Exklusiv

Luxus-Gehälter beim Frankfurter Fintech Creditshelf

9. April 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Erzählen einem die  Fintech-CEOs nicht immer, wie sehr sie sich bei den Gehältern bescheiden, weil a) immer alles Geld in die Company gehört und b) den Investoren etwas anderes ohnehin nicht zu vermitteln sei? Nun ja: Beim KMU-Kredit-Vermittler Creditshelf war zumindest 2018 nicht viel mit Bescheidenheit (wie wir im kürzlich veröffentlichen Geschäftsbericht entdeckt haben). Trotz Mini-Belegschaft belief sich der Personalaufwand auf 3,8 Mio. Euro – was etwa 150.000 Euro pro Kopf entsprach und damit selbst für eine deutsche Bank sehr viel Geld gewesen wäre (siehe zum Vergleich den großen „Finanz-Szene.de“-Gehaltsreport aus dem letzten Jahr). Wie kam’s dazu?

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Schauen wir in den Anhang des Finanzberichts, Seite 117:

„Hauptsächliche Ursache für die Erhöhung der Personalaufwendungen ist die Gewährung eines Retention-Bonus in Höhe von 1.792,5 TEUR (im Vorjahr: 0,0 TEUR) an leitende Mitarbeiter. Dieser Bonus wurde leitenden Mitarbeitern zum 3. Quartal ausbezahlt, um die besonderen Leistungen im Zusammenhang mit dem Börsengang zu würdigen und gleichzeitig einen Anreiz zu setzen, auch künftig entsprechende Leistungen zu erbringen.“

Schauen wir zudem in den Vergütungsbericht, Seite 69f

„Die Dienstverträge aller drei Vorstandsmitglieder sehen insgesamt ein jährliches Bruttofixgehalt in Höhe von 300 TEUR vor. […] Für den Fall des erfolgreichen Börsengangs der Gesellschaft bestanden zwischen [dem Vorstand] Dr. Mark Währisch und der Gesellschaft gesonderte Vereinbarungen. Zum einen eine einmalige zusätzliche Zahlung als Anreiz zum längerfristigen Verbleib in der Gesellschaft sowie eine Zahlung zur Abgeltung seiner Ansprüche aus dem sogenannten virtuellen Beteiligungsprogramm der creditshelf GmbH vom 4. November 2015. […] Im Berichtsjahr 2018 betrug die Gesamtvergütung des Vorstands 1.724 TEUR. Dies beinhaltet auch gezahlte Vergütungen vor Wandlung in eine Aktiengesellschaft.“

Halten wir also fest:

  1. Die Fix-Gehälter der Vorstände sind durchaus stattlich
  2. Im Zuge des Börsengangs wurden bemerkenswert hohe Boni gezahlt bzw. fällig
  3. Die Boni erreichten mit 1,8 Mio. Euro fast die Höhe des Umsatzes (2,4 Mio. Euro)
  4. Von den Boni-Zahlungen scheint Vorstand Währisch besonders profitiert zu haben – vermutlich, weil die beiden anderen Vorstände (die auch die Gründer sind) schon anderweitig incentiviert waren, nämlich über die Aktienanteile
  5. Bereinigt man die Personalkosten um die Boni, so landet man bei grob gerechnet 2 Mio. Euro, was 80.000 Euro je Kopf ergibt (immer beachten: inklusive Arbeitgeberanteil). Das entspräche schon eher dem, was man sich unter dem durchschnittlichen Personalaufwand eines Fintechs vorstellt.

* Zu dieser recht freihändig errechneten Zahl unsererseits eine Fußnote: Zu Jahresbeginn waren es 17 MA, am Jahresende 33 MA. Wir gingen daher von einem Durchschnitt von 25 MA übers Jahr aus. Hinzu kommt: Es handelte sich um Vollzeit-Äquivalente. Wären wir ein seriöse Medium, hätten wir also die Formulierung „geschätzte rund 150.000 Euro je VZÄ-Kopf“ wählen müssen. 

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