Reportage

2,3 Mrd. Euro Bewertung: Berliner Fintech N26 stößt in völlig neue Dimension vor

10. Januar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Ist das der Gamechanger? Könnte sein: N26 hat am frühen Morgen ein Funding über 260 Mio. Euro bekanntgegeben und wird nach eigenen Angaben nun mit 2,3 Mrd. Euro bewertet. Die Berliner Smartphone-Bank stößt damit in eine völlig neue Dimension vor, was man allein daran erkennt, dass die bisherige Bewertung (nach Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ waren dies auch schon stolze 610 Mio. Euro) geradezu gesprengt wird. Folge: Investoren schätzen N26 nun sogar höher ein als die drittgrößte börsennotierte Bank hierzulande, nämlich die Wiesbadener Aareal. Diese kam per gestern Abend auf eine Marktkapitalisierung von 1,65 Mrd. Euro. Und noch ein Vergleich: Frappierend ist auch, wie weit N26 die übrige deutsche Fintech-Branche jetzt bei der Höhe einzelner Funding-Runden distanziert.

Anzeige

Hier unsere entsprechende Tabelle:

Mio. Euro Jahr
N26 260 2019
N26 130 2018
Kreditech 82 2015
Kreditech 80* 2017
Deposit 50-65* 2018
Solarisbank 57 2018
Finleap 41,5 2018
N26 36 2016
Smava 35-40* 2018
Finleap 35* 2017
Liqid

Finanzcheck

33

33

2018

2016

Raisin („Weltsparen“) 30 2017
Scalable 30 2017
Kreditech 29 2014

*Schätzungen; Quelle: eigene Recherchen

In der heute Früh veröffentlichten Pressemitteilung von N26 heißt es wörtlich:

„Das Investment in Höhe von 300 Millionen Dollar [Anm.: Nicht verwirren lassen, N26 rechnet in Dollar …] stellt die größte Private-Equity-Finanzierungsrunde für ein Fintech-Unternehmen in Europa in den letzten Jahren dar. Bis heute hat N26 mehr als 500 Millionen Dollar von weltweit etabliertesten Investoren eingesammelt, darunter Tencent, Allianz X, Peter Thiels Valar Ventures, Li Ka-Shings Horizons Ventures, Earlybird Venture Capital, Redalpine Ventures und Greyhound Capital.“

Wie es weiter heißt, wurde die aktuelle Runde von der in New York ansässigen Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners angeführt. Zudem habe sich GIC beteiligt, ein Staatsfonds aus Singapur. Wenn wir den Artikel im „Handelsblatt“ heute Früh richtig deuten, ist auch die Allianz (die die letzte Runde gemeinsam mit Tencent angeführt hatte) wieder mitgezogen. Das wäre insofern bemerkenswert, als sich der Münchner Versicherer damit – gut zehn Jahre nach dem Verkauf der Dresdner – in der deutschen Bankenlandschaft doch wieder positionieren würde.

Auch wenn die Höhe der Finanzierungsrunde und vor allem die Bewertung surreal anmuten – völlig überraschend kommt die Meldung nicht. Denn: N26 hat in den vergangenen Monaten in atemberaubendem Tempo neue Kunden gewonnen. Damit müssen die Berliner aus Investorensicht geradezu zwangsläufig zu den heißesten europäischen Fintech-Wetten gezählt werden.

Im Einzelnen:

Anfang Mai knackte N26 die 1-Millionen-Marke.

Fünf Monate später waren es dann schon 1,5 Millionen Kunden (wie Sie der Headline entnehmen, hatten wir uns damals um einen Monat vertan):

N26 gewinnt (nach eigener Aussage) in nur vier Monaten eine halbe Million neue Kunden

Und Anfang Dezember kam dann die Meldung, dass N26 angeblich schon zwei Millionen Kunden hat:

N26 says it now has more than 2M customers

Parallel sprachen zuletzt immer mehr Indizien dafür, dass N26 drauf und dran ist, den vermeintlichen größeren britischen Rivalen Revolut zu überholen. Darauf hatten wir erstmals Mitte Dezember hingewiesen und – wie es der Zufall halt manchmal so will – just in unserer gestrigen Ausgabe noch einmal. Und in der Tat: Im Wissen um die heute verkündete 260-Mio.-Euro-Runde darf man endgültig behaupten, dass N26 jetzt in einer besseren Ausgangslage ist als Revolut (ähnlich viel Funding, eine mindestens ebenso gute Traction, regulatorisch fundierter aufgestellt).

Fragt sich nur noch, was N26 jetzt mit dem Geld macht, zumal Gründer Valentin Stalf zuletzt ja sogar in Aussicht gestellt hatte, dass sein Fintech in diesem Jahr „profitabel“ werde.  Auch hierzu findet sich in der PM eine kesse Ankündigung:

„N26 nutzt das Investment für die globale Expansion, beginnend mit der Einführung ihrer App in den USA im ersten Halbjahr 2019. In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen“

Wohlan.

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing