An uns (den Medien), liebe Deutsche Bank und liebe DWS, hat es ganz sicher nicht gelegen …

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn die Deutsche Bank aus dem IPO-Prozess der DWS irgendetwas Positives mitnehmen kann – dann, dass es an medialem Rückenwind (von wem auch immer der gesät wurde) nicht gemangelt hat. Das begann mit der Geschichte, die DWS sammle „wieder kräftig Kundengeld ein“ (HB, 25.1.) – dabei reichten die 2017-Zuflüsse bei weitem nicht aus, um die 2016er-Abflüsse zu kompensieren.

Weiter ging es mit der Story, Nippon Life wolle sich mit „annähernd 10%“ an der DWS beteiligen  (FAZ, 6.3.); letztlich waren es dann doch nur 5%. Schön auch: „Blackrock könnte sich an DWS-Börsengang beteiligen“ (HB, 6.3.). Oder: Orderbücher „wenige Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist bereits gefüllt“ (BÖZ, 15.3.). Der Höhepunkt dann diese Woche, als Reuters, BÖZ, HB und FAZ quasi parallel  von einer (deutlichen) „Überzeichnung“ der Emission berichteten.

Dabei kam nur wenige Stunden später der Moment, in dem Finanz-PR auf Wirklichkeit traf. Preisspanne: 32 bis 33 Euro. Maximaler Emissionserlös: 1,65 Mrd. Euro (statt der angestrebten 2,0 Mrd. Euro). Das mag unterm Strich okay sein. Aber es klafft doch eine gefühlte Lücke zwischen dem, was wochenlang zu lesen war, und dem, was jetzt ist.

Das sind die zehn bislang größten Fintech-Fundings in Deutschland

Von Heinz-Roger Dohms

130 Millionen Euro – mit der Rekordfinanzierung für N26 erklimmt die deutsche Fintech-Branche eine neue Entwicklungsstufe. Erstmals überhaupt erhält ein hiesiges Finanz-Startup (gemeint sind „Fintechs im engeren Sinne“ gemäß der Definition von „Finanz-Szene.de“) eine Eigenkapital-Spritze in dreistelliger Millionenhöhe. Nimmt man das Funding der Solarisbank von Anfang März hinzu, dann haben zwei der größten deutschen Fintechs binnen eines Monats zusammen fast 200 Millionen Euro in die Kassen bekommen.

Geht das jetzt so weiter? In dem Tempo sicher nicht. Denn Fintechs mit großen internationalen Ambitionen  (wie N26, Solarisbank oder Kreditech) gibt es in Deutschland eher wenige, Fundings in dreistelliger Millionenhöhe dürften darum die Ausnahme bleiben. Allerdings: Finanzierungsrunden irgendwo zwischen 50 und 100 Millionen Euro könnte es bald weitere geben. Denn: Die Tendenz zeigt klar in diese Richtung, sechs der zehn größten Finanzierungen wurden seit Anfang 2017 (also binnen der letzten 15 Monate) verbucht. Und: Die deutsche Fintechs sind noch nicht am Ende ihrer Funding-Historie, abgesehen von Kreditech ist keines der jüngeren deutschen Fintechs über die „Series C“-Runde hinaus.

Mio. Euro Jahr Runde
N26 130 2018 C
Kreditech 82 2015 C
Kreditech 80* 2017 D
Solarisbank 57 2018 B
Finleap 39 2017 -*
N26 36 2016 B
Finanzcheck 33 2016 C
Raisin 30 2017 C
Scalable 30 2017 B
Kreditech 29 2014 B

*Die Angabe zur 2017er-Runde von Kreditech basiert auf einer Schätzung; Da sich der Fintech-Inkubator Finleap selber nicht als Venture sieht, verzichtet er auf übliche Klassifizierung der Funding-Runden (ansonsten würden es sich bei den 39 Millionen vermutlich um eine „Series B“ handeln)

Quellen: Barkow Consulting, eigene Recherchen; Smava wurde ausgeklammert, da unklar ist, inwieweit die jüngst verkündete Funding-Runde tatsächlich aus Eigenkapital bestand

Allianz brüskiert Deutschlands Banken – und steigt bei Vorzeige-Fintech N26 ein

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene.de

Die Allianz düpiert die gesamte deutsche Bankenbranche – und steigt im großen Stil beim Vorzeige-Fintech N26 ein. Mitte vergangener Woche hatte der Münchner Versicherungskonzern entsprechende Informationen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ noch als „Marktgerücht“ abgetan (worauf wir zunächst von einer Berichterstattung absahen). Gestern Abend machte die News dann aber endgültig die Runde. Demnach beteiligen sich neben der Allianz auch der chinesische Internetkonzern Tencent und eine Reihe kleinerer Investoren bei der Berliner Smartphone-Bank. Heute Morgen soll die Meldung offiziell verkündet werden.

Die Finanzierungsrunde ist umgerechnet 130 Millionen Euro schwer. Das bedeutet für die deutsche Fintech-Branche einen neuen Rekord. Die bisherige Bestmarke hatte der Hamburger Online-Lender Kreditech gehalten, dem im Herbst 2015 zunächst 82,5 Millionen Euro und Anfang vergangenen Jahres dann noch einmal geschätzt zwischen 75 Millionen und 80 Millionen Euro frisches Eigenkapital zuflossen. Hinter N26 und Kreditech folgt bereits die Berliner Solarisbank, die Anfang März eine Funding-Runde über rund 57 Millionen Euro gestemmt hatte.

Dass Solaris und N26 fast zeitgleich solch gewaltige Finanzierungen vermelden, zeigt, dass sich die großen deutschen Fintechs endgültig mit ihren Pendants in UK oder den USA messen können. Zur Bewertung von N26 wurde gestern noch nichts bekannt. Ein Kenner der Vorgänge hatte vergangene Woche behauptet, durch die neue Finanzierung steige der Wert des 2013 gegründeten Start-ups „Richtung halbe Milliarde“. Das klingt im Lichte der neuen Informationen zwar plausibel, eine zweite Quelle für diese Schätzung gibt es allerdings nicht.

Spektakulär am N26-Funding ist aber nicht nur die Höhe – sondern mindestens ebenso sehr, dass die Finanzierungsrunde von der Allianz angeführt wird (die genau genommen über ihr VC-Vehikel Allianz X investiert). Was genau der Versicherungsriese mit dem Einstieg bezweckt, blieb zunächst unklar. Auffällig allerdings ist, dass immer mehr Versicherer nicht nur in Insurtechs, sondern auch und gerade in Banken-Startups investieren.

