnten Kunden stundenlang keine Überweisungen vornehmen. Noch viel problematischer jedoch: Auch Überweisungen und Daueraufträge mit einem Commerzbank-Konto als Ziel sowie Lastschriften mit einem zu belastenden Commerzbank-Konto konnten bei betroffenen Kunden nicht ausgeführt werden. Dieses Problem kann die Commerzbank – anders als nicht ausgeführte Überweisungen/Daueraufträge von Commerzbank-Konten – im Zweifel nicht alleine lösen.

Das hat ausweislich von Kundenbeschwerden auf Social-Media-Plattformen der Commerzbank selbst und auch der eigenen Erklärung der Bank (im Wortlaut siehe unten) diverse Implikationen:

  • Auftraggeber von Überweisungen erhielten die Meldung (oder erhalten sie noch bei der nächsten Prüfung ihrer Überweisung), das betroffene Konto bei der Commerzbank, auf das man überweisen wollte, existiere gar nicht – ein für Empfänger mit Commerzbank-Konto unangenehmer Vorgang, da sie nun womöglich bei fehlendem Eingang ihrem erwarteten Geld nachlaufen müssen
  • Inhaber von Commerzbank-Konten, von denen keine Lastschriften abgebucht werden konnten, drohen ebenfalls Probleme (etwa bei Abschlagszahlungen, Handyrechnungen, Girocard-Zahlungen per Lastschrift). Bei ihnen startet die abbuchende Partei in der Regel einen zweiten Abbuchungsversuch – die betroffenen Kunden erwecken aber in jedem Fall zunächst den Eindruck, als gäbe es Schwierigkeiten mit der angegebenen Bankverbindung. Immerhin: die Commerzbank kündigte via Social Media an, andere Banken zu informieren.
  • Betroffene Firmenkunden wissen nun nicht, ob Kunden womöglich eine Zahlungsversuch unternommen haben, die entsprechenden Überweisungen auf das eigene Commerzbank-Konto aber womöglich aus technischen Gründen geplatzt sind
  • Nutzer klagten auch darüber, dass ihr Konto bei Paypal gesperrt sei, da der Bezahldienst keine entsprechende Abbuchungen vom Referenzkonto bei der Commerzbank durchführen konnte
  • Auch Hotline und Chatfunktionen der Commerzbank waren gestern laut übereinstimmenden Kundenmeldungen bis in den Abend hinein überlastet.

Probleme machten laut einer internen Mitteilung im Onlinebanking „die vierte Stelle der Bankleitzahl“ – handelt es sich um eine „4“, ist das Konto betroffen (siehe Erklärung im Wortlaut unten). Das verleiht der Panne eine zusätzliche pikante Note, denn demnach sind nur Kunden der „alten“ Commerzbank betroffen. Kunden der Filialen ehemaligen Dresdner Bank – die 2008 von der Commerzbank übernommen wurde und deren Integration 2011 auch IT-seitig angeblich abgeschlossen wurde – haben nicht die „4“, sondern die „8“ als vierte Stelle in der Bankleitzahl und auch eine entsprechend andere IBAN. Sie sind auch laut Meldung der Commerzbank nicht betroffen.

Auf Nachfrage von Finanz-Szene.de bestätigte die Commerzbank und Comdirect die Probleme, teilte aber mit, sie seien mittlerweile „gelöst“. Wie viele Überweisungen, Daueraufträge und Kunden betroffen sind, wollte das Institut nicht sagen.

In einer Mitteilung auf Facebook erklärte die Commerzbank, sollten erwartete Zahlungseingänge „bis morgen nicht auf Ihrem Konto sein sollten, bitten wir Sie, sich direkt mit dem Absender der Zahlung in Verbindung zu setzen und um erneute Anweisung der Zahlung zu bitten.“ Was die Sache schwierig machen dürfte: Üblicherweise werden zum Monatswechsel besonders viele Daueraufträge ausgeführt und Lastschriften eingezogen – und der heutige Montag ist der erste Arbeits- und damit auch Banktag im Juni.

