08/02/19: Der Insurtech-Urknall, Was hinter dem Weltsparen-Deal steckt, Blockchain-Manifest

7. März 2019

Der Insurtech-Urknall: Nach Wefox erhält auch Friday eine Finanzierung von > 100 Mio. Euro

Ein paar Wochen ist es erst her, dass wir an dieser Stelle räsoniert haben, während die deutschen Fintechs inzwischen Fundings von 100 Mio. Euro und mehr erhielten, müssten sich die Insurtechs mit Summen von allerhöchstens 20 Mio. bis 30 Mio. Euro begnügen. Nun denn: Seit dieser Woche ist dies ein Befund für den Mülleimer. Denn nachdem am Dienstag zunächst Wefox eine Finanzierungsrunde in Höhe von 110 Mio. Euro vermeldete, zog gestern das Berliner Versicherungs-Startup Friday mit sogar 114 Mio. Euro nach. Nun mag man einschränken, dass hiervon 75 Mio. Euro vom Schweizer Mutterkonzern Baloise kommen und die übrigen 39 Mio. Euro in Form von „Media for Equity“-Deals – indes: Macht das die Nachricht kleiner? Vielleicht kann man es ja sogar andersrum wenden: Versicherer wie Baloise oder die Allianz investieren offenkundig deutlich aggressiver in die Startup-Branche, als das die (deutschen) Banken tun. Sonst noch was? Ja: Glückwunsch an den kleinen Samwer, der ja der Chef von Friday ist. Wenigstens einer in der Familie, der im Bereich Fintech/Insurtech was reißt! Gründerszene, NZZ

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Wie heißt der wahre Chef der Deutschen Bank: Christian Sewing oder Matt Zames?

Dieser Tage wird ja viel spekuliert, wie die angebliche blau-gelbe Fusionsbank heißen könnte. Deutsche Commerzbank? Deutsche Commerz? Deutsche Compost? … Vielleicht wäre aber auch ein ganz anderer Name angebracht: Deutsche Cerberus. Denn: Der Einfluss des US-Investors auf die beiden Frankfurter Großbanken nimmt inzwischen irritierende Ausmaße an. Beispiel eins: Wenn der Höllenhund aus dem Off raunt, er stehe einer Verschmelzung von Blau- und Gelbbank positiv gegenüber – dann fühlt es sich so an, als habe der Pate höchstselbst gesprochen. Beispiel zwei: Schon seit Monaten lässt sich Dt.-Bank-Chef Christian Sewing von Cerberus-Wundermann Matt Zames beraten. Und diese Woche nun, Beispiel drei: Wie das „WSJ“ berichtet, hat die Deutsche Bank Kredite in Höhe von fast 6 Mrd. Dollar (!) an Cerberus vergeben. Insider, so das „Journal“, würden inzwischen halb im Scherz sagen, Matt Zames sei „der eigentliche Chef“ in Frankfurt. Wohlgemerkt: nicht im Scherz. Sondern: halb im Scherz. Wall Street Journal (Paywall), Süddeutsche, Manager Magazin

News

Huch, da waren wir gestern Morgen dann doch ein bisschen erschrocken, als wir feststellten, wie diametral unsere eigene Interpretation der Sparkassen-Zahlen („Gewinneinbruch“) von denen leicht etablierterer Wettbewerber abweicht („Sparkassen hängen Privatbanken ab“, „Sparkassen verdienten mehr als 2017“ …). Nun können Sie sich vorstellen, dass man beim DSGV von unserer Lesart nicht begeistert war. Und doch – nachdem wir das Ganze gestern nochmal fein säuberlich aufgedröselt haben (und zwar unter Zuhilfenahme der Rechenmethodik aus der Bundesbank-Ertragslage-Statistik), würden wir ganz zaghaft behaupten wollen, dass das mit dem Einbruch (man kann auch weniger harsch sagen: Rückgang …) per se stimmt. Und wenn man ganz fies rechnet, dann beträgt dieser Rückgang relativ gesehen sogar fast 30%. Glauben Sie nicht? Voilà: Finanz-Szene.de

Nun wendet der DSGV allerdings ein, dass sich das „operative Ergebnis“ ja nur unwesentlich verschlechtert habe – denn der von uns diagnostizierte Rückgang sei ja in erster Linie (und da hat der DSGV zweifelsohne Recht …) auf „Abschreibungen auf Wertpapiere“ in Höhe von 1,4 Mrd. Euro zurückzuführen. Diese aus unserer Sicht verblüffend hohe Summe (1,4 Mrd. Euro …) provoziert nun aber ganz eigene Fragen: 1.) Wo kommen diese Verluste her? Antwort: Nach unserem Verständnis kompliziert gesagt aus Spezialfonds, die zur Liquiditätsreserve gehören. Und einfach gesagt: aus Aktien. 2. Frage) Wenn ein Rückgang der Aktienmärkte um grob gesagt 10%-15% bei den Sparkassen Verluste in Höhe von zwei Dritteln des Überschusses verursacht – was ist dann erst los, wenn die Börse mal so richtig bebt? Überraschende Antwort: Vielleicht könnten die kommunalen Institute das ganz locker verkraften … Denn nun zur extrem spannenden letzten Frage, also der 3.) Wenn die 2018er-Baisse Abschreibungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro verursacht hat – müsste es dann in den Jahren zuvor, als die Börsenkurse fast unaufhaltsam stiegen, nicht gigantische Zuschreibungen gegeben haben?

