Die Savedroid-Saga, Teil III

Früheres „Fintech des Jahres“ erzielt 65,42 Euro Provisionserträge

22. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Das einstige Hype-Startup Savedroid, das zwischenzeitlich gar zum deutschen „Fintech des Jahres 2017″* gekürt wurde, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Provisionserträge in Höhe von 65,42 Euro erzielt. Diese Entdeckung hat Finanz-Szene.de im 2018er-Abschluss des Frankfurter Unternehmens gemacht. Der operative Fokus habe im vergangenen Jahr auf der Entwicklung einer neuen „Crypto-App“ gelegen, begründete Savedroid-CEO Yassin Hankir gegenüber Finanz-Szene.de, warum die Erträge so mau ausgefallen sind.

Die kümmerlichen Einnahmen dürften nicht nur die VC-Investoren beunruhigen, sondern auch die angeblich rund 35.000 Kleinanleger, die im vergangenen Jahr über ein „Initial Coin Offering“ angeblich 40 Mio. Euro in Savedroid investiert hatten. Besonders krass muten die 65,42 Euro an, wenn man ihnen die entsprechenden Aufwendungen gegenüberstellt – also, was Saverdroid seinerseits im vergangenen Jahr Dienstleistern und sonstigen Partnern an Provisionen zahlte. Das waren nämlich  257.000 Euro, also grob gerechnet das 4000-Fache der Provisionserlöse.

Finanz-Szene.de hatte das Geschäftsmodell von Savedroid Anfang Mai 2018 eingehend analysiert – das war kurz nach dem ICO. Damals hatten wir unser Analyst Thomas Borgwerth unter anderem folgende Feststellungen gemacht:

Finanz-Szene.de: Herr Borgwerth […] Was ist bzw. war die ursprüngliche Idee von Savedroid?

Thomas Borgwerth: Savedroid ist knapp gesagt die Spardose auf dem Smartphone. „Geld sparen ohne daran denken zu müssen“, lautet der Slogan.  Das funktioniert mittels automatischer Sparregeln – sogenannter Smooves. Wer sein Smartphone als ständigen Begleiter und Alltagsassistent nutzt, kann z.B. festlegen, dass bei jedem Fitness-Center-Besuch 5 Euro auf das Sparkonto überwiesen werden. […]

Finanz-Szene.de: Wie wollte Savedroid mit dieser Idee Geld verdienen?

Borgwerth: Erst einmal hat das Unternehmen bei diesem Geschäftsmodell keine Einnahmen. Denn sämtliche Dienstleistungen, die Savedroid anbietet (die App, die Spartransaktionen, die Rücküberweisungen, das Sparkonto, die virtuelle Sparkarte …), sind für den Kunden kostenlos. Laut den AGBs werden die Nutzerdaten nicht verkauft. Die Guthaben werden nicht verzinst. Erlöse lassen sich für Savedroid prima facie also nicht generieren (nebenbei bemerkt: Wir leben in Nullzinszeiten!). Abzuziehen sind dann noch die Aufwendungen, die die abwickelnde Bank (Wirecard) hat. Savedroid zahlt der Wirecard-Bank die Kontoführungsgebühren und die Transaktionskosten für Kleinstüberweisungen.

Finanz-Szene.de: Woher kommen dann die Einnahmen?

Borgwerth: Savedroid  will die „situative Relevanz“ der gesammelten Daten nutzen, um Geld zu verdienen. Einfacher ausgedrückt: Wenn das Fintech weiß, wofür jemand spart, dann kann es ihm auch entsprechende Angebote machen. Spart also jemand für eine Reise nach Mexiko, dann kann Savedroid ihm den Reiseveranstalter vermitteln und von diesem eine entsprechenden Provision vereinnahmen. Tatsächlich geht Savedroid laut AGBs bei der Optimierung von Laufzeitverträgen der Nutzer (etwa Strom- oder Mobilfunkverträge) schon genauso vor – macht dem User also individuelle Vorschläge und vermittelt ihn an die entsprechenden Anbieter.

Finanz-Szene.de: Kann diese Geschäftsidee funktionieren?

Ja. Allerdings klingt das Geschäftsmodell vermutlich plausibler, als es letztlich ist. Denn viele Fintechs bzw. Banken verfolgen die Idee, an der Vermittlung von Verträgen zu verdienen – der Konkurrenzkampf ist womöglich größer als der Kuchen, den es zu verteilen gibt.

