Kurz gebloggt

Ist das Fintech NDGIT wirklich so super-duper, wie es tut?

1. März 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Das nicht gerade super-bekannte Münchner Finanz-Startup NDGIT hat gestern eine dieser „Das kann ja jeder behaupten“-Pressemitteilungen rausgehauen, in der es in Fintech-typischer Bescheidenheit heißt, man habe sich 2018 „mit starkem Wachstum und breiter Internationalisierung an die Spitze der europäischen B2B-Fintechs“ gesetzt, mehr als 20 Banken als Kunden gewonnen, die Lizenzumsätze vervierfacht usw. …

Was haben wir also gemacht? Einfach mal angerufen, ob NDGIT (ein Spezialist für API-Lösungen) wenigstens eine dieser kessen Behauptungen belegen kann … Worauf zu unserer Verblüffung der Chef meinte, natürlich könne er das. Dann schickte er uns einen Zoom-Link (sprich: eine Einladung zu einer Videokonferenz) und schon hatten wir schwarz auf weiß vor uns: die leibhaftige BWA eines realexistierenden deutschen Finanz-Startups. Und was konnte man da sehen? Alles, auch wenn wir versprechen mussten, bei der Wiedergabe nicht auch alles zu schreiben:

  • Summiert man die 2018er-Monatsumsätze des erst 2016 gestarteten Fintechs, dann kommt man ganz grob gesagt da aus, wo 2017 die ungleich prominentere Solarisbank auskam, oder, wenn Sie noch eine zweite Einordnung wünschen, ungefähr bei der Hälfte dessen, was (apropos prominent …) Scalable Capital 2018 erlöst haben dürfte. Also i.d.T. schon mal nicht so schlecht.
  • Nun kam der größere Teil der Umsätze, die NDGIT 2018 generierte, aus Projektaufträgen. Das ist per se natürlich nicht verboten – allerdings: Die Investorenfantasie gründet bei B2B-Fintechs bekanntermaßen nicht auf Kärrnerarbeit, sondern auf Lizenzerlösen (um die es in der PM ja auch explizit geht).
  • So, wie machen wir das jetzt, wenn wir keine zu genaue Indikation zur absoluten Höhe dieser Lizenzerlöse geben dürfen? Wir versuchen es mal schwammig: Wenn man sich die aktuellsten Monate anguckt, dann lässt sich sagen: Ja, das sind Zahlen, die aus sechs Stellen bestehen – und nicht etwa auf fünf, wie wir aus dem Bauch heraus vermutet hätten. Und: Wenn man das monatlich Umsatzniveau von Ende 2017/Anfang 2018 mit dem von Ende 2018/Anfang 2019 vergleicht, dann stimmt das mit der Vervierfachung (wobei das Ausgangslevel natürlich bescheiden war).
  • Was ist nun mit den angeblich über 20 als Kunden gewonnenen Banken? An dieser Stelle hat NDGIT insofern ein bisschen aufgetragen, als hier nach unserem Verständnis auch einzelne mitlizensierte Töchter größerer Banken mitgezählt wurden. Gleichwohl: Wir bekamen Einblick in den Rechnungsausgang. Und da zeigte sich gleich auf den ersten Blick, dass NDGIT zumindest mal mit einem halben Dutzend Banken aus der Kategorie „Diese Namen kennt jeder“ Geschäfte macht. Einige dieser Kunden dürfen auch genannt werden, zum Beispiel gehört die UBS dazu.
  • Was dann noch erstaunte: NDGIT hat laut PM rund drei Jahre nach der Gründung angeblich schon 50 Mitarbeiter, was für ein deutsches B2B-Fintech vergleichsweise viel ist. Wir haben mal auf der Homepage die Leute abgezählt und kommen tatsächlich auf 49 (was ja quasi 50 ist). Und auch ein Abgleich in den sozialen Netzwerken legt nahe, dass es sich nicht um Fake-Profile und/oder irgendwelche Praktis handelt. Denn: Immerhin zwei Drittel der Mitarbeiter outen sich auch bei Linkedin (und haben zum Teil auch eine ziemlich senioritätsmäßige anmutende Vita)

Hat sich das nicht gerade super-bekannte Münchner Finanz-Startup NDGIT also tatsächlich „an die Spitze der europäischen B2B-Fintechs“ gesetzt. Naja, das ist schon eine sehr üppig ausgelegte Selbstbeschreibung. Aber: In jedem Fall scheint (was in der Fintech-Branche ja nicht immer selbstverständlich ist) hinter der großen Klappe auch wirklich was zu sein.

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