Die zehn ultimativen Trends in der deutschen Banken-Branche 2018

21. Dezember 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Das Jahr endet, wie es enden musste – nämlich damit, dass die Deutsche Bank nochmal richtig einen auf den Deckel bekommen hat (siehe unser heutiger Newsletter). Wobei: Ist es nicht eh schon wurscht, ob sie auf Jahressicht nun 50% oder 55% ihres Börsenwerts eingebüßt hat? Doch nicht nur für die Deutsche Bank war 2018 ein Annus horribilis, sondern genauso für die Commerzbank und im Grunde für die gesamte Branche. Was war noch mal der große Hoffnungsschimmer gewesen, als das Jahr begann? Ach ja, die Zinswende! Die dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wo stattdessen nun die Erträge herkommen sollen? Weiß außer den Low-Cost-Anbietern und ein paar erfolgreichen Nischenplayern keine Sau. Und sonst so? Uppsala, die Digitalisierung. Noch so ein Problem, bei dem man nicht wirklich das Gefühl hat, die Branche wisse, wie sie darauf reagieren soll. Und Positives? Gab es durchaus auch! Wenn man ein bisschen sucht … Hier unsere zehn ultimativen Trends des Bankenjahres 2018:

1.) Die internationalen Investoren haben den Bankenstandort Deutschland mehr oder weniger abgeschrieben

Als das vergangenen Jahr endete, notierte die Deutsche-Bank-Aktie noch bei 15,85 Euro – gestern Nachmittag bei Börsenschluss waren es nur noch: 7,00 Euro, ein geradezu unfassbares Minus von 55,8%. Und die anderen börsennotierten deutschen Kreditinstitute? Commerzbank: minus 53,8%. Aareal: minus 30,5%. Deutsche Pfandbriefbank: minus 34,2%. Noch Fragen?

2.) Wer auf die Zinswende gewettet hat, der hat verloren. Was übrigens auch für Cerberus gilt

Machen wir uns nichts vor. Man kann zwar 1000 gute Gründe finden, warum die Lage so ist, wie sie (siehe oben) eben ist. Aber in letzter Konsequenz war die starke 2017er-Performance zum Beispiel der Commerzbank-Aktie  eine Wette auf die Zinswende – während die 2018er-Entwicklung v.a. den Umstand spiegelt, dass diese Wette bislang eben nicht aufgegangen ist. Womöglich braucht man auch in das, was Cerberus im hiesigen Bankensektor treibt (Deutsche Bank, Coba, HSH Nordbank, Südwestbank, evtl. NordLB …), gar nicht so wahnsinnig viel hineinzugeheimnissen. Der Höllenhund gewinnt, wenn die Zinsen steigen und die Kosten sinken. Bislang hat er nicht gewonnen.

3.) Die Deutsche Bank kämpft jetzt schon so lange mit der Vergangenheit, dass man ihr eine Zukunft kaum noch zutraut

Ein Ende der Malaise? Ist nicht in Sicht. Oder fällt Ihnen irgendein Ausweg ein? Und jetzt sagen Sie bitte nicht: Fusion mit der Commerzbank.

4.) Die Commerzbank kämpft mit einem Ertragsschwund, dass einem Angst und Bange wird

Klar, die Commerzbank hat es nicht leicht. Da ist zum einen (siehe oben) das Zinsproblem. Und zum anderen ist da der irrwitzige Margendruck im traditionellen Kerngeschäft der Coba, sprich: bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen. Gleichwohl zeigen sich die Folgen dieser schwierigen äußeren Bedingungen bei keinem anderen Institut so dramatisch wie bei der Gelbbank, deren Erträge im Firmenkundengeschäft schlichtweg erodiert sind. Folge: Das mittelfristige Ertragsziel (und zwar für die Gesamtbank) wurde jüngst kassiert. Dafür läuft es bei den Privatkunden. Heißt es jedenfalls immer. Tatsächlich steht der Beleg, dass sich mit den vielen neuen Kunden wirklich Geld verdienen lässt, bislang aus (wobei es hier für ein abschließendes Urteil zu früh ist). Was hingegen auffällt: Das Kundenwachstum wurde zuletzt an die Onlinetochter Comdirect gewissermaßen outgesourct. Glaubt die Coba überhaupt noch an ihr eigenes Filial-Mantra?

