Partner-Blog*

Open Banking als Hygienefaktor für die Kundenbindung

22. Oktober 2019

Von Maryam Danesh-Kajouri*

Nicht nur die Umsetzung der EU-Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 hält die Banken auf Trab, auch neue Herausforderer mit technologischem Hintergrund treiben die Finanzinstitute vor sich her. So kam kürzlich heraus, dass das Vergleichsportal Check24 eine Lizenz bei der Bafin beantragt hat. Die Tochter C24 Bank skizziert auf ihrer Website, wo die Reise hingehen soll: „Die Open Banking Plattform. Erleben Sie 2020 eine neue Dimension des mobilen Bankings“. Alle Zutaten für eine zeitgemäße Kundenerfahrung – Digital Banking und Mobile Banking Platforms, Public APIs und diverse Anwendungen – stehen auch den Etablierten zur Verfügung: Sie kochen allzu häufig weiter ihr eigenes Süppchen und das schmeckt mitunter ziemlich fad.

Mobile-Banking-Apps überzeugen nicht flächendeckend

Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Befragung unter 1500 Konsumenten in der Schweiz und in Deutschland, die das Marktforschungsinstitut CENSUSWIDE im Auftrag von CREALOGIX durchgeführt hat. Weniger als ein Drittel (31,4%) ist richtig zufrieden mit der Mobile-Banking-App der Hausbank. Knapp 37% können sich durchaus vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten ein Konto bei einer Mobile-Only-Bank zu eröffnen. Sie schätzen besonders die Transparenz und den Komfort, den Open Banking verspricht: Fast 69 % der Befragten wären bereit, ein neues Konto zu eröffnen, um ihre finanzielle Gesamtsituation über alle Konten hinweg in einer einzigen App überblicken und alle Transaktionen darüber anstoßen zu können.

Seit Mitte September müssen Banken ihr Online-Banking für Drittanbieter öffnen und die Konten aggregieren. Vor allem mit Blick auf die heute 25- bis 34-Jährigen empfiehlt sich, aus der PSD2-Not eine Service- und Kundenbindungs-Tugend zu machen. Denn in dieser Altersgruppe würden mehr als drei Viertel (76,7%) für eine Open-Banking-App einen anderen Anbieter ausprobieren. Über die Hälfte von Ihnen kennt mindestens eine der gängigen Challenger-Banken wie N26 und Revolut. Dabei handelt es sich zwar um den Spitzenwert. Allerdings liegt die Quote derer, die mit den Herausforderern bekannt sind, unter allen Befragten von 16 bis 55+ immer noch bei 38,5 %. Da praktisch jeder Technologieunternehmen wie Amazon, Facebook und eben auch Check24 kennt, lässt sich leicht ausmalen, was passiert, wenn diese Player ihre Erfahrung in der Perfektionierung der digitalen Customer Experience und ihre Marktmacht nutzen, um den Bankenmarkt von Grund auf zu verändern.

Kennen Sie mindestens eine der führenden Challengerbanken wie N26 oder Revolut?

Quelle: Crealogix Bankkunden-Befragung Deutschland und Schweiz 2019

Kunden wollen zentral auf alle Konten zugreifen

Im Verhältnis zu den Tech-Giganten sind die Fintechs kleine Fische. Immerhin schillern sie jedoch verlockend genug, um diejenigen, die Notiz von ihnen genommen haben, in ihren Bann zu ziehen: Ein Drittel (35,2%) der Befragten, die mindestens einen Challenger kennen, nutzt deren Angebote. Publikumsliebling im Portfolio ist ganz klar der ganzheitliche Überblick und die ganzheitliche Verwaltung aller Konten und Ausgabe in einer App. Ferner schätzen die Befragten das schnelle und durchgängige Onboarding – ebenfalls eine Stärke von Hause aus digitaler Unternehmen.

Was schätzen Sie am Angebot von Challenger-Banken?

Quelle: Crealogix Bankkunden-Befragung Deutschland und Schweiz 2019

Die besten Voraussetzungen, das Heft in der Hand zu behalten, bietet eine modulare Software-Architektur. Um PSD2 umzusetzen, kommen die Banken kaum darum herum, eine Multibanking-Software einzuführen. Sie lässt sich entweder über Schnittstellen an das bestehende Digital Banking anbinden oder als Plattform einführen, die alle Funktionen auf sich vereint. Der Bausteincharakter bietet die notwendige Flexibilität für einen individuellen Fahrplan Richtung Mobile und Open Banking. Als PSD2-Pflichtprogramm reicht bereits die Implementierung eines Basismoduls aus: Die Kontoauszüge der Anwender werden importiert und verarbeitet. Sie erhalten zudem elektronische Dokumente und Rechnungen. Anschauliche Visualisierungen ermöglichen, die finanzielle Situation inklusive Zahlungseingängen und Liquidität leicht zu erfassen. Der Kunde kann mit seinem Open Banking seine Finanzen verwalten sowie Einnahmen und Ausgaben planen.

Plattformökonomie verlangt Kooperationen

Während es dem Kunden überlassen bleibt, die Dienste und Produkte in sein Banking zu integrieren, mit denen er sich wohlfühlt, können die Banken ihr Portfolio auf der Plattform um Eigen- sowie Drittanwendungen ergänzen. Das „Irren und Wirren der deutschen Banken im Online-Zahlungsverkehr“, so Bankstil-Herausgeber Ralf Keuper, zeigt, wie weit der Weg der deutschen Finanzinstitute zur Plattform-Ökonomie mit ihrem in zentralen Bereichen kooperativen Ansatz noch ist: „Spätestens jetzt wird die Gemengelage für Außenstehende, evtl. aber auch für Insider, unübersichtlich und das eigentliche Dilemma tritt hervor: Die Zersplitterung der ohnehin schon – mit Blick auf Amazon, Google, Apple und facebook – überschaubaren Kräfte. Statt sich auf ein Verfahren für das Bezahlen und die Identifizierung im Netz zu einigen und die Aktivitäten dort zu bündeln, geht jede Gruppe für sich ihren eigenen Weg, in der Hoffnung, am Ende zu den Überlebenden zu gehören.“

Die Kehrseite der Uneinigkeit ist, dass die Verbraucher auf eine mehr als 20-jährige (Leidens-)Geschichte zurückblicken und kaum hoffen dürfen, in absehbarer Zeit in ihrer Heimat so einfach digital bezahlen zu können wie im Ausland. Wie die Beliebtheit der Challenger-Banken zeigt, sind die Kunden nicht länger bereit, ihr Banking mit anderen Maßstäben zu messen als das Einkaufen oder das Buchen von Dienstleistungen aller Art im Internet. Ob alleine oder gemeinsam: Die Banken sind gefordert, eine Customer Experience zu bieten, die komfortabel und vor allem unkompliziert ist. Eine attraktive Open-Banking-Anwendung wäre ein guter Anfang.

Wenn Sie sich näher für die Bankkunden-Befragung interessieren, können Sie alle Ergebnisse hier herunterladen.

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* Maryam Danesh-Kajouri ist Marketing-Chefin bei Crealogix. Das Schweizer Finanzsoftware-Unternehmen gehört zu den „Premium-Partnern“ von Finanz-Szene.de. Mehr zum Partner-Modell erfahren Sie hier

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