Auch Factoring-Fintech Decimo verliert Eigenständigkeit

25. Juni 2019

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Die Konsolidierung in der deutschen Fintech-Branche gewinnt an Fahrt. Nachdem zuletzt bereits die API-Fintechs Figo (an Finleap/Finreach) und finAPI (an die Schufa), die Challenger-Bank Penta (an Finleap) sowie das Working-Capital-Startup Valendo (an Creditshelf) neue Eigentümer gefunden hatten, verliert nun auch das Factoring-Fintech Decimo seine Eigenständigkeit. Wie per ad-hoc-Meldung  verlautete, wird das 2014 gegründete Berliner Startup mit der in Dresden angesiedelten Elbe Finanzgruppe AG zusammengeführt. Geld soll im Zuge der Transaktion keines fließen, erklärten Elbe-Vorstand Stefan Kempf gestern im Gespräch mit Finanz-Szene.de. Stattdessen erhalten die bisherigen Decimo-Gesellschafter ein Viertel der Anteile an der Elbe Finanzgruppe.

Die Transaktion wirft ein Schlaglicht auf das Segment der Factoring-Fintechs, um die vor zwei, drei Jahren einen regelrechten Hype gegeben hatte. Damals waren binnen kurzer Zeit  gleich mehrere neue Anbieter an den Start gegangen – nämlich Finiata (gegründet vom einstigen Fintech-Enfant-Terrible Sebastian Diemer), Billie (gegründet von den Zencap-Jungs Matthias Knecht und Christian Grobe), Fundflow (mit Geld des Hightech-Gründerfonds) und Innolend (finanziert u.a. von den Samwers). Die Geschäftsidee lag darin, Vorfinanzierungen nicht mehr nur für Großunternehmen und Mittelständler anzubieten – sondern auch für Kleinunternehmen, Selbständige und Freelancer. Genau darauf gründete auch der Business Case von Decimo.

Der Decimo/Elbe-Deal könnte nun …

  • … erstens darauf hindeuten, dass sich das Fintech-Factoring-Segment allmählich zu sortieren beginnt. Innolend wurde bekanntermaßen schon Anfang letzten Jahres liquidiert; um Finiata ist es zuletzt merlich ruhiger geworden. Billie wiederum fokussiert inzwischen auf echte KMUs (also eine Klientel, die klassischerweise von Banken und Sparkassen bedient wird) – und soll inmitten einer größeren Funding-Runde  stehen, wie „Deutsche Startups“ neulich berichtete.
  • Und zweitens? Zeigt der Decimo/Elbe-Deal, dass es nicht unbedingt immer die medialen Hype-Fintechs sind, die den Ton angeben. Denn …

… auch Elbe Finanzgruppe AG, gegründet vom früheren Investmentbanker Kempf und vom Factoring-Manager Matthias Bommer ging erst 2012 an den Start, ist in diesem Sinne also auch ein Fintech – obwohl der Name nicht darauf hindeutet. Dass die öffentlich bislang kaum wahrgenommenen Elbe-Leute nun Decimo schlucken (und nicht umgekehrt), hat gute Gründe:

  • Die Elbe Finanzgruppe AG, die unter dem Produktnamen „Rechnung48“ am Markt agiert, kam im vergangenen Jahr bereits auf ein Transaktionsvolumen von 214 Mio. Euro. Davon dürften einige Hype-Fintechs noch ein gutes Stück entfernt sein (zur Einordnung: bei Decimo waren es zulezt 33 Mio. Euro)
  • Und: Die Elbe Finanzgruppe erzielte ausweislich ihres im Internet einsehbaren 2018er-Abschlusses auf  Basis von Umsätzen in Höhe von 28 Mio. Euro einen Jahresüberschuss in Höhe von gut 260.000 Euro (wobei das Gros des Umsatzes nicht aus klassischem Factoring, sondern sogenanntem Finetrading stammt).

Elbe-Vorstand Kempf begründete im Gespräch mit Finanz-Szene.de den Zusammenschluss mit Decimo vor allem mit der Factoring-Plattform des bisherigen Konkurrenten. „Diese ermöglicht einen komplett automatisierten und online-basierten Abwicklungsprozess – und damit eine hohe Skalierbarkeit.“

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