Exklusiv

Factoring-Fintech Billie erhält Refi-Linie über 50 Mio. Euro

6. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Factoring-Fintech Billie hat zusätzlich zu seinem 30 Mio. Euro schweren Equity-Funding (siehe unser Bericht aus dem Juli) eine für Startup-Verhältnisse üppige Debt-Finanzierung erhalten. Diese Entdeckung hat Finanz-Szene.de gemacht. Im Nachtragsbericht des kürzlich veröffentlichen 2018er-Abschlusses heißt es wörtlich, es sei ein „Term Sheet über eine neue Refinanzierungslinie mit bis zu 50 Mio. EUR frischem Fremdkapital gezeichnet“ worden. Der Vertragsabschluss wurde demnach für August oder September 2019 erwartet. Geschäftsführer Christian Grobe bestätigte uns gegenüber gestern Abend die Transaktion.  20 Mio. Euro seien sogar schon abgerufen worden.

Um die Zahlen in den Kontext zu setzen: Laut Geschäftsbericht verarbeitete die vor zwei Jahren gestartete Billie GmbH im gesamten Geschäftsjahr 2018 erst Forderungen im Volumen von 66 Mio. Euro. Zugleich findet sich in der Bilanz der Hinweis, die Kundenforderungen hätten in 99,9% der Fälle eine Restlaufzeit von bis zu drei Monaten. Heißt: Die durchschnittliche Laufzeit liegt (deutlich) unter drei Monaten, sodass die 50 Mio. Euro aufs Jahr hochgerechnet eine Firepower von mindestens 200 Mio. Euro ergeben (tatsächlich dürfte es mehr sein). Von wem das Geld stammt, wollte Grobe nicht sagen. Nur soviel: Sämtliche Refi-Linien kämen von europäischen Banken.

Auch jenseits des Fremdkapital-Fundings dokumentiert der Geschäftsbericht, dass Billie den meisten anderen in den letzten Jahren gegründeten deutschen Factoring-Fintechs ein gutes Stück voraus sein dürfte (die Gründe hierfür hatten wir neulich ausführlich analysiert). So summierten sich die Umsatzerlöse – definiert als „zinsähnliche Factoring-Gebühren“ – auf 1,2 Mio. Euro. Auch hier eine Einordnung: Der kürzlich von der Elbe Finanzgruppe übernommene Wettbewerber Decimo kam (obwohl schon 2014 gestartet) im Geschäftsjahr 2017 erst auf Umsatzerlöse in Höhe von 0,7 Mio. Euro (2018er-Zahlen von Decimo liegen uns keine vor).

Glaubt man Grobes Ausführungen, dann hat Billie seine Umsätze im laufenden Jahr sogar noch einmal markant gesteigert. Momentan  würden monatlich rund 30 Mio. Euro Factoring-Volumen umgeschlagen, sagte er uns gestern Abend auf unsere Anfrage hin. Damit komme Billie aktuell auf eine Erlös-„Runrate“ (also einen auf zwölf Monate hochgerechneten Wert) von etwa 7 Mio. Euro. Die Zahlen wären sogar noch deutlich besser, „hätten wir im September und Oktober bedingt durch die PSD2 nicht 50% unseres Neugeschäfts verloren“, so Grobe (für Connaisseure hier noch ein Linktipp: „Das wahre Drama der PSD2-Umstellung“).

Zugleich scheint Billie den Cashburn unter Kontrolle zu haben: Der Jahresfehlbetrag belief sich im vergangenen Jahr auf 3,1 Mio. Euro. Inklusive der Anlaufverluste aus 2017 ergibt sich ein bilanzielles Minus von rund 5 Mio. Euro – gemessen an einem Equity-Funding von 43 Mio. Euro (die 30 Mio. Euro aus 2019 eingerechnet).

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing