Exklusiv

Erträge, Kosten, Cashburn – wir enthüllen die N26-Zahlen!

22. Februar 2019

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Wie gut ist N26 wirklich? Wie hoch sind zum Beispiel die Provisionserträge, wie hoch die Zinseinnahmen? Wo kommen diese Erlöse her, wie viel Cash wird verbrannt, wie viele Einlagen verwaltet? Wieviel Umsatz macht die Berliner Challenger-Bank pro Kunde, und was kostet im Gegenzug deren Akquise? … Um es kurz zu machen: Auf keine dieser Fragen, die jeden deutschen Banker eigentlich brennend interessieren müssten, gab es bislang eine Antwort.

Nun jedoch ist der informelle Recherche-Pool aus „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ auf den ersten vollumfänglichen Konzernbericht von N26 gestoßen. Und in dem steht nun wirklich (fast) alles drin, was man wissen will, bislang aber nicht wusste. Eine Einschränkung müssen wir machen: Die Zahlen stammen aus 2017, sind also schon ein Jahr alt. Das ist aber nicht wirklich dramatisch. Denn es sind immerhin die Zahlen, auf deren Basis große Investoren wie die Allianz 0der Tencent im vergangenen März 130 Mio. Euro in N26 gepumpt haben (bevor es kürzlich zur einer weiteren Funding-Runde in Höhe von 260 Mio. Euro gekommen ist)

Lesen Sie also hier, weltexklusiv (mindestens): Die acht wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten Konzernabschluss der N26-Gruppe:

1.) N26 erwirtschaftet tatsächlich schon Erträge, aber (noch) nicht so wahnsinnig hohe

Insgesamt kam N26 in 2017 auf Erträge in Höhe von 11,24 Mio. Euro – wobei der größte Teil auf Provisionseinnahmen entfiel (10,02 Mio. Euro). Das wirkt erst einmal mickrig, entspricht aber im Vergleich zu 2016, wenn man sich mal nur auf die Provisionserlöse kapriziert, einer Steigerung von rund 2000 Prozent. Und noch eine Rechnung, die das Ganze hoffentlich ein bisschen fassbarer macht: Vulgärmathematisch gerechnet dürfte N26 im Jahresdurchschnitt 2017 etwa 450.0000 Kunden gehabt haben (leider findet sich hierzu keine Angabe im Abschluss, aber man kann sich diese Zahl aus alten Pressemitteilungen so ungefähr herleiten). Damit kommt man auf Erträge pro Kunde irgendwo zwischen 20 und 25 Euro. Das ist aus unserer Sicht gar nicht mal so übel, auch wenn manche etablierte Bank allein über die Kontogebühren 120 Euro jährlich beim Normalkunden klarmacht.

2.) Der Cashburn ist weiterhin verdaulich

Gemessen am brutalen Wachstumskurs blieb der Cashburn weiterhin im Rahmen. Unterm Strich stand ein Jahresfehlbetrag von 32 Mio. Euro (hinzu kommen noch 24 Mio. Euro Verluste, in den Gründungsjahren alles in allem aufgelaufen waren). Das klingt sehr verkraftbar, wenn man bedenkt, dass N26 zuletzt bei Investoren binnen zehn Monaten fast 400 Mio. Euro eingesammelt hat.

Hinweis: Wir hatten vor rund einem Jahr mal wild gemutmaßt, dass N26 in den Aufbaujahren rund 20 Mio. Euro verbrannt habe. Nun weiß man also, dass es 24 Mio. Euro waren.

3.) Die Kundenakquise-Kosten sind brutal niedrig

Laut unseren Berechnungen gewann N26 im  vorletzten Jahr ungefähr 400.000 Neukunden (netto). Die Marketingkosten beliefen sich laut Geschäftsbericht auf 7,99 Mio Mio – das sind runtergerechnet auf den einzelnen Kunden 20 Euro. Von solchen Akquisekosten können etablierte Banken (die ja teilweise sogar mit 100 Euro Cash-Prämien winken) nur träumen.

4.) Die Verifizierung eines Kunden kostet 4,50 Euro

Und jetzt mal was für die Feinschmecker: Was ist laut N26-Konzernbericht der wichtigste KPI? Dieser hier: „Burn Rate: Operatives Ergebnis abzüglich Onboarding-Kosten für neue Kunden.“ Was nun wiederum die Onboarding-Kosten angeht, werden die Kosten für die Verifizierung (die ja ein wesentlicher Bestandteil des Onboardings ist) sogar exakt quantifiziert: 1,93 Mio. Euro fielen hierfür an. Macht bezogen auf unsere 400.000 Neukunden 4,83 Euro pro Kunde. Da  man ja aber korrekterweise bei den Neukunden nicht mit der Netto- sondern mit der Bruttozahl rechnen müsste (die wir aber nicht kennen), runden wir einfach mal aus dem Bauch raus auf 4,50 Euro ab.

5.) Der Durchschnittskunde vertraut N26 knapp 600 Euro an

Per 31. Dezember 2017 verwaltete N26 täglich fällige Kundeneinlagen in Höhe von 411,8  Mio. Euro. Bezogen auf schätzungsweise 700.000 Kunden waren das im Schnitt exakt 588 Euro. Zum Vergleich: Beim britischen Rivalen Monzo waren es per Februar 2018 nur knapp 150 Pfund.

6.) Trotzdem ist N26 noch lange keine Retailbank im umfassenden Sinne des Wortes

Das klassische Geschäft einer Retailbank, also das mit Krediten, wird von N26 bislang nur sehr, sehr rudimentär betrieben. So summierten sich die Kredite an Endkunden per Ende 2017 gerade mal auf fast schon lächerliche 9,57 Mio. Euro – also nicht mal 14 Euro pro Kunde (offenbar ging es hier um ein bisschen Dispo bzw. Überziehung). Folgerichtig bestand die Aktivseite in erster Linie aus „Treasury“ (Schuldverschreibungen, andere festverzinsliche Wertpapiere, Bankeinlagen, Kommunaldarlehen).

7.) Die Erträge kommen aus Zahlungsverkehr und Kartengeschäft

Die wichtigste Ertragsquelle ist das Payment-Geschäft. Quantifiziert wird das Ganze zwar nicht, aber an einer Stelle im Konzernbericht heißt es: „Wesentlicher Treiber für den […] Provisionsüberschuss […] waren […] die Erbringungen von Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen und das Kartengeschäft.“

8.) Die regionale Expansion  hat Vorrang vor der Ausweitung des Angebots

Per Ende 2017 war N26 schon in 17 Ländern aktiv – bot aber nur in jeweils maximal zwei dieser Länder bereits Kredit- bzw. Investmentprodute an. Klarer Fall: Das Berliner Fintech will zuächst mit seinen Kernangeboten in möglichst viele Märkte vorstoßen und erst dann peu à peu die Produktpalette vertiefen.

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