Exklusiv

IT-Pannen: Commerzbank und Postbank mit den meisten IT-Störungen

9. Oktober 2019

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank und die Postbank sind die störungsanfälligsten deutschen Banken – darauf deutet zumindest eine Datenrecherche von Finanz-Szene.de auf Basis des Webportals „Allestörungen“ hin. Gleich dahinter folgen in dem Negativ-Ranking die DKB, wohingegen zum Beispiel die HVB, die Targobank und die ING Deutschland vergleichsweise gut abschneiden.

„Allestörungen“ nimmt fortlaufend  Nutzermeldungen über Störungen bei Banken und anderen Unternehmen entgegen. Darüber hinaus wertet der Internetdienst Social-Media-Meldungen und User-Kommentare aus. Als „Störung“ gilt dabei eine signifikante Abweichung von der Anzahl der typischen Störungsmeldungen in einem 15-Minuten-Intervall (Systematik hier). Entscheidung ist also der relative Anstieg der Beschwerden. Dadurch stellt das Portal sicher, dass große Banken mit entsprechend vielen Kunden nicht automatisch Gefahr laufen, die meisten Störungsmeldungen zu verursachen.

Hier die Liste der zehn Institute bzw. Institutsgruppen mit den meisten Störungsfällen in den vergangenen zwölf Monaten:

Störungen insgesamt
Commerzbank 37
Postbank 37
DKB 30
Deutsche Bank 29
Sparkassen 28
N26 25
Volksbanken/Raiffeisenbanken 24
Fidor 13
ING 10
Targobank 9

Quelle: Allestörungen.de, max. eine Störung pro Tag

Das Ergebnis unserer Analyse deckt sich mit der Kette an Störungsmeldungen insbesondere bei Postbank, DKB  und Commerzbank, über die Finanz-Szene.de in den vergangenen Monaten berichtet hatte. Zudem auffällig: Die Auswertung zeigt eine klare Tendenz zu mehr Störungen im Bereich der privaten Kreditbanken. Sie stellen die „Top 4“ der Banken mit den meisten Störungen. Die zusammen gewerteten Sparkassen und Genobanken folgen beide dahinter. Zu den positiven Ausnahmen zählt hier die HVB. Bei ihr kam es in den vergangenen zwölf Monaten zu lediglich vier Störungsmeldungen.

„Allestörungen“ ist – das ist jedenfalls die Erfahrung, die Finanz-Szene.de mit dem Tool regelmäßig macht – ein verlässliches Barometer für die Zahl der tatsächlichen Störungen. Gleichwohl erhebt unsere Auswertung keinen Anspruch auf eine exakte Repräsentativität. Gleiches gilt für das Ausmaß der Störungen. Denn: Methodisch wird ein kurzer „Flare“, wenn ein Zugang lediglich für maximal eine Viertelstunde nicht funktioniert hat (was etwa bei Deutschen Bank öfters der Fall war) genauso als Störung gewertet wie mehrstündiger Komplettausfall (wie er was mobile und Online-Zugänge angeht z.B. bei Postbank, Commerzbank oder DKB vorkam).

Eine weitere Einschränkung, die wir machen müssen: Nicht bei allen Banken sind die Kunden gleichermaßen digitalaffin. Heißt: Bei einem N26-Kunden ist die Bereitschaft, im Internet eine Störung zu melden, vermutlich größer als bei eine durchschnittlichen Volksbank-Kunden. Völlig verzerrt sind die Ergebnisse gleichwohl nicht. So zeigte im Juni eine, dass die Unterschiede in der Digitalaffinität deutscher Retailkunden weniger gravierend ist, als man vielleicht meinen könnte.

Über das 12-Monats-Ranking hinaus untersuchte Finanz-Szene.de auch, wie viele Störungsmeldungen seit dem 1. September hinzugekommen sind – also seit die Banken ihre Systeme „scharf“ gestellt haben für die starke Kunden-Authentifizierung bzw. die PSD2-Richtinie.

Störungen seit 1.9.
Postbank 13
Deutsche Bank 13
Commerzbank 9
DKB 6
Sparkassen 5
Fidor 5
N26 5
Volksbanken/Raiffeisenbanken 1
ING 1
Targobank 0

Quelle: allestörungen.de

Auch hier stehen Commerzbank und Postbank in der Spitzengruppe, ebenso wie die Deutsche Bank. Indes, wie oben erwähnt, handelt es sich bei der Deutschen Bank bei den Störungen meist nur um kürzere Aussetzer. Diese nehmen dann typischerweise diesen Verlauf …

Deutsche Bank Störung am 2. Oktober 2019

Störungsverlauf Deutsche Bank

… während eine Großstörung, wie sie etwa bei der Postbank am 30. September über mehrere Stunden auftrat, diesen Verlauf nimmt:

Postbank-Störung am 30. September 2019

Postbank-Störung

Die positiven Ausreißer auch in der Sechs-Wochen-Auswertung die Hypo-Vereinsbank, die ING Deutschland (lediglich je eine Meldung) sowie die Targobank (null Meldungen!).


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