Filial-Mysterium, Teil 3: Das sind die Bankfilialen in Frankfurt/Oder

Von Heinz-Roger Dohms

Wie letzte Woche geschrieben, kam uns (und mehr noch: kam vielen Lesern) die große KfW-Filialstudie ein wenig seltsam vor. Denn: Während die Zahl der Zweigstellen zwischen 2000 und 2015 bundesweit stark gesunken ist, hat in manchen Städten und Kreisen eine geradezu wundersame Filial-Vermehrung stattgefunden. In Frankfurt an der Oder zum Beispiel stieg die Zahl der Zweigstellen von neun auf 14, im Kreis Würzburg von 65 auf 101. Wie kann das sein? Und kann das überhaupt sein?

Die KfW – deren Hilfbereitschaft und Transparenz wir hier mal explizit loben wollen – hat uns inzwischen ihre Methodik detailliert dargelegt:

  • Alle zugrunde liegenden Daten stammen aus den jährlichen Veröffentlichungen des Hoppenstedt Bankenortslexikon. Dieses Nachschlagewerk geht bis zum Jahr 1950 zurück.
  • Der Zugriff auf das Bankenlexikon erfolgte unsererseits über das Archiv der Deutschen Nationalbibliothek. Diese hat den Auftrag, lückenlos mindestens eine Ausgabe jedes nach dem 2. Weltkrieg erschienen deutschsprachigen Werkes zu erwerben, dauerhaft zu archivieren, bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. So auch alle früheren, jährlichen Ausgaben des Bankenortslexikons: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=bankenortslexikon
  • Jedermann hat freien Zugang zu diesen Veröffentlichungen. Jeder Jahrgang des Bankenlexikons liegt jeweils als gedrucktes Exemplar oder auf einer CD vor, die ausschließlich in der Deutschen Nationalbibliothek vor Ort in Frankfurt (oder Leipzig) recherchiert werden kann. Mitarbeiter der Universität Siegen haben in Absprache mit der KfW in monatelanger Detailarbeit die entsprechenden Jahrgänge händisch ausgewertet. Jede dort verzeichnete Filiale wurde einem Postleitzahlengebiet zugeordnet. Das lässt sich dann über die Zeit nachvollziehen. Diese Arbeit der Universität Siegen ist bisher einmalig und hier liegt auch die Besonderheit unseres Datensatzes.
  • Unsere Definition (Anm.: einer Bankfiliale) lautet „Die dieser Untersuchung zu Grunde liegenden Daten zu Bankfilialen stammen aus der Bisnode-Veröffentlichung „Hoppenstedt Banken-Ortslexikon“ (Stichtag 30.06. eines jeweiligen Jahres). Diese Datenquelle enthält geographische Angaben (Adressen) sowohl über die Haupt- wie sämtliche Nebenstellen der betrachteten Banken. Die sich daraus ergebende Möglichkeit der Geocodierung – was mit Daten der Bundesbank nicht möglich ist – macht den hier verwendeten Datensatz zu einem einzigartigen Instrument. Aufgrund der wissenschaftlichen Fragestellung wurden nur reguläre Bankfilialen (mit Mitarbeitern ausgestattet und Vollzeit geöffnet) aufgenommen. Servicecenter, Zahlstellen, Bankbusse oder ähnliche Einrichtungen wurden nicht berücksichtigt.

Wenn Sie nun fragen, warum wir nicht einfach in die Deutsche Nationalbibliothek gehen, um zum Beispiel die Angaben in Bezug auf Franfurt/Oder und Würzburg zu überprüfen … Weil die Redaktion von „Finanz-Szene.de“ (das ist unser dunkles Geheimnis) in Hamburg sitzt, nicht in FFM. Aber: Wenn es bis dahin niemand anderes gemacht hat, holen wir das bei unserem nächsten FFM-Besuch nach.

Damit Ihnen bis dahin nicht langweilig wird, haben wir heute immerhin schonmal (freundlicherweise von der KfW zur Verfügung gestellt) die Liste sämtlicher aktueller Filialen in Frankfurt an der Oder. Es sind übrigens keine 14 mehr wie vor zwei Jahren, sondern nur noch 13. Wenn es die wundersame Filial-Vermehrung also wirklich gegeben hat – dann könnte sie inzwischen ihr Ende gefunden haben. Schade eigentlich.

   Sparkasse Oder-Spree: Hauptgeschäftsstelle Innenstadt, Franz-Mehring-Str. 22, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.s-os.de/de/home/service/filiale-finden.html?n=true&stref=sitemap#details/118500

·       Sparkasse Oder-Spree: Geschäftsstelle Lebuser Vorstadt, Berliner Straße 14, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.s-os.de/de/home/service/filiale-finden.html?n=true&stref=sitemap#details/118501

·       Sparkasse Oder-Spree: Geschäftsstelle Paulinenhof, August-Bebel-Str. 116, 15234 Frankfurt (Oder): https://www.s-os.de/de/home/service/filiale-finden.html?n=true&stref=sitemap#details/103411

·       Sparkasse Oder-Spree: Geschäftsstelle Frankfurt (Oder) Süd, Alexej-Leonow-Str. 2a, 15236 Frankfurt (Oder): https://www.s-os.de/de/home/service/filiale-finden.html?n=true&stref=sitemap#details/103428

·       Sparkasse Oder-Spree: Geschäftsstelle Neuberesinchen, Am Hedwigsberg 4, 15232 Frankfurt (Oder): https://www.s-os.de/de/home/service/filiale-finden.html?n=true&stref=sitemap#details/120216

·       Commerzbank Frankfurt (Oder), Logenstr. 8,  15230 Frankfurt (Oder): https://filialsuche.commerzbank.de/de/city/Frankfurt%20(Oder)#

·       apoBank, Beratungsbüro Frankfurt (Oder), Karl-Marx-Straße 7, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.apobank.de/filialen/uebersicht-filialen/apobank-beratungsbuero-frankfurt-oder.html

·       Deutsche Bank, Karl-Marx-Straße 194, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.deutsche-bank.de/pfb/content/filialfinder-detail.html?id=akt0emFDQkVISG1MVjFIb0FkRmtxZz09&lat=52.34464&lng=14.53733&backLink=bGFiZWw9QlJBTkNIJmxhdD01Mi4zNDQ2NCZsbmc9MTQuNTM3MzMmc2VhcmNoVGVybT1GcmFua2Z1cnQgKE9kZXIpLCBERQ%3d%3d&searchTerm=Frankfurt%2b(Oder)%252c%2bDE

·       Raiffeisen-Volksbank Oder-Spree eG, Karl-Marx-Straße 15, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.rvboderspree.de/wir-fuer-sie/filialen-ansprechpartner/filialen/uebersicht-filialen/frankfurt_oder.html

·       Santander Consumer Bank, Franz-Mehring-Str. 23-23c, 15230 Frankfurt (Oder): http://www.yellowmap.de/Partners/SantanderV2/start.aspx?SingleSlot=Frankfurt%20Oder&BC=CCBA

·       Sparda-Bank Berlin eG, Zehmeplatz 11, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.sparda-filialfinder.de/Partners/SpardaBank/Start.aspx?BC=SPADxBER&SingleSlot=Frankfurt+Oder

·       Deutsche Kreditbank AG, Große Scharrnstraße 64, 15230 Frankfurt (Oder)              

·       HypoVereinsbank UniCredit Bank AG, Logenstr. 8, 15230 Frankfurt (Oder): https://www.hypovereinsbank.de/portal?view=/de/services/filialsuche/frankfurt-oder-logenstrasse-8.jsp#

Exklusiv: Sparkassen flirten mit dem Tabubruch

Von Heinz-Roger Dohms

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ loten der deutsche Sparkassenverband und der Hamburger Einlagenvermittler Deposit Solutions („Zinspilot“) eine mögliche Zusammenarbeit aus. Seit rund zwei Monaten wird auf Fachebene geflirtet, angeblich durfte Deposit Solutions sein Modell jüngst sogar auf einer Sparkassen-Veranstaltung präsentieren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

1.) Was macht Deposit Solutions?

Das Hamburger Fintech ist auf die Vermittlung deutscher Spareinlagen an vorwiegend ausländische Banken spezialisiert. Das entsprechende B2C-Tool heißt „Zinspilot“. Das größere Wachstumspotenzial rechnet sich das Unternehmen aber vermutlich im B2B-Geschäft aus. Dafür hat das Unternehmen eine Plattform gebaut, auf der zum Beispiel der „Zinsmarkt“ der Deutschen Bank basiert. Über den „Zinsmarkt“ können die Kunden ihr Geld bei anderen Finanzinstituten (mit höheren Zinsen) anlegen, bleiben aber Kunden der Deutschen Bank.

2.) Warum passt das Modell eigentlich nicht zu den Sparkassen?

Kritiker werfen Anbietern wie „Zinspilot“ oder dem Berliner Konkurrenten „Weltsparen“ vor, die Einlagensicherung zu arbitrieren. Das heißt: Sie werben – zumindest implizit – unter Verweis auf die europaweit gültigen Regeln für den Einlagenschutz damit, dass ausländische Hochzinsbanken (trotz oftmals deutlich schlechterer Bonitätsnoten) für den deutschen Sparer genauso sicher seien wie Sparkassen oder Volksbanken (jedenfalls bis zu einer Summe von 100.000 Euro).

3.) Warum bandelt der DSGV dann trotzdem mit Deposit Solutions an?

Die Zeiten sind, wie sie sind.

4.) Wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Insider sagen, der DSGV-Digitalchef Joachim Schmalzl und Deposit-Solutions-Chef Tim Sievers hätten sich im Fintech-Rat (eine Einrichtung des Finanzministeriums) kennen und wohl auch schätzen gelernt. Wie das Leben halt manchmal so spielt.

5.) Worauf könnte eine mögliche Zusammenarbeit hinauslaufen?

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ geht es um zwei Modelle.

  • „Modell A“ betrifft nur den Verbund – und läuft darauf hinaus, dass der Kunde der Sparkasse A sein Geld zur Sparkasse B transferieren kann, wenn diese ihm bessere Konditionen bietet. Angeblich birgt das Konzept nicht nur Vorteile für den Kunden, sondern auch für die Sparkassengruppe, weil sich auf diese Weise neue Möglichkeiten des verbundinternen Liquiditätsmanagements ergeben (hier wird die Sache regulatorisch extrem komplex). Jedenfalls: Dieses Modell könnte aus  ideologischer Sicht durchaus Sparkassen-kompatibel sein.
  • „Modell B“ geht über den Verbund hinaus – der Kunde der Sparkassen A kann sein Geld also auch dann bei Bank B anlegen, wenn Bank B gar keine Sparkasse ist. Ob auch dieses Modell ideologisch kompatibel ist? Naja, vielleicht so gerade noch, wenn es sich bei Bank B um ein solides deutsches Geldhaus handelt. Ansonsten ist das Ganze schwer vorstellbar. Aber wer weiß.

Interview: „Niemand leiht sich 10 Mio. Euro rein übers Internet“

Finanz-Szene.de: Herr Wüller, um Ihr 2012 gegründetes Fintech Compeon war es zuletzt vergleichsweise still. Nun allerdings haben Sie eine ungewöhnlich hohe Finanzierung gelandet …

Frank Wüller: Wir haben tatsächlich weniger häufig auf den Bühnen der Republik getanzt als manch anderes Startup – und uns stattdessen auf unser Produkt fokussiert, auch manchmal in Stillarbeit. Und ja: Dieser Tage unsere Serie-B-Runde abgeschlossen und insgesamt 12 Mio. Euro erhalten.

Finanz-Szene.de: … was laut der Fintech Money Map von Barkow Consulting eines der bislang zehn größten Fundings für B2B-Fintechs in Deutschland ist …

Wüller: Hierauf sind wir sehr stolz, zumal das Geld ausschließlich von den Alt-Investoren kommt. Neben Tengelmann Ventures sind das unter anderem btov Partners und Dieter von Holtzbrinck Ventures.

Finanz-Szene.de: Wie darf man sich Ihr Geschäftsmodell vorstellen? Sie bezeichnen sich als „Marktführer unter den digitalen Plattformen für gewerbliche Finanzierungen“ – das klingt nach einem Interhyp für Unternehmenskredite.

Wüller: Im Grunde trifft es der Vergleich ganz gut – wobei wir allerdings Wert auf die Feststellung legen, dass wir völlig unabhängig von Produkten und Anbietern sind. Unternehmen finden über unsere digitale Plattform schnell und unkompliziert die passende Finanzierung. Dabei erhalten sie völlige Transparenz, was Zins, Laufzeit, Eigenkapitaleinsatz und Sicherheiten betrifft.

Finanz-Szene.de: In welchen Größenordnungen bewegen wir uns da? Das Firmenkundengeschäft ist ja klassischerweise People Business. Die Vorstellung, dass sich ein großer Mittelständer über das Internet mal eben, sagen wir, zwei Millionen Euro besorgt, klingt gewöhnungsbedürftig. Läuft das wirklich so – oder ist Ihre Klientel nicht eher der Gewerbetreibende, der 50.000 Euro benötigt?

Wüller: Damit keine Missverständnisse aufkommen: Unsere Kernklientel sind klassische mittelständische Unternehmen. Die Kreditsummen liegen bei normalen mehrjährigen Finanzierungen in der Regel zwischen 100.000 Euro und 10 Millionen Euro. Was allerdings stimmt: Es gibt praktisch kein Unternehmen, das einen sieben- oder achtstelligen Kredit aufnimmt, ohne dass es Kontakt zu einem menschlichen Berater gegeben hat.

Finanz-Szene.de: Wie läuft das ab?

Wüller: Die Anfrage des Mittelständlers kommt normalerweise online rein. Dann nimmt einer unserer mittlerweile über 20 Berater telefonischen Kontakt zum Unternehmen auf, um die Details zu besprechen: Wäre ein klassischer Kredit das richtige Produkt? Würden Leasing oder Factoring vielleicht besser passen? Wie sieht es mit der Förderfähigkeit aus? Wenn diese Details geklärt sind, geht die Anfrage direkt an die potenziellen Finanzierungspartner. Wir kooperieren mittlerweile mit mehr als 220 Banken, Fördermittelanbietern und Spezialfinanzierern. Zu unseren Partnern auf der Kreditseite gehören zum Beispiel die Hypovereinsbank, die Postbank oder die ApoBank, aber auch viele Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken.

Finanz-Szene.de: Sie bekommen ihre Kunden also praktisch nie zu Gesicht?

Wüller: Doch, speziell bei größeren Summen fahren unsere Berater durchaus auch raus zum Kunden.

Finanz-Szene.de: Wer als Privatperson ein Häuschen baut, tut das einmal im Leben – und ist froh, dass er sich heutzutage im Internet über die Konditionen informieren kann. Ist das im Firmenkundengeschäft genauso? Wir würden ja eher vermuten, dass der Geschäftsführer eines Millionenunternehmens eine sehr konkrete Vorstellung davon hat, bei welchen Banken er anklopfen muss.

Wüller: Genau so vielfältig wie die Finanzierungsanlässe sind mittlerweile auch die Finanzierungsmöglichkeiten, die Finanzierungsprodukte sowie die Konditionen und Anforderungen der  Anbieter. Compeon sorgt für Transparenz und Einfachheit im sehr unübersichtlichen gewerblichen Finanzierungsmarkt. Für uns steht der Kunde mit seinem individuellen Bedarf im Vordergrund – nicht das Produkt oder ein Anbieter. Diese Leistung ist in Deutschland einmalig. Unsere Kunden schätzen, dass sie mit uns eine zentrale und unabhängige Plattform mit Zugang zu allen relevanten Finanzierungspartnern haben.

Finanz-Szene.de: Trotzdem bleibt die Frage – wenn wir über das disruptive Potenzial von Compeon reden – , inwieweit Ihre Dienstleistung standardisierbar ist. Check24 beispielsweise lebt ja letzten Endes davon, dass ein Ratenkredit dem anderen gleicht, die Vermittlung also ein skalierbares Massengeschäft ist. Bei Interhyp (sprich: in der Baufinanzierung) ist es zumindest ähnlich. Dieses Prinzip lässt sich aber doch nicht auf das sehr viel komplexere Firmenkundengeschäft übertragen – oder etwa doch?

Wüller: Die Standardisierbarkeit der Produkte ist in der Tat sehr eingeschränkt. Dennoch birgt auch das gewerbliche Finanzierungsgeschäft ein enormes Skalierungspotenzial, nämlich in den Technologien und Prozessen. So nutzen wir als digitale Plattform beispielsweise bereits heute technische Schnittstellen, wo immer es geht, um dem Kunden schnell, effizient und komfortabel zur besten Finanzierungslösung für sein individuelles Vorhaben zu verhelfen.

Finanz-Szene.de: Und was machen Sie jetzt mit den 12 Mio. Euro?

Wüller: Wir wollen massiv, aber natürlich nicht blind investieren. Einen Teil des Geld wollen zum Beispiel für den den Ausbau unserer IT-Plattform verwenden. Daneben wollen wir neue Bereiche wie die Absatzfinanzierung stärken. Dazu muss man wissen: Neben Krediten, Darlehen, Leasing und Factoring vermitteln wir auch alternative Finanzierungen wie Mezzanine, Einkaufs- und Projektfinanzierungen oder Private Debt.

Finanz-Szene.de: Kredite in welcher Höhe haben Sie in diesem Jahr schon vermittelt?

Wüller: In 2017 haben wir bereits Finanzierungen in deutlich dreistelliger Millionenhöhe vermittelt. Das Durchschnittsvolumen pro Anfrage liegt bei Compeon bei rund 700.000 Euro.

 

Exklusiv: Achtstellige Finanzierung für Kreditvermittler Compeon

Von Heinz-Roger Dohms

Der auf Firmenkunden spezialisierte Kreditvermittler Compeon steigt auf einen Schlag zu einem der bestfinanzierten deutschen B2B-Fintechs auf. Wie Geschäftsführer Frank Wüller im Interview mit „Finanz-Szene.de“ verriet, hat das 2012 gegründete Startup in seiner Serie-B-Runde erstaunliche 12 Mio. Euro eingesammelt. Mit dem Geld will Compeon nun die IT-Plattform ausbauen und neue Segmente wie die Absatzfinanzierung erschließen. Das in Düsseldorf beheimatete Finanz-Startup hat allein in diesem Jahr bereits Kredite in dreistelliger Millionenhöhe vermittelt. Dabei reichen die Volumina bis zu zehn Mio. Euro. Zum Portfolio zählen mehr als 200 Partnerbanken, darunter Schwergewichte wie die Hypo-Vereinsbank oder die Postbank.

Exklusiv: In diesen Städten gab es im Jahr 2015 mehr Filialen als im Jahr 2000

Von Heinz-Roger Dohms

In der jüngsten Banken-Studie der KfW verbirgt sich eine verblüffende Nachricht: In nicht weniger als 17 Städten und Kreisen ist die Zahl der Filialen zwischen 2000 und 2015 nicht etwa gesunken – sondern gestiegen, und zum Teil sogar deutlich. Die KfW hat uns die entsprechenden Rohdaten zur Verfügung gestellt (in der mittleren bzw. der rechten Spalte finden Sie die Zahl der Filialen im jeweiligen Jahr)

2000 2015
Fürth (Kreis) 22 35
Frankfurt Oder 9 14
Würzburg (Kreis) 65 101
Wittenberg (Kreis) 32 44
Rostock (Kreis) 35 48
Marburg-Biedenkopf 98 117
Rostock (Stadt) 38 45
Brandenb., Havel 16 18
Kitzingen (Kreis) 65 73
Alb-Donau-Kreis 133 147
Nordhausen (Kreis) 23 25
Bremen 114 121
Stuttgart (Stadtkreis) 187 196
Main-Spessart 95 100
Ulm (Stadtkreis) 47 49
Erlangen 50 52
Dingolfing-Landau 50 51

Exklusiv: Commerzbank verpflichtet Lendico-Gründer Dominik Steinkühler

Von Heinz-Roger Dohms

Zum ersten Mal überhaupt wechselt ein prominenter Fintech-Gründer zu einer deutschen Großbank: Nach Informationen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ hat Dominik Steinkühler, der Ex-Chef des Berliner Online-Kreditportals Lendico, zum 1. Oktober bei der Commerzbank angeheuert. Er soll dort die digitale Transformation des Firmenkundengeschäfts verantworten, wie ein Sprecher des Instituts bestätigte.

Steinkühler hatte Lendico 2013 mitgegründet. Zuvor sammelte er bei der Boston Consulting Group Erfahrung als Projektleiter in der Finanzindustrie – unter anderem in der Post-Merger-Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank. Zudem war Steinkühler bei der Investmentbank Rothschild im Bereich Mergers & Acquisitions tätig. Lendico gehörte bis zu diesem Jahr zum Portfolio von Rocket Internet, wurde dann jedoch an einen britischen Hedge-Fonds namens Arrowgrass veräußert. Im Zuge dieser Transaktion schied Steinkühler aus der operativen Führung von Lendico aus.

Exklusiv: Der digitale Brain-Drain bei der Commerzbank

Von Heinz-Roger Dohms

Erst fünf Wochen ist es her, dass Commerzbank-Chef Martin Zielke in einem Interview die digitalen Fähigkeiten seines Instituts in höchsten Tönen lobte: „Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland. Und damit haben wir Erfolg“, prahlte der 54-Jährige. Da konnte er noch nicht ahnen, dass er kurz darauf ohne drei seiner wichtigsten Digitalmanager dastehen würde.

Als erstes kam ihm nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ die E-Commerce-Chefin Maren Heiß abhanden. Laut ihres Linkedin-Profils heuerte sie Anfang Oktober bei der Frankfurter Dependance der Schweizer Großbank UBS an. Heiß‘ Abgang wird von Insidern als „inhatlich bedauerlich“, aber „karrieretechnisch normal“ beschrieben. Die Managerin gehörte der Coba über viele Jahre an, wollte sich offenbar verändern. Und: Sie war dann doch „nur“ Abteilungsleiterin. Davon gibt es viele bei der Commerzbank.

Dann aber verabschiedete sich Ende vergangener Woche auch der direkte Vorgesetzte von Maren Heiß – nämlich der Director Directbanking, Ole Franke. Das war ein anderes Kaliber, zumal Franke eine Zeitlang als digitales Vorzeigegesicht der Commerzbank herumgereicht wurde (was auch daher rührte, dass er der Mobilfunkbranche entstammt und also über eine spannende Quereinsteiger-Biografie verfügt).

Innerhalb der Commerzbank kursieren zwei Erklärungen für die Demission. Zum einen war Franke zuletzt dem Bereichsvorstand Ulrich Coenen zugeordnet, der genau wie er selber einst für E-Plus gearbeitet hatte – und der dann, obwohl er deutlich später als Franke zur Commerzbank kam, im vergangenen Jahr dessen Chef wurde. Sprich: Keine ganz einfache Konstellation. Und die zweite Erklärung? Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Franke einen spannenden neuen Job sicher, offenbar wieder in der Finanzbranche. So kam es, dass die Commerzbank den Manager, nachdem der zunächst gekündigt hatte, kurzentschlossen freistellte.

Auch das war allerdings noch nicht alles. Denn parallel zu Franke ging dem Bereichsvorstand Coenen noch ein weiterer seiner Topmanager von der Stange, nämlich Julian Mattes, der „Director Payments & Deposits“. Letzter Arbeitstag: 6. Oktober, exakt wie bei Franke. Auch Mattes hatte offenbar gekündigt und wurde daraufhin freigestellt. Bei seinem neuem Arbeitgeber soll es sich nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ um den Venture-Capital-Fonds „Digital + Partners“ handeln, was insofern schlüssig klingt, als Mattes ein früherer McKinsey-Mann ist – und hinter „Digital + Partners“ auch ein paar Ex-Meckies stehen.

Alles in allem ergibt sich damit das Bild einer „disruptiven Großbank“, die zuletzt so ein bisschen sich selbst disruptierte. Denn, zur Erinnerung: Neulich wurde ja auch schon der Abschied von Christian Hoppe verkündet, als Gründer des hauseigenen Startup-Investor „Main Incubator“ auch so ein digitaler Hoffnungsträger, den die Commerzbank gern öffentlich vorzeigte. Und – zuvor hatte auch schon Hoppes Mit-Geschäftsführerin Birgit Storz die Frankfurter Großbank verlassen.

Daneben gab es  beim „Main Incubator“ offenbar noch einen weiteren hochrangigen Abgang, der bislang aber unbeachtet blieb – nämlich den des Investmentmanager Carsten Maybach. Der war an fast allen größeren Deals des „Main Incubators“ beteiligt, vom Dokumenten-Startup Gini über das Payment-Fintech Optiopay bis hin zum Buchhaltungs-Spezialisten Candis. Dann jedoch verließ er die Commerzbank und heuerte er beim Fintech-Investor Alstin an.

Angesichts dieses digitalen Brain Drains ist bemerkenswert, dass die Commerzbank einen prominenten Neuzugang, den sie jüngst getätigt hat, nicht öffentlich kommuniziert hat. Gleich zwei Insider berichten nämlich gegenüber „Finanz-Szene.de“, dass der Fintech-Promi Dominik Steinkühler, Ex-Chef der Samwer-Kreditplattform Lendico, jüngst bei der Coba angeheuert habe. „Der läuft auch schon durch die Kantine“, erzählt ein Commerzbanker.

Und ja – wie uns ein Institutssprecher gestern Abend bestätigte, hat Steinkühler zum 1. Oktober angefangen. Er soll die digitale Transformation des Firmenkundengeschäfts verantworten. Übrigens: Nicht nur in der Personalie Steinkühler sieht die Commerzbank einen Beleg dafür, dass eben nicht nur gute Digitalleute gehen – sondern auch welche kommen. So verpflichtete das Frankfurter Institut vor wenigen Monaten – auch dies blieb öffentlich weitgehend unbeachtet – den früheren Google-Manager Kerem Tomak. Er leitet jetzt den Konzernbereich „Big Data & Advanced Analytics“

Analyse: Noch mehr deutsche Fintech-Unicorns

Von Heinz-Roger Dohms

Wie wir letzte Woche exklusiv berichteten, wird das Berliner Ur-Fintech Hypoport an der Börse inzwischen mit (umgerechnet) mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Aus Spaß an der Freud‘ – und: weil die drei Firmen, um die es in diesem Artikel geht, brutale Margenkiller für Deutschlands Banken sind – haben wir heute einen kleinen Kennzahlen-Vergleich für Sie vorbereitet:

Hypoport Interhyp Check24
(Provisions-)Umsatz 156,6 Mio. k.A. rd. 500 Mio.
Rohertrag 85,2 Mio. 190,7 Mio. k.A
Ebit 23,2 Mio. 67,7 Mio. k.A
Ebitda 28,3 Mio. k.A. >50 Mio.
Umsatz CAGR 2013-2016 16,9 % k.A. 64,2 %
Ebit CAGR 2012-2016 64,1 % 55,8 % k.A.
Ebit CAGR 2014-2016 71,4 % 65,2 % k.A.
Mitarbeiter 709 1448 rd. 1000

Nun müssen wir gleich mal ein paar Einschränkungen machen:

1.) Check24 ist leider ein bisschen zu klandestin für einen vollständigen Vergleich. Aber die rund 500 Mio. Euro Provisionsumsatz und das wahnwitzige Umsatz-CAGR von 64,2 % über die vergangenen vier Jahre sollten dann doch einen groben Eindruck von der Power des Münchner Vergleichsportals vermitteln. Nach unseren Informationen (denen Sie vertrauen dürfen) ist die Ebitda-Marge von Check24 zudem zweistellig, das Ebitda liegt also mindestens bei 50 Mio. Euro.

2.) Natürlich ist Check24 als breit aufgestelltes Vergleichsportal kein reinrassiges Fintech. Man darf allerdings davon ausgehen, dass bei dem Münchner Unternehmen ein stattlicher Teil des Umsatzes und ein noch stattlicherer Teil des Gewinns aus der Vermittlung von Versicherungs- und Bankprodukten herrührt. Mithin lässt sich Check24 durchaus als Ur-Fintech (oder unseretwegen auch Ur-Insurtech) kategorisieren. Und nicht zu vergessen: Mit einigen seiner jüngsten Produktinnovationen bewegt sich Check24 sogar wieder deutlich stärker Richtung Fintech.

3.) Interhyp und Hypoport sind zwar beides Baugeldvermittler, lassen sich aber trotzdem nicht 1:1 vergleichen, da Interhyp quasi nur Retail macht, während bei Hypoport das Retailgeschäft nur gut 50 % des Geschäftsvolumens ausmacht.

So, aber trotz all dieser Einschränkungen würden wir behaupten, dass sich Hypoport zu Interhyp wie die Schinkenwurst zum rohen Schinken und Hypoport zu Check24 wie die Schinkenwurst zur Salami verhält. Wir haben es also mit einer Art Ur-Fintech-Peer-Group zu tun. Und wenn Sie dann 1.) schauen, wieviel mehr Umsatz und wieviel mehr Ebitda Check24 im Vergleich zu Hypoport macht … und wenn Sie dann 2.) schauen, wieviel mehr Rohertrag und wieviel mehr Ebit Interhyp im Vergleich zu Hypoport macht …

… dann sehen Sie, ohne dass Sie komplexe mathematische Modelle bemühen müssten, dass Hypoport nicht nur nicht das einzige deutsche Ur-Fintech-Unicorn ist – sondern ganz sicher auch nicht das größte.

Zum Schluss unserer kleinen Betrachtung nochmal drei technische Hinweise:

1.) Interhyp wurde 2011 von der ING Groep übernommen und von der Börse genommen. Darum gibt es für das Unternehmen keine öffentliche Bewertung.

2.) Check24 finanziert sich seit Jahren aus dem Cashflow, braucht also keine Funding-Runden, die Rückschlüsse auf eine etwaige Bewertung zuließen.

3.) Streng genommen kommen die Provisionen solcher Vermittler eher aus den Stückkosten als aus der Marge, weil der Vetriebsaufwand für die Banken ja gleichzeitig sinkt (wobei wir uns da jetzt nicht ganz sicher sind). Aber sei’s drum. Margenkiller ist viel zu knackig, als dass wir auf das Wort verzichten würden. Und: Sie wissen ja, wie wir’s meinen (Internet=Preistransparenz=weniger Gewinn für die Banken).

Reportage: Zu Besuch beim Berliner Wunder-Fintech Hypoport*

Von Heinz-Roger Dohms

Das Haar brav gescheitelt. Die Füße in ledernen Schuhen. Und Sakko statt Kapuzenpulli. Ronald Slabke ist der ultimative Gegenentwurf zum landläufigen Klischee des Berliner Fintech-Gründers. Dazu passt, dass er weder an der Beisheim-School noch in Oestrich-Winkel studiert hat, sondern in Dresden. Und dazu passt auch sein Alter: Slabke ist nicht Ende 20. Sondern 44.

Was Ronald Slabke aber vor allem von den anderen Berliner Fintech-Gründern unterscheidet: Seine Firma Hypoport macht Gewinn. Und zwar nicht nur ein bisschen. Sondern so viel und in so steigender Tendenz, dass die Börse schon seit Jahren ganz verrückt nach Hypoport ist. Die Marktkapitalisierung liegt mittlerweile bei mehr als 900 Millionen Euro. In Dollar gerechnet ist Hypoport damit ein Unicorn, also ein junges Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde.

Die Zentrale von Hypoport liegt unweit der Berliner Alexanderplatzes, in einer unscheinbaren Ecke, geprägt von einer vielspurigen Straße, die die schicke Neue Mitte mit dem schicken Prenzlauer Berg verbindet. In gewisser Weise passt dieser Standort zum Unternehmen: Denn auch Hypoport ist unscheinbar, ein B2B-Spezialist, der andere Unternehmen miteinander verbindet, selber aber kaum in Erscheinung tritt. Nicht nur den Endkunden sagt Hypoport nichts. Selbst manche Menschen aus der Bankenwelt wissen mit dem Namen nichts anzufangen.

Was macht diese Firma also?

