Exklusiv

Springer-Konzern steigt mit Robo Advisor ins Bankgeschäft ein

10. Juni 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Der Hype um die Robo Advisor hatte zuletzt ein bisschen nachgelassen: Die Assets under Management entwickelten sich bei den vielen Anbietern langsamer als erhofft; die Performance ließ teilweise zu wünschen übrig; und manche Banken machten ihre Robos sogar schon wieder dicht.

Nun allerdings könnte in den Markt für digitale Vermögensverwaltung plötzlich wieder ein bisschen Bewegung kommen. Denn: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ und „Startupdetector.de“ ist der Axel-Springer-Konzern beim vor wenigen Monaten gestarteten Robo Advisor „Oskar.de“ eingestiegen. Wie aus Handelsregister-Daten hervorgeht, hat sich der Medienkonzern über seine Tochter „Finanzen.net“ satte 44,4 % der Anteile gesichert und ist damit nun mit weitem Abstand größter Gesellschafter.

Der Einstieg von Axel Springer ins Bankgeschäft kommt für Branchenkenner nicht überraschend. So hatte Finanz-Szene.de anlässlich des Starts von „Oskar“ Anfang März bereits die Mutmaßung geäußert, dass hinter dem in Karlsruhe ansässigen Startup in Wirklichkeit der Berliner Medien-Gigant stehen könnte. Weil …

  • erstes Indiz: Die Gründer von „Oskar“ sind Jens Ohr und Peter Schille, die einst auch „Finanzen.net“ gegründet und das extrem reichweitenstarke Finanzportal später dann an Springer verkauft hatten.
  • Und, zweites Indiz: „Oskar“ war bei „Finanzen.net“ (also: bei Springer) gleich zum Launch-Termin ordentlich gepusht worden.

Gleichwohl hatte Jens Ohr seinerzeit im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ betont, Springer sei an dem Robo-Projekt nicht direkt beteiligt.

Das hat sich nun geändert. Nun die Motive von Springer dürften auf der Hand liegen: Mit laut AGOF-Zahlen zuletzt rund 4 Mio. Unique Usern im Mai gilt „Finanzen.net“ als eines der, wenn nicht sogar als das reichweitenstärkste B2C-Portal im Finanzbereich. Mit dem eigenen Robo Advisor hat Springer nun die Möglichkeit, den Traffic seines Portals nicht mehr nur indirekt (z.B. über Werbung) zu Geld zu machen, sondern die User gleich aufs eigene Produkt zu lenken.

Gänzlich neu ist diese Strategie freilich nicht. Vergleichsportale wie Check24 oder Smava schleusen in ihre Kreditvergleiche inzwischen auch eigene Angebote ein – werden also vom Produktvermittler zum Produktanbieter. Im Grund ist das nichts anderes als das, was Springer jetzt mit „Oskar“ macht. Was man zudem wissen muss: Zwischen der deutschen Fintech-Branche (der man ja auch „Oskar“ zurechnen darf) und der deutschen Medienbranche gibt es zahlreiche Verflechtungen:

  • Springer selbst zum Bespiel kaufte sich 2016 über seine Tochter „Welt N24“ beim Frankfurter Versicherungs-Fintech Clark ein, und zwar in Form eines „Media for Equity“-Deals. Das heißt: Es floss kein Geld, sondern „Welt N24“ zahlte seine Anteile in Form von Werbeleistungen.
  • ProSieben Sat1 sicherte sich mittels „Media for Equity“ in den letzten Jahren Anteile an gleich mehreren Fintechs – darunter Auxmoney.
  • Auch der Holtzbrinck-Verlag, der unter anderem das „Handelsblatt“ herausgibt, mischt in der Fintech-Branche kräftig mit – nämlich über seine Venture-Capital-Gesellschaft „DvH Ventures“, die unter anderem am Düsseldorfer KMU-Kreditvermitter Compeon beteiligt ist
  • Als der Hamburger Kreditvergleicher „Finanzcheck“ vergangenes Jahr seinen rund 270 Mio. Euro schweren Exit hinlegte, gehörte zu den größten Profiteuren der NWZ-Verlag (der die überschaubar berühmte Nordwest-Zeitung herausgibt).
  • Und wenn unsere Finanz-Szene.de-Datenbank keinen völligen Murks erzählt, dann müsste wiederum Axel Springer immer noch mit in diesem Fall sehr, sehr hübschen 0,74% am Berliner Milliarden-Fintech N26 beteiligt sein (weil nämlich N26 in ganz jungen Jahren mal den „Axel Springer Plug and Play“-Accelerator durchlaufen hat).

Jedenfalls: Dass Medienunternehmen laut PwC-Daten per Sommer 2018 der (gemessen an der Zahl der Beteiligung) größte deutsche Fintech-Investor hinter den Banken (und noch vor den Versicherern) waren, kommt so gesehen weniger überraschend, als es auf den ersten Blick scheint. Wobei es jüngst aber auch einen Fall zu bestaunen gab, bei dem sich ein großer Finanzkonzern ein Finanzportal sicherte. „Finanzen.de“ (nicht zu verwechseln mit „finanzen.net“ steht nämlich kurz vor der Übernahme durch die Allianz.

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