Exklusiv

So sieht die GuV des deutschen Rekord-Fintechs aus

29. August 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Das Hamburger Startup Finanzcheck hat dieser Tage  im Bundesanzeiger seinen 2016er-Abschluss veröffentlicht – was uns insofern berichtenswert erscheint, als ebendieses Startup jüngst für ziemlich erstaunliche 285 (!) Mio. Euro an Scout24 verkauft wurde, der bislang teuerste Fintech-Exit hierzulande.

Wie also sieht die Gewinn- und Verlustrechnung eines solchen 285-Mio-Euro-Finanz-Startups eigentlich aus? Voilà:

2016 2015
1. Rohergebnis 24.358.408,38 17.561.558,94
2. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter -7.067.611,89 -4.462.354,17
b) Sozialabgaben -1.594.210,21 -939.692,29
3. Abschreibungen -341.075,88 -146.675,51
4. Sonstige betr. Aufwendungen -25.246.790,75 -19.126.995,38
5. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 378,21 44,88
6. Zinsen und ähnliche Aufwendungen -51.025,21 -68.058,78
7. Steuern von Ertrag und Einkommen -1,3 -0,52
8. Ergebnis nach Steuern -9.941.928,65 -7.182.172,83
9. Sonstige Steuern -880 -1.097,53
10. Jahresfehlbetrag -9.942.808,65 -7.183.270,36

Ohne nun den Fintech-Miesmacher geben zu wollen, sei die Feststellung erlaubt, dass die GuV nicht sofort darauf schließen lässt, dass wir es hier mit einem Rekord-Fintech zu tun haben. Denn:

  • Das Rohergebnis (sprich: der Umsatz) entspricht gerade mal einem Zwölftel des Kaufpreises.
  • Das Umsatzwachstum (bzw.: Der Zuwachs beim Rohergebnis) ist zwar kräftig, aber auch nicht über alle Maßen spektakulär.
  • Und die Verluste sind beachtlich.

Nun sollte betont werden: Wir haben es hier mit dem 2016er-Abschluss zu tun, nicht mit dem 2017er-Abschluss (2017 lag der Umsatz übrigens bei rund 35 Mio. Euro, wie man aus einer Analysten-Präsentation weiß …). Und doch: Auch die 2016er-Zahlen sollten eigentlich schon ein ganz gutes Bild von Finanzcheck zeichnen. Lässt sich der Kaufpreis von 285 Mio. Euro also doch aus dem Abschluss herleiten?

Zumindest zwei Dinge fallen positiv auf:

  • Finanzcheck wurde 2010 gegründet. Dass ein so junges Fintech überhaupt schon nennenswerte Umsätze generiert, ist nichts selbstverständlich.
  • Der Umsatz in Höhe von 24 Mio. Umsatz wurde mit einem Personalaufwand von nicht mal 9 Mio. Euro erwirtschaftet. Das deutet auf gewisse Hebel hin – zumal wenn man in Rechnung stellt, dass die Werbespendings (die sich hinter den „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ verbergen dürften) mit der Zeit relativ sinken sollten.

Und dennoch: Wirklich erklären lassen sich die 285 Mio. Euro nur, wenn man drei Faktoren berücksichtigt, die sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung allein eben nicht ergeben: 1.) Finanzcheck agiert als Vermittler von Ratenkrediten in einem Markt, der wahnsinnig viel Potenzial verspricht (siehe unsere Analyse vom 20. Juli). 2.) Scout24 erhofft sich Synergien durch die Verknüpfung von Finanzcheck mit Autoscout24. Und 3.) Natürlich ist der Kauf eines Startups fast immer eine Wette auf die Zukunft. In diesem Fall dürfte das ganz besonders gelten.

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