Hypoport ist Protagonist und Profiteur eines der wichtigsten Trends in der Finanzbranche: Weil die Kunden dank des Internets ohnehin immer informierter werden, gehen immer mehr Banken dazu über, in Beratungsgesprächen auch auf die Angebote anderer Institute hinzuweisen. Im Fondsbereich ist dies E S Vorgehen unter dem Stichwort „Offene Architektur“  schon lange üblich. Beim Festgeld kündigte die Deutsche Bank jüngst an, die Einlagen ihrer Kunden auf Wunsch auch an Institute zu vermitteln, die höhere Zinsen bieten. Am stärksten ist der Trend jedoch in der Baufinanzierung zu spüren – und für die technische Plattform sorgt Hypoport. Folge: Der Umsatz stieg seit der Börsennotierung in 2007 um 285 Prozent, der Vorsteuergewinn sogar um über 300 Prozent.

Gegründet wurde Hypoport offiziell erst 2001. Die Historie ist aber deutlich älter, sie geht zurück auf eine Lübecker Firma namens „Dr. Klein“, die vielen privaten Bauherren ein Begriff ist, weil man fast zwangsläufig über „Dr. Klein“ stolpert, wenn man im Internet nach einer günstigen Immobilienfinanzierung sucht. Indes: Als Ronald Slabke 1996 zu „Dr. Klein“ kommt, macht die Firma noch gar kein Retailgeschäft, sondern Kreditvermittlung für die kommunale Wohnungswirtschaft. Sie bringt also städtische Baugesellschaften und Hypothekenbanken zusammen. Und das schon seit den 1950ern.

Als Slabke bei „Dr. Klein“ anfängt, ist er gerade mal 22 – und ein Schnellentwickler. Er hat nach zwölf Jahren Abi gemacht, dann in Dresden drei Jahre an der Staatlichen Berufsakademie studiert, schließlich ein Jahr bei der Westdeutschen Immobilienbank in der Investorenbetreuung gearbeitet, bevor er nun bei „Dr. Klein“ als Assistent der Geschäftsführung anfängt. Es dauert ein Jahr, da hat er Prokura. Und noch zwei weitere – da gehört ihm der Laden.

Und das kam so: Die Gründerfamilie hatte „Dr. Klein“ an die Hamburg-Mannheimer verkauft. Der damalige Großversicherer (inzwischen längst in der Münchner Ergo aufgegangen) verlor jedoch Ende der 90er-Jahre die Lust an dem Geschäft. Also kauft Slabke gemeinsam mit dem Sohn des Gründers die Firma 1999 zurück. Ein klassisches Management-Buyout, wobei der Mittzwanziger Slabke seinen gut 16 Millionen D-Mark teuren Anteil fast komplett über Kredite finanzierte. „Das war ganz schön hoch geleveraged damals“, sagt er.

Denn Slabke erwirbt die Firma nicht nur – er stülpt ihr gleich eine neue Geschäftsidee über: Baufinanzierungen mithilfe des gerade entstehenden Internets. Mit den smarten Fintech-Lösungen, wie man sie heute kennt, hat das, was „Dr. Klein“ Ende der 90er Jahre treibt, allerdings noch nicht viel zu tun. „Online“ ist an dem ganzen Prozess erst einmal nur, dass der Kunden aus dem Internet einen Kreditantrag ausdrucken kann. Ausfüllen muss er ihn händisch, dann per Post zu „Dr. Klein“ nach Lübeck schicken – in der Hoffnung, dass sein Antrag ins Raster einer der wenigen Banken passt, die damals schon mit“Dr. Klein“ kooperieren. Es ist für alle Seiten ein mühseliges Procedere.

Wirklich Fahrt nimmt das Geschäft erst auf, als „Dr. Klein“ 2002 einen Schritt zurück in die analoge Welt macht – und beginnt, ein Franchise-System mit heute deutschlandweit mehr als 200 Beratungsbüros aufzubauen. Auch heute sind diese Büros im Retailgeschäft das entscheidende Glied in der Kette: Die Kunden suchen via Internet nach einem passenden Kredit, hinterlassen bei „Dr. Klein“ ihre Daten und werden daraufhin schließlich von ihrem regionalen Beratungsbüro kontaktiert. Interhyp, der größte Konkurrent im deutschen Markt, funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip.

Parallel zum Aufbau der Franchisekette leitet Slabke 2002 die Technologisierung seines Unternehmens ein. Das Vehikel dazu trägt den Namen Europace – eine Art Marktplatz für die elektronische Abwicklung von Baufinanzierungen. Das Hochschul-Spinoff, das die Rechte an Europace hält, fusioniert mit „Dr. Klein“, man gibt sich den gemeinsamen Namen Hypoport. Und es beginnt die Geschichte eines deutschen Ur-Fintechs.

Das ursprüngliche Geschäft mit den Wohnungsgenossenschaften spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Den meisten Umsatz macht die Unternehmensgruppe inzwischen im Retailgeschäft, 86,1 Millionen Euro kamen 2016 zusammen. Das stärkste Wachstum indes verzeichnet Hypoport im B2B-Geschäft, sprich: mit dem Fintech-Tool Europace. In diesem Bereich stiegen die Erlöse im vergangenen Jahr um 9,6  Millionen auf 53,6 Millionen Euro, das Umsatzplus lag also bei 22 Prozent. Slabke ist überzeugt, dass Europace auch in den kommenden Jahren zweistellig wachsen wird, nicht nur wegen des Baubooms, „sondern weil die Plattform bereits heute von über 450 Vertragspartnern verwendet und in wenigen Jahren bereits von der Mehrzahl der Bankfilialen genutzt werden wird“.

Dazu muss man wissen: In den Anfangsjahren wurde Europace vor allem von Kreditanbietern verwendet, die selber keine oder kaum Filialen unterhielten – etwa Hypothekenbanken oder Versicherer. Auf der Plattform trafen sie auf Finanzdienstleister, die zwar Kunden mitbrachten, aber selber keine Kredite anboten – wie etwa der AWD. Mit der Zeit traten dann aber auch die ersten klassischen Banken dem elektronischen Marktplatz bei. Das beste Beispiel war die schwedische SEB, die mittlerweile zur Santander gehört. „SEB war die erste Bank, die sagte: Wir bieten unseren Kunden zwar eigene Kredite an, wollen ihnen aber auch den Zugang zu anderen Instituten ermöglichen, wenn es dort womöglich bessere Konditionen gibt“, sagt Slabke.

Er räumt ein, dass dieses Denken immer noch die Ausnahme ist – der meiste Traffic auf Europace kommt weiterhin von den neutralen Vertrieben, nicht von den Banken. „Die Gewichte aber verschieben sich“, sagt Slabke, „immer mehr Banken öffnen sich für die Idee der offenen Architektur“ – oder zumindest für eine halboffene Variante. So wird die Hypoport-Plattform mittlerweile von rund 220 Volks- und Raiffeisenbanken genutzt. Allerdings  vermitteln die meisten ihre Kunden ausschließlich an Institute aus dem eigenen, genossenschaftlichen Lager, also etwa an die Münsteraner WL Bank oder die Münchener Hypothekenbank.

Die Abwägungsentscheidung für die Banken ist grundsätzlich simpel: Nutzen sie Europace, dann geben sie freiwillig einen Teil ihrer Marge ab – was gerade in Zeiten verbreiteter Passivüberhänge bitter ist. Anderseits: Wenn eine Bank fürchten muss, den Kunden ganz zu verlieren, weil der sich nach dem Beratungsgespräch auf eigene Faust nach einem alternativen Anbieter umschaut – dann bietet die Plattform die Chance, zumindest den Kunden zu behalten. Und: Natürlich fließt eine Provision. Sie soll bei etwa 1,5 Prozent der Kreditsumme liegen, bei einem Baudarlehen von 200.000 Euro sind das immerhin 3.000 Euro. Hypoport selbst, so sagt Slabke, bekommt für einen über die Plattform vermittelten Kredit durchschnittlich rund 200 Euro. Klingt nach wenig, läppert sich aber: 2016 vermittelte Hypoport allein über Europace rund 200.000 Immobilienfinanzierungen.

* Bei dem Text handelt es sich um eine gekürzte und aktualisierte Fassung der Geschichte „Fintech aus den 50ern“, die vor rund einem Jahr im „International Bankers Forum“ (IBF) erschien.  Alle wichtigen Infos zum IBF finden Sie hier. Wenn Sie die aktuelle Ausgabe als E-Paper lesen möchten, dann klicken Sie bitte hier.

Dokumentation: Die Aussagen des UBS-Chefs zum Job-Beben

In einem Interview mit „Bloomberg Markets“ hat UBS-Chef Sergio Ermotti erklärt, der technologische Fortschritt könne in den nächsten Jahren 25 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in seiner Bank überflüssig machen. Wir dokumentieren die beiden wichtigsten Antworten Ermottis:

  • Eventually, when we look back 3, 5, 10 years from now, you’ll realize how much has changed. But I don’t believe we’re going to go through those changes in a way that’s going to be perceived as disruptive to anyone. Think about where we were 10 years ago. So many changes have come through. You don’t see them because, of course, here we are every day. The impact of technology over the next 10 years is going to be very similar to the impact of regulation over the last 10. It’s not the Big Bang; it’s going to be very gradual. But you’re going to be faster—much more efficient, proficient. Instead of serving 50 clients, you’ll be able to serve 100 and in a more sophisticated way. And so I’m convinced that you need to continue to invest in that sense. Technology will help you reduce your cost base. But you’re also going to have to reinvest a lot of your savings to keep your tech capabilities up to speed.
  • I’m not telling you anything new: We see a lot of contraction in the number of people in our industry. I think the jobs that are still going to be there are still relevant. You talk to people who are process-oriented firms, and they say they’ll have 50 percent less. It’s not 5 percent or 10 percent but probably something in the middle: 25 percent, 30 percent. If you look at UBS, we employ a meaningful amount of people—almost 95,000, including contractors. You can have 30 percent less, but the jobs are going to be much more interesting jobs, where the human content is crucial to the delivery of the service. I’m totally convinced that our jobs and industry will continue to be very interesting and challenging.

Das komplette Interview lesen Sie hier.

Exklusiv: Immo-Crowd-Markt knackt 100-Mio-Marke

Von Heinz-Roger Dohms

Über deutsche Crowdplattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als 100 Mio. Euro in Immobilienprojekte investiert worden. Das geht aus Daten hervor, die „Finanz-Szene.de“ vorab vom Branchenportal crowdfunding.de zur Verfügung gestellt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die exakt 100,2 Mio. Euro ein Wachstum von 337 Prozent – wobei abzuwarten bleibt, inwiefern  dieses Tempo zu halten ist, nachdem die Branche Mitte September ihren ersten Ausfall erlebte.

Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf einen einzigen Anbieter, nämlich Exporo aus Hamburg (lesen Sie hier unser Interview mit Exporo-Chef Simon Brunke aus der vorletzten Woche). Und ebenfalls bemerkenswert: Immobilien machen mittlerweile rund 80 Prozent des gesamten Crowdinvesting-Markts aus. Von Januar bis September flossen nämlich nur 17,0 Mio. Euro in Startups (plus 28 Prozent), in Energieprojekte steckte der Schwarm 8,1 Mio. Euro (plus 161 Prozent).

Unsere Grafik listet segmentübergreifend die zehn größten Anbieter auf. Weitere Details finden Sie im Laufe des heutigen Mittwochs auf crowdfunding.de unter diesem Link.

Anbieter Segment Volumen
1. Exporo Immobilien 61.643.162 €
2. Zinsland Immobilien 13.350.000 €
3. Zinsbaustein Immobilien 8.925.000 €
4. Bergfürst Immobilien 6.738.470 €
5. Companisto Unternehmen 6.366.930 €
6. Kapilendo Unternehmen 4.049.000 €
7. Vestinas Immobilien 2.500.000 €
8. Bettervest Energie 2.343.750 €
9. WIWIN Energie 2.300.000 €
10. Seedmatch Unternehmen 2.246.000 €

Analyse: So viele Menschen wechseln ihr Girokonto wirklich

Von Heinz-Roger Dohms

Die Stammleser von „Finanz-Szene.de“  wissen, dass wir einigen der da draußen kursierenden Kontowechselservice-Studien nur bedingt vertrauen (bzw.: wenn sie von Yougov kommen, dann vertrauen wir ihnen gar nicht). Zwar haben wir leider immer noch keinen Weg gefunden, wie sich die  Zahl der Kontowechseler exakt ermitteln lässt.  Aber: Wir glauben, dass sich auf Basis plausibler Annahmen jetzt eine vernünftge Näherungsgröße bestimmen können.

Auf geht’s:

1.) Wie wir vergangene Woche gezeigt haben, hat die Postbank binnen zwölf Monaten brutto mindestens 550.000 Giro-Kunden verloren. Wenn wir das „mindestens“ streichen, indem wir es mit den vermuteten Sterbefällen verrechnen, kommen wir auf 500.000 bis 550.000 Kündigungen (=Kontowechseln). Bei einem Ausgangswert von 5,25 Millionen Postbank-Konten macht das ziemlich exakt zehn Prozent.

2.) Diese zehn Prozent sind aber ganz sicher keine Zahl, die sich 1:1 auf die Branche übertragen lässt. Denn:

  • Es gibt ja viele Direktbanken, die ihre Kontogebühren gar nicht erhöht haben. Hier wird die Kündigungsquote  extrem gering sein.
  • Kaum eine Bank stand öffentlich derart in der Diskussion (bzw. in der Kritik) wie die Postbank. Darum dürfte sie von Kontokündigungen stärker betroffen sein als Konkurrenzinstitute, die ähnliche Erhöhungen vorgenommen haben.
  • Hinzu kommt, dass die Postbank-Kunden im Schnitt preissensitiver sein dürften als die Sparkassen- und Volksbank-Kunden (das ist die Kehrseite der üppigen Neukunden-Boni, die das Bonner Institut einst auslobte). Auch dieser Umstand spricht dafür, dass die Kündigungswelle die Deutsche-Bank-Tochter besonders hart getroffen hat.

Pi mal Daumen dürfte die Zahl der Kontowechsler also über die gesamte Branche hinweg sehr deutlich unter zehn Prozent liegen.

3.) Dazu würde das Ergebnis der jüngsten Marktwächter-Umfrage passen, wonach die Zahl der Kontowechsler bei rund zwei Prozent liegt.

4.) Und dann könnte auch die jüngste GfK-Studie, wonach rund 40 Prozent aller Kontowechsel auf die Postbank zurückgehen, so einigermaßen stimmen. Denn wenn 40 Prozent 525.000 sind, dann wären 100 Prozent 1,31 Millionen (diese Zahl kann man dann, je nach Gusto, durch die Zahl aller Girokonten teilen – angeblich rund 100 Millionen – oder die Zahl derer, die mindestens ein Girokonto besitzen).

Die diversen Yougov-Studien, die eine Wechslerquote von neun und mehr Prozent suggerieren, sollte man hingegen vermutlich dahin kloppen, wo sie hingehören.

Exklusiv: Berliner Fintech erlangt Unicorn-Status

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Finanztechnologie-Unternehmen Hypoport AG gehört nach einem Bericht des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ nun zur raren Spezies der sogenannten „Unicorns“ – damit sind junge Unternehmen gemeint, die auf eine Bewertung von mehr als einer Milliarden Dollar kommen. Nach einem rasanten Kursanstieg in den vergangenen Monaten liegt die Marktkapitalisierung der börsennotierten Baugeldvermittlers schon seit einigen Tagen bei rund 900 Millionen Euro. Am Donnerstag lag der Börsenwert zum Handelsschluss bei exakt 884,95 Millionen Euro – das waren umgerechnet 1,041 Milliarden Dollar.

In der breiten Öffentlichkeit ist die 1999 gegründete Hypoport AG so gut wie unbekannt. Das liegt daran, dass das Unternehmen im Endkundengeschäft nicht unter seinem eigenen Namen auftritt, sondern unter dem Markennamen „Dr. Klein“.  Hypoport bietet allerdings nicht nur Baugeldvergleiche für Häuslebauer an, sondern stellt seine Technologie unter dem Namen „Europace“ auch B2B-Kunden zur Verfügung. Dazu gehören Vertriebe wie Accedo, aber auch bekannte Banken wie die Postbank, Santander oder die DKB. Auch für viele Volksbanken und Sparkassen sind die Berliner mittlerweile tätig.

2016 hatte die Hypoport AG ihren Umsatz von 139 auf 156,6 Millionen Euro gesteigert. Der Rohertrag wuchs um 19 Prozent auf 85,2 Millionen Euro, das Ebit um 21 Prozent auf 23,2 Millionen Euro.

Exklusiv: Postbank verliert in 12 Monaten rund 10 % ihrer Giro-Bestandskunden

Von Heinz-Roger Dohms

Die Postbank hat im Zuge der Gebührenerhöhung im vergangenen Herbst eine wohl beispiellose Abwanderung von Bestandskunden verkraften müssen. Wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, verlor das Bonner Geldinstitut binnen zwölf Monaten rund zehn Prozent seiner angestammten Giro-Kunden. Durch die gleichzeitige Akquise von Neukunden konnten die Verluste allerdings zum Teil kompensiert werden.

Nach eigenen Angaben  verfügte die Postbank Mitte vergangenen Jahres noch über 5,25 Millionen Girokonten. Zwölf Monate später waren es dagegen nur noch „knapp fünf Millionen“, wie dem jüngst veröffentlichten Halbjahresbericht zu entnehmen ist. Netto lag das Minus also bei über 250.000. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass die Postbank im ersten Halbjahr dieses Jahres zugleich 170.000 neue Kunden gewann – mithin büßte die Deutsche-Bank-Tochter in ihrem Bestand mindestens 420.000 Kunden ein. Hinzu kommen  die in der zweiten Jahreshälfte 2016 akquirierten Neukunden. Das waren nach früheren Angaben von Vorstandsfrau Susanne Klöß rund 130.000. Daraus ergibt sich insgesamt ein Bruttoverlust von mindestens 550.000 Kunden (wobei diese Zahl neben den Kündigungen naturgemäß auch Sterbefälle beinhaltet).

Finanz-Szene.de untersuchte für die Analyse sämtliche Geschäfts- und Zwischenberichte der Postbank seit Mitte 2015. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Kunden im März 2016 mit 5,3 Millionen ihren Höhepunkt erreichte; selbst unterm Strich hat die Traditionsbank nun also mindestens 300.000 Giro-Kunden weniger als vor 15 Monaten. Das entspricht einem Minus von mehr als fünf Prozent.

Die Postbank hatte die Gebührenerhöhungen Mitte August 2016 angekündigt und zum 1. November umgesetzt. Die Entgelte reichen von 1,90 Euro monatlich für ein reines Online-Konto bis hin zu 9,90 Euro für ein Konto mit diversen Extras. Zwar verlangen inzwischen auch viele andere Banken mehr Geld für die Kontoführung – darunter eine große Zahl an Sparkassen und Volksbanken. Allerdings war die Postbank das erstere größere Geldhaus, das wieder Gebühren einführte, nachdem die Konten zuvor für fast alle Kunden gratis waren.

„Finanz-Szene.de“ legte der Postbank die Berechnungen vor – das Institut widersprach ihnen nicht. Allerdings wies ein Sprecher darauf hin, dass die „rund fünf Millionen Kunden“, die nun mehrheitlich Kontogebühren entrichteten, für die Banken einen anderen Wert hätten als 5,25 Millionen Kunden, die mehrheitlich keine Kontogebühren gezahlt hätten. Bislang hatte die Postbank bestritten, dass es zu Massenkündigungen gekommen sei.