Analyse: Die Europäisierung der Fintech-Branche

20. September 2017

Von Heinz-Roger Dohms

Einerseits ist es nur eine kleine Nachricht – andererseits könnte sie aber für einen interessanten Trend stehen. Nämlich für die allmähliche Europäisierung der anfangs ja doch eher entlang der Landesgrenzen aufgestellten Fintech-Branche (weniger verschwurbelt ausgedrückt könnte man auch sagen: Die B2C-Finanz-Startups treten jetzt nicht mehr nur gegen die heimische Banken an, sondern auch gegen die eigene europäische Sippschaft).

Was ist passiert? Die Nachricht lautet, dass das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen.de“) den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen hat. Das ist einerseits eine neue Entwicklung. Denn bislang war es eher so, dass deutsche von ausländischen Fintechs geschluckt wurden, zum Beispiel Zencap von Fundings Circle oder Sofortüberweisung und Billpay von Klarna. Andererseits: So neu ist die Entwicklung nun auch wieder nicht. Denn eine Akquisition ist ja zunächst mal nur ein Mittel der Expansion. Und über die Grenzen hinweg expandieren (allerdings meist ohne zu akquirieren) tun die Fintechs momentan wie wild.

Ist die Europäisierung die richtige Strategie? Schaun mer mal. Erinnert sei an Check24, das heimliche Vorbild vieler Finanz-Gründer. Soweit wir das erkennen können, ist der Münchner Gigant bis heute nur in Deutschland tätig (und vermutlich nicht aus Dummheit, sondern aus guten Gründen). Genau das gleiche gilt für Ur-Fintechs wie Smava oder Auxmoney. Und Kreditech musste für seine übereilte Auslandsexpansion 2015 bekanntlich teuer bezahlen.

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