Deposit Solutions gewinnt Deutsche Bank als Investor

18. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Die Deutsche Bank steigt zum ersten Mal in größerem Stil bei einem bedeutenden hiesigen Fintech ein. Wie aus einer am frühen Abend veröffentlichten Ad-hoc-Meldung eines anderen  Investors hervorgeht, beteiligt sich das größte Geldhaus des Landes am  Einlagen-Vermittler Deposit Solutions, der die Tagesgeld-Portale „Zinspilot“ und „Savedo“ betreibt. Die Frankfurter Großbank und das Hamburger Startup kennen sich schon lange, weil Deposit Solutions als Whitelabel-Anbieter auch hinter der „Zinsmarkt“-Plattform der „Deutschen“ steht.

Ein wenig Verwirrung (jedenfalls bei uns hier) herrscht, was die Bewertung von Deposit Solutions nach dem Einstieg der Deutschen Bank angeht. Der börsennotierte Frankfurter VC-Investor Finlab, der seit Jahren an dem norddeutschen Startup beteiligt ist, hatte gestern gegen 18 Uhr seine Ad-hoc-Meldung wörtlich betitelt:

„FinLab-Beteiligung Deposit Solutions schließt Finanzierungsrunde unter Beteiligung der Deutschen Bank ab / Deposit Solutions im Rahmen der Gesamttransaktion mit über 1 Mrd. EUR bewertet“

Dieser Darstellung war Finanz-Szene.de in seiner ursprünglichen Berichterstattung gestern Abend gefolgt, ebenso wie das „Handelsblatt“ und die „Financial Times“ (der „FT“-Artikel übrigens war heute Früh – warum auch immer – nicht abrufbar“). Anders als uns war es dem „Handelsblatt“ indes möglich, vor Veröffentlichung des Artikel mit den beteiligten Unternehmen zu sprechen – und aus dem „HB“-Artikel geht nun unzweideutig hervor, dass die Deutsche Bank zwar jetzt 4,9% der Anteile hält, allerdings nur zwischen 20 und 25 Mio Euro hierfür bezahlt hat. Daraus ergibt sich unserem Casio zufolge zunächst einmal ein Unternehmenswert von grob gesagt 400 bis 500 Mio. Euro.

Allerdings: Wenn wir es richtig verstehen, hat die Deutsche Bank neben der Cash-Injektion bestimmte nicht-finanzielle Zusagen gemacht – etwa Zugänge zu Kunden. Und: Erreiche sie die definierten Zielmarken nicht, dann könne ihr Anteil an Deposit sinken. Heißt: Wenn stimmt, was das „HB“ schreibt, dann wurde den nicht-finanziellen Zusagen ein fiktives Preisschild umgehängt, auf dieses Preisschild wurde ein Preis von mindestens 25 bis 30 Mio. Euro geklebt, sodass sich eine theoretische Gesamt-Bewertung des Deutsche-Bank-Anteils von mehr als 50 Mio. Euro – und damit des Unternehmens von mehr als 1 Mrd. Euro – ergibt.

Unser erster Eindruck: Das fühlt sich alles ein bisschen luftig an, allerdings lassen wir uns von den beteiligten Parteien heute gern eines Besseren belehren.

[Anmerkung: 19. September, 11.30 Uhr: Inzwischen glauben wir, das Rätsel um die Bewertung und die genauen Umstände der Funding-Runde geklärt zu haben. Hier der entsprechende Artikel von heute Vormittag]

Bis dahin für den Hintergrund:

  1. Als N26 Anfang dieses Jahres zum ersten deutschen Fintech-Unicorn aufstieg, geschah das auf Basis einer Kapitalerhöhung in Höhe von 260 Mio. Euro, also mehr als das Zehnfache dessen, was jetzt (dem „HB“ zufolge) als Cash-Komponente im Spiel war.
  2. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit der Einordnung einer Finanzierungsrunde von Deposit Solutions nicht ganz leicht tun. Im August 2018 hatten die Hamburger eine Finanzierungsrunde bekanntgegeben, in der „100 Mio. US-Dollar investiert“ worden seien. In Medien, mit denen Deposit vor der Veröffentlichung gesprochen hatten, las es sich so, als sei das Geld komplett ins Unternehmen geflossen, die „Financial Times“ etwa schrieb: „German open-banking start-up raises $100m“. Tatsächlich zeigten Recherchen von Finanz-Szene.de bald darauf, dass ein offenbar signifikanter Teil der 100 Mio. Dollar an Alt-Investoren geflossen war, es sich – ausgedrückt im Startup-Jargon – bei der Runde also um kein reines „Primary“ handelte.

Freilich: Vielleicht ist das mit der Bewertung ja auch alles wurscht. Denn unabhängig von der Frage, ob Deposit Solutions nun das zweite deutsche Fintech-Unicorn nach N26 ist oder nicht, ist der Einstieg der Deutschen Bank bei den Hanseaten gleich aus mehrere Gründen bemerkenswert (und wenn man so will, dann auch eine Art Ritterschlag):

  • Mit ihrem einstigen Mantra, nicht direkt in Fintech zu investieren, hat die Deutsche Bank zwar schon vor einiger Zeit gebrochen. Allerdings vermittelten die bisherigen hierzulande eingegangen Beteiligungen (Finanzguru, Trustbills, Hausgold …) allesamt den Eindruck des Subambitionierten. Bis zu 25 Mio. Euro Cash hingegen – das ist in jedem Fall ein Wort.
  • Wenn wir die Dinge richtig deuten, dann ist es überhaupt das erste Mal, dass sich eine deutsche Bank  bei einem bedeutenden hiesigen Fintech beteiligt
  • Ob Unicorn oder nicht: Deposit Solutions unterstreicht mit der Runde. zweifelsohne seinen Status als eines der spannendsten und wertvollsten deutschen Finanz-Startups. Zu den Top-5-Fintechs hierzulande gehören die Hamburger in jedem Fall.

„Das Geld aus der Finanzierung soll wie schon bisher in unsere Expansion fließen“, wird Gründer Tim Sievers im „Handelsblatt“ zitiert. Interessant hieran: Der wichtigste Wettbewerber von Deposit Solutions, nämlich das Fintech Raisin („Weltsparen.de“), war zuletzt durch gleich mehrere kühne Manöver aktenkundig geworden. So übernahmen die Berliner ihre eigene Whitelabel-Bank (die MHB-Bank), kauften das Altersvorsorge-Startup Fairr und beteiligten sich an Joonko, dem neuen Vergleichsportal des Company Builders Finleap. Ob Deposit Solutions ähnliche Transaktionen plant, ist nicht bekannt. Zuletzt expandierte das Fintech in die Schweiz, weitere Zielmärkte sind Spanien und die USA.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing