Exklusiv

Die ersten 2018er-Geschäftszahlen eines deutschen Fintechs

21. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Dürfen mal ein bisschen garstig sein? Also, im Grunde ist es doch so: Unsere fluffigen Finanz-Startups erzählen viel – und berichten wenig. Wird dann doch mal ein Jahresabschluss veröffentlicht, dann nicht der fürs Vorjahr. Sondern der fürs Vorvorjahr. Oder gar der fürs Vorvorvorjahr. Inhaltlich? Reicht’s meist nur für eine knappe Bilanz. Die GuV hingegen? Lässt man weg. Jedenfalls in aller Regel …

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Seit dieser Woche indes gibt es eine rühmliche Ausnahme. Der Berliner Vermögensverwaltungs-Digitalisierer Elinvar hat nämlich seinen 2018er-Abschluss in den Bundesanzeiger gepackt – und zwar mitsamt einer richtigen GuV (mit echten Erträgen und allem Pipapo). Nun sind die Zahlen zwar nicht gerade spektakulär. Aber wer genau hinschaut, kriegt trotzdem eine leise Ahnung, warum bei Elinvar zuletzt sogar Goldman Sachs eingestiegen ist.

Eine kurze GuV-Analyse:

1. Was genau macht Elinvar überhaupt?

Das Berliner Fintech, das der Startup-Schmiede Finleap entstammt, hilft Vermögensverwaltern bei der Digitalisierung ihres Geschäfts (ganz, ganz grob gesagt also ein B2B-Robo-Advisor). Die angebotenen Services reichen vom Online-Onboarding über das Kundenmanagement bis hin zu Analytics, Reporting oder Rechnungsstellung. Zu den Partnernbanken zählen Donner & Reuschel, die Fürstlich Castell’sche Privatbank oder Warburg.

2. Wie sieht die GuV aus?

(Angaben jeweils in tausend Euro)    
  2018 2017
1. Zinserträge -5 -1
2. Zinsaufwendungen 0 0
  -5 -1
3. Laufende Erträge aus    
a) Aktien und anderen nicht festverzinslichen Wertpapieren 0 0
4. Provisionserträge 1211 1
5. Sonstige betriebliche Erträge 48 14
6. Allg.Verwaltungsaufwendungen    
a) Personalaufwand    
aa) Löhne und Gehälter 3153 1465
ab) Soziale Abgaben, Altersversorgung etc. 590 248
  3743 1713
b) andere Verwaltungsaufwendungen 1514 1157
  5257 2869
7. Abschreibungen auf immaterielle Anlagenwerte und Sachanlagen 70 22,2
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen 1 0
9. Abschreibungen auf Forderungen und Wertpapiere sowie Rückstellungen 0 0
10. Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit -4073 -2878
11. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 0 0
12. Sonstige Steuern 1 0
  1 0
13. Jahresfehlbetrag 4075 2878
14. Verlustvortrag aus dem Vorjahr 3585 7069
15. Bilanzverlust 7660 3585

3. Was lässt sich aus der GuV herauslesen?

Die spannendste Zeile ist „Punkt 4.“, also die Provisionserträge. 1,2 Mio. Euro Erlöse hat Elinvar im vergangenen Jahr erlöst. Das klingt nach wenig, ist es aber nicht, denn …

  • Viele junge Fintechs tun sich schwer, überhaupt Erträge zu erzielen. Sechsstellige Umsätze pro Monat (bzw. siebenstellige pro Jahr) gelten gerade bei B2B-Dienstleistern als durchaus kritische Marke, die beileibe nicht jedes Startup durchbricht
  • Das Geschäft von Elinvar ist erst im Laufe von 2017 überhaupt gestartet – was sich auch daran erkennen lässt, dass die Provisionserträge in dem Jahr bei gerade mal rund 700 Euro lagen. 2018 war also, wenn man so will, das erste echte Geschäftsjahr überhaupt
  • Selbst die ultra-ambitionierte Berliner Solarisbank kam in ihrem sozusagen ersten vollständigen Geschäftsjahr (bei ihr war das 2017) gerade mal auf „echte“ Erträge in Höhe von rund 2 Mio. Euro, konnte diese im Jahr drauf aber nach Aussagen ihres Vorstandschefs bereits vervierfachen

Eine ähnliche Entwicklung stellt auch Elinvar seinen Investoren in Aussicht. So ist im 2018er-Abschluss in Bezug auf das laufende Geschäftsjahr von einem „einen signifikanten Zugewinn des zu verwaltenden Vermögens“ die Rede, was zu einem „weiteren Anstieg der Provisionserträge“ führen soll. Einen Schub erhofft sich das Berliner Fintech dabei durch die sogenannte Bestandsverwaltung. Damit ist gemeint, dass die Partnerbanken nicht (mehr) nur ihr Neugeschäft über die Elinvar-Plattform laufen lassen, sondern auch die Verwaltung ihrer bestehenden Assets auf selbige übertragen.

Eine zweite auffällige Kennzahl neben den Provisionserträgen ist der Jahresfehlbetrag in Höhe von 4,1 Mio. Euro. Für B2C-Fintechs  (die in der Regel viel Geld in Marketing investieren) mögen solche Zahlen normal sein, für ein B2B-Fintech dagegen ist das eine enormer Summe (auf einen ähnlichen Cashburn übrigens kam 2017 das Hamburger API-Fintech Figo, das ist inzwischen in Finleap aufgegangen ist).

Womöglich bedeuten die 4,1 Mio. Euro dabei nicht einmal den Peak. Denn für 2019 rechnet Elinvar laut Jahresabschluss erneut bzw. sogar mit „einem Jahresfehlbetrag im höheren einstelligen Millionenbereich“. Das Wachstum (das sich übrigens auch darin spiegelt, dass die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr von 28 auf 70 stieg) soll also nochmal forciert werden – was entsprechende Fundings voraussetzt. 2018, so lässt sich entnehmen, schossen Finleap und der Versicherer Talanx weitere 3,8 Mio. Euro Eigenkapital ins Unternehmen. Dem folgte in diesem Frühjahr bekanntlich die große Finanzierungsrunde mit Goldman Sachs, die bei grob geschätzt 15 Mio. Euro gelegen haben soll – und damit dicke ausreichen sollte, den diesjährigen Cashburn (und vielleicht ja auch den für 2020) zu decken.

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