Research

Von N26 bis Finleap: Diese 18 Fintech-Startups zeigen ihren Umsatz

6. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Wie relevant sind Deutschlands Fintechs wirklich? Diese Frage beschäftigt uns seit dem Start von Finanz-Szene.de so sehr wie kaum eine andere – wobei die Antworten bislang immer den Charakter des Vorläufigen hatten, weil die allermeisten Finanz-Startups ihre wirklich wichtigen Geschäftszahlen für sich behielten.

Allmählich indes ändert sich das. Unsere Fintechs werden älter, sie werden größer, sie werden vorzeigbarer, und viele unterliegen schärferen Publizitäts-Pflichten. Die Folge: Immer mehr Anbieter gewähren Einblicke in ihr Allerheiligstes, nämlich in ihre Umsatzerlöse. Wobei sich das „immer mehr“ quantifizieren lässt: Finanz-Szene.de hat die Abschlüsse der 50 bedeutendsten seit 2009 gegründeten deutschen Finanz-Startups untersucht.  Davon machten 18 detaillierte Angaben zu ihren Erträgen, davon die Hälfte sogar für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Wie relevant sind Deutschlands Fintechs also wirklich? Hier die Antwort.

(Lesehilfe: Sie finden zuerst die Tabelle mit sämtlichen Fintechs, weiter unten dann Erläuterungen zu denen einzelnen Fintechs und wo ihre Erträge herkommen. Da die Umsätze – u.a. aufgrund des unterschiedlichen Alters der Unternehmen – nicht direkt vergleichbar sind, haben wir auf ein Ranking verzichtet und die einzelnen Anbieter stattdessen alphabetisch aufgelistet)

Erlöse (in Mio.) Jahr Veränd. zum Vorjahr Gründung
Aevi 43,6 € 2017 -24% 2015
Billie 1,2 € 2018 824% 2017
Billpay 28,2 € 2018 11% 2009
Creditshelf 2,2 € 2018 114% 2014
CRX Markets 0,9 € 2018 479% 2014
Decimo 0,7 € 2017 167% 2014
Deposit Solutions 5,7 € 2017 106% 2011
Elinvar 1,2 € 2018 1707% 2016
Finanzcheck 36,1 € 2017 50% 2010
Finleap 5,8 € 2017 151% 2014
Finreach 2,1 € 2018 36% 2014
Kreditech 71,0 € 2017 57% 2012
N26 11,0 € 2017 2010% 2013
Orderbird 9,3 € 2018 3% 2011
Ottonova 0,1 € 2017 k.A. 2015
Ratepay 24,0* 2017 62% 2009
Savedroid 0,0 € 2018 k.A. 2015
Solarisbank 12,1 € 2018 290% 2016

Quelle: Geschäftsberichte; Ratepay: Zahlen von März-Dez. 2017 (also nur 10 Monate umfassend)

Aevi

Die Diebold-Nixdorf-Tochter vertreibt ein mobiles Kassenterminal namens „Albert“. Drei Viertel des Umsatzes entfielen dem 2017er-Abschluss zufolge auf „Hardware“, ein Viertel auf „Software/Services“. Als Gründe für den Umsatzrückgang führt der Geschäftsbericht „die Komplexität und damit einhergehende erhöhte Anlaufzeit von Kundenprojekten sowie länderspezifische Regulierungen und Zulassungen“ an.

Billie

Das 2017 gegründete Berliner Startup gilt als aussichtsreichstes deutsches Factoring-Fintech. Bei den ausgewiesenen Erlösen handelt es sich laut GuV um „Zinserträge“, die im Geschäftsbericht wie folgt definiert werden: „Die Zinserträge bestehen ausschließlich aus zinsähnlichen Factoring-Gebühren.“

Billpay

Gegründet 2009 von Rocket Internet. Spezialist für Online-Rechnungskauf. Anfang 2017 vom schwedischen Super-Fintech Klarna übernommen. Bei den Umsatzerlösen haben wir uns auf die „Provisionserträge“ beschränkt und die „sonstigen betrieblichen Erträge“ (die u.a. aus Währungs-Umrechnungen resultieren) ausgeklammert. Im Geschäftsbericht heißt es: „Der Anstieg der Provisionserträge basierte vorwiegend auf dem Ausbau des Produkts Rechnungskauf.“

Creditshelf

Das Frankfurter Fintech vertreibt über eine Vergleich-Plattform KMU-Finanzierungen und gehört zu den wenigen börsennotierten deutschen Finanz-Startups. Die Umsatzerlöse stammen laut 2018er-Abschluss aus „Gebühren aus der Vermittlung von Krediten“ und „Gebühren aus der Bereitstellung von Leistungen an Investoren“.

CRX Markets

Der Münchner Working-Capital-Spezialist zählt den „Hidden Champions“ unter Deutschlands Fintechs – und wurde nach Informationen von Finanz-Szene.de bei der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 65 Mio. Euro bewertet. Als reine Vermittlungs-Plattform erzielt CRX Markets keine Zins-, sondern ausschließlich Provisionserträge. Zur Ertragsentwicklung findet sich im Abschluss folgender Hinweis: „2018 war für die Gesellschaft geprägt durch den Ausbau der bestehenden Finanzierungsprogramme mit den Kunden Nestlé, Vattenfall und Lufthansa.“

Decimo

Das Berliner Factoring-Fintech wurde kürzlich von der in Dresden ansässigen Elbe Finanzgruppe AG übernommen (die sich neuerdings Aifinyo nennt). Während in der GuV des 2017er-Abschlusses von „Zinserträgen“ in Höhe von rund 650.000 Euro die Rede ist, heißt es unter „Ertragslage“: „Gegenüber dem Vorjahr konnten 2017 sowohl der Umsatz als auch der Provisionsertrag deutlich gesteigert werden. Die Gebührenerträge betrugen 651 TEUR ggü. 244 TEUR im Vorjahr.“ Unserer Vermutung nach ist da kein Widerspruch, sondern lediglich eine Definitionsfrage (siehe auch weiter oben Billie).

Deposit Solutions

Der Hamburger Einlagen-Marktplatz sorgte jüngst durch den Einstieg der Deutschen Bank für Aufsehen. Was dagegen uns (und allen anderen Medien) verborgen blieb: Bereits im April hatte das angeblich zweite deutsche Fintech-Unicorn im Bundesanzeiger seine GuV für 2017 veröffentlicht. Bei der Erläuterung, woher die Umsatzerlöse in Höhe von 5,7 Mio. Euro genau stammen, blieb das Startup diffus: „Die Umsatzerlöse des Unternehmens beziehen sich hauptsächlich auf Dienstleistungen, Lizenzen, Software-Support und Wartungsverträge.“

Elinvar

Das Berliner Fintech (zu dessen Investoren Goldman Sachs zählt) hilft Privatbanken wie Warburg oder Donner & Reuschel bei der Digitalisierung ihres Geschäfts – und verdient nach unserem Verständnis an den Gebühren bzw. über einen „Revenue Share“.

Finanzcheck

Das Hamburger Ratenkredit-Vergleichsportal verdient an den Vertriebsprovisionen der Banken. Letztes Jahr wurde das Fintech von Scout24 übernommen – sodass sich im aktuellen Abschluss der Scout-Gruppe auch Hinweise auf den 2018er-Umsatz von Finanzcheck finden. Da die Zahlen laut Unternehmen aber nicht 1:1 mit den Zahlen der „Stand-alone-Finanzcheck“ vergleichbar sind, haben wir uns in der Tabelle auf die 2017er-Zahlen beschränkt.

Finleap

Die Berliner Fintech-Schmiede erbringt diverse Dienstleistungen für ihre Ventures- und erzielt (unter anderem?) auf diesem Wege durchaus beachtliche Erträge. Im Geschäftsbericht heißt es: „Die Umsatzerlöse wurden im Wesentlichen durch Beratungsleistungen, Sachleistungen sowie sonstige Leistungen (…) erzielt.“

Finreach

Die Umsatzzahlen von Finreach sind die einzigen unter den hier aufgeführten, die sich nicht dem Bundesanzeiger entnehmen lassen (wir haben sie anderweitig aufgetrieben …). Finreach hat in den vergangenen 12 bis 18 Monaten eine ziemliche Transformation durchgemacht – mit dem Ergebnis, dass das Fintech genauso wie die einstige Figo inzwischen zur neuen Finleap Connect gehört. Plausiblerweise würden wir allerdings vermuten, dass die 2018er-Erlöse noch zu einem Gutteil aus dem einstigen Kernprodukt stammen, nämlich dem Kontowechsel-Service.

Kreditech

Es ist nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet das deutsche Fintech, das bislang die höchsten Umsätze erzielt hat, auch das ist, das bald darauf in einer ernste finanzielle Problemlage geriet (aus der sich die Hanseaten mittlerweile wieder so ein bisschen befreit haben). Oder anders gesagt: Der Mikrokredit-Spezialist erzielte 2017 nicht zuletzt deshalb gut 70 Mio. Euro Umsatz, weil das Management bereit war, hierfür einen Cashburn von 58 Mio. Euro in Kauf zu nehmen (für Connaisseure hier alle Details).

N26

Alles, was sich zur Ertragslage der Berliner Challenger-Bank sagen lässt, haben wir hier gesagt. Und für alle, die meinen, Erträge von rund 11 Mio. Euro seien lächerlich in Relation zu dem Hype, der rund um N26 veranstaltet wird – wir sind da etwas anderer Meinung.

Orderbird

Das Berliner Fintech setzt (ähnlich wie weiter oben Aevi) auf eine eigenes Kassensystem für die Gastronomie. Während Aevi – wenn wir es richtig verstehen – den Fokus zumindest anfangs auf die Hardware richtete, setzt Orderbird sein System auf das iPad auf und konzentriert sich auf die Software-Komponenten. Im Geschäftsbericht heißt es: „Die Umsatzerlöse resultieren im Wesentlichen aus der Erbringung von Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Software für mobile Datenübertragungsgeräte und der Entwicklung von Kassensystemen sowie der Anbindung von Endkunden in den Prozess.“

Ottonova

Das Krankenversicherungs-Fintech war 2017 noch zu jung, als dass sich aus der GuV vernünftige Rückschlüsse ziehen lassen.

Ratepay

Das Geschäftsmodell ähnelt dem von Billpay (siehe weiter oben), und genau wie Billpay gehört auch Ratepay einer skandinavischen Mutter, nämlich dem dänischen Payment-Konzerns Nets (bzw. diversen dahinter stehenden Private-Equity-Investoren).

Savedroid

Über das Frankfurter Fintech ist alles gesagt, was zu sagen ist. Was den Umsatz von 0,0 Mio. Euro angeht, müssen wir fairerweise hinzufügen, dass es sich hierbei unfairerweise um einen abgerundeten Wert handelt. Tatsächlich erzielte Savedroid 2018 laut Geschäftsbericht Provisionserträge von sehr respektablen 65,42 Euro.

Solarisbank

Mit den (guten) 2018er-Zahlen des Berliner B2B-Fintechs haben wir uns dieser Tage erst intensiv auseinandergesetzt. Siehe hier: „Inside Solarisbank: Wie der Fintech-Darling auf Erträge kommt“.

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