Exklusiv

Knatsch bei Finanzchef24 – Geschäftsführer schmeißt hin

5. Juli 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Das Münchner Fintech Finanzchef24 verliert seinen dritten Geschäftsführer innerhalb von zweieinhalb Jahren. Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de hat Moritz Winter das Versicherungs-Startup per Ende Juni auf eigenen Wunsch verlassen. Es habe Dissonanzen mit Co-Geschäftsführer Benjamin Papo über die weitere Firmenpolitik gegeben, sagen unsere Quellen. Der frühere ING-Diba-Manager Papo war Anfang 2017 zu Finanzchef24 gekommen. Bald darauf gaben die beiden Gründer Felix Schollmeier (inzwischen McKinsey) und Hendrik Rennert ihre Geschäftsführer-Posten auf.

Den Informationen von Finanz-Szene.de zufolge kam es bei dem 2012 gegründeten Insurtech im zurückliegenden dreiviertel Jahr auch unterhalb der Geschäftsführung zu einer Reihe von Abgängen. Konkret verließen demnach folgende Führungskräfte das Unternehmen:

  • Katharina Funk, Produktchefin
  • Raphael Pigulla, Leiter IT
  • Stefan Boneß, Head of Sales
  • Christian Parschik, Leiter Partnermanagement

Robert Haselsteiner vom Finanzchef24-Investor HW Capital bestätigte im Gespräch mit Finanz-Szene.de die Abgänge – betonte allerdings, es handele sich „um natürliche Fluktuation im Rahmen eines Führungswechsels“. Alle wichtigen Positionen im Unternehmen seien „sehr gut und zukunftsgerichtet besetzt“. Mutmaßungen, das Münchner Fintech könnte unter generellen Problemen leiden, trat Haselsteiner entschieden entgegen – und nannte (was Fintechs sonst eher selten tun) konkrete Zahlen:

Der Kundenbestand habe Ende letzten Jahres 30.800 betragen, ein Wachstum von 56% im Vergleich zum Vorjahr und von 420% gemessen am Stand von Ende 2015. Die Jahresnettoprämien hätten  bei 9,0 Mio gelegen, in Relation zum Vorjahr ein Plus von 64%. „Wir verzeichnen also deutliche Zuwächse, obwohl man natürlich immer auch noch schneller wachsen kann. Genau das ist der Anspruch, und dieser Anspruch führt eben manchmal auch dazu, dass es zu personellen Veränderungen kommt“, sagte Haselsteiner.

Finanzchef24 ist spezialisiert auf die Vermittlung von Gewerbeversicherungen – für digitale Player ein herausforderndes Feld, weil berufsbezogene Policen schwieriger zu standardisieren sind, als das bei privaten Versicherungen der Fall ist. „Exemplarisch ausgedrückt: Eine Rechtsanwaltskanzlei bringt ganz andere, viel höhere und deutlich komplexere Risiken mit als ein freiberuflicher Fitnesstrainer. Während also der Fitnesstrainer seine Versicherung komplett digital abschließen kann, braucht’s bei der Kanzlei noch eine telefonische Beratung“, so Haselsteiner. Dennoch würden bei Finanzchef24 inzwischen 50% aller Policen direkt abgeschlossen.

Zu den Investoren von Finanzchef24 gehören neben HW Capital (das ist die VC-Gesellschaft der beiden Interhyp-Gründer, also neben Haselsteiner noch Marcus Wolsdorf) der Münchner VC Target Partners, die Grenke-Bank und das Family-Office der Industriellenfamilie Schuler-Voith. Anfang Juni hätten die Altinvestoren weitere 500.000 Euro ins Unternehmen gegeben, sagte Haselsteiner. Die bislang größte öffentlich kommunizierte Funding-Runde stammt aus 2016, damals flossen 4 Mio. Euro in das Insurtech.

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