Leserblog: Was unsere Leser zu den „Deutsche Commerz“-Plänen sagen

3. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Eine wunderbare Einrichtung ist das: Wie schicken Ihnen morgens eine Mail. Und Sie schicken uns, wenn es Ihnen in den Fingern juckt, einfach eine Mail zurück – was uns dann wiederum Futter für die nächste Mail an Sie gibt. Beispiel: Zur geplanten Fusion von „Deutscher Bank“ und „Commerzbank“ haben uns in den letzten Wochen Dutzende von Leser-Mails erreicht. Einige der Reaktionen haben wir in gekürzter Form einfach mal zusammengefasst. Voila:

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„Warum der Twitter-Anonymus ‚Johannes Borgen‘ Recht hat“

Die Analyse von Borgen ist in der Tat interessant und trifft bei mir auf große Zustimmung. Zwei Punkte als Reaktion.

  1. Sie fragen zum Thema der möglichen besseren Refinanzierung der „Deutschen Commerz“ im Vergleich zur Deutschen Bank. Das hängt aus meiner Sicht mit den höheren Einlagen zusammen, die die Deutsche Commerz zur Refinanzierung verwenden könnte und einem verhältnismäßig abnehmenden Portfolio an Risikoaktiva zu tun hat. Die Commerzbank hat weniger Risikoaktiva, die den höheren Einlagen entgegenstehen. Außerdem hat die Deutsche allein ein Rating-Thema. Ansonsten bin ich aber völlig bei Ihnen, der Unterschied dürfte nicht allzu groß sein, zumal die Aufseher auch ein größeres Systemrisiko sehen könnten.
  2. Eine funktionierende Transaktionsstruktur könnte sein, dass die Insitute eine starke Retailbank inkl. kleineren Firmenkunden aufbauen – und den Corporate Bereich abtrennen und an eine großen französische oder englische Bank verkaufen. Dann verlöre man zwar die DNA der Deutschen Bank, aber die Bank wäre kein Moloch mehr. Und die Firmenkundensparte benötigt die Einlagen aus dem Retailgeschäft, könnte also allein nicht überleben. Das ist natürlich politisch nicht gewollt.

„Sehr valider Punkt“

Die Zinsanalyse war topp. Und nach einem Gespräch mit einem der unmittelbar Entscheidenden darf ich sagen: sehr valider Punkt.

„Alle wichtigen Stakeholder haben bereits ihre Zustimmung signalisiert“

Die entscheidenden Stakeholder haben dem Deal bereits zugestimmt (Merkel, Scholz, Altmaier; Stichwort Industriepolitik) und bemerkenswerterweise auch schon das Bundeskartellamt sowie die EU-Monopolkommission. BaFin, Bundesbank und EZB werden auch „YES“ sagen, womglich mit Auflagen. Vorstände, AR-Mitglieder („Change of Control“-Klausel) und die Top-Investoren (Bund, Cerberus, China/HNA, Hedge-Fonds und Katar) werden mit Kostensynergien (bei Personal und IT) und gegebenenfalls Kursgewinnen „gekauft“. Die EU ist sowieso nur an der „Bankenunion“ und der EU-Konsolidierung des Bankenmarkts interessiert. Betriebsräte (inkl. Verdi, DBV) kämpfen um ihre Posten und machen dann am Ende die Sozialpläne. Achleitner will ohnehin den Befreiungsschlag, um von der eigenen langjährigen Unfähigkeit abzulenken. […] Und die Konkurrenten freuen sich schon – siehe dazu auch Szenario politische Rettung der Nord/LB, in die die Politik auch die Commerzbank treiben wollte.

„Trotz Badwill – Eigenkapital entsteht nicht aus dem Nichts“

„Grundsätzlich kann Eigenkapital nicht aus dem Nichts entstehen, wäre ja auch zu einfach. Wenn die Deutsche Bank die Aktionäre der Commerzbank bei der Fusion über den Tisch zieht, dann gewinnt die Deutsche Bank das, was die Aktionäre der Commerzbank verlieren, weil die Aktionäre einen zu geringen Preis für ihre Aktien akzeptieren. Wenn man von diesem Szenario ausgeht, dann ist es ein echter Gewinn für die Deutsche Bank und somit echtes Eigenkapital.

Die doch wohl realistischere Variante ist, dass in dem deutlich unter dem Nettovermögen liegendem Börsenwert die schlechten Zukunftsaussichten der Commerzbank eingepreist sind. Dann zahlt die Deutsche Bank auf das Nettovermögen einen Abschlag, der als Badwill passiviert werden muss. Den kann sie dann in den Folgejahren sukzessive auflösen, was für die Ertragslage der nächsten Jahre natürlich ganz interessant werden kann. Die echten operativen (eher geringen) Gewinne und die Auflösung des Badwills ergeben dann das Ertragsniveau, dass der Markt erwartet.

