Analyse

Moonfare: Wie gut ist Berlins bestfrisiertes Fintech wirklich?

26. Mai 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Es gibt hierzulande Fintechs, die strampeln seit Jahren – und kommen doch nicht aus dem Quark. Es gibt aber auch solche, die wie Kai aus der (Sand-)Kiste hüpfen – und wo es dann plötzlich heißt: 25 Mio. Euro Funding- Bäm! 100 Mio. Euro verwaltetes Vermögen: Bäm!

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Und dann geht man auf die Website, klickt auf den Reiter „Who we are“ und denkt: „What the f***?“. Wo kommen denn die ganzen Mitarbeiter alle her? Und warum sind die teilweise so hammermäßig gut frisiert?

Und schließlich fällt einem ein, dass Finanz-Szene.de ja nicht gegründet wurde, um die Gel-Dichte, sondern um die Zahlen von Deutschlands Banken und Fintechs zu hinterfragen. Lesen Sie also hier unsere kleine Analyse: Wie gut ist Berlins neuer Fintech-Darling Moonfare wirklich?

1.) Was genau macht Moonfare?

Das Berliner Fintech hat es sich zur Aufgabe gemacht, wohlhabenden, aber nicht wirklich reichen Menschen den Zugang zu Private-Equity-Fonds zu ermöglichen und an den Gebühren zu verdienen. Traditionell ist es so, dass – wer bei den KKRs, Permiras oder Carlyles dieser Welt investieren möchte – mindestens eine siebenstellige, eher aber noch eine achtstellige Summe mitbringen muss. Moonfare dagegen steht Anlegern schon ab 100.000 Euro, in Deutschland ab 200.000 Euro offen. Über eine Plattform-Lösung werden diese Summen gepoolt und dann en bloc in ausgewählte Private-Equity-Fonds investiert.

2.) Wer steht hinter Moonfare?

Gründer sind der frühere KKR-Direktor Steffen Pauls und ein weiterer ehemaliger KKR-Mann, nämlich der Grieche Alexander Argyros. Pauls firmiert als Chairman, Argyros als CEO von Moonfare. Zusammen mit einigen Frühphasen-Investoren stehen die beiden zudem hinter einem Luxemburger Vehikel namens „SP Global Partners“. Dieses hielt laut Handelsregister zuletzt knapp 70% an der Moonfare GmbH – wobei der Anteil im Zuge der jüngsten Finanzierungsrunde auf rund 50% gesunken sein soll. Das Funding erstreckte sich über zwei Phasen und summierte sich auf zusammen 25 Mio. Euro. Das Geld soll von rund 100 verschiedenen Geldgebern gekommen sein, darunter der frühere KKR-Partner Henrik Kraft und Thomas Ebeling, ehemaliger Chef des Medienkonzerns ProSieben Sat1 (der ja mal Permira und  KKR gehörte). Kurzum: Moonfare scheint kein klassisches, über institutionelle VCs finanziertes Startup zu sein, sondern mutet – jedenfalls für den Moment – eher wie ein Rich-Boys-Netzwerk-Fintech an. Interessant: Unter den 34 namentlich auf der Website aufgeführten „Shareholdern“ ist keine einzige Frau.

3. Was an Moonfare ist neu oder gar disruptiv?

Naja, es ist nicht so, als wäre aus der „alten Welt“ noch nie jemand auf die Idee gekommen, die Einstiegshürden für Private-Equity-Investments zu senken. Zumal die Politik (für alle Connaisseure: gemeint ist das Stichwort „Eltif“-Verordnung) die traditionellen Banken und Asset Manager durchaus in genau diese Richtung drängt. Die Deutsche Bank etwa bietet gemeinsam mit der Partners Group ein entsprechendes Produkt an, auch der Asset Manager Muzinich & Co. hat bereits einen „Eltif“-Investmentfonds gelauncht. Und bevor wir’s vergessen:  Im Graumarkt für geschlossene Fonds gibt es schon seit Ewigkeiten Private-Equity-Beteiligungen auch für kleinere Anlagesummen.

Gleichwohl: Soweit wir’s überblicken, ist das Moonfare-Modell zumindest am deutschen Fintech-Markt neu – auch wenn das Angebot des Berliner Edel-Robos  Liqid in eine ähnlich Richtung geht. Laut „Reuters“ kommen die Vorbilder von Moonfare unterdessen aus den USA. Dort hätten die Anbieter ICapital Network und Artivest bis Ende 2018 beide schon jeweils mehr als 5 Mrd. Dollar für ihre Kunden verwaltet.

Was das technische (und regulatorische …) Setup angeht, heißt es derweil in einer vergangene Woche von Moonfare versandten Pressemitteilung:

„Moonfare [bietet] einen sicheren, vollständig digitalen End-­to-­
End-­Investmentprozess, bei dem sich interessierte und qualifizierte Investoren in weniger als 15 Minuten registrieren, ihre Identifikation bestätigen, Fondsdokumente einsehen, Zuteilungsanträge stellen und Anlagedokumente unterzeichnen können.“

Ob’s wirklich so schnell geht, sei mal dahingestellt. Spannender ist die Stoßrichtung: Moonfare will nicht nur die finanziellen Eintrittsbarrieren senken, sondern den Investmentprozess als solchen soweit verschlanken, dass sich in „Alternative Assets“ genauso relativ simpel investieren lässt wie über einen Robo Advisor in den Aktienmarkt.

4. Wie sind die bislang von Moonfare kommunizierten Zahlen einzuordnen?

Mit der zweigeteilten Series-A-Runde in Höhe von 25 Mio. Euro sortiert sich Moonfare Pi mal Daumen unter den deutschen Top-20-Fintechs ein. Und was die verwalteten 100 Mio. Euro angeht: Die sind durchaus ein Wort, wenn man bedenkt, dass von den vielen Robo Advisorn hierzulande gerade mal sechs die 100-Mio.-Euro-Grenze ebenfalls schon durchbrochen haben (falls Sie noch zwei Vergleichsgrößen wünschen: Der 2017 gestartete Lenny-Fischer-Kai-Diekmann-Fonds steht bei 16 Mio. Euro, die drei im selben Jahr aufgelegten ETF-Dachfonds der ING Diba kommen aggregiert auf 35 Mio. Euro).

Gleichwohl:  Bereits per August 2018 war Moonfare bei knapp 50 Mio. Euro Assets under Management, lässt sich aus damaligen Interviews ableiten. Als Ziel für Ende 2019 wurden seinerzeit 350 Mio. Euro genannt. Wenn Moonfare nun also per Pressemitteilung vom  22. Mai mitteilt, die Marke von 100 Mio. Euro „überschritten“ zu haben – dann lässt sich so ganz grob ableiten: In den nächsten sieben Monaten müssten die Berliner etwas fünfmal so viel Geld einsammeln wie in den zurückliegenden rund neun Monaten, um die Zielvorgabe zu erreichen. (Hinweis: Im Gespräch mit Finanz-Szene.de präzisierte CEO Argyros am Freitag, man habe die 100-Mio.-Euro-Marke tatsächlich schon „vor ein paar Wochen“ erreicht. Dadurch verändert sich unsere Rechnung also leicht. Hinter das „exponentielle“ AuM-Wachstum, von dem in der Pressemitteilung die Rede ist, würden wir trotzdem ein ganz kleines Fragezeichen machen).

Mindestens ebenso spannend wie die Höhe des verwalteten Vermögens ist aus unserer Sicht die Frage, von wem das Geld kommt. Denn: Plausiblerweise darf man davon ausgehen, dass viele Mitglieder des beschriebenen Rich-Boys-Zirkels nicht nur ins Unternehmen, sondern auch ins Anlageprodukt investiert haben.  Wie viel Geld kommt also schon von „echten“ Kunden in dem Sinne, dass sie eben nicht der Friends&Family-Sphäre rund ums Moonfare-Netzwerk angehören? Oder anders gefragt: Inwieweit ist das Berliner Fintech – Stand heute – schon mehr als ein digitaler Investmentklub?

An dieser Stelle zeigt sich das Unternehmen eher wortkarg, gibt Journalisten aber immerhin ein paar Beispielrechnungen an die Hand, die darauf hinauslaufen: Die gut 100 Mio. Euro sollen sich in jedem Fall auf mehr als 200 Einzelinvestoren verteilen – vielleicht sind es aber auch schon deutlich mehr. Auch hier zur Einordnung: Mitte August 2018 wurde eine Zielvorgabe von 2000 Kunden bis Ende 2019 ausgegeben.

5. Was ist die Vision von Moonfare?

Bis 2021 soll das verwaltete Vermögen mindestens 1 Mrd. Euro betragen. Auf Sicht sollen Anleger über die Plattform über Private Equity hinaus auch in weitere alternative Assetklassen wie Infrastruktur oder Venture Capital investieren können.

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