So gehörten die Hannover Rück und die Signal Iduna zu den ersten und  Investoren des Berliner Fintech-Inkubators Finleap, der unter anderem hinter der Solarisbank steht. Eine andere Finleap-Ausgründung ist die auf digitale Vermögensverwaltung spezialisierte Elinvar; an der beteiligte sich die Hannover-Re-Mutter Talanx. Der niederländische Versicher Aegon schließich stieg vor einem Jahr beim Düsseldorfer Kredit-Marktplatz Auxmoney ein. Parallel zum Equity-Engagement investieren die Holländer in großem Umfang in Kredite, die über die Plattform angeboten werden. Banken-Business, betrieben von einem Versicherer.

Auch die Allianz ist nun offenbar bestrebt, über Fintech-Beteiligungen  in die Wertschöpfungskette der Bankenbranche vorzudringen. Dafür spricht neben dem N26-Coup auch ein hierzulande kaum beachteter Deal von Ende Februar.  Da wurde bekannt, dass die Allianz 30 Millionen Dollar in ein US-amerikanisches Fintech namens  C2FO investiert. Dessen Spezialität: Unternehmen mit Working Capital auszustatten – auch das ein Geschäft, dass klassischerweise zu denen der Banken gehört.

Exklusiv: Neuer Fintech-Inkubator Finconomy launcht erstes Venture

Von Heinz-Roger Dohms

Der neue Fintech-Inkubator Finconomy hat nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ sein erstes Venture gelauncht, nämlich einen  Robo Advisor namens WeAdvise. Zwar gibt es am deutschen Markt bereits eine Vielzahl digitaler Vermögensverwalter wie Scalable Capital, Liqid oder Vaamo – zudem haben auch einige etablierte Player eigene Robos an den Markt gebracht, darunter die Deutsche Bank („Robin“) oder die Genobanken („Visualvest“). Trotzdem glaubt Co-Founder Christian Ropel, dass sich WeAdvise vom Rest der Marktes abheben wird: „Als erster und einziger Anbieter fokussieren wir uns ausschließlich auf das B2B-Segment“, sagte Ropel im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Das heißt: Es geht um reine White-Label-Lösung, im Endkundengeschäft wird der Name „WeAdvise“ nicht auftauchen.

„Die Palette der Anbieter, für die unsere Lösung infrage kommt, reicht von Banken und Versicherern über Finanzvertriebe, Maklerpools  bis hin zum Vermögensverwalter“, erläuterte Ropel. Den Bedarf macht er an einem Beispiel deutlich: „Wenn ein Kunde seinen Vermögensverwalter damit konfrontiert, dass er Robo Advisory spannend findet – dann hat der Vermögensverwalter bislang nur die Möglichkeit, den Kunden an einen der existierenden Anbieter zu vermitteln. Mit WeAdvise hingegen geben wir dem Vermögensverwalter jetzt ein Tool an die Hand, das ihm ermöglicht, dem Kunden eine eigene Robo-Lösung anzubieten. Das heißt: Er behält seinen Kunden statt ihn zu vermitteln.“

Die WeAdvise-Lösung sei „hochgradig anpassbar“ an die jeweiligen Wünsche der Bank, des Versicherers oder eben des Vermögensverwalters, so Ropel – „das kann man sich wie einen modularen Baukasten vorstellen, aus dem jeder Anbieter seine Teile wählen kann“. In technologischer Hinsicht liegt der Kern des Produkts darin, dass es sich bei der WeAdvise-Plattform um eine offene Architektur handelt, die nach Wünschen des Lizenznehmers bestückt werden kann. „Dadurch versetzen wir zum Beispiel den ansonsten analog tätigen Vermögensverwalter in die Lage, seinen Klienten digital zu bedienen.“ Darüber hinaus stellt WeAdvise sicher, dass die Verbindung zur jeweiligen Transaktionsbank funktioniert.

WeAdvise selber verdient in erster Linie an den Lizenzgebühren. Die fließen im wesentlichen für die Software-Lösung als solche, aber zum Beispiel auch für den laufenden technischen Support und für regelmäßige „Produkt-Updates“, etwa wenn sich der regulatorische Rahmen verändert. „Wir garantieren, dass die regulatorische Compliance fortlaufend sichergestellt ist“, sagt Ropel.

Aus Branchensicht spannend: Wird WeAdvise zum Erfolg, dann könnte sich Finconomy auf Sicht vielleicht als zweiter deutscher Fintech-Inkubator neben Finleap in Berlin etablieren. Finconomy war im vergangenen Herbst an den Start gegangen – allerdings nicht bei Null, sondern auf Basis zweier bestehender Fintechs, sie heißen BANKSapi und Fundsaccess. Daneben gab es damals noch eine Beteiligung an der mittlerweile komplett zum W&W-Konzern gehörenden Treefin GmbH. Gleichwohl: WeAdvise ist nun das erste Venture, das tatsächlich aus dem Inkubator hervorgeht. Neben Finconomy ist das Management um Christian Ropel und Markus Klems beteiligt.

Der B2B-Ansatz ist im Robo-Markt insofern spannend, als nur wenige unabhängige Anbieter im Endkundenmarkt letztlich auf eine kritische Größte kommen dürften. Auch andere Fintechs setzen darum mittlerweile – zusätzlich zu ihrem B2C-Geschäft – auf Lösungen für etablierte Partner. So baute zum Beispiel Vaamo den Robo-Advisor für die deusche Santander, während Whitebox mit der VW Bank kooperiert und Investify mit der Hamburger Sparkasse. Ein wiederum anderes Beispiel ist Elinvar. Das Berliner Fintech hilft klassischen Banken wie zum Beispiel Warburg bei der Digitalisierung ihrer Vermögensverwaltung – wozu dann auch roboartige Angebote gehören können.

Exklusiv: Früherer 1&1-CEO Hoffmann wird Chef der Payment-Holding von Advent und Bain

Von Heinz-Roger Dohms

Spannende Personalie in der deutschen Payment-Branche: Der frühere CEO des Internetunternehmens 1&1, Robert Hoffmann, wird nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ neuer Chef der Eagle Eschborn GmbH – das ist die Holding, unter der die US-Finanzinvestoren Advent und Bain ihre deutschen Payment-Aktivitäten angesiedelt haben. Laut Handelsregister gehört auch Concardis-CEO Marcus Mosen der Holding-Führung an. Er ist verantwortlich für die operativ tätige Concardis GmbH, um die herum Advent und Bain momentan ein neues Schwergewicht auf dem europäischen Payment-Markt formen.

Unter dem Holding-Dach befindet sich neben dem Acquirer Concardis auch schon das aufstrebende Berliner Fintech Ratepay. Es ermöglicht Online-Händlern, ihren Kunden das Zahlen auf Rechnung oder per Lastschrift anzubieten. Darüber hinaus verkündete Concardis Ende vergangenen Jahres die Übernahme der PCS PayCard Service aus Mannheim und der Simplepay GmbH aus Berlin. Das ist allerdings noch nicht alles. Denn nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ gehört inzwischen auch der osteuropäische Payment-Dienstleister Mercury Processing zur Concardis-Familie.

Überdies sind Bain und Advent an der milliardenschweren Payment-Sparte des Schweizer Finanztechnologie-Konzerns SIX interessiert. Auch diese könnte Teil der Holding werden. Dagegen scheint der Sparkassen-Acquirer BS Payone  nicht mehr im Fokus der beiden US-Investoren zu stehen. Ein Grund könnte sein, dass die Sparkassen nicht bereit sind, einen Mehrheitsanteil an der Tochter abzugeben.

Exklusiv: Vorzeige-Fintech N26 soll kurz vor Mega-Funding stehen

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Wenige Tage nach dem 57-Millionen-Euro-Funding für die Berliner Solarisbank soll ein weiteres deutsches Fintech unmittelbar vor einer Rekordfinanzierung stehen – nämlich die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank N26. Das haben „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ aus Finanzkreisen erfahren. Läuft alles glatt, könnte das Funding bereits in den nächsten Tagen perfekt gemacht und anschließend offiziell verkündet werden. Angeblich soll es um eine hohe zweistellige Millionensumme gehen. „Sie können damit rechnen, dass das Funding sogar noch über dem der Solarisbank liegen wird“, sagte eine der Quellen. Eine Sprecherin von N26 wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Kommt es tatsächlich so, hätte die deutsche Fintech-Szene binnen kurzer Zeit gleich zweimal den Beweis angetreten, dass Funding-Runden in einer Bandbreite von 50 und 100 Millionen Euro inzwischen auch für hiesige Finanz-Startups möglich sind. Daran gab es in den vergangenen Jahren durchaus Zweifel, weil abgesehen von Kreditech kein einziges deutsches Fintech Kapitalerhöhungen in dieser Größenordnung gestemmt hatte. Die bislang höchsten Finanzierungen für  Raisin („Weltsparen“), Finleap, Scalable oder Finanzcheck bewegten sich stattdessen allesamt in einer Spanne irgendwo zwischen 30 und 40 Millionen Euro. Auch N26 lag bei der bislang letzten Runde in diesem Bereich.  Ein Sonderfall ist Smava: Das Kreditvergleichsportal berichtete jüngst zwar von einer Finanzierung von umgerechnet deutlich über 50 Millionen Euro; ob es sich dabei aber komplett um Eigenkapital handelte, ist ungewiss.

Dass nun ausgerechnet die Solarisbank und voraussichtlich auch N26 die 50-Millionen-Euro-Marke überspringen, kommt nicht von ungefähr. Zwar unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der beiden Fintechs grundlegend. So ist N26 als mobile Retailbank ein reiner B2C-Anbieter, während sich die Solarisbank als White-Label-Spezialist quasi ausschließlich aufs B2B-Geschäft fokussiert. Davon abgesehen, gibt es aber viele Gemeinsamkeiten: Beide reklamieren für sich, ein zumindest am deutschen Markt  singuläres Geschäftsmodell zu verfolgen; beide unterstrichen ihre Eigenständigkeit, indem sie sich frühzeitig eine eigene Banklizenz besorgten; und beide hegen große internationale Ambitionen. Vor allem letzteres scheint für ausländische Investoren ein wichtiges Argument zu sein.

Tatsächlich dürfte N26 das Ziel verfolgen, mit den frischen Millionen die internationale Ausbreitung voranzutreiben. Zuletzt hatten die Berliner bereits die Expansion in die USA und nach Großbritannien verkündet; daneben ist das Fintech auf Basis seiner deutschen Banklizenz auch schon in vielen anderen Euro-Ländern unterwegs. Dabei sind die Erfolge in der Kunden-Akquisition zum Teil erstaunlich. So kommt N26 in Frankreich gut ein Jahr nach dem Start bereits auf mehr als 200.000 Kunden; rechnet man alle Märkte (also auch den deutschen) zusammen, dürften es mittlerweile sogar schon mehr als 750.000 Kunden sein.

Exklusiv: BBVA, ABN Amro und Visa steigen beim Berliner Fintech Solarisbank ein

Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag in der deutschen Fintech-Branche: Die erst 2016 gegründete Berliner Solarisbank wird nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ heute eine Funding-Runde über 56,6 Millionen Euro bekanntgeben – die hinter Kreditech bislang höchste Finanzierung für ein hiesiges Fintech überhaupt.  Zu den Investoren gehören die spanische BBVA und die niederländische ABN Amro, was  ein Novum darstellt. Denn bislang hat noch keine führende europäische Bank in großem Stil in ein deutsches Finanz-Startup investiert. Daneben gibt es mit dem Kreditkartenkonzern Visa und dem Venture-Capital-Fonds Lakestar zwei weitere prominente neue Aktionäre. „Wir haben genau die Investoren gefunden, die wir uns gewünscht haben“, sagte Solarisbank-Aufsichtsratschef Gerrit Seidel im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“.

Die Finanzierungsrunde ist nicht nur für die Solarisbank, sondern für die gesamte Fintech-Branche hierzulande ein Signal. Denn: Zuletzt hatte es immer wieder Zweifel gegeben, ob Mega-Fundings in Höhe von 50 Millionen Euro und mehr für junge deutsche Finanz-Startups überhaupt realistisch sind. Das Beispiel Solaris zeigt nun jedoch, dass global tätige Investoren prinzipiell bereit sind, auch in hiesige Fintechs hohe Summen zu pumpen. Allerdings geht damit offenbar eine gewisse Erwartungshaltung einher, sprich: Das Geschäftsmodell sollte einigermaßen singulär und nicht nur auf den deutschen Markt beschränkt sein. Entsprechend kündigte Solarisbank-Chef Roland Folz gegenüber „Finanz-Szene.de“ an: „Mit den neuen Mitteln wollen wir neben der weiteren Produktentwicklung auch unsere Internationalisierung vor allem in weitere europäische Märkte vorantreiben.“

Die Solarisbank war im Frühjahr 2016 an den Start gegangen. Als eines der ersten deutschen Fintechs sicherte sie sich damals eine Bank-Lizenz bei der Bafin – und baut seitdem um diese Lizenz herum ihr Geschäftsmodell auf. Das sieht in der Praxis etwa so aus, dass vermeintliche Startup-Banken wie Hufsy, Penta und Kontist ihren Kunden zwar Bankdienstleistungen wie Konto oder Kreditkarte anbieten, die Transaktionen aber in Wirklichkeit über die technische Plattform von Solaris abgewickelt werden.

Ein anderes Beispiel: Das Gebrauchtwagen-Portal Autoscout24 bietet seinen Nutzern inzwischen eine „eigene“ Kreditfinanzierung an. Auch dahinter steht, wenn man genau hinguckt, die Solarisbank – übrigens nicht nur als technischer Dienstleister, sondern auch als die Bank, die den Kredit auf die eigene Bilanz nimmt. Auch das Vergleichsportal Smava und die Direktbank MoneyYou (die zur ABN Amro gehört) bieten seit Kurzem unter eigener Marke einen sogenannten Sofortkredit an, der eigentlich von der Solarisbank kommt.

Hervorgegangen ist das Vorzeige-Fintech ursprünglich aus dem Berliner Company Builder Finleap. Der dürfte auch nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 30 Prozent immer noch der größte Aktionär sein. Dahinter kommt jetzt BBVA, wobei der Anteil der Spanier so hoch sein soll, dass es ein Inhaberkontrollverfahren durch die Bafin geben wird. Alle anderen Aktionäre  halten Anteile im einstelligen Prozentbereich. Von den Altaktionären beteiligten sich der japanische Fintech-Investor SBI Group und die Bertelsmann-Tochter Arvato. Darüber hinaus  bleibt auch der kleine, aber feine Münchner VC-Investor Yabeo (dem unter anderem Solaris-Aufsichtsratschef Seidel angehört) an Bord. Die Hypo-Vereinsbank hingegen hat ihre Anteile – mit ordentlichem Gewinn – an BBVA verkauft.

„Uns war wichtig, dass an der Unabhängigkeit der Solarisbank-Plattform trotz des Einstiegs großer strategischer Investoren auch weiterhin keinerlei Zweifel bestehen. Durch das breit gefächerte Aktionariat ist dieser Punkt in jedem Fall gewährleistet“, sagte Gerrit Seidel. Zur Bewertung wollten sich weder er noch Folz äußern. Nach Angaben aus Finanzkreisen dürfte sie bei grob geschätzt rund 175 Mio. Euro liegen (wobei die Post-Money-Bewertung nochmal rund 50 Mio. Euro höher sein dürfte).

Was auffällt: Durch den Ausstieg der HVB ist nun keine deutsche Bank mehr bei der Solarisbank an Bord, wohl aber zwei ausländische Institute. Als Grundsatzentscheidung will Folz das nicht verstanden wissen, er sagt allerdings: „Wir sind bei der Suche nach den geeigneten Investoren gezielt auf jene europäischen Banken zugegangen, die unserer Meinung nach technologisch am progressivsten sind.“ Auf die BBVA trifft das ohne Zweifel zu. Die Spanier schwenkten deutlich früher als hiesige Banken auf Fintech-Kurs, übernahmen zum Beispiel 2014 die amerikanische Startup-Bank Simple und 2016 das finnische Fintech Holvi. Erst gestern verlautete zudem, dass die Spanier die neue Mega-Finanzierungsrunde bei der britischen Challenger-Bank Atom anführen. Laut einer kürzlich erschienenen Oliver-Wyman-Studie ist BBVA in puncto Digitalisierung sogar die am weitesten fortgeschrittene Bank in Europa. Ganz so ausdefiniert ist das Fintech-Profil der ABN Amro zwar nicht, allerdings wird auch sie tendenziell zu den digitalen Vorreitern gezählt.

Übrigens: Wenn man die beiden deutschen Fintechs mit den nunmehr höchsten Fundings – also Kreditech und Solarisbank – gegenüberstellt, dann wird ein spannender Gegensatz deutlich: Während Kreditech die Veranstaltung von zwei Jung-Techies war (Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller), steht hinter Solaris eine Art Old-Boys-Netzwerk zwar technologieaffiner, aber durchweg etablierter Banker: Aufsichtsratschef Seidel und Vorstand Andreas Bittner arbeiteten Ende der Nullerjahre bei der Fondsdepot-Bank; der Ex-Deutschbanker und Solaris-Vorstandschef Folz ist durch die gemeinsame Zeit bei der DAB-Bank eng mit dem früheren HVB-Vorstand Matthias Sohler verbandelt; der wiederum hat gemeinsam mit Seidel besagten VC-Investor Yabeo aufgebaut; ein weiterer Solaris-Vorstand (Marko Wenthin) arbeitete früher genauso wie Folz und CFO Alexander Engel bei der Deutschen Bank; zudem arbeiteten Wenhtin und Seidel zusammen bei der Sofort Bank.

Exclusive: BBVA, ABN AMRO and Visa invest in German fintech start-up Solarisbank

By Heinz-Roger Dohms

German fintech player Solarisbank will be announcing a EUR 56.6mn funding round today, the highest financing deal for a German fintech ever, after Kreditech, according to exclusive information obtained by „Finanz-Szene.de“. Spanish BBVA and Dutch ABN AMRO, two of the main investors, are breaking new ground, because up until now, none of Europe’s big banks has made major investments in German fintech start-ups. Two other high-profile stakeholders are Visa and Lakestar, a venture capital fund. “We have found exactly the kind of investors we were hoping for,” explains Gerrit Seidel, Chairman of the Board at Solarisbank, in an interview with Finanz-Szene.de.

Solaris was founded two years ago at Finleap, a fintech incubator in Berlin, who should still be Solarisbank’s largest investor holding a stake of roughly 30%, even after the current funding round, followed by BBVA. All the other investors own single-digit percentage stakes. As for the remaining existing shareholders, SBI Group, a Japanese fintech investor, and Arvato, a subsidiary of the Bertelsmann media conglomerate, have also joined in the current financing round, and Yabeo, a Munich-based venture capitalist, stays on board, too. Hypo-Vereinsbank, on the other hand, has sold its stake to its Spanish competitor BBVA.

Nippon Life soll Großaktionär bei Deutsche-Bank-Tochter DWS werden

Der japanische Lebensversicherer Nippon Life soll Großaktionär bei der DWS werden. Ein entsprechender Bericht der „FAZ“ wurde „Finanz-Szene.de“ gestern Abend aus Finanzkreisen bestätigt – wobei der Anteil allerdings ein gutes Stück unter den von den Kollegen aufgerufenen zehn Prozent liegen dürfte.  Denn: Nach jetzigem Stand will die Deutsche Bank im Zuge des geplanten Börsengangs ohnehin nur 25 Prozent der Aktien abgeben; würden dann gleich zehn Prozent bei einem einzigen Investor landen, wäre das der Liquidität eher abträglich.

Kommt es zu einer Einigung mit Nippon Life (nochmal zur Klarstellung: Die Sache ist noch nicht perfekt), wäre das nicht nur ein Signal an andere potenzielle Großinvestoren, sondern womöglich auch in strategischer Hinsicht ein kluger Schritt. Denn: So breitbeinig der Asset Manager der Deutschen Bank momentan hierzulande auftritt – so dünnbrüstig ist er bislang im asiatischen Markt aufgestellt (laut „Handelsblatt“ kommen von dort nur 5% der Kundengelder, während es beim französischen Rivalen Amundi schon 12% sind). Mit starken Vertriebspartnern vor Ort ließe sich das Geschäft vermutlich deutlich ankurbeln.

„Finanz-Szene.de“ hat gut sechs Monate nach dem Start mehr als 4000 Abonnenten

Von Heinz-Roger Dohms

Eigentlich hatte sich unsere Marketing-Agentur, der wir Monat für Monat eine fünfstellige Summe überweisen, für diese Woche eine tolle Aktion ausgedacht: Der 4000. „Finanz-Szene.de“-Abonnent sollte eine Restsaison-Dauerkarte des Hamburger SV gewinnen (oder alternativ ein vierwöchiges Praktikum bei der Degussa Bank).

Dann allerdings haben uns die Ereignisse wieder mal überholt: Denn der 4000. Abonnent hat sich dummerweise schon übers Wochenende hier angemeldet. Und am Montagabend waren wir dann schon bei 4092 Abonnenten – übrigens bei einer nahezu unveränderten „Open Rate“ von immer noch 56,5 Prozent.

Allen Lesern, den alten wie den neuen: Herzlichen Dank!

Exklusiv: Welche Fintechs wirklich schon Gewinn machen (und welche nicht)

Von Heinz-Roger Dohms

Huch, verbrennen die Fintechs gar kein Geld mehr? Sind sie urplötzlich allesamt profitabel? Wer die Schlagzeilen der letzten Tage verfolgt hat, konnte diesen Eindruck durchaus gewinnen. „N26 mit schwarzen Zahlen“, war  zu lesen, „Auxmoney erreicht im zweiten Halbjahr 2017 Profitabilität“, lautete eine Überschrift, und selbst Revolut – das angebliche britische Super-Fintech mit den angeblich mehr als 100.000 Kunden allein in Deutschland – tat kund, den Break-Even erreicht zu haben. Höchste Zeit, mal ein bisschen Ordnung in die Sache zu bringen. Welche Fintechs verdienen tatsächlich schon Geld? Welche tun nur so? Bei welchen ist es eine Definitionsfrage? Und wo sind die Dinge, warum auch immer, einfach nur ein bisschen durcheinander geraten? Ein skizzenhafter Überblick (der naturgemäß nicht vollständig ist):

1.) Tiefschwarz

… sind selbstverständlich die großen Ur-Fintechs:

  • Check24:  Das Vergleichsportal machte im Geschäftsjahr 2015/16 rund 500 Mio. Euro Umsatz. Das Ebitda dürfte im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gelegen haben (also bei mind. 50 Mio.  Euro)
  • Hypoport: Der Berliner Baugeldvermittler (der auch noch andere Sachen macht) hat Ende vergangener Woche seine vorläufigen Zahlen für 2017 bekanntgegeben. Das Ebit lag demnach bei rund 23 Mio. Euro
  • Interhyp: Der Münchner Baugeldvermittler kam 2016 auf ein Ebit von 67,7 Mio. Euro
  • 360T: Wenn wir uns im  Geflecht aus Konzerngesellschaften, Gewinnabführungsverträgen usw. nicht verheddert haben, dann dürfte die Devisenplattform im letzten vollständigen Geschäftsjahr vor der Übernahme durch die Deutsche Börse (sprich: in 2014) einen operativen Gewinn im Umfang von rund 20 Mio. Euro erwirtschaftet haben
  • Wirecard: Hat nach vorläufigen Angaben das Ebitda 2017 um rund ein Drittel auf fulminante 412,2 Mio. Euro gesteigert (wobei hinzugefügt sei, dass wir die Bilanzierung von Wirecard eher kritisch sehen).
2.) Frischschwarz

… scheinen eine ganze Reihe von Payment-Fintechs* zu sein – und zwar auch solche, die noch gar nicht so alt sind:

  • Billpay: Der 2009 gegründete, auf Rechnungskauf spezialisierte E-Payment-Spezialist hat 2016 einen Jahresüberschuss von 1,3 Mio. Euro erwirtschaftet (und wurde kurz darauf für angeblich 70 Mio. Euro von Klarna übernommen)
  • Ratepay: Ging ebenfalls 2009 an den Start, macht im Grunde dasselbe wie Billpay,  wurde im vergangenen Jahr ebenfalls übernommen (und zwar von den Finanzinvestoren Bain und Advent, die Ratepay bei Concardis integrieren wollen) – und wies im Geschäftsjahr 2016/2017 zumindest einen homöopathischen Überschuss von gut 80.000 Euro aus
  • Sum-up: Auch der 2011 gegründete britisch-deutsche Spezialist für Karten-Lesegeräte arbeitet nach eigener Aussage profitabel. Nachvollziehen lässt sich das aufgrund der komplexen Firmenarchitektur zwar nicht, es klingt nach allem, was aus dem Markt zu hören ist, aber nicht unplausibel
3.) Mattschwarz

… sind einige B2B-Fintechs, die (weil sie kein Endkundengeschäft betreiben) als reine Technologiedienstleister mit überschaubarem Marketingbudget auskommen:

  • Fino: Das 2015 gegründete Fintech arbeitet nach eigenen Angaben „seit dem dritten Monat profitabel“. Überprüfen lässt sich die Aussage mangels veröffentlichtem Jahresabschluss zwar noch nicht. Plausibel klingt das Ganze aber trotzdem – denn die anfangs auf Kontowechsel-Service spezialisierte Kasseler Firma kam mit einem quasi fertigen Produkt auf den Markt und verfügte recht früh über einen beachtlichen Kundenstamm
  • Fincite: Das Mühlheimer Finanz-Startup – spezialisiert auf den Bau von Tools für Banken und Vermögensverwalter – hat 2017 (wie auch schon 2016) einen sechsstelligen Überschuss erwirtschaftet
4.) Grauschwarz

… ist allem Anschein nach …

  • Auxmoney: Im dritten und vierten Quartal hat der Marketplace-Lender nach eigenen Angaben profitabel gearbeitet, gut möglich, dass das Düsseldorfer Fintech in diesem Jahr auch erstmals auf 12-Monats-Basis schwarze Zahlen ausweist
5.) Schwarz wie der Tag

… dürften allen Jubelmeldungen zum Trotz weiterhin die meisten deutschen Fintechs sein (was per se ja aber gar nicht schlimm ist). Das gilt entgegen anders lautender Meldungen unserer Ansicht nach auch für …

  • N26: Die Berliner Smartphone-Bank verbrennt zwar erstaunlich wenig Kapital – allerdings verbrennt sie natürlich trotzdem welches (wobei wir davon ausgehen, dass die Verluste 2017 höher waren als die für 2016 ausgewiesenen 14,7 Mio. Euro). Warum vergangene Woche trotzdem überall zu lesen war, N26 sei jetzt schwarz? Weil die „dpa“ eine Aussage von Gründer Valentin Stalf sehr steil interpretiert und praktisch alle Medien die Interpretation 1:1 übernommen hatten. Das Statement lautete: „Heute verdienen wir mit jedem Kunden Geld“ (was etwas anderes ist als „Wir schreiben schwarze Zahlen)
  • Smava: „Wir sind profitabel“, erklärte der Chef des Kredit-Vergleichsportals, Alexander Artopé, im September im „Handelsblatt“. Einen Beleg für diese Aussage blieb er gegenüber „Finanz-Szene.de“ schuldig, auch bei der Definition, was er mit „Profitabilität“ genau gemeint hat (bzw.: um welchen Zeitraum es womöglich ging), blieb Artopé vage. Trotzdem: Daran, dass die Berliner wachsen, gibt es eigentliche leine Zweifel, und auch die Marketingausgaben scheint Smava im Griff zu haben. Nicht auszuschließen, dass der Vergleichs-Spezialist seine Behauptungen demnächst auch mal mit nachprüfbaren Zahlen unterfüttert.

*Anmerkung: Mangels Zeit haben wir nicht alle deutschen Payment-Fintechs, bei denen wir schwarze Zahlen vermuten, auch tatsächlich überprüft. Falls Sie es selber tun wollen: Auf unserer „Verdachtsliste“ standen u.a. noch Payone (gehört inzwischen den Sparkassen), Pay.On (gehört inzwischen zu ACI Worldwide) und Sofortüberweisung (gehört inzwischen zu Klarna).

*Und gleich noch eine Anmerkung: Auch der jüngste Podcast des „Paymentandbanking“-Blogs befasst sich mit dem Thema „Schwarze Fintechs“. Wenn Sie noch nicht genug haben, hier der Link: PAB 

Wie viele Banken sterben in Deutschland wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms

Wie viele Banken sterben in Deutschland wirklich? Und einmal angenommen, die aktuelle Sterberate ließe sich bis 2030 fortschreiben, gäbe es in Deutschland dann wirklich nur noch 150 bis 300 Banken, wie die Consultants von Oliver Wyman neulich behauptet haben?

Wer heute Früh die „SZ“, die frischesten Barkow-Zahlen und einen CAGR-tauglichen Taschenrechner in die Hand nimmt, der kommt zu folgenden Antworten: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Banken um hochgerechnet 4,7 Prozent auf rund 1800 zurückgegangen (warum hochgerechnet? Weil die Zahl auf „nur“ 91 Prozent des Marktes beruht). Diese 4,7 Prozent bedeuteten zwar die höchste Sterberate seit 2003, würden aber bei einer entsprechenden Fortschreibung trotzdem nicht einmal annähernd ausreichen, um auf die Zahlen von Wyman zu kommen. Sondern: Man würde bei rund 960 Banken landen. Wollte man bei 300 Banken landen, dann müsste man stattdessen von einer Sterberate von rund 13 Prozent ausgehen. Und um auf 150 zu kommen, wären es sogar rund 17,5 Prozent.

Nun sei hinzugefügt: Der Ausgangswert von Wyman (1600 Banken) ist, warum auch immer, nicht der der Bundesbank (rund 1900 Banken per Ende 2016). Und: Wyman geht – was per se nicht unplausibel ist – von einer „Beschleunigung des Prozesses“ aus. Diese Beschleunigung müsste dann aber i.d.T. seeehr kräftig sein.

Exklusiv: Wie die Gebühren-Keule die Bilanzen der Sparkassen und Volksbanken rettet

Von Heinz-Roger Dohms

Kann man mit ein paar Euro mehr eine Bankibilanz zum glänzen bringen? Der Fall der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) zeigt: Ja, das geht. Und wie!

Im Herbst 2016 hatte das in Postdam beheimatete Institut seine Kontogebühren erhöht. Onlinekunden zahlen seitdem 2,50 Euro im Monat (statt gar nichts), der Preis für die Premium-Konto stieg von 6,50 auf 8,50 Euro, Geschäftskunden zahlen 12,50 statt 4,50 Euro, zudem verteuerte sich die Gebühr für die Kreditkarte auf 35 Euro jährlich. Der Effekt: Als die MBS dieser Tage ihr Geschäftsergebnis für 2017 veröffentlichte, war der Provisionsüberschuss – der zeigt, wie viel Geld eine Bank mit ihren Gebühren verdient – um sensationelle 31 Prozent gestiegen. Das habe zwar nicht nur an den höheren Kontoentgelten, heißt es  bei der MBS. Aber sie seien doch „ein wesentlicher Treiber“ gewesen.

