Alles zur geplatzen Fusion Deutsche/Commerzbank

25. April 2019

Von Christian Kirchner

Woran hat es denn nun gelegen? Womöglich daran, dass sich kaum jemand außer Vertretern des Finanzministeriums überhaupt für den Deal erwärmen oder ihm eine industrielle Logik abgewinnen konnte. Denn, so schreibt das Handelsblatt heute: Selbst im optimistischsten Szenario wäre bei der Fusion eine Großbank mit einer Eigenkapitalrendite im mittleren einstelligen Bereich herausgekommen. Zur Einordnung: das ist rund die Hälfte dessen, was Großbanken in Europa erwirtschaften. Dennoch hätten selbst für dieses Szenario 30.000 Jobs wegfallen müssen. Ein wesentlicher Grund für die schwache Rentabilität: Dissynergien, sprich: wegfallende Erträge durch überlappende Kundenstrukturen, die erst einmal wieder hereingeholt werden müssen.

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Nun gibt es kaum Gewinner, aber viele Verlierer: Die beiden beteiligten Banken dürften den ein oder anderen Kunden und auch wertvollen Mitarbeiter verloren haben, zusätzlich rund drei Monate Zeit, ihrem Ziel der höheren Profitabilität näher zu kommen. Und Berlin steht reichlich blamiert da. Zwar reklamieren nun beide Institute für sich, dem Treiben ein Ende gesetzt zu haben („Wir und die Deutsche Bank haben entschieden…“, twitterten wir und die Esel, Verzeihung: natürlich die Commerzbank zum Ende der Gespräche) – am Ende ging es aber nur noch darum, einen Vorgang, der kaum Unterstützer hatte, gesichtswahrend zu Ende zu bringen.

Wer am gestrigen ja doch ereignisreichen Tag die Nachrichtenlage nicht verfolgt hat, dürfte mit Blick auf die Aktienkurse am Abend kaum die Frage aufwerfen, was denn da los gewesen sei. Die Deutsche Bank: minus 1,5%. Die Commerzbank: minus 2,3 Prozent. Unauffällig also. Offenbar hat das Ende der Fusionsgespräche niemanden wirklich überrascht.

Dürfen wir Sie auf eine klitzekleine Feinheit in der Kommunikation des Abbruchs der Gespräche hinweisen? „Die Commerzbank bleibt bei ihrer Strategie“, heißt es keck in der Ad Hoc der Commerzbank. Die Deutsche Bank wird weiterhin alle Alternativen prüfen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern“ heißt es in der zeitgleich versandten Mitteilung der Deutschen Bank. Das trifft (zur Analyse hier) den Sachverhalt gut auf den Punkt, dass sich die Deutsche Bank in einer größeren Drucksituation befindet als die Commerzbank…

… wobei das mit der Drucksituation allerdings auch (noch) nicht unbedingt akut ist. Denn Huckepack mit der Ad-Hoc-Mitteilung zum Abbruch der Fusionsgespräche flog die Deutsche Bank quasi nebenher die wichtigsten Eckdaten ihrer eigentlich erst für heute geplanten Zahlen zum ersten Quartal 2019 ein. Die konnten sich durchaus sehen lassen: Die Erträge (6,4 Mrd.) wie die Kosten (5,9 Mrd. Euro) insgesamt trafen ebenso genau den Analystenkonsens wie der Gewinn vor Steuern (290 Mio. Euro). Beim Nachsteuergewinn (200 Mio. Euro) lag man gar über den Schätzungen. Das ist zwar noch weit entfernt von einer branchenüblichen Profitabilität. Allerdings sei man auch auf gutem Wege, das Kostenziel von 2019 (21,8 Mrd. Euro nach noch 22,8 Mrd. 2018) zu erreichen und berichtete in einem offenen Brief von Nettozuflüssen bei der Asset-Management-Tochter DWS und „sich verbessernden Marktbedingungen“ zum Ausgang des Quartals.

Bevor allerdings allzu große Euphorie aufkommt: die künftigen Gewinnerwartungen an beide Institute sind, gemessen am aktuellen Börsenwert, weiter eher bescheiden.  Und daran hätte auch eine Fusion nichts geändert, auch die Deutsche Commerz wäre an der Börse ein Hinterbänkler gewesen.

Börsenwert der Banken der Eurozone in Mrd. Euro, Stand 25.4.2019

Kommentare/Linktipps:

Es sei ein „Trügerisches Aufatmen“ zu vernehmen, kommentiert die FAZ.  Denn die Probleme beider Banken blieben schließlich bestehen. Die Ertragspotenziale der Commerzbank seien limitiert, und bei der Deutschen Bank  seien viele Versuche gescheitert, Aufwand und Ertrag auf ein akzeptables Maß zu bringen.

Das Handelsblatt findet das „Ende mit Schrecken“ in Sachen Fusion zwar gut, haut aber in die gleiche Kerbe: Es bedeute keineswegs das Ende mit Schrecken für beide Institute. Für die fingen die Probleme jetzt erst an.

Kann man eigentlich einen über einen Monat alten Kommentar nochmals verlinken? Man muss sogar. Insbesondere dann, wenn er das Scheitern der Fusion gerade wegen des „dilettantischen Vorgehens des Finanzministeriums“ vorhergesehen hat. Denn: Der von Berlin ausgeübte öffentliche Druck habe beide Banken über Monate in eine peinliche Lage manövriert. Und überhaupt die Öffentlichkeit eingeladen, die Fusion auf dem öffentlichen Marktplatz zu zerreden. Spiegel Online.

Eine „vernichtende Niederlage“ sieht auch Bloomberg für Finanzminister Scholz. Der brauche nun einen neuen Plan, um den problematischen deutschen Bankensektor zu sanieren und/oder konsolidieren.

Gibt es überhaupt Gewinner in dem Ganzen? Ja, natürlich: die Angestellte in den Banken, deren Jobs die Synergieeffekte hätten liefern müssen, schreibt der Stern.

Stark fragmentiert und „overbanked“
wäre der deutsche Bankenmarkt selbst im Falle eines Gelingens der Fusion geblieben, schreibt die FT in einem Feature. Was vor allem an der starken Position der Sparkassen liege. FT (Paywall)

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