Exklusiv

Berliner Fintech-Imperium Finleap wird komplett umgebaut

14. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag in der deutschen Fintech-Branche: Der Berliner Startup-Inkubator Finleap, aus dem Unternehmen wie die Solarisbank, Clark oder Elinvar hervorgegangen sind, wird fünf Jahre nach seiner Gründung radikal umgebaut. Das hat CEO Ramin Niroumand gestern im Exklusiv-Interview mit Finanz-Szene.de erklärt.

Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Gründung einer neuen Einheit namens „Finleap Connect“, unter deren Dach gleich mehrere bestehende Portfolio-Unternehmen zusammengeführt werden – nämlich Infinitec, Finreach und Figo, die als Marken verschwinden sollen. Niroumand selbst wird die Führung von „Finleap Connect“ und damit erstmals eine weitreichende operative Rolle innerhalb der Gruppe übernehmen. „Es gibt eine steigende Nachfrage im Markt nach einem vollumfänglichen Produktangebot. Diesem Bedürfnis wollen wir mit der Gründung von ‚Finleap Connect“ noch gezielter als bislang nachgehen“, sagte der 32-Jährige gegenüber Finanz-Szene.de.

Bislang war Finleap als klassischer Company-Builder organisiert, der neue Fintechs aufbaut und die Anteile an bereits gegründeten Startups verwaltet. Diese Struktur wird abgelöst durch die Schaffung dreier nebeneinander stehender Einheiten. Abgesehen von „Finleap Connect“ sind das „Finleap Assets“ (für das Management der Beteiligungen) und „Finleap Build“ (für das einstige Kerngeschäft, also die Gründung neuer Fintechs). Die bis dato in der Dachgesellschaft angesiedelten Querschnitt-Ressorts werden auf die drei neuen Entitäten verteilt. So geht zum Beispiel das Business Management in der „Finleap Connect“ auf. Die bisherige Finleap mutiert unterdessen – jedenfalls faktisch – zu einer reinen Holding mit nur noch wenigen Mitarbeitern.

Mit dem Umbau gehen weitreichende personelle Veränderungen einher. Der frühere McKinsey-Berater Matthias Lange, der fast dreieinhalb Jahre lang zum obersten Management-Team von Finleap gehörte, wird nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ zu der Consultung-Firma zurückkehren. Lange trug unter anderem die Verantwortung für den Aufbau von Infinitec, also einer der Firmen, die jetzt in der „Finleap Connect“ verschmelzen. Der zweite Co-Founder von Infinitec, Ex-Deutschbanker Helmut Kranzmeyer, hatte das Venture bereits Ende März verlassen. Laut seinem LinkedIn-Profil befindet er sich aktuell in einem „Sabbatical“.

Auch Finreach-CEO Markus Dränert, erst vor einem Jahr vom Software-Anbieter Haufe-Lexware gekommen, verliert seinen Posten. Er bleibt der Finleap-Gruppe allerdings als Venture-Partner erhalten – soll also in Zukunft neue Fintech-Ideen entwickeln. Neu zu „Finleap Connect“ stößt als Finanzchef Patrick Dittmer, zuletzt Geschäftsführer des Zahlungsdienstleisters Sofort GmbH. Für die „Finleap Build“ und die „Finleap Assets“ werden noch Top-Manager gesucht, die Holding wird Niroumand in Personalunion mitführen.

Herzstück des künftigen Finleap-Universums soll die „Connect“ werden. Niroumand will aus ihr einen „großen ‚Software as a Service‘-Provider machen, der Finanzdienstleistern in ganz Europa eine komplette Palette an hochwertigen Fintech-Lösungen anbietet“. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Zeit der „Ein-Themen-Fintechs“, die lediglich eine einzelne Dienstleistungen wie Kontowechsel oder Vertragsmanagement offerieren, zu Ende geht. Stattdessen, so glaubt Niroumand, werden auf mittlere und lange Sicht nur die B2B-Fintechs wirklich Erfolg haben, die Banken und Versicherern einen ganzen Baukasten an Lösungen zur Verfügung stellen.

Genau aus diesem Grund hatte Niroumand vor einem Jahr dem hauseigenen Kontowechsel-Service Finreach eine breitere Aufstellung als Service-Provider für Retailbanken verordnet; parallel wurde das Venture in „Finreach Solutions“ umbenannt. Quasi spiegelbildlich war einige Monate zuvor bereits Infinitec Solutions entstanden – ebenfalls ein Service-Provider, allerdings spezialisiert auf das Firmenkundengeschäft.  „Wer diese Historie nachverfolgt, der sieht, dass es sich bei der Zusammenführung von Finreach Solutions und Infinitec Solutions, ergänzt um die API-Lösungen von Figo, um einen naheliegenden Schritt handelt“, sagte Niroumand.

Die Mutmaßung, der Schritt könnte vielleicht auch dazu dienen, ausbleibende Erfolge speziell bei Infinitec zu kaschieren (siehe Teil III unseres großen Finleap-Venture-Checks), wies Niroumand zurück. Zwar räumte er ein, dass das Venture länger auf den Durchbruch habe warten müssen als geplant. „In den vergangenen Monaten hat Infinitec allerdings zwei Aufträge mit enormer Substanz gewonnen, sodass sämtliche Firmen, die in der ‚Finleap Connect‘ aufgehen, dies aus einer Position der Stärke heraus tun“, so Niroumand. Das neue Unternehmen werde vom Start weg auf einen jährlichen Umsatz „im zweistelligen Millionenbereich“ kommen „und soll dann kräftig wachsen.“

Anderen Finleap-Venture wie der Solarisbank werde durch die „Finleap Connect“ keine Konkurrenz entstehen, sagte Niroumand. „Im Gegenteil, wir wollen mit der Solarisbank und anderen Unternehmen aus dem Ökosystem eng kooperieren.“ Dazu gehöre auch die Gründung eines eigenen „API-Marktplatzes“ noch in diesem Jahr. Dem Kernteam von „Finleap Connect“ werden neben Niroumand und Finanzchef Dittmer noch die Produktmanager Taner Akcok, Empre Impraimoglu und Ramy Kamel angehören. Hinzukommen als Sales-Chef Peter Hiekmann sowie als Risikochefin die frühere Figo-Managerin Cornelia Schwertner.

Hintergrund: Finleap hatte den Hamburger API-Spezialisten Figo zu Jahresbeginn übernommen und angekündigt, ihn mit Finreach zusammenzulegen. Tatsächlich ist dieser Zusammenschluss seit Anfang dieser Woche endlich auch notariell beurkundet. Nur wenige Stunden nach dem Gang zum Notar wurde dann allerdings intern verkündet, dass der Merger von Finreach und Figo den neuen Plänen zufolge nur noch ein Zwischenschritt auf dem Weg zur neuen „Finleap Connect“ ist. Der bisherige Figo-Standort Hamburg bleibt wie geplant erhalten.

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