Update vom 4.6.2019 10:40h: Laut Commerzbank

„…. sind ausgehende Daueraufträge sind größtenteils gebucht. Wir prüfen die maschinelle Nachbuchung von Überweisungen. Die meisten eingehenden Zahlungen werden von den Absendern in den kommenden Tagen nochmals veranlasst. Falls nicht, kontaktieren Sie bitte direkt den Absender.“

 

Hier die Erklärung der Commerzbank für Kunden im Wortlaut:

Wichtiger Hinweis 

Aufgrund einer technischen Störung konnten einige Zahlungsverkehrsaufträge (z.B. Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften) am 03.06. zwischen 00.00 Uhr und 8.30 Uhr nicht verarbeitet werden. Das betraf eingehende und ausgehende Zahlungen mit der Ziffer „4“ an der vierten Stelle der Bankleitzahl bzw. achten Stelle der IBAN.

Sind Sie von der Störung betroffen?

Ob Sie von der Störung betroffenen sind, können Sie ganz einfach anhand Ihrer Bankleitzahl/IBAN prüfen.

  • Ihr Konto hat die Ziffer „8“ an der vierten Stelle der Bankleitzahl bzw. achten Stelle der IBAN:
    Sie sind von der Störung nicht betroffen und müssen nichts weiter tun.
  • Ihr Konto hat die Ziffer „4“ an der vierten Stelle der Bankleitzahl bzw. achten Stelle der IBAN:
    Bitte verfahren Sie wie im Folgenden beschrieben.

Was ist zu tun?

  • Sie sind Zahlungspflichtiger einer Lastschrift
    Wenn von Ihrem Konto eine Lastschrift abgebucht werden sollte (z.B. Zahlung mit der Girocard, Abbuchungen Stromabschlag), wurde diese mit dem Hinweis „IBAN fehlerhaft“ abgewiesen. Der Abbuchende wird die Zahlung wahrscheinlich in den nächsten Tagen erneut einreichen. Falls Ihnen dadurch Kosten entstehen (z.B. Mahngebühr), wenden Sie sich bitte an Ihren Berater.
  • Sie sind Empfänger einer Überweisung
    Wenn die Gutschrift nicht in der Umsatzübersicht angezeigt wird, setzen Sie sich ggf. mit dem Absender der Zahlung in Verbindung. Eingehende Zahlungen wurden von uns an den Auftraggeber der Überweisung mit dem Hinweis „IBAN fehlerhaft“ zurückgebucht.
  • Sie haben eine Überweisung erfasst
    Wenn Sie Ihre am 03.06. zwischen 0.00 Uhr und 8.30 Uhr erteilte Überweisung in der Umsatzübersicht unter den Buchungen vom 03.06.2019 sehen, wurde diese bereits verarbeitet und Sie müssen nichts weiter tun. Wenn der Auftrag noch in den „ausstehenden Buchungen“ oder gar nicht angezeigt wird, wird er nicht mehr gebucht. Bitte erfassen Sie den Auftrag in diesem Fall noch einmal neu.
  • Sie hatten eine Terminüberweisung vorgemerkt
    Wenn Sie eine Terminüberweisung mit dem Ausführungstermin 01.06.2019, 02.06.2019 oder 03.06.2019 erteilt haben und diese in der Umsatzübersicht unter den Buchungen vom 03.06.2019 sehen, wurde diese bereits verarbeitet und Sie müssen nichts weiter tun. Wenn die Buchung dort nicht angezeigt wird, wird Ihre Terminüberweisung nicht mehr ausgeführt. Bitte erfassen Sie den Auftrag in diesem Fall noch einmal neu.
  • Daueraufträge
    Nicht ausgeführte, ausgehende Daueraufträge mit dem Ausführungstermin 01.06.2019, 02.06.2019 oder 03.06.2019 werden wir am 03.06. oder 04.06. maschinell nachbuchen. Sie müssen hier nichts veranlassen. Zukünftige Ausführungen werden ebenfalls wieder wie gewohnt verarbeitet.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, was zu tun ist oder Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Berater. 

Wir bitten Sie vielmals um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten.

 

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