„Die Deutsche Bank und die Commerzbank stellen kein Systemrisiko mehr dar“

 „JohannesBorgen“ hat Recht – die Deutsche Commerz würde kein Systemrisiko bedeuten. Vier Gründe:

  1. Die Risiken auf den Bilanzen sind bei weitem nicht mehr so hoch, wie noch zu Zeiten der Finanzkrise / Lehman.
  2. Eine Bank muss nicht mit Steuermitteln gerettet werden. Wie in Island könnten Sie die kombinierte Bank verstaatlichen und keinen Cent aus Hilfsprogrammen einsetzen. Dann gehört den Steuerzahlern auch die Aktivseite, die zum großen Teil werthaltig bleiben wird.
  3. Die Banken haben eher ein Ertragsproblem als ein Kostenproblem. Das haben sie definitiv auch, aber viel wichtiger ist es ja, endlich mit den lange angelegten Plänen ins Geld zu kommen. Bei der Commerzbank greift so langsam die Retailstrategie. Das heißt, eine Fusion kann hier helfen, wenn man die gesunden Teile integriert und und keine neue noch größere Universalbank baut.
  4. Was in der Diskussion oft gemacht wird – es wird von der Größe der beiden Banken auf die Größe nach Zusammenschluss geschlossen. Wie wir alle wissen, wird ein Merger aber nie 1:1 umgesetzt (um eben Synergien zu heben).

„Was getan werden muss, damit die Aufseher der Badwill-Lösung zustimmen.“

Die Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank  ließe sich die Übernahme durch folgenden Mix finanzieren:
  1. Eine Kapitalerhöhung unter Ausschluß des Bezugsrechts für den Umtausch der Aktien des Bundes an der Commerzbank, so dass der Bund danach unter 10% an der „Deutschen Commerz“ hält – und zwar über die KfW. Damit gäbe es genug Vertrauen für die Refinanzierung, aber zu wenig Einfluss, um internationale Investoren zu beunruhigen.
  2. Verkauf der 77,75% an der DWS
  3. Aktivierung von „Badwill“, allerdings erst nachdem die Commerzbank Abschreibungen auf Assets und Rückstellungen für die Restrukturierung vorgenommen hat. Dies macht es leichter für die Regulierer, den verbleibenden „Badwill“ anzuerkennen, insbesondere wenn dann auch die „Deutsche Commerz“ Rückstellungen für Restrukturierung und IT-Integration bildet. Der sehr kleine verbleibende Teil des „Badwills“ wird dann für die Übernahmefinanzierung verwendet.

„Fragen Sie doch mal Herr Sewing, wie es 2028 um die Deutsche Bank bestellt sein wird“

Ich bin ja fast vom Stuhl gefallen: Eine jährliche Inflationserwartung in fünf Jahren für die nächsten fünf Jahre! Ich wusste gar nicht, das so etwas ermittelt wird (werden kann) und darüber hinaus auch noch die wichtigste Kennzahl der EZB hinsichtlich der Inflationserwartung sein soll. Mal ehrlich, wissen Sie mit welcher Wachstumsrate „Finanz-Szene.de“ in den Jahren 2024 bis 2028 wachsen wird. Fragen Sie Herrn Sewing oder Herrn Zielke, wie es um die Deutsche Bank bzw. Commerzbank in den Jahren 2024 bis 2028 bestellt sein wird. Werden die Ihnen irgendetwas Seriöses sagen können? Jetzt mal Hand auf’s Herz: Die Lebensversicherer und Pensionsfonds kaufen doch keine Langläufer mit Erträgen unter ein Prozent, weil sie ihre Investitionsentscheidung auf diese Inflationserwartung gründen, sondern weil die EZB ihnen keine andere Wahl lässt. Und ich wette, die Ermittlung der Inflationserwartung fußt im Wesentlichen dann auf solchen Investitionsentscheidungen.

„Schlechtere Konditionen für den Mittelstand“

In Sachen „Deutsche Commerz“ sind viele Aspekte beleuchtet worden, ein wesentlicher aber bislang nicht: Es wird von einem nationalen Champion gesprochen, der Großkonzerne auch im Ausland begleiten soll. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind allerdings die Mittelständler (50 bis 300 Mio. Euro Umsatz). Wenn sich solche Unternehmen finanzieren, zählen neben den Volksbanken und Sparkassen oftmals auch die Deutsche und die Commerzbank zum Bankenkreis.

Verschmelzen die beiden Institute, müsste die „Deutsche Commerz“ innerhalb des Konsortiums entweder eine doppelt so hohe Kreditsumme bereitstellen – was entsprechend höhere Risiken nach sich zöge. Oder es käme bei der Finanzierung von Mittelständler zu einer spürbaren Verschlechterung. Sollte die Fusion tatsächlich politisch motiviert sein, dann sollte dieser Punkt  im Mittelpunkt der Diskussion stehen.“

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