Warum hat der „Robo“ der DKB 2,5 Jahre Verzug?

15. Mai 2019

Von Heinz-Roger Dohms

„Robo Advice ist ein spannendes Thema. Wir gucken uns das an und haben auch schon Gespräche mit Anbietern geführt.“ So sagte es DKB-Chef Stefan Unterlandstättner bei der Bilanz-Pressekonferenz am 22. März 2017.

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Danach? War von der zweitgrößten deutschen Onlinebank zum Thema Robo Advice nie mehr was zu hören. Bis gestern Früh. Da ließ sich Privatkunden-Vorstand Tilo Hacke in der „Börsen-Zeitung“ wie folgt vernehmen: Man habe sich „für eine Zusammenarbeit mit Elinvar [Anm.: Das ist das Fintech, bei dem Goldman einsteigt …] im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung entschieden, die wir noch im aktuellen Jahr für unsere Kunden anbieten“.

Noch im aktuellen Jahr? Dann wären zwischen Unterlandstättners Ankündigung und dem Produktstart Pi mal Daumen satte zweieinhalb Jahre vergangen. Wie kann das sein?

Ein kleines Lehrstück über die DKB und Robo Advice im Besonderen – sowie über die deutschen Banken und die Digitalisierung der Finanzbranche im Allgemeinen:

1. Akt: Die Bilanz-PK

Seit Digitalisierung und Fintech die alles überlagernden Buzzwords in der Branche sind, sehen sich viele Bankvorstände unter Druck, zumindest einmal jährlich (nämlich zur Bilanz-PK) irgendwas Digitales anzukündigen, auch wenn es noch nicht wirklich was anzukündigen gibt. Das gilt …

  • … inbesondere für die Chefs von Banken, die von der Öffentlichkeit als irgendwie besonders digital wahrgenommen werden, auch wenn sie soooooo digital dann doch nicht sind. Siehe z.B. auch die Ankündigung des „digitalen KMU-Kredits“ bei der ING-Diba-Bilanz-PK 2018 bzw. die Ankündigung eines „digitalen Finanzberaters“ bei der  ING-Diba-Bilanz-PK 2019.

Und es gilt …

  • … ganz besonders bei Themen, die gerade medial besonders gehypt werden, so wie das Anfang 2017 mit Robo Advice der Fall war

2. Akt: Zwischen Ankündigung und Wirklichkeit

In den Belegschaften stoßen derlei Ankündigungen gern mal auf Verwunderung. Motto: „Ich dachte, ich soll mich erstmal um Apple Pay kümmern …“ Nun gab es Anfang 2017 zwar noch kein Apple Pay in Deutschland, Verwunderung – so wurde uns berichtet – herrschte in der DKB aber trotzdem. Motto: „Robo? Wir?“

3. Akt: Die DKB sagt Hü

2018 nahm das Thema laut Informationen von „Finanz-Szene.de“ innnerhalb der DKB dann aber doch Fahrt auf. Der Erzrivale ING Diba war inzwischen mit seinem Robo-Partner Scalable Capital durchaus imposant gestartet, der Druck stieg also. Angeblich gab es damals sogar eine Art Ausschreibung und angeblich sogar einen Fintech-Partner, der bei dieser Ausschreibung das Rennen zu machen schien – nämlich besagtes Berliner Finanz-Startup Elinvar. Bei der DKB äußert man sich hierzu nicht.

4. Akt: Die DKB sagt Hott

Dann hörte „Finanz-Szene.de“ zum Jahreswechsel 2018/19 aus zuverlässigen und übereinstimmenden Quellen plötzlich jedoch von einer angeblichen neuen bzw. zweiten Ausschreibung. Diese soll so zugeschnitten gewesen sein, dass nun kein Digitalisierungs-Tüftler wie Elinvar gesucht wurde, sondern ein reinrassiger Robo Advisor wie zum Beispiel Scalable Capital, Quirion oder Investify (auch hierzu: aus Berlin kein Kommentar). Warum es zu dem Schwenk kam, das wissen wir nicht genau. Nach allem, was man hört, gab es innerhalb der DKB (die sich zuletzt mit bekannten Digitalköpfen verstärkt hat) aber unterschiedliche Ansichten zum Thema. Anders gesagt: Die Berliner wussten, dass sie einen Robo Advisor wollen – aber nicht, welchen.

5. Akt: Die DKB sagt doch wieder Hü

Nun hat sich letzten Endes also doch Elinvar durchgesetzt, was aus mehreren Gründen bemerkenswert ist:

  • Eine Robo-Lösung z.B. mit Scalable (so wie es die ING macht) oder mit Quirion (so wie es Deposit Solutions macht)  wäre im Normalfall ziemlich geradeaus gewesen: Die DKB hätte ihre Kunden an einen Robo Advisor weitergeleitet und im Gegenzug einen Anteil an den laufenden Erträgen erhalten. Branchenexperten sprechen von einem „kuratierten Ansatz“: Die Bank sagt ihrem Kunden, welchen Robo sie ihm empfiehlt – und  hält sich ansonsten weitgehend zurück.
  • Im Vergleich hierzu ist Elinvars Plattform-Modell komplexer (was leider auch heißt, dass wir hier von „Finanz-Szene.de“ es nicht so richtig verstehen) und irgendwie wohl auch gestaltbarer. Die DKB könnte über Elinvar zwar ebenfalls einen „kuratierten Ansatz“ fahren, heißt es. Denkbar sei aber auch, über die Elinvar-Plattform verschiedene Anbieter bzw. Produkte anzubieten (sofern wir wenigstens das richtig verstehen). Angeblich müssen die DKB und Elinvar in den nächsten Wochen aber erst noch konkretisieren, was sie dann in den nächsten Monaten eigentlich genau bauen wollen. Die Ankündingung von Herrn Hacke diente wohl auch dem Zweck, erst einmal ein Signal nach innen und außen zu setzen, dass die DKB das Thema nicht vergessen hat.
  • Elinvar ist in erster Linie ein digitaler Enabler – verfolgt also keine eigene Anlagestrategie, wie das Scalable oder Quirion tun. Da die DKB als produktschlanke Onlinebank aber nun ebenfalls kein „Chief Investment Office“ unterhält, braucht die DKB-Elinvar-Kombi nach unserem Verständnis noch einen dritten Partner. Vielleicht Warburg? (mit denen kooperiert Elinvar ja schon länger). Oder gar Goldman (also der neue Elinvar-Investor?)

Conclusio

Das Lustige ist nun wiederum, dass sich viele deutsche Banken zuletzt vom reinen Robo-Ansatz  mehr oder weniger wieder verabschiedet haben (siehe unsere Artikel vom 4. Oktober 2018  bzw. vom 7. Mai 2019). Wie zu hören ist, wurde diese Entwicklung auch in der DKB aufmerksam beobachtet – und könnte zu der Entscheidung, nun mit Elinvar einen Robo-Ansatz sui generis zu verfolgen, beigetragen haben. In diesem Fall hätten die Hauptstädter von ihrer mangelnden Agilität ironischerweise sogar profitiert.

Vielleicht lesen wir demnächst ja mal in einem dieser immer sehr langen „Handelsblatt“- oder „Börsen-Zeitung“-Interviews folgende Passage:

Herr Unterlandstättner, wie sieht Ihre digitale Agenda für die nächsten ein, zwei Jahre aus?

Unterlandstättner: „In den nächsten ein, zwei Jahren wollen wir erst einmal weiter beobachten, was sich da draußen so tut. Das ist auch das, was uns die Consultants empfehlen: ‚Nehmt mal ein bisschen Agilität raus.‘ Daran halten wir uns.“

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