Mega-Funding: 43 Mio. Euro für Crowdinvesting-Fintech Exporo

14. Juni 2019

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Die Serie an Rekord-Finanzierungen für deutsche Finanz-Startups geht weiter – wobei es nun zum ersten Mal ein Segment trifft, das bislang eher ein Nischendasein führte: Crowdinvesting. Satte 43 Mio. Euro pumpen deutsche und internationale Venture-Capital -Investoren in den hiesigen Marktführer Exporo, wie Gründer und CEO Simon Brunke gestern im Gespräch mit Finanz-Szene.de und „Gründerszene“ verriet. Rund die Hälfte der Summe kommt von Partech, einem global tätigen VC-Spezialisten, der hierzulande unter anderem an Auxmoney und Acatus beteiligt ist. Daneben hätten auch die Altgesellschafter e.ventures, Holtzbrinck Ventures und Heartcore mitgezogen, sagte Brunke.

Exporo wurde 2014 gegründet und war die erste Crowd-Plattform, die sich konsequent auf die Finanzierung von Immobilien fokussierte – während früher gestartete Anbieter wie Companisto und Seedmatch auf die Finanzierung von Startups setzten. Diese strategische Grundausrichtung von Exporo zahlt sich heute aus: Während hiesige Schwarmanleger im 2018  laut Daten von „crowdfunding.de“ gerade mal 80 Mio. Euro in junge Unternehmen investierten, flossen in Immo-Crowd-Projekte erstaunliche 210 Mio. Euro.

Hiervon wiederum entfielen 125 Mio. Euro allein auf Exporo, ein Marktanteil von rund 60%. Die Hanseaten waren damit doppelt so groß wie die vier wichtigsten Wettbewerber (Zinsbaustein, Engel & Völkers, Bergfürst und Zinsland) zusammen.  Insgesamt hat Exporo nach eigenen Angaben bislang 195 Projekte finanziert. Das vermittelte Kapital beläuft sich auf 425,5 Mio. Euro, wovon Crowd-Anleger bislang 138,4 Mio. Euro zurückerhalten haben.

Das Exporo-Modell sieht klassischerweise so aus, dass Anleger über faktische Nachrangdarlehen kurzfristige Projekt-Finanzierungen bereitstellen. Von Verbraucherschützern wird dieses Modell zwar regelmäßig kritisiert, weil im Zweifelsfall die Banken vor den Schwarmanlegern  bedient würden. Bei Exporo ist es nach eigenen Angaben bislang aber zu keinerlei Ausfällen gekommen – auch weil das Unternehmen natürlich vom Immobilienboom profitiert. Zudem weist Brunke darauf hin, dass Exporo seit 2017 auch andere Finanzierungsformen an bietet – und zwar auch solche, die im ersten Rang grundschuldlich besichert seien.

Zu Umsatzzahlen will sich Brunke nicht äußern – sie dürften sich 2018 nach Informationen von Finanz-Szene.de aber auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag belaufen haben. Der Cashburn scheint – trotz mittlerweile 140 Mitarbeitern und hoher Marketingausgaben – vergleichsweise moderat zu sein. So zeigen Auswertungen von alten Geschäftsberichten, dass Exporo per Ende 2017 auf kumulierte Verluste von gerade mal knapp 6 Mio. Euro kam (siehe unsere große Cashburn-Tabelle zur deutschen Fintech-Branche). So ist es durchaus glaubwürdig, wenn Brunke sagt, sein Unternehmen arbeite „in diesem Jahr schon profitabel“ und brauche die neue Finanzierung nur „um weiter in Neukunden, Technologie und Personal zu investieren“.

Mit den 43 Mio. Euro will Exporo zum einen den Schritt ins Ausland wagen, „wenn auch hanseatisch vorsichtig“, wie Brunke sagt. Die ersten Zielländer seien Frankreich und die Niederlande. Zum anderen will Exporo sein Investmentmodell verfeinern, was unter anderem bedeute, die Anteile an den Immobilien handelbar zu machen. „Liquidität am Zweitmarkt für Immobilieninvestments ist die ganz große Vision“, so Brunke. Langfristiges Ziel sei der Aufbau eines Echtzeit-Handelsplatzes, „über den Immobilien-Anteile wie Aktien an der Börse gehandelt werden.

Holtzbrinck-Ventures-Partner Christian Saller gab gegenüber Finanz-Szene.de zu protokoll, Exporo sei ein Beispiel, „wie digitale Technologien komplett neue Zugänge zu traditionellen Sektoren schaffen können“.

Lesen Sie zudem hier unsere Analyse: Fintech-Investoren verteilen ihr Geld auf immer mehr Segmente.

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