Tatsächlich ist die Mittelbrandenburgische Sparkasse zwar ein Extrem-, aber kein Einzelfall. Denn das Gebühren-Wunder ist momentan bei vielen  Sparkassen und Volksbanken zu beobachten. Die Sparkasse München etwa steigerte das Provisionsergebnis um 17 Prozent, bei der Volksbank Hannover waren es 19 Prozent, bei der Sparkasse Essen 8 Prozent und bei der Sparkasse Aachen 13 Prozent. Die Datenspezialisten von Barkow Consulting haben ermittelt: Bei gut 500 Kleinbanken, die zusammen für rund 43 Prozent des öffentlich-rechtlichen und des genossenschaftlichen Bankensektors stehen (die übrigen Resultate sind noch nicht bekannt), erhöhte sich der Provisionsüberschuss im Schnitt um 7,1 Prozent – was den stärksten Anstieg seit 13 Jahren bedeutet.

„Die deutschen Banken sind bei Stärkung ihres generell schwachen Provisionsergebnisses im letzten Jahr einen deutlichen Schritt vorangekommen“, lautet das Fazit von Peter Barkow. Und: „Der Trend wird vermutlich weitergehen. Denn viele Gebührenerhöhungen wurden erst im Laufe des vergangenen Jahres vollzogen, sodass sich der volle Effekt erst in den 2018er-Zahlen zeigen wird.“

Geht die Gebühren-Wette der deutschen Retailbanken also tatsächlich auf? Es scheint so. Rückblick: Um die sinkenden Zinserlöse zu kompensieren, begannen vor ein, zwei Jahren immer mehr Geldinstitute damit, ihre Kontogebühren zu erhöhen. Es schien sich um eine Verzweiflungstat zu handeln. Denn: Traditionell verdienen gerade die Sparkassen und Volksbanken den ganz überwiegenden Teil ihres Ertrags im Zinsgeschäft. Die Provisionen machten und machen bei den allermeisten Kleinbanken weniger als 20 Prozent aus. Mathematisch ist die Sache bei einem Verhältnis von 80:20 somit eindeutig: Für jedes Prozent, mit dem das Zinsergebnis sinkt, muss der Provisionsüberschuss, wenn der Effekt eins zu eins kompensiert werden soll, um vier Prozent steigen. Wie sollte das gehen? Zumal ja auch noch die Frage offen war: Machen die Kunden das überhaupt mit? Oder sucht gerade die lukrative Klientel das Weite?

Nun sieht es  jedoch so aus, dass der Gebühreneffekt den (befürchteten) Zinseffekt 2017 mehr als überkompensiert hat – zumal noch gar nicht klar ist, ob der Zinsüberschuss überhaupt auf breiter Flur zurückgegangen ist. Denn vielen Kleinbanken ist es offenbar durch höhere Volumina und größere Risiken gelungen, das Zinsergebnis zumindest konstant zu halten. Und: Von einer Kundenflucht ist bislang wenig zu sehen. Das einzige prominente Opfer schien die Postbank zu sein, die als erste große Bank ihre Gebühren anhob und darum öffentlich besonders unter Beschuss stand. Sie verlor nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zwischen Mitte 2016 und Mitte 2017 unterm Strich rund 250.000 Kunden …

Exklusiv: Postbank verliert in 12 Monaten rund 10 % ihrer Giro-Bestandskunden

… doch selbst die Postbank (deren Provisionsüberschuss 2017 übrigens um 12 Prozent wuchs) vermeldet inzwischen, dass sich die Lage stabilisiert habe. Im vierten Quartal sei die Zahl der Girokonten sogar wieder leicht gewachsen. Andernorts klingen die Botschaften ähnlich. So heißt es bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, sie hab Ende 2017 mehr Kunden gehabt als Ende 2016. Das gleiche galt für die Öko-Bank GLS, die ihrer Klientel zusätzlich zu den bestehenden Kontoentgelten sogar noch einen jährlichen Solidarbeitrag von 60 Euro abverlangte. 18.000 der 211.000 Kunden flohen zwar. Dafür aber kamen 20.000 neue hinzu.

Aus Sicht von Karsten Junge von der Beraterfirma Consileon haben die Banken sogar noch etwas  Spielraum für weitere Gebührenerhöhungen, ohne dass sie eine Massenflucht der Kunden befürchten müssen.  „Deutschland bildet – neben den Niederlande – in Bezug auf die erzielte Gebührenmarge das Schlusslicht in Europa“, sagt der Experte.  Die Marge sei beispielsweise in Frankreich oder der Schweiz doppelt so hoch wie hierzulande „Da die Deutschen weiterhin nicht besonders wertpapieraffin sind und auch Kreditkarten verhältnismäßig wenig nutzen, ist die Erhöhung der Kontoführungspreise ein probates Mittel, um rasch einen Ergebniseffekt zu erzielen“ so Junge weiter.

Was das Ganze unterm Strich ausmacht? Die GLS Bank kann nun mit knapp  10 Mio. Euro Solidar-Profits jährlich kalkulieren (213.000 Kunden mal 60 Euro abzüglich der Vergünstigungen zum Beispiel für jüngere Kunden). Das ist geradezu existenziell angesichts eines Bilanzgewinns von gerade einmal 7,6 Mio. Euro. Bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse ist die Rechnung wegen der unterschiedlichen Kontenmodelle zwar nicht ganz so transparent. Allerdings lässt sich schätzen: Angesichts von insgesamt rund 470.000 Kunden dürften die Zusatzertäge im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen und somit merklich zum Vorsteuerergbnis von 84 Mio. Euro beigetragen haben.

Alles in allem übrigens schätzt Barkow Consulting, dass die höheren Gebühren den Sparkassen und Volksbank 2017 mehr als 800 Mio. Euro zusätzlich in die Kassen gespült haben. Beziehe man die übrigen Retailbanken in die Rechnung ein, dann steige die Summe sogar auf mehr als eine Mrd. Euro.

Gastbeitrag: Fünf kritische Thesen zur Kernbank der HSH

Von Guido Versondert und Michael Dawson-Kropf*

1.)    Die Kernbank hat wenig Größe, aber viel Wachstum

Die Bilanzsumme der Kernbank betrug per Q3 2017 rund 51 Mrd. Euro – ein Volumen, das die Frage nach der Relevanz aufwirft. Denn alle wichtigen Wettbewerber verfügen über höhere Bilanzsummen, deutlich mehr Kapital, höhere Großkreditgrenzen und i.d.R. eine bessere Risikotragfähigkeit. Was zudem auffällt: Gemessen an der Größe ist die kommerzielle Dynamik geradezu rasant. Denn: Zwischen 2012 und September 2017 hat die HSH Nordbank Neugeschäft im Volumen von 48 (!) Mrd. Euro getätigt. 2016 machte das Neugeschäft fast 19% der Bilanzsumme aus, in den ersten drei Quartalen 2017 knapp 13%. Das sind – gelinde gesagt – erstaunliche Zahlen für eine Bank, die um ihr Überleben kämpft.

2.)    Das Wachstum der HSH steht in einem ungesunden Verhältnis zu dem, was die Realwirtschaft hergibt

Was am Wachstum der HSH Nordbank verdächtig ist: Die Realwirtschaft gibt diese Entwicklung eigentlich nicht her. Seit 2014 ist das deutsche BIP im Schnitt real um 1,9% p.a. gewachsen. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen war lange Zeit verhalten, erst jüngst hat sie zugelegt.  Während die HSH neue Kredite scheinbar ohne Ende schreibt, berichten andere Banken von einer moderaten Nachfrage, weil der Selbstfinanzierungsgrad der Unternehmen hoch und die Liquiditätslage gut sei.  Arbeitet die HSH in einem anderen Markt als die Konkurrenz? Oder ist sie bei der Kreditvergabe schlicht freizügiger?

3.) Die Kernbank der HSH wächst vor allem in schwankungsanfälligen Segmenten

Die Kernbank umfasst im Kreditbereich die Segmente Unternehmenskunden, Immobilienkunden und Shipping (zusammen 59% des regulatorischen Kreditvolumens). Hinzu kommt Treasury & Markets (41%). Den drei Kreditsegmenten ist gemein, dass sie anfällig für ausgeprägte Schwankungen im Verlauf des Konjunkturzyklus sind. Doch statt diese Segmente mit stabilen Geschäftsfeldern zu ergänzen, setzt die HSH obendrein auf das naturgemäß noch volatilere und wenig vorhersagbare Treasury & Markets. Um die Abhängigkeit von dieser Sparte zu verdeutlichen: In den ersten drei Quartalen 2017 stammten 64% des Ertrags und 69% des Ergebnisses vor Steuern aus Treasury & Markets. Bereits 2015 und 2016 hatte die Sparte 79% respektive 47% zum Ergebnis der Kernbank beigetragen.

4.)    Die jüngsten Ergebnisse klingen besser als sie sind

Die Ergebnisse waren zuletzt wesentlich geprägt durch die Realisierung stiller Reserven aus dem Verkauf von Schuldscheindarlehen, mit einmaligen Gewinnen von 142 Mio. in 2016 und sogar 356 Mio. Euro in 2017. Wo man stille Reserven findet, vermutet man als Kreditanalyst auch stille Lasten, IFRS hin oder her. Und: Bereinigt man die Ergebnisse um die genannten Einmalerträge, ist das Bild trotz des forschen Neugeschäfts ungünstig.

5.)    Wenn die nächste Flaute kommt, könnte es wirklich ungemütlich werden

Ist die Perspektive der Kernbank wirklich so überzeugend, wie das Management glauben machen will? Vielleicht kommt der nächste Abschwung erst 2021, 2022 oder mit Glück auch noch etwas später – trotzdem bleibt die Grundkonstellation: Die HSH Nordbank hat ihre Unternehmens- und Immobilienkredite im intensiven Wettbewerb zu einer Zeit mit historisch außergewöhnlich tiefen Risikokosten und einer überbordenden Nachfrage nach Gewerbeimmobilien getätigt. Sie wird mit einem aggressiv aufgebauten Kreditbuch in die nächste Flaute gehen. Wie robust dieser unausgereifte Kreditbestand ist, wird sich erweisen. Unsere Befürchtung jedenfalls ist: dass das Neugeschäft von heute zur Altlast von morgen wird.

*Guido Versondert ist ein ehemaliger Senior Analyst für Banken bei Moody’s, Michael Dawson-Kropf der frühere Country Head für deutsche Banken bei Fitch. Beide arbeiten für die Schweizer Rating-Boutique Independent Credit View. Die Ansicht der beiden Gastautoren ist nicht notwendig die der Redaktion.

Von Ertragsperle bis Totaldesaster: Die Einzelergebnisse der DZ Bank im Überblick

Von Heinz-Roger Dohms

Die DZ Bank ist nicht wirklich eine Bank – sondern ein genossenschaftliches Konglomerat aus Fondsanbieter, Versicherer, Bausparkasse, Spezialbanken und so weiter und so fort. Wer das (letztlich semi-dolle) 2017er-Ergebnis von 1,8 Mrd. Euro vor Steuern richtig einordnen will, muss sich die verschiedenen Gesellschaften der DZ-Bank-Gruppe darum einzeln vorknöpfen. Voilá:

  • DZ Bank AG: Die eigentliche Bank bleibt auch nach der Integration der WGZ eine Ganz-gut-aber-auch-nicht-super-Veranstaltung. 2017 reichte es zu einem Ergebnis von 752 Mio. Euro.
  • Schwäbisch-Hall: Dafür, dass sie im Kern eine Bausparkasse sind, liefern die Schwaben weiterhin einen sehr ordentlich Ergebnisbeitrag von diesmal 334 Mio. Euro. Auffällig: Das Neugeschäft bei Baufinanzierungen (14,6 Mrd. Euro) ist inzwischen halb so groß wie das Neugeschäft mit Bausparverträgen (28,0 Mrd. Euro)
  • DVB Bank: Hat jemand mitgezählt, wie oft die Verkehrsbank jetzt schon ihr Eigenkapital aufgezehrt hat? 2017 führte das Schiffsportfolio zu einem Vorsteuerverlust von unfassbaren 774 Mio. Euro. Ein Desaster.
  • R+V: Der Versicherer steuerte 795 Mio. Euro bei und machte damit mehr Gewinn als die eigentliche Bank.
  • Union Investment: Das Fondsgeschäft läuft weiter auf Hochtouren, das Vorsteuerergebnis stieg von 468 auf 610 Mio. Euro, neuer Rekord.
  • DG Hyp: Durch eine Wertaufholung im Abbauportfolio explodierte das Ergebnis des  Hypothekenfinanzierers von 237 auf 504 Mio. Euro.
  • WL Bank: Beim anderen Immobilienfinanzierer im DZ-Imperium reichte es zu einem Plus von 133 Mio. Euro.
  • TeamBank: Der Ratenkredit-Spezialist („Easycredit“) bleibt eine sichere Wette, 148 Mio. Euro Ergebnisbeitrag.
  • Wenn die DVB Bank das große Sorgenkind ist, dann bleibt die VR Leasing das kleine. Ergebnis: minus 17 Mio. Euro. Begründung: „Rückstellungen für die Transformation des Unternehmens.“
  • DZ Privatbank: 20 Mio. Euro.