„Einfach scheiße“: Das Aus der Bankenfusion in den Medien

Von Heinz-Roger Dohms

Das war’s also mit der Deutschen Commerz – und auch mit unserer ausufernden Berichterstattung über dieselbe. Bevor wir aber den Deckel draufmachen, wollen wir Ihnen noch einen ganz kleinen Überblick geben, wie das Ende der Fusionsverhandlungen übers Wochenende medial nachbesprochen wurde:

„Die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist abgeblasen, aber die Probleme bleiben. Bald könnte Deutschland die einzige Industrienation ohne Großbank sein“, warnt die „Zeit“. Letzten Endes hätten sich alle Beteiligten für den Weg des geringsten Widerstands entschieden – und müssten nun hoffen, dass der nicht zum Holzweg werde. Zeit

Auch der „Spiegel“ beschäftigt sich mit der Frage, ob es ohne Deutsche Commerz in Zukunft denn überhaupt noch eine hiesige Großbank zur Finanzierung der deutschen Industrie geben wird: Hierbei zitiert das Magazin Finanzminister Scholz, der in kleiner Runde angeblich gesagt haben soll: „Wenn die Fusion scheitert, können wir von Glück reden, wenn wir nur eine Bank verlieren.“ Wenn eine Industrienation wie Deutschland keine eigene Großbank mehr habe, dann sei das „einfach scheiße“. Der „Spiegel“ wäre freilich nicht der „Spiegel“, würde er sich dieser Sichtweise anschließen. Stattdessen schreiben die Kollegen: Nach der Finanzkrise hätten ausländische Banken ihre Kreditvergabe in Deutschland zwar tatsächlich reduziert – kompensiert hätten diesen Rückgang aber nicht die Großbanken, sondern in erster Linie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Spiegel (Print, S. 54, 55)

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat einen Interviewtermin mit der „Welt am Sonntag“ unterdessen genutzt, um sich selber Mut zuzusprechen: „Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen“, sagte Zielke der „Welt am Sonntag“. Dass er vor Wochen noch gesagt hatte, ein „Weiter so“ könne es nicht geben, heiße nicht, „dass wir nicht allein weitermachen können. Das können wir sehr wohl“. Welt (Zusammenfassung)

Zielkes Deutsche-Bank-Pendant Christian Sewing vertraute sich derweil der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an – und erhöhte den Druck auf die eigenen Investmentbanker: „Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient“, sagte Sewing. Zwar könne die Deutsche Bank in diesem Bereich wieder wachsen, falls sich die Märkte stabilisieren sollten. Richtig sei allerdings auch: „Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“ FAZ (Paywall)

Nochmal zurück zur Commerzbank: Bereits am Freitag hatte das „HB“ (offenkundig gefüttert aus den Reihen eines Frankfurter Geldinstituts mit gelbem Logo) zur Frage einer möglichen Alternativ-Fusion mit entweder der Unicredit oder der ING geschrieben: „Im Commerzbankturm stellen sich die Verantwortlichen in den kommenden Wochen zwar auf viel Lärm rund um internationale Interessenten ein, aber letztlich auf Lärm um nichts.“ Handelsblatt (Paywall)

Conclusio: Entweder Herr Zielke will sich teurer machen, als er ist (obwohl die Coba-Aktie im Zuge des Deutsche-Commerz-Flirts ja ohnehin schon markant an Wert zugelegt hat). Oder er steht der Idee einer grenzüberschreitenden Zusammenschlusses tatsächlich mit erstaunlich klarer Ablehnung gegenüber (wofür ja auch sprechen würde, dass die „SZ“ neulich schrieb, bei der Coba würde man ein Übernahmeangebot durch die Unicredit sogar als „feindlich“ einstufen).

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DWS: Gespart wird bei Muttern (-53%), nicht den Gehältern (+14%)

Von Christian Kirchner

Wenn die Fondsgesellschaft DWS Zahlen vorlegt wie am Freitag, lohnt ein näheres Hinschauen. Warum? Wenn es schon in andere Bereichen bei der Deutschen Bank hineinregnet (das Investmentbanking arbeitete im 1. Quartal defizitär, im Privat- und Firmenkundengeschäft sanken die Gewinne um 11% zum Vorjahresquartal) – dann sollte doch wenigstens die Fondstochter liefern. Und zur Erinnerung: Stabile Erträge wie eben aus dem Fondsgeschäft sollen laut Christian Sewings (nun wieder aktuellem) Plan A künftig zwei Drittel der Erträge beisteuern.

Hier die interessantesten Punkte aus dem DWS-Zahlenwerk:

  • Die 2017 und 2018 zu verzeichnenden Mittelabflüsse sind gestoppt, im ersten Quartal flossen der DWS netto wieder 2,5 Mrd. Euro zu. Auch beim Vorsteuergewinn ging es nach oben, nach 140 Mio. Euro im ersten Quartal 2018 hat die DWS nun 153 Mio. Euro erwirtschaftet. Gut für die Deutsche Bank: Ihr fließen demnächst für das Jahr 2018 über 200 Mio. Euro an DWS-Dividenden zu.
  • An den großen, strukturellen Negativtrends allerdings, die der DWS und vielen anderen Vermögensverwaltern zusetzen, hat sich auch im ersten Quartal 2019 (und damit dem ersten vollständigen unter dem neuen Vorstandschef Asoka Wöhrmann) nichts geändert. Genauer: Der Mix im verwalteten Vermögen verschlechtert sich, weil es Zuflüsse vor allem im margenschwachen Passivgeschäft gibt (konkret: 6,2 Mrd. Euro in Q1), aber weiter leichte Abflüsse im margenstarken aktiven Fondsmanagement. Und so bröckeln auch die Erträge und vor allem die Marge weiter ab, nach 31,0 Basispunkten (gemessen am verwalteten Vermögen) im 1. Quartal 2018 auf nunmehr 30,0 im 1.  Quartal 2019.
  • Auch bei der Cost-Income-Ratio ist das Glas eher halbleer denn halbvoll: Die DWS sieht sich zwar auf dem besten Wege, ihre Kostenziele für 2019 zu erreichen. Die Cost-Income-Ratio liegt indes immer noch bei 71,4 Prozent (und mithin höher als im Schlussquartal 2018) und damit ein gutes Stück über dem Zielwert von unter 65 Prozent, der nun „mit höchster Priorität“ verfolgt werden soll.
  • Gibt es denn irgendwo wenigstens mal ein kräftiges Plus? Aber ja! Bei den Gehältern und Benefits, wie aus der Analystenpräsentation hervorgeht. Die stiegen im Q1 um 7 Prozent zum Vorquartal und 14 Prozent zum Vorjahresquartal auf nunmehr 192 Mio. Euro. Das sei, hüstel, eine Funktion der „Normalisierung der Bonusabgrenzung“ und „saisonalen Effekten“ geschuldet, heißt es. Aber wie gelang es der DWS dann, trotzdem auf sinkende Kosten zu kommen? Die gingen gegenüber dem Vorjahresquartal schließlich insgesamt um 38 Mio. Euro zurück. Kräftig Kosten herausgenommen hat die DWS bei den „Gebühren für DWS-Funktionen in Deutsche-Bank-Einheiten“ und „DB Gruppengebühren“. Sie betrugen in Q1 2018 noch zusammen 80 Mio. Euro, jetzt nur noch 38 Mio. Euro – sanken mithin also recht genau in der Größenordnung, in der die Kosten insgesamt gesunken sind. Ob das Kostenmanagement tatsächlich so „tight“ ist, wie man es sich selbst diagnostiziert und Asoka Wöhrmann noch den Besen findet, mit dem er die Treppe von oben kehren wird, werden daher erst die kommenden Quartale zeigen.