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5.) Wer noch richtig Geld verdienen will, muss entweder eine Direktbank sein oder eine Nische bespielen

Findet so ein ING-Diba-Manager es eigentlich auch doof, dass die Zinsen nicht anziehen? Oder denkt der sich insgeheim: Was juckt es mich, wenn mir das Zinstief absolut gesehen schadet, solange es mir relativ gesehen nutzt? Denn: Mit einer Cost-Income-Ratio von 44% (ING Diba) bzw. von 51% (DKB) überlebt man vermutlich selbst dann, wenn aus der Niedrigzinsphase endgültig eine Niedrigzinsära werden sollte. Jedenfalls: Laut der diese Woche veröffentlichten „Bain“-Studie kommen die Direktbanken hierzulande immer noch auf eine Eigenkapitalrendite von 7,8%. Das klingt einigermaßen auskömmlich. Und auch jenseits der Direktbanken gibt es da draußen Geschäftsmodelle, die weiterhin funktionieren. Das gilt zum Beispiel (jedenfalls momentan noch) für die Autobanken, deren Geschäftsmodell wir im Frühjahr am Beispiel von VW Financial Services zu entschlüsseln versucht hatten. Und es gilt auch für hochspezialisierte Nischenplayer wie Berenberg oder die Apobank. Und klar: So eine Nische kann natürlich auch regional definiert sein, zumal wenn die entsprechende Region boomt. Wenn man sich mal systematisch die Volksbanken da draußen vorknöpfen würde, dann fände man ganz sicher auch im Jahr 2018 noch eine ganze Reihe von Ertragsperlen.

6.) Ja, den Sparkassen und Volksbanken geht es immer noch erstaunlich gut. Betonung auf: noch!

Wie auch immer sie das gemacht haben – jedenfalls: Bis 2015/2016 haben die Sparkassen und Volksbanken es geschafft, ihren Zinsüberschuss zumindest einigermaßen stabil zu halten; und 2017 vollbrachten viele von ihnen  das kleine Wunder, die Verluste bei den Zinsen durch markant gestiegene Provisionserträge zu kompensieren (Das Provisionsergebnis der „Blauen“ legte 2017 um 8,1% zu, das der „Roten“ um 8,4%). Und 2018? Das ist die große Frage, die man definitiv erst in zwei, drei Monaten wird beantworten können. Als wir für unseren Jahresrückblick aber mal ein bisschen in unserem eigenen Archiv gestöbert haben, fiel uns  die Meldung zu den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken wieder ein, die im Juli einen eher ernüchternden Ausblick aufs Gesamtjahr gegeben hatten. Und: Wir stießen auf die Meldung zu den tendenziell ziemlich beunruhigenden Halbjahreszahlen der Hamburger Sparkasse (Zinsergebnis: minus 11%). Mal sehen, ob das wirklich nur Ausreißer nach unten waren.

7.) Der Angriff der großen Techkonzerne ist nicht mehr bloß ein Drohszenario – er hat begonnen!

Ist der Deutschland-Start von Apple Pay ein Gamechanger, wie in den vergangenen Tagen mitunter behauptet wurde? Schwer zu sagen. Was die vergangenen Monate aber in jedem Fall gezeigt haben. Beim Angriff der großen Technologiekonzerne auf die deutschen Banken handelt es sich nicht mehr nur um eine diffuse Drohkulisse – sondern: Dieser Angriff hat begonnen. Der beste Beleg für diese These ist nicht einmal der Launch von Apple Pay, sondern die vor wenigen Wochen verkündete Triple Entente aus Google Pay, Mastercard und Paypal. Denn Apple benötigt die Banken ja zumindest noch als Partner (von irgendeinem Girokonto muss das Geld, dass per Smartphone an der Ladenkasse den Besitzer wechselt, ja kommen). Die Triple Entente hingegen hat sich zum Ziel gesetzt, die Banken aus dem Bezahlvorgang faktisch auszuschließen – bzw.: Die „Bank“ mit dem „Konto“ ist in diesem Bündnis halt Paypal. Dazu passt wiederum, dass Paypal neuerdings hierzulande Händlerkredite ausreicht, übrigens genauso wie Klarna (wobei wir Klarna nicht als großen Technologiekonzern bezeichnen würden, aber darauf kommt es ja auch nicht an). Vergibt Amazon eigentlich auch schon Kredite in Deutschland? Kann sein. Wir haben vor lauter Gafa ein bisschen den Überblick verloren.

(wie weit die deutschen Fintechs mit ihrem Angriff auf die deutschen Banken sind, lesen Sie übrigens in unserem Fintech-Jahresrückblick)

8.) Im Digitalen sind die deutschen Banken, unterm Strich, noch immer ein bisschen halbgar unterwegs

Ja, die Deutsche Bank hat im Privatkundengeschäft ihren Plattform-Ansatz zuletzt glaubwürdig vorangetrieben, beginnt zudem auf internationaler Ebene in das ein oder andere Fintech zu investieren (uns scheint: mit einem Fokus auf dem Transaction Banking). Und ja, auch die Commerzbank verkündet fast im Wochenrhythmus ein neues Fintech-Investment oder wenigstens eine neue Kooperation. Und nochmal ja: Selbst wenn die Hypo-Vereinsbank ihre direkten Fintech-Beteiligungen verkauft hat, so zählt sie bei manchen digitalen Themen (ein Beispiel: Instant Payment) trotzdem zu den Innovationsführern. Und doch: Die ganz großen, die ganz kühnen Digitalinitiativen sucht man bei den deutschen Banken weiterhin vergeblich. Die Sparkassen werkeln lieber jahrelang an Yomo, statt die DKB zur „Onlinebank der Sparkassen“ zu machen; die Commerzbank begräbt ihre Pläne für eine europaweite Smartphone-Bank (weil: Man hat ja schon die Comdirect, und außerdem ist so was teuer); und wenn die Deutsche Bank ihren eigenen Robo-Advisor startet, dann traut man sich ja kaum zu fragen, ob sie bei den AUMs die Milliarde schon geknackt hat. Sondern man fragt: „Aber mehr als 100 Mio. Euro sind es doch in jedem Fall schon, oder?“ Und wenn man dann ausrechnet, dass N26 zuletzt in nur sechs Monaten eine Million Kunden gewonnen hat, dann fragt man sich halt doch: Müssten die etablierten Player nicht langsam mal gegenhalten?

9.) Erstaunlich viele Kunden bleiben „ihrer“ Bank selbst dann noch treu, wenn diese ordentlich die Gebühren erhöht

Was man allerdings auch sagen muss: So imposant das Kundenwachstum von N26 (und etwas bescheidener bei der ING Diba und bei der DKB) auch sein mag – es ist jetzt nicht so, dass da draußen schon die ganz, ganz große Erosion begonnen hätte. Eher ließe sich das Phänomen, gegen dass die klassischen Filialbanken ankämpfen, wohl als ein „Bröckeln“ bezeichnen (siehe unser Stück „Mythos Kundenwachstum am Beispiel der Hamburger Sparksse“). Hierzu passt, dass die locker-flockigen Marktforscher von Yougov, so weit wir das überblicken, schon länger nicht mehr behauptet haben, neun Prozent der Deutschen würden pro Jahr ihr Girokonto wechseln. Sondern: Alle anderen Untersuchungen zu dem Thema kommen auf Werte von irgendwie so um die zwei bis drei Prozent, was zu dem passt, was wir aus dem Markt hören. Zieht man davon noch die „Hopper“ ab (und bedenkt man, dass die Filialbanken in den letzten 2-3 Jahren auf breiter Flur die Kontoführungsgebühren erhöht haben), dann steht als Fazit: Viele Kunden sind „ihrer“ Bank immer noch erstaunlich treu. Wobei wir niemandem widersprechen würde, der sagt, wir hätten „treu“ mit „träge“ verwechselt.

10.) Wer nach externen Impulsen sucht, sollte nicht auf Cerberus schauen – sondern auf die ING und auf BNP Paribas

Was macht Cerberus da eigentlich? Naja, darauf hoffen, dass sich (siehe oben) die Lage bessert. Und wenn nicht – dann halt fleddern. Würden wir jedenfalls vermuten. Konstruktiver oder zumindest spannender finden wir da schon, was zwei große ausländische Banken, nämlich die ING Groep (mit ihrer Tochter ING Diba) und die BNP Paribas da momentan im deutschen Markt veranstalten. Während nämlich (fast) alle heimischen Banken über sinkende oder allenfalls stagnierende Erträge im Firmenkundengeschäft klagen, hat die ING Diba just in diesem Segment eine verblüffende Ertragsexplosion hingelegt (siehe unser Scoop aus dem September). Und die BNP Paribas? Ist im Firmenkundenbereich ähnlich aggressiv unterwegs wie die ING Diba (btw.: Darf man „Diba“ überhaupt noch sagen?) – und will jetzt auch noch das hiesige Private Banking aus seinem komatösen Zustand erwecken.  Vielleicht ist ja auch das eine Botschaft für 2019: Mit ein bisschen Chuzpe und ein bisschen Kapital geht womöglich sogar im deutschen Bankensektor noch ein bisserl was. Mal sehen, welche einheimischen Player diese beiden Dinge noch aufbringen.

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