Kurz gebloggt

Und liebe Fintechs, was machen bei Euch die Kreditausfälle?

9. August 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Viel ist in den vergangenen Tagen an dieser und anderen Stellen über die Kreditausfälle der Commerzbank und sonstiger europäischer Banken räsoniert worden – was aber ist mit den Kreditausfällen bei den Fintechs?

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Interessant (und unschön) ist in diese Hinsicht eine Meldung, die gestern aus London zu uns herüberschwappte. Der größte europäische Marketplace-Lender für SME-Kredite, also Funding Circle, hat ziemlich ernüchternde Halbjahreszahlen vorgelegt – auch weil im UK-Geschäft satte 15% der Darlehen nicht so performen, wie sie es tun sollten, so die Financial Times (Paywall).

Nun ist UK bekanntermaßen Brexit-Land und damit ein Sonderfall. Was machen denn die Zahlen von Funding Circle Deutschland? Versuch einer Interpretation:

  • Für Deutschland nennt der Sechs-Monats-Bericht keine expliziten Ausfallraten. Allerdings ist der Statistik-Seite auf der deutschen Funding-Circle-Website zu entnehmen, dass von den 2016 vergebenen Krediten bis heute 12,5% ausgefallen sind (ganz genau genommen muss es heißen: Von den 2016 vergebenen Krediten sind, als diese im Schnitt 30 Monate alt waren, 12,5% ausgefallen). Schaut man sich hingegen die 2017 ausgereichten Darlehen an, liegt die Quote bei nur 4,1% – wobei diese Kredite im Schnitt ja auch zwölf Monate jünger sind.
  • Stammleser werden sich erinnern, dass wir uns die Ausfallraten bei Funding-Circle Deutschland schon öfter vorgeknöpft haben – zuletzt vor einem Jahr, als wir einen positiven Trend ausmachten. Gilt das nach wie vor?
  • Nicht unbedingt. Denn von den 2017 vergebenen Krediten waren, als diese im Schnitt sechs Monate alt waren, nur 0,5% ausgefallen. Bei den 2018er-Krediten hingegen sind es nach sechs Monate schon 1,0%. Die Datenbasis bzw. der Zeitraum sind noch zu dünn, um daraus eine Trendumkehr abzuleiten. Aber leichterdings beiseite wischen sollte man die Zahl auch nicht.
  • Noch interessanter wird das Ganze, wenn man sich die aktuellen Geschäftszahlen anschaut. Wie neulich schon angemerkt, lag das Kreditvolumen von Funding Circle Deutschland im ersten Halbjahr bei lediglich 53 Mio. Euro – nach 105 Mio. Euro in 2017 insgesamt. Also quasi Stagnation. Die gestern vorgestellten Sechs-Monats-Zahlen gehen nun zwar auf Deutschland nicht explizit ein, wohl aber auf die Region „Developing Markets“, die Deutschland und die Niederlande umfasst. Man erfährt: Der Umsatz in den „Developing Markets“ ist im ersten Halbjahr 2019 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum gerade mal um 25% auf 6,5 Mio. Pfund gestiegen – während die Verluste vor Steuern zeitgleich um 71% auf 6,0 Mio gestiegen sind. (Wobei die Verluste de facto höher sein müssten, weil Entwicklungskosten und Overhead-Kosten separat ausgewiesen werden).
  • Lange Rede, kurzer Sinn: Hierzulande stockt das Geschäft – während es in Deutschland PLUS den Niederlanden zwar noch leicht wächst – aber auf Kosten stark steigender Verluste. Dafür kann es viele Gründe geben. Aber ist die Vermutung sehr weit hergeholt, dass die Zahlen auch auf die Straffung von Kreditbedingungen hinweisen könnten?
  • Was sagt Funding Circle Deutschland selber? „Der wichtigste Gradmesser für das Risikomanagement einer Kreditplattform ist die Entwicklung der Renditen – in denen sich ja auch die Ausfallraten widerspiegelt. Und mit dieser Entwicklung sind wir sehr zufrieden.“

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