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Alles zur geplatzen Fusion Deutsche/Commerzbank

Von Christian Kirchner

Woran hat es denn nun gelegen? Womöglich daran, dass sich kaum jemand außer Vertretern des Finanzministeriums überhaupt für den Deal erwärmen oder ihm eine industrielle Logik abgewinnen konnte. Denn, so schreibt das Handelsblatt heute: Selbst im optimistischsten Szenario wäre bei der Fusion eine Großbank mit einer Eigenkapitalrendite im mittleren einstelligen Bereich herausgekommen. Zur Einordnung: das ist rund die Hälfte dessen, was Großbanken in Europa erwirtschaften. Dennoch hätten selbst für dieses Szenario 30.000 Jobs wegfallen müssen. Ein wesentlicher Grund für die schwache Rentabilität: Dissynergien, sprich: wegfallende Erträge durch überlappende Kundenstrukturen, die erst einmal wieder hereingeholt werden müssen.

Nun gibt es kaum Gewinner, aber viele Verlierer: Die beiden beteiligten Banken dürften den ein oder anderen Kunden und auch wertvollen Mitarbeiter verloren haben, zusätzlich rund drei Monate Zeit, ihrem Ziel der höheren Profitabilität näher zu kommen. Und Berlin steht reichlich blamiert da. Zwar reklamieren nun beide Institute für sich, dem Treiben ein Ende gesetzt zu haben („Wir und die Deutsche Bank haben entschieden…“, twitterten wir und die Esel, Verzeihung: natürlich die Commerzbank zum Ende der Gespräche) – am Ende ging es aber nur noch darum, einen Vorgang, der kaum Unterstützer hatte, gesichtswahrend zu Ende zu bringen.

Wer am gestrigen ja doch ereignisreichen Tag die Nachrichtenlage nicht verfolgt hat, dürfte mit Blick auf die Aktienkurse am Abend kaum die Frage aufwerfen, was denn da los gewesen sei. Die Deutsche Bank: minus 1,5%. Die Commerzbank: minus 2,3 Prozent. Unauffällig also. Offenbar hat das Ende der Fusionsgespräche niemanden wirklich überrascht.

Dürfen wir Sie auf eine klitzekleine Feinheit in der Kommunikation des Abbruchs der Gespräche hinweisen? „Die Commerzbank bleibt bei ihrer Strategie“, heißt es keck in der Ad Hoc der Commerzbank. Die Deutsche Bank wird weiterhin alle Alternativen prüfen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern“ heißt es in der zeitgleich versandten Mitteilung der Deutschen Bank. Das trifft (zur Analyse hier) den Sachverhalt gut auf den Punkt, dass sich die Deutsche Bank in einer größeren Drucksituation befindet als die Commerzbank…

… wobei das mit der Drucksituation allerdings auch (noch) nicht unbedingt akut ist. Denn Huckepack mit der Ad-Hoc-Mitteilung zum Abbruch der Fusionsgespräche flog die Deutsche Bank quasi nebenher die wichtigsten Eckdaten ihrer eigentlich erst für heute geplanten Zahlen zum ersten Quartal 2019 ein. Die konnten sich durchaus sehen lassen: Die Erträge (6,4 Mrd.) wie die Kosten (5,9 Mrd. Euro) insgesamt trafen ebenso genau den Analystenkonsens wie der Gewinn vor Steuern (290 Mio. Euro). Beim Nachsteuergewinn (200 Mio. Euro) lag man gar über den Schätzungen. Das ist zwar noch weit entfernt von einer branchenüblichen Profitabilität. Allerdings sei man auch auf gutem Wege, das Kostenziel von 2019 (21,8 Mrd. Euro nach noch 22,8 Mrd. 2018) zu erreichen und berichtete in einem offenen Brief von Nettozuflüssen bei der Asset-Management-Tochter DWS und „sich verbessernden Marktbedingungen“ zum Ausgang des Quartals.

Bevor allerdings allzu große Euphorie aufkommt: die künftigen Gewinnerwartungen an beide Institute sind, gemessen am aktuellen Börsenwert, weiter eher bescheiden.  Und daran hätte auch eine Fusion nichts geändert, auch die Deutsche Commerz wäre an der Börse ein Hinterbänkler gewesen.

Börsenwert der Banken der Eurozone in Mrd. Euro, Stand 25.4.2019

Kommentare/Linktipps:

Es sei ein „Trügerisches Aufatmen“ zu vernehmen, kommentiert die FAZ.  Denn die Probleme beider Banken blieben schließlich bestehen. Die Ertragspotenziale der Commerzbank seien limitiert, und bei der Deutschen Bank  seien viele Versuche gescheitert, Aufwand und Ertrag auf ein akzeptables Maß zu bringen.

Das Handelsblatt findet das „Ende mit Schrecken“ in Sachen Fusion zwar gut, haut aber in die gleiche Kerbe: Es bedeute keineswegs das Ende mit Schrecken für beide Institute. Für die fingen die Probleme jetzt erst an.

Kann man eigentlich einen über einen Monat alten Kommentar nochmals verlinken? Man muss sogar. Insbesondere dann, wenn er das Scheitern der Fusion gerade wegen des „dilettantischen Vorgehens des Finanzministeriums“ vorhergesehen hat. Denn: Der von Berlin ausgeübte öffentliche Druck habe beide Banken über Monate in eine peinliche Lage manövriert. Und überhaupt die Öffentlichkeit eingeladen, die Fusion auf dem öffentlichen Marktplatz zu zerreden. Spiegel Online.

Eine „vernichtende Niederlage“ sieht auch Bloomberg für Finanzminister Scholz. Der brauche nun einen neuen Plan, um den problematischen deutschen Bankensektor zu sanieren und/oder konsolidieren.

Gibt es überhaupt Gewinner in dem Ganzen? Ja, natürlich: die Angestellte in den Banken, deren Jobs die Synergieeffekte hätten liefern müssen, schreibt der Stern.

Stark fragmentiert und „overbanked“
wäre der deutsche Bankenmarkt selbst im Falle eines Gelingens der Fusion geblieben, schreibt die FT in einem Feature. Was vor allem an der starken Position der Sparkassen liege. FT (Paywall)

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Die Schrumpf-Exzesse der deutschen Santander

Von Christian Kirchner

Falls Sie sich von Zeit zu Zeit fragen, wo die ganzen Jubelmeldungen über immer mehr Kunden, immer mehr Konten und immer mehr Wachstum in der deutschen Kreditwirtschaft herkommen: Laut der jüngsten Zahlungsverkehrsstatistik der Bundesbank eröffnen die Deutschen an jedem einzelnen Werktag im Schnitt 10.000 neue Onlinekonten – netto, das heißt, bereinigt auch um Schließungen. 150 Millionen Konten unterhalten die Menschen zwischen Flensburg und Garmisch mittlerweile. Was reichlich Potenzial bietet, der Öffentlichkeit immer neue Wachstumsstories zu verkaufen mit lauter Kunden, die demnächst ganz viel Geschäft bringen.

Um so erfrischender, dass es auch Anbieter gibt, die einen entschieden gegenteiligen Weg einschlagen. Zum Beispiel: die in Mönchengladbach ansässige Santander Consumer Bank, nach Kundenzahl (4,7 Mio) eines der größten Kreditinstitute überhaupt hierzulande.

Jedenfalls noch. „Finanz-Szene.de“ hat sich aus aktuellen Anlass (der Start der „Openbank“ der spanischen Mutter Santander, siehe unsere gestrige Berichterstattung) einfach mal die Mühe gemacht, die jüngsten Geschäftsberichte der deutschen Santander zu durchstöbern. Was auch insofern ein lohnenswertes Unterfangen war, als die Spanier von sich aus schon seit Jahren nichts mehr zu ihren deutschen Geschäftszahlen sagen.

Und was ist rumgekommen bei unseren Recherchen? Halten Sie sich fest: Rumgekommen ist, dass die deutsche Santander eine Downsizing-Politik betreibt, wie wir das selten bei einer Bank gesehen haben. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal bitte hier, die Angaben aus dem 2018er-Abschluss jeweils verglichen mit denen von 2014:

  • Zahl der Konten: minus 19%
  • Zahl der Kunden: minus 25%
  • Zahl der Filialen: minus 36%
  • Erträge: minus 27%

(wobei, grob überschlagen, mehr als zwei Drittel dieser Rückgänge auf 2017 und 2018 entfielen, weil die Bank ein, wie es schön heißt,  Transformationsprogramm durchläuft)

Das liest sich, als hätten wir da eine Bank mit beinahe schon suizidalen Neigungen aufgespürt. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Vielleicht verweigert sich die deutsche Santander einfach nur der unter hiesigen Bankern (Hallo, Herr Zielke …) beliebten Sichtweise, man könne aus Ertragsschwächen „herauswachsen“. Denn: Vielleicht ist radikales Downsizing ja der viel effektivere Weg, um Profitabilität zu erhalten bzw. zurückzugewinnen. Zumindest scheint das der Weg zu sein, den die deutsche Santander eingeschlagen hat.

Während jedenfalls die weiter oben genannten Kennzahlen steil abfallen, liegt die Kosten-Ertrags-Ratio der Santander Consumer Bank schon seit Jahren flach wie ein Brett, sie pendelte all die Jahre irgendwo zwischen 59% und 62%. Das Ergebnis vor Steuern lag zuletzt bei immerhin 460 Mio. Euro, nach 560 Mio. Euro vor fünf Jahren.

Nun unterhält die stark im Auto- und Konsumentenkreditgeschäft engagierte Santander weiterhin noch 210 Filialen (noch, da es nun gut ein Drittel weniger sind als noch vor zwei Jahren) – und nennt knapp 5 Mio. Kunden ihr Eigen.

Gleichwohl hat die Bank ausweislich ihrer Geschäftsberichte innerhalb der letzten beiden Jahre mehr Kunden verloren bzw. ziehen lassen, als in Köln Menschen wohnen, genauer: rund 1,2 Mio. Das schreit nach Erklärungen und Einordnungen – allerdings bittet ein Sprecher um Verständnis, dass man sich „unterjährig nicht zu den Geschäftszahlen oder zur Geschäftsstrategie von Santander Deutschland äußern“ möchte (Anmerkung: der 2018er-Abschluss wurde Anfang April im Bundesanzeiger veröffentlicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, zu den Zahlen Stellung zu nehmen?).

Die Schweigsamkeit könnte womöglich auch damit zusammenhängen, dass die Rückgänge in einzelnen Sparten stärker ausfallen als einkalkuliert. Plangemäß klingt noch, was 2018 im Warengeschäft (Finanzierungen von Möbeln, Unterhaltungs-Elektronik, Computern …) an Kreditumsatz erzielt wurde – hier ist nämlich von einem „erwarteten rentabilitätsorientierten Rückgang des Neugeschäfts“ die Rede, wobei das Minus mit 35% üppigst ausfällt.

Aber schon beim für Banken immer wichtigeren Provisionsüberschuss wechselt der Ton – der blieb 2018 laut Geschäftsbericht „sehr deutlich unter den Erwartungen“. Die gesamten Provisionserträge sanken zum Vorjahr 18 Prozent. Gründe sei dabei ein „Neugeschäftsrückgang im Privatkundengeschäft“ und eine „generell geringere Kundennachfrage“. Ein Fünftel sanken zudem die Provisionserträge im Wertpapierdienstleistungsgeschäft zum Vorjahr.

Auch sank das Neugeschäftsvolumen in der Baufinanzierung um 22% – auch dieser Einbruch kam „unerwartet“, wie es im Geschäftsbericht heißt. Begründung für den nicht einkalkulierten Rückgang: Die Kunden  hätten „zurückhaltend auf Filialschließungen“ reagiert. Ein weiteres Beispiel: Die Neugeschäftsabschlüsse bei Ratenkrediten sanken „entgegen den Erwartungen“ zweistellig. Auch hier macht die Bank „Filialschließungen im Berichtsjahr“ für den Rückgang mitverantwortlich. Und nicht zuletzt schloss oder verlor die Bank im Jahresverlauf pro Werktag im Schnitt gut 400 Einlage- oder Girokonten, letztere im Geschäftsbericht noch eigens als „Grundlage jeder Bankgeschäftsbeziehung“ apostrophiert.

Sind Filialschließungen im großen Stil also doch der falsche Weg (worauf ja auch die unterm Strich eher mageren Ergebnis der HVB in den letzten Jahren hindeuten könnten)? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn die (wechselnden Vorstandschefs) der Deutschen Bank und der Commerzbank haben ihren Investoren ja über Jahre hinweg erzählt, Sparen sei der falsche Weg, um langfristig wieder profitabel zu werden.

Und wohin hat diese Strategie geführt, die ja sozusagen das glatte Gegenteil dessen ist, was die deutsche Santander praktiziert? Dazu, dass die Deutsche und Coba jetzt vor lauter Ertragsschwäche über eine Fusion verhandeln- Besonders auffällig: Die Commerzbank hat binnen fünf Jahren 2,9 Mio. bzw. knapp ein Fünftel an Kunden hinzugewonnen. Genutzt hat dies allerdings indes weder den Erträgen (minus sechs Prozent) noch der Kosten-Ertrags-Ratio (unverändert).

Warum der Bafin-Rüffel für N26 mehr als nur eine Formsache ist

Von Christian Kirchner

Wer sich auf der Internetseite der Bafin über die Suchfunktion dafür interessiert, was die Finanzaufsicht denn so zur Challengerbank N26 veröffentlicht hat, stößt auf nicht mehr Wesentliches als auf eine Notiz zu einer Podiumsdiskussion im Juli 2017.  Auf der sprach N26-Gründer und CEO Valentin Stalf anlässlich der 15-jährigen Bafin-Jubiläums. Es ging, natürlich: um das atemberaubende Tempo der Digitalisierung und was sie aus der Finanzbranche mache.

Keine Fundstelle gibt es hingegen für die Sonderprüfung durch die Bafin, über die das „Handelsblatt“ am Montag berichtete. Also davon, dass die Finanzaufsicht in N26 zumindest zeitweise kein Vorzeige-Fintech sah, sondern eine Bank, bei der es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa: Mängel bei der Personalausstattung, beim Management von ausgelagerten Aufgaben und der Technik seien gerügt worden. Zudem übernehme der Mutterkonzern – die N26 GmbH – zu viele Aufgaben für die N26 Bank, monierte die Bafin in einer Sonderprüfung. Und stelle die Bank die Mängel nicht ab, könne es sogar zu einer Deckelung des Einlagengeschäfts kommen.

Dass sich auf der Seite der Bafin kein Wort der Kritik findet, ist üblich. Dass die Mängel, die Prüfung, die Rügen und die mögliche Konsequenz überhaupt die Öffentlichkeit erreichen, hingegen erstaunlich. Und ein Hinweis darauf, wie sehr die Dinge mindestens zeitweise im Argen gelegen haben müssen. Denn der Finanzaufsicht stehen laut Kreditwesengesetz zwar eine Reihe von Maßnahmen bei Gefahr zur Verfügung, sollte sie Zweifel an der ordentlichen Erfüllung der Verpflichtungen eines Instituts gegenüber seinen Gläubigern haben.  Die Eskalationsskala reicht von einer simplen „Anweisung“ über ein Annahmeverbot beziehungsweise Deckelung von Geldern und Geldbußen bis hin zur Schließung.

Über die Jahre hat die Finanzaufsicht aber das Spiel perfektioniert, die Öffentlichkeit lieber erst mal außen vor zu lassen, wenn sie etwas zu monieren hat. Jahr für Jahr gibt es zudem, ohne öffentliches Aufhebens, eine dreistellige Anzahl an Sonderprüfungen durch die Bafin auf Basis jenes Paragraphen im Kreditwesengesetz, das die Pflichten der Banken definiert.

Das heißt: den betroffenen Instituten steht, sollte die Bafin etwas zu monieren haben, die Möglichkeit offen, die Mängel abzustellen oder sich eine gute Geschichte auszudenken, wieso ein Bankverantwortlicher besser ausgetauscht wird oder eine Stelle gar nicht erst antritt. Gesichtswahrend quasi. So geschehen schon bis auf Vorstandsebene großer Banken. Denn die Finanzaufsicht ist sich der Wirkung auf Unternehmensimage, Karrieren oder gar ganzen Geschäftsverläufen bewusst, wenn ihre Kritik oder Ablehnung einer Personalie die Öffentlichkeit erreicht. Oder sie, im Falle der Deutschen Bank im vergangenen Herbst, entschlossenere Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung fordert und einen Sonderbeauftragten entsendet.

Im konkreten Fall hat also entweder N26 selbst geplaudert, dass man in das Visier der Bafin  geraten sei – eher unwahrscheinlich, gemessen an der Breitenwirkung der Kritik. Oder aber die Bafin hat eine Stufe gezündet, auf die sie üblicherweise lieber verzichtet: sie macht konkrete Mängel öffentlich, um den Druck zu erhöhen, dass es sich bei ihren Rüffeln nicht nur um unverbindliche Verbesserungsvorschläge handelt.

Promi-Fintech Trustbills schlittert in die Insolvenz

Wir investieren nicht direkt im Fintechs – das war lange Zeit die Digital-Doktrin der Deutschen Bank. Vor ziemlich genau zwei Jahren vollzog das wichtigste Geldhaus der Republik dann jedoch die Kehrtwende. Der Anlass hieß: Trustbills, ein 2015 gegründetes Hamburger Startup, das sich auf die Finanzierung von Handelsforderungen spezialisiert hat und bei dem kurz zuvor (ebenfalls als erste Fintech-Beteiligung überhaupt) bereits die DZ Bank eingestiegen war. Dieses Unternehmen, so dachte man, muss etwas Besonderes haben – wenn zwei der größten deutschen Banken es zu ihrem Premieren-Investment im Fintech-Bereich machen … Doch nun: Hat Trustbills nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ plötzlich Insolvenzantrag gestellt.

Auch wenn der Fall vertrackt ist, scheint eines festzustehen: Die Ursache für die Insolvenz liegt nicht im operativen Geschäft. Stattdessen gibt es  innerhalb des Eignerkreises offenbar verschiedene Meinungen um den künftigen Kurs von Trustbills. Größter Gesellschafter mit einem Anteil von 62,5% ist die FinTech Studio GmbH (ehemals Maravon GmbH), hinter der der Trustbills-Gründer und -Geschäftsführer Jörg Hörster steht. Die DZ  Bank hält 25%, die Deutsche Bank die restlichen 12,5%. Offenbar haben sich Hörster auf der einen und die beiden Frankfurter Großbanken auf der anderen Seite derart zerstritten, dass letztere nicht mehr bereit waren, die Trustbills GmbH weiter zu finanzieren.

Folge: Vergangene Woche stellten Hörster und sein Mitgeschäftsführer Johannes Ulbricht beim Amtsgericht Bielefeld (wo Hörster privat und geschäftlich oft zugegen ist) Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Wie aus dem Insolvenzregister hervorgeht, wurde der Gütersloher Jurist Moritz Sponagel am Donnerstag zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“ teilten Hörster und Ulbricht am Ostermontag mit: „Die Trustbills GmbH durchläuft derzeit einen Restrukturierungsprozess und ein zukunftsorientiertes Insolvenzverfahren. Das operative Geschäft wird davon jedoch nicht tangiert.“

Das Geschäftsmodell von Trustbills läuft darauf hinaus, Lieferanten-Forderungen über eine Auktionsplattform handelbar zu machen. Die Idee von Deutscher Bank und DZ Bank war es, sich nicht nur finanziell an Trustbills zu beteiligen, sondern auch eigene Firmenkunden an die Plattform zu vermitteln. In Finanzkreisen heißt es, diese Idee sei lange Zeit durchaus mit Leben gefüllt worden. Tatsächlich finden sich auf der Website von Trustbills Referenzfälle von Volks- und Raiffeisenbanken, die – vermittelt offenbar über die genossenschaftliche DZ Bank – erfolgreich mit Trustbills kooperieren. Ein Beispiel ist die Heidenheimer Volksbank, die lobt:

„Wir sehen Trustblls als zukunftsweisendes und strategisches Instrument zur Kundenbindung, mit welchem wir uns erfolgreich als erster Ansprechpartner in Finanzfragen bei unseren dynamisch wachsenden Unternehmen positionieren können, ohne das Eigenrisiko zu erhöhen. Es hat sich darüber hinaus herausgestellt, dass der Bedarf an unseren bankeigenen Mitteln konstant hoch blieb, da sich durch die höheren Umsatzerlöse unseres Kunden auch ein höherer Vorfinanzierungsbedarf über unsere Betriebsmittellinie ergab.“

Auch aus der Branche heißt es, die Firma werde im Markt durchaus wahrgenommen. Insofern komme der Insolvenzantrag eher überraschend.

Was in diesem Zusammenhang interessant ist: Wie „Finanz-Szene.de“ im Oktober in einer großen Analyse („Das ultimative Lehrstück über die Schlacht zwischen Banken und Fintechs“) aufgezeigt hatte, arbeitet die Deutsche Bank an einer eigenen Plattform-Lösung für die Handelsfinanzierung. Das Projekt trägt den Namen „Trade Information Network“. Aus Insiderkreisen ist nun zu hören, die Deutsche Bank könnte das einstige Vorzeige-Fintech mittlerweile als Widersacher wahrnehmen – und habe darum gar kein gesteigertes Interesse daran, dass Trustbills reüssiert.

Es gibt allerdings auch Branchenkenner, die dieser Einschätzung widersprechen. Zwar würden Trustbills und das „Trade Information Network“ im gleichen Markt agieren, die Konzepte stünden allerdings – so die Wahrnehmung von außen – nicht in Konkurrenz zueinander, sondern seien womöglich sogar komplementär. Tatsächlich wird in Finanzkreisen die Vermutung, speziell die Deutsche Bank habe ihr Interesse an Trustbills verloren, zurückgewiesen. Stattdessen ist zu hören, die beiden beteiligten Großbanken seien vom Konzept des Hamburger Finanz-Startups „unverändert überzeugt“. Probleme gebe es lediglich auf Gesellschafterebene. Weder die Deutsche Bank noch die DZ Bank wollten über Ostern auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“ Stellung nehmen.

Wie geht es nun weiter? Angeblich gibt es Geldgeber, die bereit wären, den Gesellschafterkreis zu erweitern – oder gar für die Deutsche Bank oder die DZ Bank einzuspringen. Allerdings ist keineswegs sicher, dass die beiden Frankfurter Institute bei Trustbills überhaupt aussteigen wollen. Das eigentliche Geschäft jedenfalls läuft weiter. Es wird nicht über die insolvente Trustbills GmbH, sondern über deren Tochter Trustbills Marketplace GmbH betrieben. Da die wesentlichen Ausgaben wie Löhne und Gehälter über die Mutter laufen, droht bei der operativen Gesellschaft Insidern zufolge vorläufig keine Infolvenzgefahr.

In der Mitteilung Hörsters und Ulbrichts an „Finanz-Szene.de“ heißt es: „Nach einer erfolgreichen Testphase in 2018 mit einigen namhaften Kunden ist die Trustbills-Plattform in 2019 aus ihrer Beta-Phase herausgetreten. Seitdem stiegen die Tagesumsätze schnell und stetig. Durch das Interesse institutioneller Investoren an der neuen (alten) Asset-Klasse Handelsforderungen, stehen Forderungsverkäufer eine Forderungsankaufs-Volumen von derzeit knapp 1 Mrd. Euro (outstanding) zur Verfügung.“ Und weiter, so als wären die Deutsche Bank und die DZ Bank bereits aus dem Gesellschafterkreis ausgeschieden: „Trustbills dankt beiden Bankhäusern, dass sie mitgeholfen haben, den Trustbills-Plattform-Teilnehmern einen neuen Markt zu erschließen.“ Klingt wie das letzte Wort. Das allerdings ist noch lange nicht gesprochen.

Softbank pumpt 900 Mio. Euro in Wirecard

Seit Wochen warten Anleger auf einen Befreiungsschlag bei Wirecard – das hier könnte er sein: Der von kritischen Medienberichten gebeutelte bayerische Zahlungsdienstleister hat am Morgen eine Ad-hoc-Meldung veröffentlicht, wonach der japanische Technologie-Investor Softbank über eine Wandelschuldverschreibung rund 900 Mio. Euro in Wirecard pumpen will. „Finanz-Szene.de“ dokumentiert die Mitteilung:

„Wirecard AG und SoftBank Group Corp., Japan, haben heute eine verbindliche Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, wonach ein Unternehmen der SoftBank Group (SoftBank) rund EUR 900 Mio. im Rahmen einer Wandelschuldverschreibung in Wirecard investiert.

Zu diesem Zweck soll Wirecard eine Wandelschuldverschreibung begeben, die nach Ablauf von 5 Jahren zum Wandlungspreis von EUR 130 pro Wirecard Aktie in insgesamt 6.923.076 Wirecard Aktien (entspricht derzeit ca. 5,6 % des Grundkapitals) gewandelt werden kann. Über die Ausgabe dieser Wandelschuldverschreibung an Softbank unter Ausschluss des Bezugsrechts der gegenwärtigen Aktionäre soll die Hauptversammlung der Wirecard AG am 18. Juni 2019 entscheiden.

In diesem Zusammenhang haben die beteiligten Unternehmen ein Memorandum of Understanding (MoU) über eine strategische Partnerschaft im Bereich digitaler Paymentlösungen unterzeichnet. Dies beinhaltet, dass die SoftBank Group Wirecards geografische Expansion nach Japan und Südkorea unterstützt und zugleich die Zusammenarbeit mit den globalen Portfoliogesellschaften der SoftBank Group für digitale Payments, Analytics/AI sowie innovative digitale Finanzdienstleistungen ermöglicht.

Des Weiteren ist geplant, die Zusammenarbeit auf den Bereich digitaler Kreditvergabe zu erweitern, um die hochwertigen Kundenportfolios, die starke Liquidität und die innovativen Finanzdienstleistungen vorteilhaft zu nutzen.

Markus Braun, CEO von Wirecard, kommentiert: ‚Als internationale Innovatoren fokussieren wir uns stark darauf, unsere Netzwerke zu erweitern und Geschäftschancen für Unternehmen mit bahnbrechenden Ideen zu kreieren. Mit SoftBank haben wir einen Partner gefunden, der nicht nur unsere Leidenschaft für neue Technologien teilt, sondern auch weltweit die neuesten Innovationen gemeinsam vorantreiben will. Darüber hinaus werden wir dank dieser möglichen Partnerschaft die Märkte für unsere Produkte in Ostasien erschliessen und damit unsere Position in Asien stärken‘.

Credit Suisse fungiert als Finanzberater von SoftBank und Sullivan & Cromwell LLP als Rechtsberater. Noerr LLP und Gibson, Dunn & Crutcher LLP fungieren als Rechtsberater von Wirecard.“

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Das Wichtigste zu den Verhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank

Keine Entscheidung über Ostern – nun tickt die Uhr bis Freitag, dem 26. April. Bis zu diesem Tag – der Verkündung der Quartalszahlen – will zumindest die Deutsche Bank laut einer ursprünglichen Ankündigung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner entschieden haben, ob man überhaupt in vertiefende Gespräche über eine Fusion einsteige. Hier die wichtigsten Einordnungen über die Ostertage:

  • Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ gilt der bislang kolportierte Zeitplan – also noch vor der Vorlage der Deutsche-Bank-Quartalszahlen am Freitag, dem 26. April womöglich in „vertiefte Verhandlungen“ einzusteigen – als kaum zu halten. Vor allem für die Deutsche Bank sei der Aufwand groß, die eigenen Daten insbesondere zu den internationalen Geschäftsfeldern zusammen zu tragen. Süddeutsche
  • Laut der „FAZ“ wächst vor allem im Aufsichtsrat der Deutschen Bank der Widerstand gegen eine „allzu komplexe“ Fusion. Grund seien Bedenken der Firmenkunden und der Großaktionäre selbst. FAZ
  • Und was, wenn die Fusionsgespräche tatsächlich abgebrochen werden? (I)
    Der absehbare Einbruch der Erträge im Investmentbanking und im Handel werfe für Europas Banken nicht weniger als die Frage auf, ob ihre Geschäftsmodelle noch funktionierten, analysiert die „FT“. So sei die Deutsche Bank auf dem Weg, am Freitag das achte Quartal in Folge einen Erlösrückgang im Investmentbanking zu vermelden. Eine Restrukturierung gerade des US-Geschäfts sei für die Bank zwingend ganz unabhängig vom Ausgang der Fusionsverhandlung, zitiert die FT einen Anleihengläubiger. FT
  • Und was, wenn die Fusionsgespräche tatsächlich abgebrochen werden? (II)  Für diesen Fall arbeitet die Deutsche Bank laut „Bloomberg“ an einem Plan B. Der könne aus einer kleinen Lösung bestehen, in der die aktuelle Strategie mit weiteren und beschleunigten Kostensenkungen verfolgt wird, auch im Investmentbanking. Aber auch aus einer großen, nämlich einem … (und wir trauen uns das kaum zu schreiben, da zwei Hände nicht mehr ausreichen, um zu zählen, der wievielte das nun wäre)… genau, einem: Strategieschwenk. Zudem berichtet Bloomberg, es gäbe „keine Anzeichen dafür, dass eine Einigung näher rücke“. Bloomberg via Welt
  • Wie genau der Plan B aussehen könnte, darüber sinniert efinancialcareers – mit dem berechtigten Hinweis, dass der Strategieschwenk in Form etwa eines radikal gekürzten Investmentbankings zwar womöglich Kosten spart, aber erst mal kostet, da Abfindungen, Büromieten, Abwicklungen etc. viel Geld kosten dürften. efinanicalcareers
  • Die „New York Times“ blickt auf die Fusionsgespräche durch die US-Brille: Es sei schwer vorstellbar, dass die Diskussion über eine Bankenfusion in irgend einem anderen Land derart heftige Emotionen schüren würde wie in Deutschland. Das sei aber kein Wunder: Von einst vier großen, börsennotierten Privatbanken bliebe womöglich binnen einem Jahrzehnt nur eine über. Und die Geschichte der im 19. Jahrhundert gegründeten Commerzbank und der Deutschen Bank sei eng verbunden mit der Geschichte des ganzen Landes und seiner Identität. New York Times
  • Nicht nur, dass DWS-Chef Asoka Wöhrmann damit begonnen hat, weitgehend geräuschlos „die Treppe von oben zu kehren“, indem Dutzende Mitarbeiter gehen müssen. In den Fusionsverhandlungen will sich die Deutsche-Bank-Tochter offenbar auch nicht damit abgeben, nur Spielball zu sein und lotet Vertriebskooperationen mit anderen Adressen wie der UBS, Axa und Amundi aus, schreibt Bloomberg.

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Warum die Commerzbank der Gewinner des Fusionsdebatte ist

Auf den ersten Blick scheint die Nachrichtenlage klar: Kommt es zur blau-gelben Fusion, wird der Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing logischerweise Chef der „Deutschen Commerz“. Und auch sonst: Geben  die Blauen den Ton an. Eine Prämie auf den Aktienkurs der Coba? Is nich. Eine Fusion im Eiltempo? Is nich. Da kann sich der gute Herr Zielke (also der Chef der Commerzbank) noch so sehr auf die Hinterbeine stellen.

Man könnte also meinen, man habe es in den Fusionsverhandlungen mit einem Kuchen – der Blaubank – und einem Krümel zu tun – der Gelbbank. Was zumindest mit Blick auf die Bilanzsummen (1350 Mrd. Euro für die Deutsche Bank, 462 Mrd. Euro für die Commerzbank) voll und ganz, für den Börsenwert (Deutsche Bank 16 Mrd. Euro, Commerzbank 10 Mrd. Euro) imerhin  noch teilweise stimmt. Und für den Rest?

Gar nicht.

Denn die Commerzbank darf sich als heimlicher Sieger der Fusionsdebatte der letzten Monate fühlen. Warum? Dafür sprechen sechs Punkte.

1.) Für die Commerzbank sammeln sich die Interessenten im Falle eines Scheiterns. Für die Deutsche Bank nicht. 

Zwar befinden sich alle Planungen noch in einem frühen Stadium, doch mit der italienischen Unicredit und der niederländischen ING haben zwei Institute Interesse an der Commerzbank signalisiert, sollten die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank scheitern. Das eröffnet den „Gelben“ hübsche Verhandlungsoptionen selbst bei einem Platzen der Fusionsidee – und stärkt sie in den Gesprächen mit der Deutschen Bank. Die hingegen ist als Fusionspartner oder Akquisitionsziel nicht begehrt – zu undurchsichtig ist ihre Bilanz für einen möglichen Aufkäufer, zu große die Sorge, man hole sich mit dem Institut womöglich ungelöste Probleme ins Haus. Ein M&A-Deal mit der Deutschen Bank wäre den Investoren des Käufers/Fusionspartners nur schwer zu vermitteln.

2.) Die Deutsche Bank braucht die Commerzbank dringender als die Commerzbank die Deutsche Bank

Eine der zentralen Rationalen einer Fusion von Deutscher und Commerzbank ist, dass sich mit der Übernahme der Coba die Refinanzierungskosten der Deutschen Bank reduzieren könnten. Denn: Die Commerzbank wird aufgrund ihres Geschäftsprofils und des Bunds als Ankeraktionär als sicherer wahrgenommen. Abzulesen ist das an den aktuell fälligen Prämien für Kreditausfallversicherungen, die für die Commerzbank nur gut halb so hoch ausfallen wie für die Deutsche Bank. Weil dieser Kostennachteil direkt auf die Profitabilität durchschlägt, liegt der Handlungsdruck auf Seiten der Deutschen Bank.

3.) Die Commerzbank ist aufgrund des Badwills interessant

Weil die Commerzbank derzeit an der Börse deutlich weniger wert ist, als sie an Eigenkapital ausweist, lockt für potenzielle Käufer – sofern die Aufsichtsbehörden das Manöver anerkennen – ein legaler Bilanztrick: Die Differenz zwischen dem Buchwert und dem tatsächlich gezahlten Aufpreis kann sich ein Käufer auf die eigene Kapitalausstattung anrechnen lassen. Das gilt im Kern zwar auch für die Deutsche Bank, die jedoch – siehe oben – aus diversen Gründen (zu große Bilanz, mögliche Rechtsrisiken, schwache Profitabilität, möglicher Kapitalbedarf, 643 Einkommensmillionäre) kein begehrtes Übernahmeziel ist.

4.) Zielke und seine Vorgänger haben das Coba-Privatkundengeschäft für Aufkäufer interessant gemacht (wenn auch, ohne es zu wollen)

Die Fondstochter Cominvest? Verkauft an die Allianz. Die ETF- und Zertifikatesparte Comstage? Verkauft an die Société Générale. Die Beratung? Ausgerichtet auf das Prinzip der Vermittlung, statt den Vertrieb hauseigener Produkte zu forcieren, wie es etwa die Sparkassen und Genossenschaftsbanken konsequent machen. An sich ist es löblich, wie die Commerzbank in den vergangenen zehn Jahren ihr Geschäft mit Privat- und kleinen Firmenkunden aufgesetzt hat. Durch die Brille möglicher Aufkäufer (aus dem Ausland) sieht die Sache aber ganz anders aus: Die sind, auch wenn es zynisch klingt, in der Regel banal an Vertriebsmacht interessiert. Mit der Commerzbank bekäme man womöglich – anders, als bei der hier noch als Komplettanbieter aufgestellten Deutschen Bank – brach liegende Vertriebsoptionen, sowohl online als auch über die noch gut 1000 Filialen.

5.) Der Kapitalmarkt billigt der „Übernahmestory“ der Commerzbank eine immer höhere Wahrscheinlichkeit zu

Seit Jahresbeginn und damit den ersten Gerüchten über eine Fusion hat die Commerzbank-Aktie um 40% zugelegt, die der Deutschen Bank lediglich um 8%. Die Gelbbank hat somit doppelt so stark abgeschnitten wie der Eurostoxx Banks, die Blaubank nicht einmal halb so stark. Alleine seit der ersten Meldung über das Interesse der ING an der Commerzbank am späten Dienstag legte das Commerzbank-Papier um 5% zu. Über die längerfristige Kapitalmarkt-Bilanz der beiden Institute unter ihren aktuellen Vorstandschefs hatte Finanz-Szene.de bereits am Montag berichtet. Wie heißt es so schön unter Bankern? Der Börsenkurs lügt nur selten.

6.) Die Deutsche Bank braucht dringender Alternativen als die Commerzbank, wenn die Fusion platzt.

Es wäre blanker Euphemismus, die Rentabilität der Commerzbank als zufriedenstellend zu bezeichnen. Sie hat in neun der letzten zehn Jahre für Aktionäre nicht einmal die Kapitalkosten verdient. Gleichwohl: Immerhin verdient die Bank überhaupt Geld, schreibt seit Jahren schwarze Zahlen. Der Deutschen Bank hingegen ist es trotz Boom an den Kapitalmärkten, jahrelang starkem Wirtschaftswachstum und rekordniedrigen Kreditausfällen lediglich in einem der letzten vier Jahre – 2018 – gelungen, unter dem Strich und nach dem „Irgendwas ist ja immer“-Gedöns von Restrukturierungen, Vergleichen und Strafzahlungen einen schmalen Gewinn zu schreiben. Für die sich aktuell abzeichnende Verdüsterung in der Weltwirtschaft ist die Deutsche Bank schlechter gerüstet als die Commerzbank. Es ist daher fraglich, ob Investoren ein „Weiter so“ akzeptieren würden, wenn die Fusion nicht gelingt – und womöglich der nächste Strategieschwenk fällig ist.

 

Exklusiv: Kapitalmarkt-Vorstand Woitschig verlässt BayernLB

Von Heinz-Roger Dohms

Die anstehenden (Groß?)-Umbauten bei der BayernLB werfen ihre Schatten voraus. Ein erstes Indiz: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ wird der zum Sommer auslaufende Vertrag von Kapitalmarkt-Vorstand Ralf Woitschig nicht verlängert. Er habe sich „im besten Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ entschlossen, das Institut „nach fünf erfolgreichen Jahren“ zu verlassen, schrieb der Manager dieser Tage in einer Mail an die Mitarbeiter. Das Schreiben liegt „Finanz-Szene.de“ vor, ein Sprecher der BayernLB wollte sich nicht äußern.

Interessant ist, dass Woitschig in seiner Mail auf eine „ergebnisoffene Diskussion um die künftige Positionierung der Bank und der Rolle von Markets in der Zusammenarbeit mit den Kundengeschäftsfeldern“ verweist. Die Formulierung deutet daraufhin, dass die Kapitalmarkt-Sparte mit der Firmenkunden-Bereich verschmolzen werden könnte – womit Woitschigs Posten also gar nicht mehr wiederbesetzt würde.

Tatsächlich halten Kenner der BayernLB  die Zusammenlegung der beiden Geschäftsfelder für wahrscheinlich – auch wenn noch keine finale Entscheidung getroffen ist. Würden „Corporates“ und „Markets“ tatsächlich fusioniert, dürfte der bisherige Firmenkunden-Vorstand Michael Bücker die Führung der neuen Großsparte übernehmen.

US-Großbanken kaufen im ersten Quartal eigene Aktien im Wert von einer Deutschen Bank zurück

Von Christian Kirchner

Klingt einigermaßen absurd, die Überschrift, oder? Ist aber so. Und illustriert, nachdem fünf der sechs größten US-Banken bereits über ihr erste Quartal berichtet haben, die kaum zu fassenden Größenverhältnisse diesseits und jenseits des Atlantiks. Denn, was noch zu ergänzen wäre: Obendrein schütteten die US-Banken alleine im ersten Quartal noch Dividenden in Höhe von knapp einer Commerzbank aus.

So sieht die Rechnung en detail aus: Zusammen haben Bank of America, Wells Fargo, JP Morgan, Citigroup und Goldman Sachs seit Jahresbeginn eigene Aktien im Wert von umgerechnet gut 20 Mrd. Euro zurückgekauft, wie aus den von Finanz-Szene.de untersuchten Quartalsberichten hervorgeht. Dem gegenüber steht ein Börsenwert der Deutschen Bank per Dienstagabend von 16 Mrd. Euro. Zusätzlich kehrten die fünf US-Institute knapp 8 Mrd. Euro an Dividenden aus – zum Vergleich: Die Commerzbank wird mit 10 Mrd. Euro an der Börse bewertet.

Mit anderen Worten: alleine die kumulierten Kapitalrückflüsse an Aktionäre der größten US-Banken binnen gerade einmal drei Monaten (28 Mrd. Euro) übersteigen den Börsenwert eines fusionierten, hüstel, „Nationalen Champions“ aus Deutscher Bank und Commerzbank (26 Mrd. Euro), der dann mit riesigem Abstand größten Privatbanken in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Indes: Einen kleinen positiven Aspekt können auch Deutsche-Bank-Aktionäre aus den US- Quartalszahlen ziehen: Das Investmentbanking-Geschäft scheint institutsübergreifend nicht ganz so stark zurückgegangen sein wie befürchtet. So brachen die Erträge auch in der für die Deutsche Bank extrem wichtigen „FICC“-Abteilung (Währungen, Anleihen, Rohstoffe …) bei Goldman Sachs „nur“ um 11% ein, bei JP Morgan um 18%, die Citigroup verbuchte gar ein kleines Plus.

Und bei der Deutschen Bank: Aktuell erwarten Analysten im Schnitt, dass die Investmentbanking-Sparte im ersten Quartal gerade so eine „rote Null“ erwirtschaften wird. Die Spannbreite der Schätzungen (430 Mio. Euro Verlust bis 390 Mio. Euro Gewinn) zeigt das hohe Maß an Unsicherheit – wobei die US-Zahlen darauf hoffen lassen, dass die Deutsche Bank am oberen Ende der Prognosen landet.

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Exklusiv: Deutsche Santander verliert binnen zwei Jahren rund 1,2 Millionen Kunden

Von Christian Kirchner

Wenn eine europäische Großbank in Deutschland eine neue Onlinebank ausrollt – dann sollte man eigentlich vermuten, dass sich die entsprechende Bank im Angriffsmodus befindet. Bei der spanischen Santander allerdings (die am Montag ihr Digitalangebot „Openbank“ nach Deutschland überführt hat) scheint das glatte Gegenteil der Fall zu sein.

Wie eine Mehrjahres-Analyse der Geschäftsberichte der „Santander Consumer Bank“ durch „Finanz-Szene.de“ zeigt, fährt der in Mönchengladbach beheimatete Konsumenten-Finanzierer (nach Kunden weiterhin eine der fünf größten Privatbanken des Landes) einen nahezu beispiellosen Schrumpfkurs. Ein Indiz: Die Zahl der Kunden ist allein in den vergangenen beiden Jahren um rund 1,2 Mio. geschrumpft (relativ gesehen sind das etwa 20%). Und die Erträge? Brachen seit 2014 um mehr als ein Viertel ein. Steil abwärts geht es auch mit den Provisionserträgen, nachdem die Bank ihr Filialnetz drastisch ausgedünnt hat.

Was steckt dahinter? Und kann diese Strategie aufgehen? Oder hat sich die Santander Consumer Bank bei ihrer Sparpolitik völlig verkalkuliert? Die ganze Geschichte lesen Sie morgen Früh bei „Finanz-Szene.de“.

Exklusiv: Die irrsinnigen Eigenkapitalrenditen der Targobank

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Hat die Deka wirklich mehr Zertifikate als Fonds verkauft? Netto: nein.

Von Christian Kirchner

Dürfen wir zu unserem Deka-Artikel von vergangener Woche (den inzwischen auf unserer Website übrigens schon mehr als 15.000 Menschen gelesen haben, schierer Wahnsinn) eine kleine Präzisierung hinterherschicken?

Die Deka selber, alle großen Zeitungen und auch wir hatten berichtet, der Fondsdienstleister der Sparkassen habe 2018 mehr Absatz mit Zertifikaten als mit Fonds gemacht. 5,7 Mrd. Euro standen für Zertifikate an Vertriebsleistung im Retail-Bereich zu Buche, verglichen etwa mit 2,4 Mrd. Euro mit Aktienfonds und 1,7 Mrd. Euro mit Immobilienfonds.

Doch ist dem wirklich so? Ja und Nein, denn: Die Deka weist für Fonds ihren Nettoabsatz aus (also der Vertrieb unter Berücksichtigung der von Anleger zurückgegebenen Fondsanteile), für Zertifikate dagegen den den Bruttoabsatz.

Das heißt: Zertifkate, deren Laufzeit endet oder vorzeitig getilgt werden, werden nicht vom gemeldeten Absatz abgezogen. Eins zu eins vergleichbar sind der Fonds- und der Zertifikateabsatz also nicht, zumal alle Zertifikate eine begrenzte Laufzeit haben und viele vorzeitig getilgt werden, weil bestimmte Bedingungen erfüllt wurden.

Trotzdem folgen diese unterschiedlichen Berechnungsmethoden keiner Willkür – sondern: Sie sind dem Ertragscharakter aus Sicht der Deka angemessen, da bei Zertifikaten die Provision beim Vertrieb anfällt. Relevant für die Provisionserträge aus Zertifikaten ist eben jener Bruttoabsatz. Bei Investmentfonds hingegen speist sich der Ertrag der Anbieter laufend aus dem Vermögen – welches sich um den Nettoabsatz in einem bestimmten Jahr erhöht, ganz egal, was die Märkte machen.

Und noch für Feinschmecker: Dem Nettoabsatz an Zertifikaten im Retail-Markt kann man sich immerhin nähern. Laut Marktanteilsstatistiken des Branchenverbands der Zertifikateindustrie hat die Deka zwischen Ende 2017 und 2018 ihr in Zertifikate verwaltetes Volumen vom 9,8 auf auf 12,3 Mrd. Euro gesteigert und damit die Marktführerschaft erobert. Diese Veränderung wird gleichwohl auch von Marktschwankungen bestimmt, nicht nur vom Absatz.  Da allerdings 2018 ein eher schwaches Kapitalmarktjahr war, dürfte der tatsächliche Netto-Neuabsatz an Zertifikaten der Deka (inklusive also vorzeitiger Rückzahlungen und Endfälligkeiten) indes bei mehr als der Differenz von 2,5 Mrd. Euro liegen.

Sechs Thesen zum Deutschland-Start der „Openbank“ von Santander

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Santander schickt Digitaltochter Openbank nach Deutschland“: Mit dieser News übertölpelten wir gestern Vormittag unsere Online-Leser. Als wir uns das Ganze dann genauer angeschaut haben, fielen uns zwei Dinge auf: 1.) Das Angebot ist bemerkenswert umfangreich, Apple Pay gehört ebenso dazu wie ein Robo-Advisor. 2.) Zugleich ähnelt das Angebot aber optisch wie inhaltlich stark dem spanischen – was uns ein Insider so erklärte: „Openbank Deutschland ist eigentlich Openbank Spanien. Die machen Passporting aus Spanien heraus, es wurde für Deutschland also die Internetseite übersetzt, aber nichts wirklich Neues gebaut.“ Ist das nun eine gute Nachricht für die deutsche Kreditwirtschaft? Motto: Die Spanier gehen die Sache eher halbgar an. Oder eine schlechte? Motto: Um die deutschen Banken anzugreifen, braucht’s nur noch jemanden, der eine Website übersetzt? Unterm Strich: Eine Mischung aus beidem. Sechs Thesen:

1.) Wir leben im Zeitalter des technologisch-regulatorischen Minimalinvasiv-Bankings

Das mir dem Übersetzen klingt zwar wie eine Zuspitzung – ist so weit aber gar nicht von der Wahrheit weg. Eine  Bank, die irgendwo in Europa über Lizenz und Infrastruktur verfügt, kann ihr Angebot auf Passporting-Basis (siehe hierzu: Was mit Passporting gemeint ist) problemlos kontinentalweit ausrollen. Dazu braucht sie nur bei der jeweiligen nationalen Aufsicht ihre Pläne anzuzeigen. Wenn die Aufsicht (hierzulande: die Bafin) nicht widerspricht, kann es eigentlich schon losgehen. Die Investitionskosten? Liegen – wenn man das Marketing rausrechnet – im Peanuts-Bereich. So scheint sich die Santander, immerhin eine der größten Banken Europas, sogar die Schlussredigatur der Website-Texte gespart zu haben. Da wir bei „Finanz-Szene.de“ das allerdings auch manchmal tun, wollen wir bei diesem Punkt Nachsicht walten lassen.

2.) Auch wenn Deutschland „overbanked“ ist, scheint der Markt für neue Digitalbanken attraktiv (oder wenigstens: verlockend) zu sein

Die Openbank ist nicht der einzige digitale Angreifer, der nach Deutschland drängt. „Finanz-Szene.de“ berichtete kürzlich exklusiv über entsprechende Pläne der tschechischen Airbank. Im Juni letzten Jahres hatte zudem die polnische Alior Bank angekündigt, mithilfe des Berliner White-Label-Anbieters Solarisbank nach Deutschland zu expandieren (diese Pläne scheinen allerdings zu stocken …). Auch Goldman Sachs hat schon mal durchblicken lassen, mit seiner Retailbank „Marcus“ (die zum Beispiel in UK schon erfolgreich um Einlagen buhlt) nach Deutschland zu kommen. Und die Revoluts und Monzos dieser Welt gehen hierzulande entweder schon auf Kundenjagd – oder dürften zumindest überlegen dies zu tun.

3.) Nicht alles, was digital und schick ist, funktioniert auch

Erinnern Sie sich noch an die „Hello Bank“? Das war so was ähnliches wie die Openbank, nur dass nicht die größte spanische Bank dahinter stand, sondern die größte französische, also die BNP Paribas. Im Mai 2013 ging die „Hello Bank“ mit großen Tamtam in Deutschland an den Start – doch irgendwann (unser Eindruck nach dreiminütigem Hardcore-Googeln: Es muss irgendwann Ende 2014 gewesen sein) verschwand sie dann klammheimlich wieder.

4.) Die Passporting-Regel verführt zu halbgaren Markteintritten

Ob die Schnell-Expansion mittels Passporting wirklich ein Erfolgsmodell wird, muss sich zeigen. Will ein deutscher Bankkunde wirklich ein Girokonto mit einer ausländischen IBAN (und findet sein Arbeitgeber das so dufte?). Will ein deutscher Anleger wirklich einen Broker (oder einen Robo-Advisor) mit einer ausländischen Depotbank? Und: Auch wenn es in Deutschland rund 80 Mio. potenzielle Kunden gibt – die meisten haben halt schon eine Bank. Und viele auch zwei oder drei. Ein Erfolg wie der der ING Diba lässt sich nicht beliebig wiederholen. Den Markteintritt der Openbank darf man daher vermutlich als Experiment betrachten, das sich gegebenenfalls auch wieder abbrechen lässt, ohne allzu viel Geld verbrannt zu haben.

5.) Die Deutsche Bank und die Commerzbank gucken mal, was passiert

Was wäre eigentlich gewesen, wenn die Deutsche Bank 2018 ihre angekündigte Digitalbank wirklich gelauncht hätte (die Pläne wurden bekanntlich verworfen)? Und was, wenn die Commerzbank mit „Copernicus“ an den Start gegangen wären (auch hieraus wurde ja nichts)? Hätten die Santander die Openbank unter diesen Umständen auch in Deutschland ausgerollt? Zumindest darf man davon ausgehen, dass der hiesige Markt für ausländische Angreifer auch deshalb so verlockend ist, weil sich die Platzhirsche mit eigenen Angeboten zurückhalten („Yomo“ lassen wir jetzt einfach mal unerwähnt).

6.) Ist der Start der Openbank womöglich Teil eines Downsizing-Programms?

Wir haben den gestrigen Schritt der Santander einfach mal zum Anlass genommen nachzusehen, was die „deutsche Santander“ (also die in Mönchengladbach ansässige „Consumer Bank“ mit ihren mehr als 6 Mio. Kunden) eigentlich so macht. Die ausführliche Analyse hierzu werden Sie in einer unserer nächsten Ausgabe lesen. Vorweg aber schon mal so viel: Die „deutsche Santander“ ist keine Bank, die investiert und wächst. Sondern eine, die spart und schrumpft. Und zwar gewaltig. Vielleicht ist der Schmalspur-Start der Openbank auch in diesem Kontext zu sehen: Man versucht halt mal was Neues, um nicht immer nur zu sparen – aber halt ohne spektakuläre Investitionen.

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Santander startet Digitaltochter Openbank

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die spanische Großbank Santander schickt nach der „Santander Consumer Bank“ ein zweites Retail-Angebot in Deutschland an den Start, nämlich die Online-Tochter „Openbank“. Wie „Finanz-Szene.de“ heute Früh entdeckte, ist die hiesige Website unter der Adresse „www.openbank.de“ bereits livegeschaltet, verbunden mit dem Zusatz: „Europas größte digitale Bank kommt nach Deutschland“. Schon gestern war dem Internetblog „Caschy“ aufgefallen, dass die Openbank seit diesem Wochenende als hiesiger Partner bei Apple Pay gelistet ist.

Mit dem unangekündigten Deutschland-Start der Openbank stellt die Santander die Online-Strategie der Deutschen Bank und der Commerzbank massiv infrage. Zur Erinnerung: Die beiden wichtigsten hiesigen Geldinstitute hatten weitreichende Pläne für den Launch jeweils eigener Digitalbanken – brachen das Unterfangen aber im vergangenen Jahr beide ab (siehe in unserem Archiv: Hier die Pläne der Deutschen Bank, und hier deren Abbruch. Und hier die „Copernicus“ genannten Pläne der Commerzbank, und hier auch deren Abbruch). Spannend wird sein, wie die Santander ihr eigenes Angebot nun gegen dass der ING Deutschland positioniert. Denn anders als die Niederländer verfügen die Spanier hierzulande über ein Filialnetz und könnten – zumindest theoretisch – ihr stationäres und ihr digitales Angebot miteinander verknüpfen.

Die große Analyse zu den Deutschland-Plänen der Santander morgen Früh bei „Finanz-Szene.de“, dem pittoreskesten Branchen-Newsletter der Welt.

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