Kurz gebloggt

Millionen-Funding für Checkout.com befeuert Payment-Hype

7. Mai 2019

Von Christian Kirchner

Da haben wir doch vergangenen Freitag das (sehr spät eingetrudelte) größte Serie-A-Funding aller Zeiten für ein europäisches Fintech zu einer Kurzmeldung verklappt: Umgerechnet 205 Mio. Euro kassiert der britische Payment Service Provider Checkout.com von gut einem halben Dutzend Investoren, darunter Insight Partners (bekannt für Hellofresh, Shopify), DST Global und Singapurs Staatsfonds. Das hebt die Bewertung von Checkout.com laut den Deal-Details von Reuters auf knapp 2 Mrd. US-Dollar.

Als kleine Wiedergutmachung hier die wichtigsten Informationen zu Checkout.com und dem Deal:

  • Um wen es geht: Checkout.com ist ein Payment Service Provider, mithin also ein Konkurrent etwa auch von Konzernen wie Worldpay, Adyen oder Wirecard. Konkret schließt das Unternehmen seine Kunden – etwa Adidas, Deliveroo, Transferwise oder die britische Fitnesskette Virgin Active – direkt an das inländische Acquiring-Geschäft an. Damit ist Checkout.com eher der stille Abwickler im Hintergrund. Die Kunden – also Händler- können dann Zahlungen in allen wichtigen Debit- und Kreditkarten, aber auch Paypal, Apple Pay und Co. akzeptieren. Hinzu kommen Analytikdienstleistungen und die Betrugsprävention. So weit, so beliebig die Leistung in einem extrem fragmentierten und umkämpften PSP-Markt. Was Checkout.com nach eigener Auskunft besonders macht, ist der Plattformgedanke und die grenzüberschreitende Abwicklung. Die Plattform ist nicht aus den branchenüblichen Fusionen und Übernahmen entstanden, sondern von „Grund auf“ neu aufgebaut worden. Für jeden Kunden können dabei individuelle Features erarbeitet werden – etwa die laufende Umrechnung osteuropäischer Währungen für einen lokalen Markt – die Kunden erhalten sie jedoch nicht exklusiv. Stattdessen werden sie in das allgemeine Angebot integriert. Die Selbstauskunft des Gründers und CEOs Guillaume Puisez in acht Antworten. (Medium.com)
  • Mit konkreten Zahlen geizt das 2012 gegründete Checkout.com, gibt aber an, 345 Mitarbeiter zu haben, davon 200 im Hauptquartier in London. Laut „WSJ“ hat Checkout im Jahr 2017 47 Mio. US-Dollar Umsatz und 7 Mio. US-Dollar Gewinn erwirtschaftet (WSJ). Zahlen für 2018 liegen keine vor, das Unternehmen schmückt sich aber mit der Angabe, das abgewickelte Volumen gegenüber 2017 verdreifacht zu haben und weiter hochprofitabel zu arbeiten.
  • Was der Deal vor allem zeigt: dass der „Hype“ im Payment-Markt weiter geht – und das Interesse an Europa wächst. In fünf der sechs größten VC/M&A-Deals in der globalen Fintech-Branche waren Payment-Konzerne beteiligt, etwa Ant Financial, Verifone, iZettel, und Worldpay. Das setzt sich offenbar 2019 fort: Für das erste Quartal 2019 errechnet das Portal Fintech Global zwar einen leichten Rückgang der Anzahl der Payment-Deals gegenüber dem ersten Quartal 2018, allerdings eine annähernde Verfünffachung der investierten Mittel. Sie stiegen bereits vor dem Checkout-com-Funding auf umgerechnet 2,8 Mrd. Euro. Und – auch dafür steht der Checkout.com Deal exemplarisch – das Interesse verschiebt sich immer stärker weg von Nordamerika, hin zu Europa, wo im ersten Quartal 37% aller Payment-Deals stattfanden verglichen mit nur 22% in Nordamerika. Noch 2014 bis 2018 war Nordamerika die aktivste Region in Sachen Payment-Deals, verliert den Status nun aber an Asien und Europa….
  • … was nicht verwundert, sehen Investoren hier noch Nachholpotenzial und  hoffen, früh dabei zu sein, wenn der Markt verteilt wird – und vermutlich auf eine Wiederholung des Effekts von Adyen, einem direkten (wenngleich vielfach größeren) Checkout.com-Rivalen im Payment-Markt: Die Niederländer sammelten vorbörslich 266 Mio. US-Dollar ein, mit dem Börsengang nochmal 400 Mio. US-Dollar – und sind an der Börse inzwischen 20 Mrd. Euro wert. Das entspricht einer Verzehnfachung des Unternehmenswerts binnen nicht einmal zwei Jahren. Aber eben auch einer Bewertung mit dem rund 150fachen der Gewinne.

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