Kurz gesagt: Hat es nicht! Denn saldiert man die Abschreibungen und Zuschreibungen der Jahre 2010-2018, dann kommt man auf ein Minus von 1,6 Mrd. Euro – und das, obwohl der Dax im selben Zeitraum um 75% gestiegen ist. Wo sind diese Gewinne hin? Müsste man die nicht irgendwo sehen? Oder anders gefragt: Kann es sein, dass der ach so fürchterlich darbende deutsche Sparkassensektor (Niedrigzins, Digitalisierung, Pensionslasten …) die Börsenhausse der letzten Jahre genutzt hat, um üppigste stille Reserven zu bilden, ohne dass die Öffentlichkeit groß was davon mitbekommen hätte?

Und noch ein Mysterium: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass die Sparkassen, egal was da draußen im Lande und in der Welt los ist, letztlich immer auf einen Jahresüberschuss von ziemlich exakt 2 Mrd. Euro kommen (jedenfalls ist das seit 2010 so). Bei einer einzelnen Sparkasse würden wir sagen: Nun gut, die schiebt sich ihre GuV halt immer so zurecht, dass es am Ende so aussieht, als wäre sie ein Hort der Stabilität. Aber bei den aggregierten Zahlen von rund 400 Sparkassen? Da muss Schwarm-Intelligenz im Spiel sein, anders ist es nicht zu erklären. Oder?

Themenwechsel – von einem kleinen Aufstand in der Belegschaft der  Commerzbank berichtet heute Früh das „Handelsblatt“. Hintergrund: Wie neulich bei der Bilanz-PK bereits verlautete, will das Frankfurter Institut die Boni für 2018 deutlich kürzen. Nachdem Personalchefin Orlopp diesen Schritt in einem Interview im Intranet der Bank rechtfertigt habe, hätten Mitarbeiter binnen weniger Tage (und unter Klarnamen) mehr als  100 Kommentare geschrieben – und zwar fast alle negativ, so das „HB“. Kostprobe: „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“,  „Unverschämtheit“, „Arroganz“ des Managements. Handelsblatt (Paywall)

By the way: Man stelle sich diese Form der Insubordination mal bei einem unserer lieben, von offener Diskussionskultur geprägten Berliner Fintechs vor … Da würde das C-Level aber umgehend die Guillotine aufstellen. Und zwar nicht nur im Scherz. Und auch nicht nur halb im Scherz. Sondern: Da kämen die Klarnamen dann Kopf für Kopf drunter. Jede Wette.

Womit wir endlich beim Thema Fintech sind: Dürfen wir noch mal zwei, drei Sätze zu den Hintergründen der Übernahme der Frankfurter MHB-Bank durch das Berliner Finanz-Startup Raisin („Weltsparen“) loswerden? Ja? Wir dürfen? Prima! Denn: Es scheint, als wäre die Story gestern ein ganz klein bisschen falsch erzählt worden: Finanz-Szene.de

Kurzmeldungen: Die EZB verschiebt die Zinswende auf 2020 – und versorgt die Banken mit neuen Langzeit-Krediten (Wiwo) +++ Der Verkauf der HSH Nordbank hat (und das ist jetzt die offizielle Zahl) 306 Mio. Euro an Beraterkosten verschlungen (Welt/Bloomberg)

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Linktipps

Lieber Elfenbeinturm, liebe Professoren Krahnen, Hackethal und Haselmann, haben wir das jetzt richtig verstanden? Wenn die Coba zur „idealen Bank für Deutschland“ werden will, soll sie erst einmal 250 zusätzliche Filialen eröffnen? Interessante These … tagesschau.de

Der Schleweis-Plan einer „Superlandesbank“ war naiv – und diesen Plan mit der Rettung der NordLB verknüpfen zu wollen, war der größte Fehler von allen. So sieht’s (in unseren eigenen Worten zusammengefasst und nachvollziehbarerweise) die Börsen-Zeitung.

Wenn die Bundesregierung dafür sorgt, dass die Deutsche Bank und die Commerzbank verschmelzen – dann kann man sich die Bail-in-Regularien gleich ganz sparen. Financial Times (Paywall)

Ist die Blockchain wirklich die nutzloseste und meist überschätzte Technologie aller Zeiten? Nein, ist sie nicht: Medium

Klickfavorit

… war gestern die Präsentation zur Bilanz-PK des deutschen Sparkassen-Verbands. PDF

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