19/02/19: N26 gibt „Invest“ auf, Dt. Bank mit Aggro-Zins, Mambu & Iwoca funden

19. Februar 2019

Fall Wirecard: Weiß die Bafin irgendwas, was wir alle miteinander nicht wissen?

Obwohl sich der „Fall Wirecard“ vergangene Woche zu beruhigen schien, hat die Finanzaufsicht Bafin gestern die ganz große Keule rausgeholt – und die Aktie mit einem Leerverkaufs-Verbot um 15% nach oben gepusht. Die Bonner Behörde beließ es jedoch nicht bei der Verfügung als solcher. Sondern: Sie garnierte ihre Maßnahme mit einer langen Begründung, in der u.a. von einer „ernstzunehmenden Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland“ die Rede war und davon, dass „in den letzten Tagen […] massive Unsicherheiten an den Finanzmärkten feststellbar“ gewesen seien. Zudem rückten die Aufseher die „Financial Times“ in die Nähe der Marktmanipulation. Was hat das zu bedeuten: Weiß die Bafin etwas, was das Publikum nicht weiß – oder schießt sie krass übers Ziel hinaus? Lesen Sie hier: Die härtesten Passagen aus dem Bafin-Dokument, von uns kommentiert: Finanz-Szene.de

Linktipps:

  • Die „FT“ zum Vorgehen der Bafin. Financial Times
  • Wie unser Journalistenkollege Christian Kirchner die Vorgänge deutet. Twitter
  • Wie „Reuters“ den Schritt der Bafin kommentiert. Breakingviews
  • Was haben die umfassenden Leerverkaufsverbote auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gebracht? Eine Analyse: Plato.com (PDF)

Sponsored Content

Wie umgehen mit der Digitalisierung? Im aktuellen Whitepaper beschreibt die Star Finanz, der Experte für Online- und Mobile-Banking-Lösungen der S-Finanzgruppe, Herausforderungen und Chancen, die sich für Sparkassen durch die digitale Transformation eröffnen. Was Firmenkunden heute von ihrer Bank erwarten. Hier das Whitepaper: starfinanz.de

Exklusiv: 0,75% auf 6 Monate – Deutsche Bank buhlt mit Aggro-Zins um neue Kunden

Die Deutsche Bank buhlt erstmals seit zwei Jahren wieder mit Kampfkonditionen um hiesige Privatkunden – und sendet damit ein Signal, die Neukundenakquise im deutschen Retailmarkt nicht länger der Commerzbank, der ING Diba oder N26 zu überlassen. Wie einer unserer „Finanz-Szene.de“-Leserreporter gestern auf der Website des Instituts entdeckte, erhalten Kunden, die mindestens 2500 Euro Festgeld mitbringen, für sechs Monate eine Verzinsung von 0,75% Zins p.a.. Derart aggressiv war die  Deutsche Bank zuletzt 2017 unterwegs. Die Offerte gilt bis zu 100.000 Euro. Wer es drauf anlegt, kann also bis zu 375 Euro einstreichen. Die Aktion habe nichts mit den jüngsten Berichten über angebliche Refinanzierungs-Sorgen zu tun, stellte ein Sprecher klar. Ein Randaspekt: Barkow Consulting hatte jüngst festgestellt, dass es bei Tagesgeld den ersten Zinsanstieg seit drei Jahren gegeben habe (hier der Link). Eine Zinswende bei den Einlagen? Naja, warten wir’s mal ab.

News

N26 stellt Investmentprodukt (vorerst?) ein: Als sich einer unserer Leser vergangene Woche bei der Berliner Fintech-Bank nach dem Robo-ETF-basierten „Invest“-Angebot erkundigte, bekam er zur Auskunft, dieses werde seit ein paar Tagen nicht mehr angeboten. Dazu passt, was Kollege Schlenk von „Gründerszene“ seinen Lesern heute Morgen berichtet. Der hat nämlich mit Thomas Bloch, dem Gründer des Frankfurter Fintechs Vaamo telefoniert, auf dessen Whitelabel-Lösung „N26 Invest“ gründet – und Bloch hat dem Kollegen bestätigt, dass die Zusammenarbeit  „gestoppt“ worden sei. Drei Ad-hoc-Deutungen unsererseits: 1.) Das ist ein herber Rückschlag für die Bemühungen von N26, tatsächlich die Produktpalette einer richtigen Retailbank anzubieten. 2.) Das ist ein weiterer Rückschlag für Vaamo, nachdem vor Jahresfrist auch schon die deutsche Santander ihren Vaamo-basierten Robo-Advisor „Sina“ eingestellt hatte. Und 3.) Das ist der nächste Rückschlag für Robo ganz allgemein. Mehr Details? Hat Kollege Schlenk: Gründerszene

Erinnern Sie sich noch, dass wir Ihnen am Freitag erzählt hatten, die (deutsche) Fintech-Branche habe ihren Goldgräber-Moment erreicht – und wer jetzt nicht funde, der sei selber schuld? Jedenfalls: Nur einen Arbeitstag später wurden wir gestern auf fast schon beängstigende Weise bestätigt.  Zunächst berichtete am Morgen das deutsch-britische Finanzierungs-Startup Iwoca (deutscher Gründer, Sitz in London) von einer 20-Mio. -Pfund-Runde. Dann folgt gegen Mittag die Ankündigung des Berliner Fintechs Mambu (Geschäftsmodell: Cloud-Lösungen für Banken und sonstige Finanzdienstleister), man habe bei namhaften Investoren sogar 30 Mio. Euro eingesammelt. Und wie das halt immer so ist: Egal wie viel Geld die hiesigen Player einsammeln – die britischen setzen noch eins drauf. Konkret: Google und Salesforce stecken 75 Mio. Dollar in das UK-Payment-Startup „GoCardless“ (nachdem letzte Woche die Challenger-Bank Starling sogar 75 Mio. Pfund eingeworben hatte). Wie gesagt: Goldgräber-Stimmung. City A.M. (Iwoca), Gründerszene (Mambu), CNBC (GoCardless), Techcrunch (Starling) 

Dürfen wir Ihnen mal eine sehr, sehr bemerkenswerte Zahl nennen (aber bitte nicht erschrecken): Die Mittelbrandenburgische Sparkasse hat den Nettoabsatz von Wertpapieren im vergangenen Jahren um 158% (158%!!!) auf 327 Mio. Euro in die Höhe getrieben, nach Zuwachsraten von 130% bzw. 123% in den beiden Vorjahren. Mifid II? War da was? Börsen-Zeitung (Paywall) 

Paydirekt-Aufseher üben sich in Durchhalteparolen: In einem sehr langen Artikel heute Morgen im „Handelsblatt“ wird Verwaltungsrats-Chef Torsten Daenert (Commerzbank) mit dem Satz zitiert, „es wäre strategisch falsch, sich jetzt zurückzuziehen“. Und der bei der DZ Bank für den deutschen Paypal-Klon verantwortliche Vorstand  Thomas Ullrich sagt: „Wir treiben Paydirekt weiter mit Kraft voran.“ Eine Antwort auf die alles entscheidende Frage erhält der Leser gleichwohl nicht: Was, bitteschön, ist jetzt eigentlich mit dem großen Funding für Paydirekt? Handelsblatt (Paywall)

Und  die Kurzmeldungen: Das Berliner Fintech Smava hat im Zuge seines geplanten  Börsengangs (erstmals?) konkrete Geschäftszahlen genannt, und zwar: 2 Mrd. Euro vermittelte Kredite, 70 Mio. Euro Umsatz (dpa/SZ) +++ Die Bafin hat erstmals eine Krypto-Schuldverschreibung genehmigt. Emittent ist das Berliner Fintech Bitbond (Gründerszene)

Sponsored Content

Beschränkt sich Digitalisierung allein auf die Technik? Sicher nicht! Agilität, KI und Blockchain werden die Transformation der Finanzdienstleister bestimmen – genauso aber Kreativität und ein Kulturwandel in den Organisationen. Mehr dazu auf der Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ mit spannenden Vorträgen, Workshops und „FinTechs on Stage“. www.fs-verlag.de/fdl

Linktipps

„Geld ist nicht alles, nicht mal für Banker“: Ein langes Interview mit Jörg Kukies,  dem einstigen Jungsozialisten, späteren Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland, frühen „Finanz-Szene.de“-Leser und heutigen Finanzsstaatssekretär. Süddeutsche Zeitung

Die DKB hat einen, die Fidor-Bank plant einen – und Ende letzter Woche hat auch N26 einen Chatbot zur Kundenberatung  gestartet. Die Kollegen von „Gründerszene“ wären nicht die Kollegen von „Gründerszene“, hätten sie das „Neon“ genannte Tool nicht gleich mal getestet. Das Ergebnis? Wenig schmeichelhaft: Gründerszene

Ist das der Brückenkopf für Alipay in Europa? Naja, zumindest hat sich der chinesische Zahlungsverkehrs-Gigant für umgerechnet 700 Mio. Dollar den britischen Payment-Dienstleister Worldfirst geschnappt. Was ist das für eine Firma? Und was hat Alipay mit ihr vor? Hier ein paar Hintergründe: Bloomberg, Techcrunch

Ist das der Durchbruch für die Blockchain? Naja, zumindest behauptet die britische Großbank HSBC, die Abwicklungskosten im Devisenhandel dank der neuen Technologie um ein Viertel gesenkt zu haben – was ja dann mal ein Wort ist. Reuters.com

Klickfavorit

… war am Freitag unser „Kurz gebloggt“ zu der Frage, wer bei einem Börsengang von Smava eincashen würde: Finanz-Szene.de

Sponsored Content

Sie verspüren Wissensdurst rund um das Thema PSD2? Dann holen Sie sich das Whitepaper von NDGIT: „Guidelines für die PSD2-Einführung – Strategien und Optionen für Banken bei der Implementierung der PSD2.“ Hier geht’s zum Whitepaper:  https://nextdigitalbanking.com/psd2-whitepaper

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing