Exklusiv

Geheimtipp-Fintech Elinvar kommt aus der Deckung

8. Mai 2019

Von Heinz-Roger Dohms

„Kann es sein, dass Elinvar ein möglicher Hidden Champion im Portfolio des Berliner Fintech-Imperiums Finleaps ist? Oder vielleicht sogar: der Hidden Champion.“

So fragte es „Finanz-Szene.de“ im November im zweiten Teil unseres großen „Finleap-Venture-Checks“. Nun, ein halbes Jahr später, verdichten sich die Anzeichen, dass der Vermögensverwaltungs-Digitalisierer (Kunden: z.B. Warburg und Castell-Bank) tatsächlich ziemlich ambitioniert unterwegs ist draußen.

Das sieht man bei Linkedin, wo mittlerweile 60 Elinvar-Mitarbeiter notiert sind (im November waren es 49). Man sieht es im Jobportal von Finleap selbst, wo Elinvar inzwischen Mitarbeiter für 29 offene Stellen sucht (im November: 21). Vor allem aber sieht man es: im Handelsregister. Denn wenn uns nicht alles täuscht, dann ist Elinvar momentan dabei (vermuten wir jedenfalls), so richtig fett zu funden.

Konkret: Aus einer im Handelsregister einsehbaren Urkunde von Mitte März geht hervor, dass die beiden großen Elinvar-Gesellschafter (neben Finleap ist das der Versicherungskonzern Talanx) ihre Anteile an dem 2016 gegründeten B2B-Fintech aufgestockt haben. So wurde das Grundkapital von rund 31.000 auf rund 38.000 Anteile erhöht. Dabei übernahm Finleap interessanterweise einen größeren Batzen als die Talanx-Tochter Ampega (über die der in Hannover beheimatete Großversicherer seine Elinvar-Beteiligung hält). Die Berliner halten ausweislich eines Handelsregister-Eintrags vom 14. März gut 49,64% der Anteile, Talanx verfügt über 38,03% – nachdem es ja früher immer geheißen hatte, die beiden Investoren seien pari-pari investiert. Die restlichen 12,33% verteilen sich dem Dokument zufolge auf die drei Gründer Chris Bartz, Marco Neuhaus und Sebastian Böttner.

Unklar ist, wie viel Geld im Zuge der Transaktion in Elinvar floss. Hierzu steht nichts in den öffentlich zugänglichen Dokumenten – und auf Anfrage schweigt sich das Berliner Startup aus. Angesichts der (auch verglichen mit anderen B2B-Fintechs) enormen Summen, die Elinvar momentan in die Erweiterung seines Teams investiert, wäre ein zweistelliger Mio.-Betrag allerdings nicht überraschend.

Interessant in diesem Zusammenhang: Im Bundesanzeiger ist seit Kurzem der 2017er-Jahresabschluss einzusehen. Daraus geht hervor, dass Finleap und Talanx das Startup quasi vom Start weg mit einer Kapitalrücklage von rund 6 Mio. Euro versorgt hatten – ziemlich ordentlich für ein soeben erst gegründete Fintech. Der Fehlbetrag in jedem Jahr belief sich auf 2,9 Mio. Euro. Auch diese für ein B2B-Finanz-Startups stattliche Summe illustriert, dass die Berliner sehr forsch unterwegs sind (wobei hinzugefügt werden muss: Elinvar erhielt 2017 eine Finanzdienstleister-Lizenz durch die Bafin, was normalerweise einiges an Aufwand verursacht).

Ganz nebenbei bemerkt werfen die Vorgänge bei Elinvar auch ein Schlaglicht auf die strategische Entwicklung bei Finleap. Der Berliner Company-Builder hat seit seinem Start 2014 mehr als ein Dutzend Fintechs hervorgebracht – ein Geschäftsmodell, das eigentlich auf der Idee basiert, dass Finleap seine Ventures entwickelt, um die Anteile später mit ordentlichem Gewinn zu verkaufen.

Zuletzt hatte es aber den Anschein, als würde Finleap – im Dezember erst ausgestattet mit einer 41-Mio.-Euro-Spritze des chinesischen Versicherers Ping An – innerhalb seines bestehenden Portfolios eher investieren als deinvestieren. So injizierte Finleap im Zuge der Fusion seines Ventures Finreach mit dem Hamburger Fintech Figo frisches Geld frisches Kapital in das neu entstandene Gemeinschafts-Unternehmen; zudem stärkte Finleap seine Tochter Beesy durch den Zukauf des Berliner Konto-Spezialisten Penta.

Will Finleap also auch bei Elinvar dauerhaft aufstocken, gar wieder die Mehrheit übernehmen? Das ist nicht gesagt. Denn dass die jüngste Kapitalerhöhung nicht nach außen kommuniziert wurde, könnte darauf hindeuten, dass bei Elinvar sogar noch mehr im Schwange ist, als das Handelsregister bislang dokumentiert.

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