[…]

Der Jahresabschluss zeigt nun, dass es Savedroid jedenfalls 2018 noch nicht gelang, der eigenen Geschäftsidee nennenswerte Erträge abzutrotzen – obwohl das Unternehmen (Gründungsjahr: 2015) soooo jung nun auch nicht mehr ist und der Kostenapparat es in sich hat. (Übrigens:  Von den beschriebenen Provisionsaufwendungen müsste in erster Linie Wirecard als abwickelnder Bank profitiert haben …)

Hinzu kommt: Eigentlich war es ja Savedroids Plan, nach dem ICO über die ursprüngliche Geschäftsidee hinaus eine zweite Ertragsquelle aufzuschließen. So wollte Savedroid nach eigenen Angaben bereits im vierten Quartal 2018 mehr als 5 Mio. Euro Gebühren aus Kryptowährungs-Transaktionen generieren (2019 sollten es dann sogar schon 56 Mio. Euro werden …). Auch davon ist im Jahresabschluss, so weit wir ihn verstanden haben, allerdings wenig bis nichts zu sehen. CEO Hankir teilt hierzu auf Anfrage mit: „Der zwischenzeitliche globale Einbruch des Krypto-Marktes hat die gesamte Branche belastet und wie bei anderen Unternehmen auch bei Savedroid zu marktinduzierten Verzögerungen geführt.“

Auch aus regulatorischer Sicht wird der Abschluss Fragen auf. So heißt es im Lagebericht:

„Savedroid hat Anfang 2018 die organisatorischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Registrierung als PSD2-Anbieter geschaffen und im April 2018 bei der BaFin den Registrierungsantrag als PSD2-Kontoinformationsdienst eingereicht.“

Offenbar hat die Bafin diesem Antrag allerdings nicht stattgegeben – zumindest tauchte Savedroid zumindest bis letzte Woche im entsprechenden Bafin-Register nicht auf (siehe unser Stück “ Hier kommen die inzwischen 25 Fintechs mit PSD2-Lizenz“).

Aus anderen Passen, in denen es um den aufsichtsrechtlichen Status von Savedroid geht, wurden wir derweil nicht recht schlau. So heißt es:

„Als PSD2- Kontoinformationsdienstleister in Deutschland ist Savedroid die eigene Durchführung wesentlicher Teile der derzeitig angebotenen als auch der zukünftig geplanten Dienstleistungen weiterhin nicht erlaubt. […], wurde das letzte Quartal des Geschäftsjahres dafür genutzt, die Genehmigungsfähigkeit eines PSD2-Zahlungsinstitutsantrags in Luxemburg zu prüfen [….] Savedroid erkannte dabei nach ersten Gesprächen mit der [luxemburgischen Finanzaufsicht] CSSF, das umfangreiche weitere interne Vorbereitungsarbeiten für eine erfolgreiche Lizenzbeantragung notwendig seien […] Die Zulassung der savedroid LUX S.A. („savedroid LUX“) als PSD2-Zahlungsinstitut soll in 2019 abgeschlossen werden.“

Von uns befragt, was denn nun Sache ist, antwortet Hankir:

„Savedroid war und ist PSD2- Kontoinformationsdienstleister und hat den entsprechenden Registrierungsantrag nach § 34 Abs. 1 i.V.m. § 68 Abs. 5 ZAG fristgerecht an die BaFin gestellt.“

Trotz der überschaubaren Provisionserträge hat Savedroid das abgelaufene Geschäftsjahr – mutmaßlich als eines von ganz wenigen deutschen Fintechs – übrigens mit einem Überschuss abgeschlossen. Das allerdings lag daran, dass die ICO-Erlöse stark auf die GuV niederschlugen.

Mehr hierzu: Morgen in unserem vierten und hoffentlich letzten Teil der „Savedroid-Saga“.

Zum Nachlesen in unserem Archiv:

„Teil I“ vom 1. Mai 2018:

Die ultimative Analyse des Geschäftsmodells des Fintech-Startups Savedroid

„Teil II“ vom 27. Juni 2018:

Die Savedroid-Analyse, Teil II: Ist das noch Krypto oder ist das schon gaga?

*Der Titel „Fintech des Jahres“ wurde Savedroid später wieder aberkannt. Grund war eine krude PR-Aktion, bei der das Management vorgegeben hatte, sich mit den Erlösen aus dem ICO ins Ausland abgesetzt zu haben.

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