Exklusiv

Sparkassen: Der S Broker wird zum Krisenfall

8. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Wer sich den am Dienstag im Bundesanzeiger erschienenen Jahresabschluss des Sparkassen-Onlinebroker S Broker ansieht, bekommt eine Ahnung davon, warum das Sparkassenlager über eine „große Direktbankenlösung“ sinniert. Und warum beim S Broker in der Rubrik „Pressemitteilungen“ seit vier Monaten Schweigen herrscht. 

Das Geschäftsergebnis 2018 sank zum Vorjahr um 88% auf nur noch 253.000 Euro – und das auch nur nach „Auflösung von Rücklagen“. Ein Grund der Ertragsmisere: Die Wiesbadener haben das eigentlich geplante Neukundenwachstum meilenweit verfehlt. Gerade einmal rund 2000 Kunden wurden netto akquiriert, das sind rund 90% weniger, als eigentlich angepeilt. Und die Eigenanlagen? Die Spezialfonds, deklariert als „vierte Säule“, verzeichneten im Geschäftsjahr 2018 eine Entwicklung „von letztlich -5.652,0 TEUR (Planung 1.626,2 TEUR)“.

Was ist da los?

Zum Verständnis hilft ein Blick zurück: Aufgebaut wurde der S Broker (Bilanzsumme: 826 Mio. Euro, verwaltetes Depotvolumen: 6,4 Mrd. Euro) ab 1999 von einem Konsortium an Finanzdienstleistern und Investoren unter dem Namen pulsiv AG. 2001 griff dann die Sparkassengruppe zu. Die Logik: Den in S-Broker umbenannten Anbieter als sparkasseneigenen Onlinebroker aufbauen, um den Kundenschwund aus dem Sparkassenlager in Richtung der damals boomenden Onlineanbieter Comdirect, Consors, DAB und Co. zu stoppen.

Dieser Schritt erwies sich jedoch als reichlich spätzyklisches Investment, denn dummerweise war die Börsenparty im August 2001 zum Markteintritt längst  vorbei. Die Onlinebanken und -broker haben heute, je nach Schätzung rund 25 Millionen Kunden. Der S Broker: 140.000. Was nicht mal für die Top-20 reicht und ihn selbst hinter die Fraspa-Tochter 1822direct spült. 

Womit wir beim Grund wären: Die Sparkassen machen ihr Geschäft nun mal lieber selbst als es mit dem eigentlich mal als „Zentralanbieter“ geplanten S Broker, der seit 2016 vollständig der Deka gehört, zu teilen. Die Formulierung „zentraler Online-Broker der Sparkassen-Finanzgruppe“ ist daher auch eher euphemistisch: So ist man laut Abschluss nur mit 45 der 384 Sparkassen überhaupt im Geschäft mit den Kernprodukten „S Broker DepotPlus“ und „S ComfortDepot“.

Bleiben neben dem Eigengeschäft die nur 100.000 Kunden des „DirektDepots“. Und: Die Sparkassen brauchen den S-Broker nicht zwingend. Der aber die Sparkassen. Denn die örtlichen Institute und ihre Verbände sind der „insbesondere aus Markt- und Vertriebsgesichtspunkten entscheidende Kooperationspartner“, wie es im Abschluss heißt. Anders gesagt: von den Sparkassen kommen 85% der Neukunden.

Und wie weiter? Eine „Roadmap 2021 Sparkassen“ , das Programm „Fokus“ und eine engere Zusammenarbeit mit der Deka sollen es richten. „Bis 2021 steht die erste Phase unter dem Motto „Nachholen und stabilisieren (…) Ab 2022 schließt sich sodann die zweite Phase an, die unter dem Motto „Wachsen und integrieren“ steht“, heißt es in Banker-Beratersprech.

Die im Abschluss ausgegebenen Ziele für 2019 (20.000 Neukunden, steigende Gewinne, mehr Transaktionen) wackeln indes schon jetzt: „Zum Zeitpunkt der Anfertigung dieses Berichts {März 2019} erscheint das geplante Geschäftsergebnis aufgrund des in Bezug auf die Kunden- und Transaktionsentwicklung (…) verhaltenen Jahresstarts sehr herausfordernd.“ Und: Schlanke 120 Mio. Euro Verlustvortrag stehen auch noch in der Bilanz.

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