Exklusiv

Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion

17. Dezember 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Der  Spareinlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“) erweitert sein Geschäftsmodell – und bietet in Zukunft neben Tages- und Festgeld erstmals auch ein Investmentprodukt an. Dafür kooperiert das mehr als 400 Mio. Euro schwere Hamburger Fintech nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Robo-Advisor Quirion der Berliner Quirin Bank. Konkret wird das Quirion-Angebot zunächst bei Savedo eingebaut. Allerdings ist davon auszugehen, das Deposit Solutions den Robo-Berater früher oder später auch in seine andere B2C-Plattform integrieren wird, also bei Zinspilot.

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„Über Savedo erreichen wir  Sparer, denen der direkte Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung, wie Quirion sie bietet, fehlt“, sagte Quirin-Chef Karl-Matthäus Schmidt gestern im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Savedo-Chef Christian Tiessen meinte umgekehrt, Quirion sei „eine sinnvolle Ergänzung unserer Produktpalette“. Dabei soll der Robo-Advisor zunächst noch kein integraler Bestandteil der Savedo-Plattform werden. Stattdessen würden die interessierten Kunden erst einmal nur von Savedo zu Quirion durchgeleitet. „Wir starten mit einer eher losen Kooperation, die im Laufe der Zeit dann aber immer dichter werden soll“, so Schmidt.

In der Kooperation, die am heutigen Dienstag offiziell verkündet werden soll, spiegeln sich zwei wichtige Entwicklungen in der hiesigen Fintech-Branche:

1.) Die großen deutschen Finanz-Startups expandieren nicht nur regional, sondern versuchen parallel auch ihre Produktpalette sukzessive zu erweitern. So startete der Berliner Deposit-Solutions-Konkurrent Raisin („Weltsparen“) schon im Frühjahr unter dem Namen „Weltinvest“ ein eigenes, Robo-artiges Investmentangebot. Die Idee dahinter ist so einfach wie plausibel: Als Vermittler von Spargeldern haben sowohl Deposit als auch Raisin in nur wenigen Jahren eine sechsstellige Zahl von Kunden gewonnen (was für Fintechs ungewöhnlich viel ist). Nun versuchen sie, diese klassische Zinsjäger-Klientel auch für höhermargige Anlageprodukte zu gewinnen.

2.) Von den mehr als zwei Dutzend Robo-Advisern hierzulande werden sich langfristig wohl nur jene durchsetzen, die über Vertriebskooperationen Zugang zu großen Kundenportfolien erhalten. Das Proto-Beispiel ist der Münchner Marktführer Scalable Capital, der dank der Zusammenarbeit mit der ING Diba inzwischen auf Assets under Management von mehr als 1 Mrd. Euro kommt. Nun ist Deposit Solutions natürlich kein so mächtiger Player wie die ING Diba. Und doch: Quirion hat allein durch die Kooperation mit Savedo plötzlich Zehntausende potenzielle Kunden zusätzlich – und das ohne Marketingaufwand. Freilich darf man davon ausgehen, dass irgendeine Form von Vermittlungsprovisions fließt bzw. dass die Erlöse aufgeteilt werden (so wie bei der ING Diba und Scalable). Denkbar scheint auch, dass die Quirin-Bank umgekehrt irgendwann den Zinsvergleich von Deposit Solutions bei sich integriert.

Quirion verwaltete zum Ende des dritten Quartals Vermögen in Höhe von 143 Mio. Euro. Damit waren die Berliner (die im Sommer den vielbeachteten Test der „Stiftung Warentest“ gewannen) laut den veröffentlichten Zahlen die Nummer vier im deutschen Markt hinter Scalable (>1 Mrd. Euro), dem Comdirect-Robo Cominvest (rund 400 Mio. Euro) und dem unabhängigen Berliner Anbieter Liqid (>300 Mio. Euro). Unklar ist, auf welche Assets das Deutsche-Bank-Angebot „Robin“ gut ein Jahr nach dem Start kommt. Allerdings herrscht unter Marktkennern Einigkeit darüber, dass die Frankfurter Großbank ihr selbst gestecktes Ziel (1 Mrd. Euro bis Ende 2018) deutlich verfehlt haben dürfte.

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Damit steht die Deutsche Bank freilich nicht allein. Die deutsche Santander brach ihre Robo-Kooperation mit dem Frankfurter Anbieter Vaamo still und leise ab, genauso verfuhr die Hamburger Sparkasse mit Investify. Diese Woche gab Werthstein bekannt, sein Angebot zum Jahresende einzustellen. Auch ganz generell gilt: Die anfangs große Euphorie um die Robo-Adviser ist zuletzt merklich abgeflaut; eine Prognose, wie sie die Management-Beratung Bain noch im April veröffentlichte (5% Marktanteil bis Ende 2020), muss inzwischen als illusorisch gelten. Stattdessen dürften die Nettozuflüsse angesichts der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten zuletzt eher gesunken als gestiegen sein.

Experten sagen, dass sich ein Robo-Advisor unterhalb eines verwalteten Vermögens von 1 Mrd. Euro kaum profitabel betreiben lässt. Darum dürften viele Robo-Adviser zumindest als B2C-Anbieter früher oder später verschwinden. Gut möglich, dass am Ende nur ein halbes Dutzend Player überleben.

Der Deal, den Quirion nun mit Deposit Solutions eingeht, könnte die Wahrscheinlichkeit, am Ende zu diesen Akteuren zu gehören, deutlich erhöhen. „Dass wir dieses Jahr mit Quirion noch keine schwarzen Zahlen schreiben, liegt auf der Hand. Allerdings sind wir mit unserer Entwicklung trotz der momentan schwierigen Lage an den Kapitalmärkten weiterhin gut im Plan“, sagte Quirin-Chef Schmidt. Dabei will er nicht ausschließen, auf Sicht einen Investor an Bord zu holen – die Voraussetzungen hierzu wurden jedenfalls im Sommer mit der rechtlichen Auslagerung des Robos aus der Quirin-Bank geschaffen. „Wir planen momentan keine externe Finanzierung, sind für diese Option aber grundätzlich offen.“

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