07/03/19: Weltsparen kauft MHB-Bank, Lastschrift-Quatsch?, Sparkassen-Gewinn bricht ein

7. März 2019

Fünf Gründe, warum das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen“) die Frankfurter MHB-Bank kauft

Da wartet man tagein, tagaus darauf, dass endlich mal eine große deutsche Bank ein großes deutsches Fintech kauft – doch stattdessen hat nun ein großes deutsches Fintech eine kleine deutsche Bank gekauft. Namentlich: Der Berliner Einlagenvermittler Raisin („Weltsparen“) übernimmt die Frankfurter Whitelabel-Bank MHB. Falls Sie nun berechtigterweise nach dem „Warum“ fragen – hier fünf Gründe: 1.) Als Transaktionsbank ist die MHB schon seit Jahren für Raisin tätig, man kennt sich also. 2.) Dank der Akquisition verfügt das 2013 gegründete Finanz-Startup nun über eine europaweit einsetzbare Banklizenz – braucht sich also nicht mehr in jedem Land, in das man expandiert, eigene Vermittlerlizenzen zu besorgen. 3.) Es gibt Banken da draußen, die ihr Einlagengeschäft komplett ausgelagert haben (ein Beispiel ist die IKB, die auf den entsprechenden Service der biw-Bank zurückgreift). Raisin kann diese Dienstleistung nun ebenfalls anbieten – eine sinnvolle Ergänzung des Geschäftsmodells.  4.) Raisin hat es nun selbst in der Hand, in welche neuen Technologien die MHB-Bank investiert. 5.) Vermutlich ist der Kaufpreis überschaubar (unser Tipp: ein nicht zu hoher zweistelliger Mio.-Betrag).

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Kann es sein, dass die Sparkassen letztes Jahr satte 2 Mrd. Euro weniger verdient haben als 2017???

Wie viel Gewinn haben die Sparkassen 2018 gemacht? Der DSGV sagt, operativ seien es 10 Mrd. Euro gewesen – und wenn man davon u.a. die Steuern und den sog. „Bewertungsaufwand“ abziehe, lande man unterm Strich immer noch bei 2,2 Mrd. Euro, was mehr (!!!) sei als im Vorjahr.  Vielleicht sollte man sich diesen „Bewertungsaufwand“ aber mal etwas genauer anschauen: Er betrug 4,1 Mrd. Euro, die sich auf 2,7 Mrd. Euro Vorsorgereserven und 1,4 Mrd. Euro Abschreibungen verteilten. Vorsorge? Das klingt nicht nur gut, sondern ist es in diesem Fall auch – hier geht es um Rücklagen zur Stärkung des Kapitals (für die Aficionados: gemeint sind unserem Verständnis nach Reserven gemäß 340g). Abschreibungen dagegen? Sind halt Abschreibungen, also schlecht! Vergleicht man das Ganze nun mit 2016 und 2017, dann sieht man: Da waren es sogar 4,7 Mrd. Euro „Bewertungsaufwand“. Der bestand aber quasi ausschließlich aus Vorsorgereserven, also „gutem Aufwand“. Drum: Müsste man, um eine Aussage zu treffen, wie es bei den Sparkassen wirklich gelaufen ist, nicht „Vorsteuergewinn + guter Aufwand“ rechnen???* Das waren 2018 nämlich nur noch 7,7 Mrd. Euro, nach jeweils 9,7 Mrd. Euro in den  beiden Vorjahren. DSGV-Präsentation (PDF; entscheidend sind die Seiten 10 + 11)

News

Dürfen wir noch mal was zu den Sparkassen-Zahlen fragen? Warum ist der Provisionsüberschuss nur um 2,7% gestiegen, während es bei den Volks- und Raiffeisenbanken (jedenfalls bei denen, die vom Genossenschafts-Verband repräsentiert werden) knapp 5% waren? Eine ganz, ganz, ganz vorsichtige Mutmaßung: Kann es sein, dass die Genobanken im vergangenen Jahr weiter an den Gebühren gedreht haben, während die Sparkassen nach den saftigen Erhöhungen 2017 erst einmal ein Päuschen eingelegt haben? DSGV-Pressemitteilung

Und noch eine Anmerkung zur PK des Sparkassen-Verbands: Dem „Handelsblatt“ entnehmen wir, dass DSGV-Präsident Helmut Schleweis gestern die Einführung von Apple Pay für das laufende Kalenderjahr angekündigt hat. Kommt nicht überraschend (siehe unser kleines Stück über das „Geheimprojekt Diamond“ neulich), wollten wir aber trotzdem vermeldet haben. Handelsblatt (Paywall)

Kurzmeldungen: „Bloomberg“ stellt mal wieder Vermutungen zu den 2018er-Boni der Deutschen Bank an – und geht nun von einem Rückgang um 10-15% auf knapp 2 Mrd. Euro aus (Bloomberg) +++ Die Commerzbank und die Deutsche Börse haben erstmals ein Repo-Geschäft auf Blockchain-Basis durchgeführt (Pressemitteilung) +++ Bei der DWS ist der digitale Hoffnungsträger Kai Bald offenbar zum digitalen Hoffnungsträger a.D. mutiert (Fondsprofessionell)

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Linktipps

Dass die „starke Kundenauthentifizierung“ (SCA) ab Mitte September obligatorisch wird für elektronische Bezahlverfahren – gut und schön. Aber warum ist der Eba jetzt plötzlich eingefallen, dass Ganze auch für Lastschriftmandate einzuführen? Ein böser Kommentar des Kollegen Bender vom Bargeldlosblog

„Bei Instant Payments mussten wir eine Vielzahl unserer Grundprinzipien über Bord werfen“: Die DZ Bank zieht drei Monate nach dem Start der neuen Bezahlmethode ein erstes Zwischenfazit: DZ-Innovationsblog

Wenn der Fintech-Influencer Jochen Siegert twittert, dann geht die Zahl der „Likes“, „Retweets“ und Antworten gern mal in die Dutzende – nur als er dieser Tage fragte, ob es eigentlich auch Robo-Adviser mit Angeboten für KMUs gebe … da war quasi tote Hose: Twitter

Ist die eigene Kryptowährung von JP Morgan nun ein Gamechanger oder nicht? Ein paar Gedanken zum Thema: Medium

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse zu den DZ-Bank-Zahlen. Finanz-Szene.de

*Eigentlich wäre es unsere journalistische Aufgabe gewesen, der Frage auf den Grund zu gehen. Aus unterschiedlichen Gründen haben wir aber erst am späten Abend mit der Produktion des heutigen Newsletters begonnen – zu spät, um noch beim DSGV nachzufragen. Holen wir heute nach.

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