Kurz gebloggt

US-Großbanken kaufen im ersten Quartal eigene Aktien im Wert von einer Deutschen Bank zurück

16. April 2019

Von Christian Kirchner

Klingt einigermaßen absurd, die Überschrift, oder? Ist aber so. Und illustriert, nachdem fünf der sechs größten US-Banken bereits über ihr erste Quartal berichtet haben, die kaum zu fassenden Größenverhältnisse diesseits und jenseits des Atlantiks. Denn, was noch zu ergänzen wäre: Obendrein schütteten die US-Banken alleine im ersten Quartal noch Dividenden in Höhe von knapp einer Commerzbank aus.

So sieht die Rechnung en detail aus: Zusammen haben Bank of America, Wells Fargo, JP Morgan, Citigroup und Goldman Sachs seit Jahresbeginn eigene Aktien im Wert von umgerechnet gut 20 Mrd. Euro zurückgekauft, wie aus den von Finanz-Szene.de untersuchten Quartalsberichten hervorgeht. Dem gegenüber steht ein Börsenwert der Deutschen Bank per Dienstagabend von 16 Mrd. Euro. Zusätzlich kehrten die fünf US-Institute knapp 8 Mrd. Euro an Dividenden aus – zum Vergleich: Die Commerzbank wird mit 10 Mrd. Euro an der Börse bewertet.

Mit anderen Worten: alleine die kumulierten Kapitalrückflüsse an Aktionäre der größten US-Banken binnen gerade einmal drei Monaten (28 Mrd. Euro) übersteigen den Börsenwert eines fusionierten, hüstel, „Nationalen Champions“ aus Deutscher Bank und Commerzbank (26 Mrd. Euro), der dann mit riesigem Abstand größten Privatbanken in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Indes: Einen kleinen positiven Aspekt können auch Deutsche-Bank-Aktionäre aus den US- Quartalszahlen ziehen: Das Investmentbanking-Geschäft scheint institutsübergreifend nicht ganz so stark zurückgegangen sein wie befürchtet. So brachen die Erträge auch in der für die Deutsche Bank extrem wichtigen „FICC“-Abteilung (Währungen, Anleihen, Rohstoffe …) bei Goldman Sachs „nur“ um 11% ein, bei JP Morgan um 18%, die Citigroup verbuchte gar ein kleines Plus.

Und bei der Deutschen Bank: Aktuell erwarten Analysten im Schnitt, dass die Investmentbanking-Sparte im ersten Quartal gerade so eine „rote Null“ erwirtschaften wird. Die Spannbreite der Schätzungen (430 Mio. Euro Verlust bis 390 Mio. Euro Gewinn) zeigt das hohe Maß an Unsicherheit – wobei die US-Zahlen darauf hoffen lassen, dass die Deutsche Bank am oberen Ende der Prognosen landet.

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