Kurz gebloggt

Kann es wirklich sein, dass N26 schon 2,3 Mio. Kunden hat?

15. Januar 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Diverse besorgte Leser teilten uns in den letzten Tagen mit, dass das mit den 2,3 Mio. Kunden doch irgendwie gar nicht stimmen könne. Dazu dreierlei: 1.) Ja, die Zahl ist krass. 2.) Trotzdem ist sie aus unserer Sicht nicht völlig unplausibel, auch wenn 3.) in der Tat auffällt, dass N26 lange Zeit relativ moderat gewachsen ist, bevor dann 2018 plötzlich die Post abging (denn die Wachstumskurve ist schon seeeeehr exponentiell …)

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Sorry nun erst einmal, dass wir zu doof sind, bei unserem Grafik-Tool die Beschriftung der x-Achse hinzukriegen. Ganz links müsste eigentlich „2015“ stehen und ganz rechts „2019“. Jedenfalls: Wir haben da jetzt nix gestaucht oder manipuliert oder so, sondern bloß aus den veröffentlichten Zahlen zehn ungefähre Datenpunkte generiert und dann unser widerspenstiges Tool gebeten, hieraus eine Kurve zu fertigen (d.h.: Die wirklich Kurve verläuft nicht exakt, aber fast so, wie hier dargestellt).

Besonders interessant sind die beiden letzten Datenpunkte. Ende November verkündete N26 zunächst via „TechCrunch“ und wenige Tage später auch im eigenen Blog, man sei bei 2 Mio. Kunden angelangt. In der am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung war dann von „mehr als 2,3 Mio. Kunden“ die Rede. Mithin muss N26 binnen sechs Wochen über 300.000 Kunden  gewonnen haben. Das deckt sich in etwa mit der Aussage von N26-Chef Valentin Stalf in einem Interview mit der „Welt“ vergangene Woche: „Derzeit gewinnen wir europaweit Tag für Tag mehr als 10.000 neue Kunden hinzu.“ (wir vermuten, er meint die Wochentage).

Die besorgten Leser verweisen nun auf einen bereits Anfang Januar erschienenen Artikel bei den Kollegen von „Gründerszene“. Die hatten mithilfe des Analysetools „Priori Data“ nämlich die Download-Zahlen von N26 und des britischen Rivalen Revolut verglichen.

Resultat:

  • Aus dem Apple-Store wurde die N26-App im Dezember rund 95.000-mal heruntergeladen
  • Die Android-App von N26 wurde 98.000-mal aus dem Google-Store gezogen

Soweit wir wissen, braucht der Kunde, um sich bei N26 anzumelden, zwingend die entsprechende App – selbst wenn er den Onboarding-Prozess vom Desktop aus begonnen hat. Doch selbst wenn die „Conversion Rate“ nun bei 100% läge (was sie natürlich nicht tut, selbst 60-70% wären extrem gut), könnte N26 den Priori-Daten zufolge rein logisch im Dezember nicht mehr als 193.000 Kunden gewonnen haben (nun gut, rein theoretisch kann man sich natürlich im September die App runterladen und trotzdem erst im Dezember Kunde werden. Aber so haarspalterisch sollen wir jetzt nicht werden, oder?).

Was nun aber entscheidend ist: Priori Data besitzt nicht die tatsächlichen Download-Zahlen von N26 (die besitzt nur N26 selber), sondern nähert sich den realen Werten auf Basis unterschiedlicher sozusagen externer Datenquellen. Es handelt sich also um Schätzungen. Unser Bauchgefühl sagt nun: Dass die Zahlen des Analysetools die wirklichen Zahlen dann doch ein gutes Stück verfehlen, dürfte wahrscheinlicher sein als die Annahme, dass N26 seine Zahlen massiv aufhübscht. Oder anders gewendet: Die relativen Aussagen, die sich aus den Priori-Daten ergeben (nämlich: extremes Wachstum, imposante Aufholjagd im Vergleich zu Revolut) stützen die Aussagen von N26 eher, als dass sie sie schwächen – selbst wenn Restzweifel bleiben mögen.

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