Exklusiv

Volksbank Mittelhessen düpiert mit Fintech-Deal eigenes Lager

26. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Eine der größten deutschen Genobanken, nämlich die Volksbank Mittelhessen, geht auf Konfrontationskurs zum eigenen Lager. Nach Informationen von Finanz-Szene.de kollaboriert das Gießener Institut seit kurzem mit dem Münchner Robo Advisor Solidvest – und das, obwohl die  Union Investment (also der Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken) mit „MeinInvest“ ein eigenes Robo-Tool im Angebot hat. Konkret sieht die Kooperation so aus, dass die Volksbank digitalaffine Anleger an Solidvest vermittelt – und im Gegenzug an den jährlichen Gebühren (die für den Kunden bei 0,9% liegen) zur Hälfte beteiligt wird, wie ein Sprecher mitteilte.

Vom Prinzip her ähnelt der Deal dem, den die ING Diba vor zwei Jahren mit Scalable Capital eingegangen war. Die Implikationen allerdings sind deutlich heikler:  In einer großen Reportage („Wie Deutschlands Banken ihre Robo Advisor absaufen lassen“) hatte Finanz-Szene.de kürzlich beschrieben, dass die Sparkassen (mit dem Deka-Angebot „Bevestor“) und die Volks- und Raiffeisenbanken mit „MeinInvest“ zwar längst über eigene Robo Advisor verfügen – die Angebote aber allem Anschein nach kaum vertrieben werden. Wenn sich eine große Volksbank wie die aus Mittelhessen (rund 330.000 Kunden, gut 8 Mrd. Euro Bilanzsumme) nun einen alternativen Anbieter sucht, kann dass der Union Investment und der dahinter stehenden DZ Bank nicht gefallen.

Gleichwohl: Ob die Kooperation im Alltag wirklich funktionieren wird, bleibt abzuwarten. Vor anderthalb Jahren war die Sparkasse Hamburg eine ähnliche Partnerschaft mit Investify eingegangen (damaliger Investify-Chef war übrigens Sebastian Hasenack, der inzwischen bei Solidvest die Geschäfte führt). Nach wenigen Monaten wurden die Kooperation allerdings klammheimlich beendet. Der Grund, so jedenfalls Informationen von Finanz-Szene.de: Die Filialberater konnten sich für das provisionsarme Produkt nicht wirklich erwärmen.

Tatsächlich gibt es außer ING/Scalable bislang keine Banken-Robo-Kombi hierzulande, die sich wirklich als Erfolg werten ließe. Selbst N26 hat sein Robo-Angebot (hinter dem der Frankfurter Anbieter Vaamo stand) mittlerweile dichtgemacht. Auf die Frage, warum sich die Volksbank Mittelhessen für Solidvest entschieden habe, führte der Sprecher an, dass die Münchner eine digitale Vermögensverwaltung auf „Einzeltitelbasis“ anbieten –  sprich: Es wird direkt in Aktien und Anleihen investiert. Dieser Ansatz unterscheidet sich auch von „MeinInvest“. Trotzdem biete die Volksbank Mittelhessen auch „MeinInvest“ weiterhin an, sagte der Sprecher.

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