Exklusiv

Fintech-Coup des Jahres: Finleap plant Angriff auf Check24

21. Mai 2019

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Keine Frage, bei Finleap tut sich was: Mehr als 30 Stellen hat der Berliner Company-Builder zuletzt für neue Fintech-Gründungen ausgeschrieben. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde steigt der Erfolgsdruck. „Solide“ reicht nicht mehr. Kritiker fragen, wo der „Big Bang“ bleibe, also gewissermaßen das Zalando für Finanzen.

Nach offiziellen Angaben stehen bei Finleap für diese Jahr zwei bis vier neue Ventures auf dem Plan. Unter den Jobanzeigen sind allerdings einige, die aus dem Raster fallen. Die dazugehörigen Beschreibungstexte deuten nämlich auf kein beliebiges neues Startup hin – sondern auf deutlich mehr. Auf etwas, das unter Insidern als Fintech-Projekt des Jahres gehandelt wird. Wörtlich heißt es:

„Wir bauen das nächste große B2C-Unternehmen im Bereich Finance und Versicherungen in Deutschland. Mit unserer Plattform möchten wir unseren Kunden ermöglichen, fundierte und auf ihren Bedarf ausgerichtete Entscheidungen zu treffen. (…) Mit unseren Produkten adressieren wir allein in Deutschland einen Multi-Milliarden-Euro-Markt. Um unsere Vision wahr werden zu lassen, haben wir bereits ein starkes Netzwerk an internationalen Investoren und Partnern an Bord geholt.“

Werden wir konkret. Recherchen von Gründerszene und Finanz-Szene.de zeigen: Finleap arbeitet an einer Art Vergleichsportal für Finanzprodukte – plant also den Angriff auf Check24, den digitalen Vertriebs-Giganten im hiesigen Banken- und Versicherungsmarkt. Dazu muss man wissen: Mit gewaltigen Werbeausgaben hat Check24 seine Marke bekannt gemacht, allein im vergangenen Jahr flossen 172 Mio. Euro in TV-Werbung (beim Rivalen Verivox sollen es übrigens ebenfalls weit mehr als 100 Mio. Euro gewesen sein). Sogar noch größer sind Marktkennern zufolge die Google-Spendings beider Unternehmen.

Wer dagegen anstinken will, braucht eine gewaltige Finanzkraft. Darum soll sich der Berliner Company-Builder unter der Führung von Gründer und CEO Ramin Niroumand nach Informationen von Gründerszene und Finanz-Szene.de die Unterstützung des chinesischen Milliardenkonzerns Ping An gesichert haben. Von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede. Finleap selbst will sich nicht zu diesen Informationen äußern, von Ping An an war bis gestern Abend keine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ping An ist bei Finleap schon jetzt ein wichtiger Geldgeber, mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 135 Mrd. Euro zählt das Unternehmen zu den größten Versicherern der Welt. Als strategischer Investor führte man die Finleap-Finanzierungsrunde Ende 2018 an – rund 40 Mio. Euro pumpte Ping An in das Berliner Unternehmen.

Ferner sollen angeblich drei weitere prominente Player bei dem Vorhaben involviert sein. McKinsey habe am Business-Plan mitarbeitet, ist zu hören. Auch die Namen der beiden Versicherungskonzerne Huk Coburg und Allianz fallen mehrfach. Ein Sprecher der Huk Coburg schreibt auf Nachfrage: „Aktuell gibt es keine Zusammenarbeit unseres Hauses mit Finleap.“ Zu Zukunftsprojekten will er hingegen nichts verraten. Die Allianz und McKinsey äußern sich auf Anfrage nicht.

Im Kreditbereich dominiert Check24 zusammen mit den Fintech-Rivalen Finanzcheck und Smava den Vergleichsmarkt – wobei Check24 allein etwa so viel Umsatz machen soll wie die beiden Wettbewerber zusammen. Sogar noch größer soll die Dominanz bei Autopolicen sein. Die Folge: Deutschlands größter Kfz-Versicherer, die Huk Coburg, liefert sich mit Check24 einen Dauerstreit vor Gericht. Die HuK-Produkte sind nicht auf der Vergleichsplattform gelistet. Die Allianz, Nummer zwei im Markt, vertreibt die Autoversicherung ihrer Hauptmarke ebenfalls nicht bei Check24.

2011 versuchte die Huk Coburg mit dem Einstieg beim Vergleichsportal Transparo einen Konkurrenten zu Check24 aufzubauen. Der Plan misslang. Drei Jahre später gingen die Domain und die Markenrechte an den Konkurrenten Verivox.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, mit welchem Konzept sich das neue Finleap-Unternehmen gegen Check24 behaupten will. Der Launch soll nach Gründerszene-Informationen im Oktober stattfinden. Szenekenner sind skeptisch, ob sich eine Marketingschlacht gegen Check24 gewinnen lässt. Wobei unklar ist, ob Finleap, Ping An & Co. wirklich ein klassisches Vergleichsportal planen – oder nicht doch eine neue Lösung.

Für Finleap hängt viel an dem Gemeinschaftsprojekt. In den vergangenen Jahren lag der Fokus stärker auf Geschäftsmodellen für andere Unternehmen (B2B), ein Beispiel ist die Solarisbank, die als Bankpartner für Fintechs und Digitalfirmen fungiert. Die Makler-App Clark ist das letzte verbleibende Venture, das sich an Endkunden richtet (B2C).

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