„Einfach scheiße“: Das Aus der Bankenfusion in den Medien

28. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Das war’s also mit der Deutschen Commerz – und auch mit unserer ausufernden Berichterstattung über dieselbe. Bevor wir aber den Deckel draufmachen, wollen wir Ihnen noch einen ganz kleinen Überblick geben, wie das Ende der Fusionsverhandlungen übers Wochenende medial nachbesprochen wurde:

„Die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist abgeblasen, aber die Probleme bleiben. Bald könnte Deutschland die einzige Industrienation ohne Großbank sein“, warnt die „Zeit“. Letzten Endes hätten sich alle Beteiligten für den Weg des geringsten Widerstands entschieden – und müssten nun hoffen, dass der nicht zum Holzweg werde. Zeit

Auch der „Spiegel“ beschäftigt sich mit der Frage, ob es ohne Deutsche Commerz in Zukunft denn überhaupt noch eine hiesige Großbank zur Finanzierung der deutschen Industrie geben wird: Hierbei zitiert das Magazin Finanzminister Scholz, der in kleiner Runde angeblich gesagt haben soll: „Wenn die Fusion scheitert, können wir von Glück reden, wenn wir nur eine Bank verlieren.“ Wenn eine Industrienation wie Deutschland keine eigene Großbank mehr habe, dann sei das „einfach scheiße“. Der „Spiegel“ wäre freilich nicht der „Spiegel“, würde er sich dieser Sichtweise anschließen. Stattdessen schreiben die Kollegen: Nach der Finanzkrise hätten ausländische Banken ihre Kreditvergabe in Deutschland zwar tatsächlich reduziert – kompensiert hätten diesen Rückgang aber nicht die Großbanken, sondern in erster Linie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Spiegel (Print, S. 54, 55)

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat einen Interviewtermin mit der „Welt am Sonntag“ unterdessen genutzt, um sich selber Mut zuzusprechen: „Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen“, sagte Zielke der „Welt am Sonntag“. Dass er vor Wochen noch gesagt hatte, ein „Weiter so“ könne es nicht geben, heiße nicht, „dass wir nicht allein weitermachen können. Das können wir sehr wohl“. Welt (Zusammenfassung)

Zielkes Deutsche-Bank-Pendant Christian Sewing vertraute sich derweil der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an – und erhöhte den Druck auf die eigenen Investmentbanker: „Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient“, sagte Sewing. Zwar könne die Deutsche Bank in diesem Bereich wieder wachsen, falls sich die Märkte stabilisieren sollten. Richtig sei allerdings auch: „Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“ FAZ (Paywall)

Nochmal zurück zur Commerzbank: Bereits am Freitag hatte das „HB“ (offenkundig gefüttert aus den Reihen eines Frankfurter Geldinstituts mit gelbem Logo) zur Frage einer möglichen Alternativ-Fusion mit entweder der Unicredit oder der ING geschrieben: „Im Commerzbankturm stellen sich die Verantwortlichen in den kommenden Wochen zwar auf viel Lärm rund um internationale Interessenten ein, aber letztlich auf Lärm um nichts.“ Handelsblatt (Paywall)

Conclusio: Entweder Herr Zielke will sich teurer machen, als er ist (obwohl die Coba-Aktie im Zuge des Deutsche-Commerz-Flirts ja ohnehin schon markant an Wert zugelegt hat). Oder er steht der Idee einer grenzüberschreitenden Zusammenschlusses tatsächlich mit erstaunlich klarer Ablehnung gegenüber (wofür ja auch sprechen würde, dass die „SZ“ neulich schrieb, bei der Coba würde man ein Übernahmeangebot durch die Unicredit sogar als „feindlich“ einstufen).

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing