Exklusiv

SumUp-Schock: „Profitables“ Mega-Fintech tief in roten Zahlen

8. Juli 2019

Von Thomas Borgwerth und Heinz-Roger Dohms

Hätten die Gründer den Hauptsitz ihrer Firma nicht einst von Berlin nach London verlegt – SumUp würde heute als größtes deutsche Fintech gelten. Mehr als 1300 Mitarbeiter soll der 2011 gegründete Kreditarten-Spezialist beschäftigen, ein Spitzenwert, genauso wie die angeblich mehr als 1 Mio. B2B-Kunden. Und der Umsatz? 200 Mio. Euro hat SumUp letztes Jahr nach eigener Darstellung erwirtschaftet, auch damit liegt das Unternehmen vor allen anderen deutschen Finanz-Startups. Kein Wunder also, dass angesehene Startup-Experten den Wert des Unternehmens auf mehr als 3 Mrd. Euro veranschlagen.

Vor allem aber: Während die meisten anderen deutschen Finanz-Startups nach wie vor Geld verbrennen, hat SumUp-Gründer Marc-Alexander Christ vergangenes Jahr in diversen Interviews betont, dass sein Unternehmen seit zwei Jahren profitabel arbeite (siehe -> Tagesspiegel vom 18. Mai 2018, -> Deutsche Startups vom 26. September 2018). Eine, so scheint es, phänomenale Leistung der Payment-Firma, die Kleinhändlern ermöglicht, mithilfe eines Mini-Terminals Kartenzahlungen anzubieten.

Nun allerdings ist Finanz-Szene.de bei Recherchen auf Dokumente gestoßen, die zum Bild des profitablen Mega-Fintechs nicht recht passen wollen. Bei dem Kerndokument handelt es sich um den 2018er-Abschluss einer Gesellschaft namens „SumUp Holdings Luxembourg“. Das ist unseren Recherchen zufolge eine von insgesamt fünf SumUp-Firmen, die den Begriff „Holdings“ im Namen tragen.

Die SumUp Holdings Luxembourg scheint so etwas wie eine Zwischenholding zu sein. Sie hängt zwar unterhalb zweier andere Holdings (auf die wir später noch zurückkommen werden) – aber oberhalb der meisten operativen Gesellschaften, die sich dem deutsch-britischen Fintech zuordnen lassen.

Aus dem Abschluss der Zwischenholding geht nun Folgendes hervor:

  • Die irische SumUp Limited hat im vergangenen Jahr 1,6 Mio. Euro verloren, nach einem Gewinn von 0,5 Mio. Euro im Jahr zuvor
  • Die SumUp Services in Berlin hat einen Verlust von 11,2 Mio. Euro erlitten, nach einem Minus von 6,7 Mio. Euro in 2017.
  • Der Cashburn der SumUp Solucoes de Pagamentos Brasil lag nach 2,1 Mio. Euro im Jahr zuvor diesmal bei 17,4 Mio. Euro.
  • Die SumUp EOOD in Bularien hat einen Gewinn von 0,7 Mio. Euro nach einem Verlust von 0,5 Mio. Euro in 2017 erwirtschaftet.
  • Die ebenfalls zu SumUp gehörende Payleven Technologia LTDA in Brasilien ist  nach einem Gewinn  von 2 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr diesmal noch auf ein minimales Plus von knapp 37.000 Euro gekommen.
  • Nicht aufgeführt ist das Ergebnis der mutmaßlichen operativen Kerngesellschaft des Unternehmens, nämlich der britischen SumUp Payments Limited. Weil: Zwischen ihr und besagter Luxemburger Zwischenholding hängt noch eine weitere Gesellschaft namens „SumUp Holding CH AG“ (die 2018 übrigens eines Verlust von rund 80.000 Euro erlitten hat). Jedoch ist im britischen Handelsregister der 2017er-Abschluss der SumUp Payments Limited einsehbar – und auch da fiel der Gewinn mit 1,9 Mio. Euro  gemessen an den Verlusten anderer SumUp-Gesellschaften überschaubar aus.

Alles in allem kommen die im 2018er-Abschluss genannten Gesellschaften auf Verluste von saldiert knapp 30 Mio. Euro – zuzüglich 2,6 Mio. Euro, die die Zwischenholding selbst verloren hat (nach lediglich 0,2 Mio. Euro im Jahr zuvor).

Was die Frage aufwirft: Wo im SumUp-Reich fallen die Gewinne an, die diese Verluste überkompensieren? Beziehungsweise: War SumUp im vergangenen Jahr überhaupt profitabel?

Hier kommen nun die beiden Holdings ins Spiel, die sich oberhalb besagter Zwischenholding befinden (also oberhalb der SumUp Holdings Luxembourg, um die es bislang in diesem Artikel ging).

  • Da ist einmal: Die ebenfalls in Luxemburg ansässige SumUp Holdings, bei der es sich um die „Holding der Holdings“ zu handeln scheint – weshalb wir sie in der Folge als „Oberholding“ bezeichnen werden.
  • Dann gibt es unter der Oberholding, aber noch über besagter Zwischenholding die SumUp Midco Holdings. Auch sie sitzt in Luxemburg. Wir werden sie in der Folge einfach nur „Midco“ nennen.
  • Und darunter kommt dann, wie gesagt, die SumUp Holdings Luxembourg mit all ihren – saldiert betrachtet – verlustträchtigen operativen Töchtern. Diese Gesellschaft wollen wir in der Folge „Luxembourg“ nennen.

Also: 2017 hing die „Luxembourg“ noch direkt unterhalb der „Oberholding“. Entsprechend tauchte sie als finanzielles Asset in der „Oberholding“ auf, und zwar zu einem Buchwert von 56,3 Mio. Euro bei einem Eigenkapital von 50,0 Mio.

2018 schob sich dann aber die „Midco“ zwischen die „Luxembourg“ und die „Oberholding“. Entsprechend wurde die „Luxembourg“ damit zum finanziellen Asset der „Midco“ – allerdings nicht mehr zu einem Buchwert von 56,3 Mio. Euro, sondern nun plötzlich zu einem Buchwert von  105,5 Mio. Euro bei einem Eigenkapital von 67,8 Mio. Euro.

Während also die operativ tätigen Töchter der „Luxembourg“ 2018 teils sehr deutliche Verluste einfuhren, erhöhte sich ihr eigener Buchwert im gleichen Jahr um 49,2 Mio. Euro.

Jetzt gilt es zu beachten, dass die „Luxembourg“ 2018 noch eine Kapitalerhöhung in niedriger zweistelliger Millionenhöhe erhalten hat – was die Profitabilitäts-Rechnung verkompliziert. Doch ohne solche Feinheiten jetzt auch noch einzeln aufdröseln zu wollen: Grosso modo drängt sich der Verdacht auf, dass es die Erträge aus der Buchwerterhöhung gewesen sein könnten, die es der „Oberholding“ (deren Abschluss uns nicht vorliegt) eventuell ermöglicht haben könnten, für 2018 einen Gewinn auszuweisen.

Sonntagmittag: Finanz-Szene.de setzt SumUp über die Research-Ergebnisse schriftlich in Kenntnis. Montagvormittag: SumUp-Gründer Christ meldet sich per Telefon.

  • Den Details der Recherche widerspricht er nicht
  • Zu der Frage, wie die Erhöhung des Buchwerts bei der „Luxembourg“ zu erklären ist, will er sich nicht äußern
  • Und was die Kernfrage angeht, nämlich ob SumUp 2018 wirklich profitabel war, sagt er mit fast schon entwaffnender Selbstverständlichkeit: „Die Aussagen zur Profitabilität galten in der Tat nur für 2016 und 2017 – im vergangenen Jahr waren wir nicht profitabel.“ [Anm. der Redaktion: Wörtlich wurde Christ bei „Deutsche Startups" am 26. September 2018 mit der Aussage zitiert, man operiere „seit mehr als zwei Jahren profitabel"]. Wie hoch die Verluste ausgefallen sind, will Christ nicht sagen, nur so viel: „Es war deutlich negativ, weil wir viel in Wachstum investiert haben.“

Konkret führt Christ an, „dass wir in den 31 Core-Märkten, in denen wir inzwischen aktiv sind, die Investitionen ins Wachstum deutlich hochgefahren haben“. Das meiste Geld fließe in die Akquisition neuer Händler, wobei als Faustregel gelte: „Wenn wir die Summe x in die Gewinnung neuer Händler investieren, dann erhöht sich hierdurch unser Umsatz in 12 bis 15 Monaten ebenfalls um die Summe x.“

So also die Erklärung, warum das „profitable“ Superstar-Fintech also doch nicht profitabel ist. Jedenfalls nicht in 2018.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing