Ist Deposit Solutions nun ein Unicorn oder nicht? Die Fakten

19. September 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Ist Deposit nun ein Unicorn oder nicht? Diese Frage stellt sich die deutsche Fintech-Community heute Früh. Nachdem in dieser Frage gestern Abend vermeintliche Selbstverständlichkeit und diese Nacht große Verwirrung herrschte, hier nun in Form eines FAQs die Fakten.

Worum geht’s?

Der Frankfurter Fintech-Investor Finlab hat Mittwochabend, 17.59 Uhr, per Ad-hoc mitgeteilt, dass seine wichtigste Beteiligung, nämlich der Hamburger Einlagen-Vermittler Deposit Solutions, die Deutsche Bank als Investor gewonnen hat und im Zuge der Funding-Runde nun mit mehr als 1 Mrd. Euro bewertet werde.

Warum gibt es Zweifel an dieser Darstellung?

Nicht unbedingt Zweifel. Aber bislang eben auch keine Klarheit. Denn aus der Ad-hoc ging nicht hervor, wie die Bewertung zustande kommt.

Was war der Stand diese Nacht?

Der beruhte auf der „Handelsblatt“- Berichterstattung, in der es hieß:

„Wie viel genau die Deutsche Bank zahlt, ist unklar. Rein rechnerisch ist der Anteil rund 50 Millionen Euro wert – fünf Prozent von einer Milliarde Euro. Doch die Bank musste den Kaufpreis nicht komplett in bar begleichen. In Finanzkreisen heißt es, etwa knapp zur Hälfte hätte die Bank die Summe in bar beglichen. Für den Rest müsse die Bank bestimmte Leistungsindikatoren erfüllen, etwa was das vermittelte Einlagenvolumen anbelangt oder den Zugang zu weiteren Kunden.“

Finanz-Szene.de merkte hierzu an:

„[…] Aus dem „HB“-Artikel geht unzweideutig hervor, dass die Deutsche Bank jetzt 4,9% der Anteile hält, allerdings nur zwischen 20 und 25 Mio Euro hierfür bezahlt hat. Daraus ergibt sich unserem Casio zufolge zunächst einmal ein Unternehmenswert von grob gesagt 400 bis 500 Mio. Euro. Allerdings: Wenn wir es richtig verstehen, hat die Deutsche Bank neben der Cash-Injektion bestimmte nicht-finanzielle Zusagen gemacht […] Wenn stimmt, was das „HB“ schreibt, dann wurde den nicht-finanziellen Zusagen ein fiktives Preisschild umgehängt, und auf dieses Preisschild wurde ein Preis von mindestens 25 bis 30 Mio. Euro geklebt, sodass sich eine theoretische Gesamt-Bewertung des Deutsche-Bank-Anteils von mehr als 50 Mio. Euro – und damit des Unternehmens von mehr als 1 Mrd. Euro – ergibt. Unser erster Eindruck: Das fühlt sich alles ein bisschen luftig an, allerdings lassen wir uns von den beteiligten Parteien heute gern eines Besseren belehren.“

Was ist nun Sache?

Nach Finanz-Szene.de-Informationen soll es letztlich so sein:

  • Die Bewertung von > 1 Mrd. Euro beruht rein auf der Cash-Komponente
  • Diese Cash-Komponente beträgt die vermuteten 20-25 Mio. Euro
  • Dafür kriegt die Deutsche Bank rund 2% der Anteile
  • Daraus wiederum ergibt sich die Bewertung von > 1 Mrd. Euro

Das Delta zwischen den 2% und den 4,9% muss sich die Deutsche Bank nun gewissermaßen nach und nach verdienen. Die hierzu definierte Sacheinlage sieht vor allem vor, dass die Deutsche Bank ihr eigenes Einlagen-Portal „Zinsmarkt“ (das auf der Whitelabel-Plattform von Deposit Solutions basiert) noch stärker pusht und nicht mehr nur den eigenen Retailkunden, sondern z.B. auch der Wealth-Management-Klientel oder den Kunden der Töchter Norisbank und Postbank zur Verfügung stellt. Deposit erhofft sich davon (neben zusätzlichen Gebühreneinnahmen), dass die eigene Plattform quasi zu einem Industriestandard für die Vermittlung von Spareinlagen wird.

Ist Deposit nun also ein Unicorn?

Wenn die informationen wirklich zutreffen, dann rechnerisch ja. Ob es generell sinnvoll ist, auf Basis von 2% der Anteile eine Bewertung von 100% abzuleiten, ist eine andere Frage. Die allerdings wurde schon oft gestellt und ist am Ende vielleicht auch ein bisschen müßig.

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